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B978-3-437-42107-5.50058-2

10.1016/B978-3-437-42107-5.50058-2

978-3-437-42107-5

T1-gewichtetes MRT koronal; Aufweitung des Temporalhorns des linken Seitenventrikels, Volumenreduktion des Hippocampus. [51]

Einteilung der Polyneuropathien.

Tab. 2
Typ Charakteristika Krankheitsbilder
Distal-symmetrischer Typ (häufigste Form) Socken-, strumpf- oder handschuhförmige Sensibilitätsstörungen (untere Extremität > obere Extremität) Häufig bei Diabetes mellitus oder bei Alkoholkrankheit
Multiplex-Typ Asymmetrische Sensibilitätsstörungen Bei Diabetes mellitus, Kollagenosen, Zoster, Lyme-Borreliose
Proximaler Typ Sensibilitätsstörungen vorwiegend im Becken- und Schultergürtelbereich Zum Beispiel Diabetes mellitus

Differenzialdiagnostik Tremor.

Tab. 3
Tremorqualität Ursächliche Krankheitsbilder
Ruhetremor M. Parkinson
Intentionstremor Zerebelläre Ursachen (Kleinhirnschäden)
Haltetremor Physiologisch, essenzieller Tremor (orthostatisch, senil), Entzugssyndrom (Alkohol, Drogen, Nikotin), Hypoglykämie, Medikamente (Neuroleptika, MAO-Hemmer, Antidepressiva)
Flapping-Tremor (= Asterixis) M. Wilson (= hepatolentikuläre Degeneration)

Mini-mental-state-Test als Standard-Screeningverfahren bei Verdacht auf Demenz. Die Bewertung erfolgt durch das Addieren der erreichten Punktzahlen. Ein Normalbefund liegt zwischen 25 und 30 Punkten, eine leichte Demenz zwischen 22 und 24. Bei Werten unter 21 ist von einer erheblichen Demenz auszugehen.

Tab. 4
Geprüfte Neurologie Fragen/Aufgabenstellung Pkt.
Orientierung Frage nach Jahr, Jahreszeit, Monat, Wochentag, aktuellem Datum (je 1 Punkt) 0–5
Frage nach derzeitigem Aufenthaltsort; Land, Bundesland, Stadt, Klinik, Name des Arztes (je 1 Punkt) 0–5
Aufnahmefähigkeit Nachsprechen von drei Wörtern (ein Wort/Sek. vorsprechen) 0–3
Aufmerksamkeit/Rechnen Patient soll von 100 jeweils 7 subtrahieren (100–93–86–79–72–65), nach 5 Antworten wird abgebrochen (je 1 Punkt) 0–5
Kurzzeitgedächtnis Patient soll die vorgesprochenen (s. o.) Wörter wiederholen (je 1 Punkt) 0–3
Sprache Patient soll zwei gezeigte Gegenstände (Bleistift, Uhr) benennen (je 1 Punkt) Patient soll nachsprechen; Wie du mir, so ich dir (1 Punkt) 0–3
Ausführen einer Handlungsanweisung Nehmen Sie das Blatt Papier, falten Sie es und legen Sie es auf den Boden! (je 1 Punkt pro Handlungsschritt) 0–3
Lesen Patient soll lesen; Schließen Sie die Augen und die Handlung umsetzen 0–1
Schreiben Patient soll einen kurzen Satz nach eigener Wahl schreiben 0–1
Zeichnen Patient soll zwei sich überschneidende Fünfecke auf einem separaten Blatt nachzeichnen 0–1

Neurologische Leitsymptome II

Sensibilitätsstörungen (Fortsetzung)

Polyneuropathie (PNP)
Polyneuropathie ist der Sammelbegriff für vielfältige neurologische Störungen. Grundsätzlich entwickelt sich diese langsam progrediente Symptomatik aufgrund der Degeneration von Axonen (axonale Polyneuropathie) bzw. aufgrund von Veränderungen der Schwann-Myelinscheiden. Als Hauptursachen gelten in Deutschland der Diabetes mellitus (ca. 30 der Fälle) und die Alkoholkrankheit (ca. 25 ). Auch nutritive Resorptionsstörungen (s. u., Vitamindefizitsyndrome), hereditäre Formen, paraneoplastische Erkrankungen (z. B. Plasmozytom), System- und Infektionskrankheiten und exogen-toxische Einflüsse (Gifte, Medikamente) können eine PNP hervorrufen.
Klinik
Eine Einteilung erfolgt nach der Lokalisation der Neuropathien ( Tab. 2). Als Hauptsymptome präsentieren sich Sensibilitätsstörungen (Parästhesien, Spontanschmerzen, quälende Brennschmerzen, burning feet) und motorische Störungen (Atrophie der Mm. interossei und der Tibialislogenmuskulatur, Wadenkrämpfe, restless legs). Aber auch ein Hirnnervenbefall (vorwiegend doppelseitige Fazialisparese) und vegetative Störungen (Trophik der Muskulatur, Blasenstörungen) sind mögliche Symptome.

Lähmungen

Unter diesem Beschwerdebild versteht man einen motorischen oder sensiblen Ausfall von Nerven. Bei vollständigem Ausfall spricht man von einer Plegie bzw. Paralyse, bei einer Minderung der motorischen oder sensiblen Leitfähigkeit liegt eine Parese vor. Ursächlich können für den Ausfall neurologische, vaskuläre, toxische, infektiöse, neoplastische oder psychogene Faktoren eine Rolle spielen. Unerlässlich für die Unterscheidung der verschiedenen Ursachen sind auch hier Beginn und Dauer, Auslöser, Lokalisation, Ausbreitung und Begleitsymptomatik.

Tremor

Als Tremor werden unwillkürlich auftretende, rhythmische Kontraktionen antagonistischer Muskeln bezeichnet. Wichtige Unterscheidungsmöglichkeiten eines Tremors sind Frequenz und der Zeitpunkt des Auftretens ( Tab. 3).
M. Parkinson
Die Parkinson-Krankheit, oder auch Parkinson-Syndrom, ist definiert über eine progrediente Degeneration des extrapyramidalmotorischen Systems. In der Substantia nigra des Mittelhirns kommt es zu einem Ausfall dopaminerger Neuronen, der zu einer Enthemmung der cholinergen Übertragung führt. Die sich dadurch entwickelnde klinische Symptomatik ist durch die Trias Tremor, Rigor und Akinese charakterisiert. Die Inzidenz beträgt ca. 20/100000/Jahr, das Manifestationsalter liegt zwischen 40 und 60 Jahren.
Klinik
Tremor
Rhythmisch-regelmäßiger, grobschlägiger Tremor (ca. 4–7/Sek.), der distal betont ist und vermehrt in Ruhe auftritt. Eine typische Beschreibung der Aktivität sind das Pillendrehen (Fingertremor), das Geldzählen (Handtremor) oder das Rabbit-Phänomen (Mümmeln). Emotionen steigern die Tremoraktivität, bei einer Intentionsbewegung nimmt der Tremor merklich ab.
Rigor
Zunahme des Muskeltonus mit einem spürbar zähen, wächsernen Widerstand. Charakteristisch ist das Zahnradphänomen bei passiver Streckung im Ellbogengelenk bzw. der positive Kopf-Falltest, bei dem der Untersucher den Kopf des liegenden Patienten anhebt und plötzlich fallen lässt. Parkinson-Patienten (auch im Frühstadium der Erkrankung) senken den Kopf aufgrund des Nackenrigors nur langsam. Bei einem frühen Befall der Schulter-Nacken-Region verspüren die Patienten den erhöhten Muskeltonus als Steifigkeitsgefühl oder Nackenschmerzen. Der Stoß-Test ist ein weiterer Beweis einer Hypokinese. Hierbei wird dem stehenden Patienten ein Stoß versetzt. Während ein gesunder Mensch diesen abfangen kann, ist dies dem Parkinson-Patienten nicht möglich, und er gerät ins Trippeln. Allerdings besteht bei diesem Versuch erhöhte Sturzgefahr!
Akinese/Hypokinese
Mit Hypo- und Akinese bezeichnet man verschiedene Bewegungsauffälligkeiten. Eine deutliche Verlangsamung aller Bewegungen, eine Starthemmung bei beabsichtigtem Losgehen, fehlende Mitbewegung der angewinkelten Arme beim Gehen und ein kleinschrittiges, schlurfendes Gangbild sind einige Beispiele. Aber auch das eigentümliche Maskengesicht (Hypomimie) mit seltenem Lidschlag, Augenmotilitätsstörungen und die Mikrografie (kleiner werdende Schrift) sind typische Merkmale.
Sonstige Symptome
Neben der klassischen Trias finden sich weitere klinische Auffälligkeiten, z. B.:
  • Vegetative Symptome; Salbengesicht (durch Seborrhö), Schwitzen, Blasenstörungen Speichelfluss, Impotenz, reduzierte Libido

  • Sensorische Symptome; Riechstörung, Verminderung des Farbsehens

  • Psychische Symptome; Schlaf-, Antriebs- und Affektstörungen, depressive Verstimmung, Verlangsamung des Denkens

Demenz

Als Demenz wird eine anhaltende Veränderung der intellektuellen Fähigkeiten mit kognitiven Störungen, Störungen der Wahrnehmung, des Denkens und der Orientierung und die Veränderung der Persönlichkeit bezeichnet. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung mit einer bisher noch nicht geklärten progredienten Hirnatrophie ( Abb. 2). Von diesem Demenztypus sind weltweit ca. 10 Millionen Menschen betroffen. Klinische Symptome sind neuropsychologische Defekte wie Gedächtnis- und Sprachstörungen, aber auch Aphasie, Apraxie, Agnosie (Erkennungsstörungen) und Alexie. Die vaskulären Demenzen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Multiinfarktsyndrom, M. Binswanger oder die CADASIL-Erkrankung (zerebrale autosomal-dominante Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukenzephalopathie) stellen einen weiteren großen Teil der demenziellen Erkrankungen dar. Auch hier imponiert ein intellektueller Abbau mit Störung der Merkfähigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und neurologischen Ausfällen.
Als Standard-Screeningmethode bei Demenzerkrankungen dient der sog. MMST (engl. mini mental state test, bei dem die kognitiven Funktionen des Patienten (Verwirrtheit, Desorientierung) geprüft werden ( Tab. 4).

Krampfanfälle

Unter einem Anfallsleiden versteht man plötzlich auftretende, rezidivierende Funktionsstörungen des Gehirns infolge einer unkontrollierten, exzessiven Entladung von Neuronen. Neben endogenen Faktoren (erbliche Disposition, idiopathisch) spielen auch exogene Ursachen (organische Gehirnschädigungen) eine wichtige Rolle bei der Entstehung. Die Lebenszeitprävalenz von bis zu 5 verdeutlicht, dass jeder 20. Mensch mindestens einmal in seinem Leben einen Krampfanfall erleidet.
Klinik
Der Anfall ist meist von einem Prodromalstadium eingeleitet, die Patienten verspüren eine Aura, z. B. in Form von Störungen der Sinneswahrnehmung. Von großer Bedeutung für die Diagnostik und Therapie ist die Anfallsanamnese. Sowohl die Anfallsschilderung (eigen- und fremdanamnestisch) mit evtl. eingetretenen Symptomen wie Bewusstlosigkeit, Zungenbiss, Urin- oder Kotabgang, aber auch die Anfallsfrequenz und denkbare Auslöser (z. B. Schlafmangel, Stress) geben hier einen Gesamtüberblick über das Ausmaß der Erkrankung. Ein Unterscheidungskriterium zu psychogenen Anfällen ist die schnelle Erholung bei Epileptikern nach einem Anfall, während Patienten mit psychogenen Anfallsleiden nach dem Anfall oft lange nicht ansprechbar sind und nur inadäquat auf die Umwelt reagieren.

Zusammenfassung

  • Durch eine gezielte Befragung des Patienten können gefährliche Verläufe bei Kopfschmerzpatienten erkannt werden.

  • Man unterscheidet einen vestibulären von einem zentralen, visuellen, orthostatischen oder psychogenen Schwindel.

  • Als Tinnitus bezeichnet man ein – fast immer nur subjektiv empfundenes – Ohrgeräusch mit vielfältigster Ätiologie.

  • Ein positives Lhermitte-Zeichen kann Anzeichen für eine MS sein.

  • Typische Symptome einer PNP sind Gefühlsstörungen und Lähmungen.

  • Es werden verschiedene Tremorarten unterschieden, die unterschiedlichen Krankheiten zugeordnet werden.

  • Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung.

  • Unter einem Anfallsleiden versteht man plötzlich auftretende, rezidivierende Funktionsstörungen des Gehirns infolge einer unkontrollierten, exzessiven Entladung von Neuronen.

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