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B978-3-437-42107-5.50014-4

10.1016/B978-3-437-42107-5.50014-4

978-3-437-42107-5

Aufsicht auf ein normales Trommelfell. [6]

Vordere Rhinoskopie. [7]

Hintere Rhinoskopie. [7]

Häufige Differenzialdiagnosen zu Schwindel.

Tab. 1
Mögliche Erkrankungen
Vestibulär M. Menire (attackenartiger Drehschwindel), Neuritis vestibularis (akuter Drehschwindel), paroxysmaler Lagerungsschwindel
Kardiovaskulär Hypotonie, Herzinsuffizienz, orthostatische Dysregulation
Zentral Tumoren, Enzephalitis, Meningitis, multiple Sklerose
Weitere Ursachen Kinetosen, Angstschwindel, Phobien

Ohren und Nase

Die detaillierte Untersuchung von Nase und Ohren gehört genauso wie die Untersuchung von Mund und Rachen in das HNO-ärztliche Fachgebiet. Für eine orientierende Untersuchung bedarf es lediglich bestimmter Instrumente wie z. B. des Rhinoskops, Otoskops bzw. eines Holzspatels.

Für die Spiegeltechnik sitzt der Untersucher, ausgerüstet mit einem Kopfspiegel, dem Patienten gegenüber und schaut ihn frontal an. Rechts über dem Kopf des Patienten befindet sich eine Lichtquelle. Mithilfe dieses homogenen Lichts und des Spiegels lässt sich das Arbeitsumfeld fokussieren und mit beiden Händen frei arbeiten.

Ohren

Die häufigsten Beschwerdesymptome im Bereich der Ohren sind Schmerzen, Schwerhörigkeit, Schwindel und Tinnitus. In der differenzialdiagnostischen Abklärung von Ohrenschmerzen sollte nach Beginn (akut/langsam), Art, Lokalisation, Sekretion und Begleitsymptomen (Lymphknotenschwellung, Fieber, Hörverlust) gefragt werden.
Außerdem entscheidend sind aktuelle Infekte der oberen Luftröhre (Fortleitung durch die Tuben), hygienische Maßnahmen (Wattestäbchen) oder auch Grunderkrankungen mit Prädisposition für Ohrenentzündungen (z. B. Diabetes mellitus). Eine Verminderung oder sogar ein Verlust der Hörfähigkeit kann in jeder Altersstufe auftreten und viele Ursachen wie Ohrenentzündungen, Medikamenteneinnahme oder Durchblutungsstörungen haben. Als Tinnitus bezeichnet man vom Patienten subjektiv wahrgenommene Geräusche oder Töne im Ohr. Mögliche traumatische, vaskuläre, toxische, otogene oder neoplastische Ursachen sind auszuschließen. Schwindel ist eine primäre Störung des vestibulären Anteils des Hör- und Gleichgewichtsorgans. Die oft als sehr unangenehm empfundene Störung der Orientierung im Raum kann auch andere Ursachen haben ( Tab. 1) und der Patient sollte ebenfalls nach Beginn, Dauer, Auslöser, Besonderheiten und Begleitsymptomen gefragt werden.
Inspektion/Palpation
Die äußeren Strukturen der Ohren werden nach Fehlbildungen, Narben, Tumoren, Ekzemen, Entzündungszeichen, Konsistenzvermehrungen in Knorpel und Haut (z. B. Tophi bei Gicht) und Sekretionen, z. B. von Blut als Zeichen einer Schädelbasisfraktur, begutachtet. Dann werden Ohrmuschel, Tragus, Mastoid sowie die regionalen Lymphknoten palpiert und auf Druckschmerzhaftigkeit überprüft. Ein Tragusdruckschmerz spricht beim Erwachsenen für eine Otitis externa, bei Säuglingen evtl. auch für eine Otitis media.
Spezielle Untersuchung/Funktionstests
Otoskopie
Die otoskopische Untersuchung dient der Inspektion des Gehörgangs und des Trommelfells und wird mithilfe eines Otoskops durchgeführt. Für die Untersuchung des linken Patientenohrs sitzt der Untersucher links neben dem Patienten, zieht mit seiner linken Hand das Ohr nach hinten oben und führt mit seiner rechten Hand vorsichtig das Otoskop ein. Jetzt lassen sich sowohl der Gehörgang als auch das Trommelfell beurteilen ( Abb. 1). Wichtige Trommelfellpathologien sind eine Rötung und Vorwölbung bei Otitis media, eine Retraktion des Trommelfells bei Mittelohrkatarrh, eine Perforation nach Trauma, eine Ergusslinie bei vorliegendem Paukenerguss und ein randständiger Defekt bei Cholesteatom.
Druckausgleichstest
Mit dem Versuch des Druckausgleichs zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr kann man die Durchgängigkeit der Tuben (Eustach-Röhren) überprüfen. Beim Valsalva-Versuch lässt man den Patienten mit zugehaltener Nase und geschlossenem Mund Luft in die Paukenhöhle pressen. Der Patient spürt hier ein Knacken im Ohr, das mit der Vorwölbung des Trommelfells synchron ist. Der Politzer-Versuch (Gummiballon in Nasenloch, Wasser schlucken) und der Toynbee-Versuch (Inspektion des Trommelfells bei Schlucken und zugehaltener Nase) dienen ebenfalls der Durchgängigkeitsüberprüfung der Tuben.
Hörtest
Die klassische Hörweitenprüfung erfolgt in einem Abstand von 6 m zum zu untersuchenden Ohr. Der Patient hält sich selbst das andere Ohr zu, der Untersucher flüstert viersilbige Zahlenwörter (z. B. Sechs-und-sech-zig), und der Patient wiederholt diese. Eine Unterscheidung zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsstörung erfolgt über den Rinne- und den Weber-Versuch. Hierfür wird eine 440-Hz-Stimmgabel benötigt.
Rinne-Versuch
Mit dem Rinne-Versuch werden die Luft- und Knochenleitung des jeweiligen Ohres verglichen. Die Stimmgabel wird angeschlagen und auf das Mastoid hinter dem Ohr aufgesetzt. Wenn der Patient nichts mehr hört, wird die Stimmgabel dicht vor den Meatus acusticus gehalten. Normalerweise hört der Patient den Stimmgabelton wieder, sobald diese ihm vor das
Ohr gehalten wird – die Luftleitung ist lauter als die Knochenleitung, der Rinne-Versuch wird als positiv gewertet. Bei negativem Befund liegt eine Schallleitungsstörung vor, welche durch eine Mittelohrentzündung oder einen Tubenkatarrh verursacht sein kann.
Weber-Versuch
Der Weber-Versuch vergleicht die Hörfähigkeit der Knochenleitung beider Ohren. Die Stimmgabel wird angeschlagen und in die Mitte des Schädels gesetzt. Der gesunde Patient hört den Ton auf beiden Ohren gleich laut. Bei Vorliegen einer einseitigen Schallleitungsstörung hört der Patient den Ton auf der kranken Seite lauter, die Knochenleitung ist hier dominant. Bei einer einseitigen Schallempfindungsstörung hört der Patient den Ton auf der gesunden Seite lauter, hier ist meist eine irreversible Innenohrschädigung der Grund.
Gleichgewichtsprüfung
Für die Diagnosestellung des Schwindels ist eine genaue Anamnese ( Tab. 1) unabdingbar. Einfache Untersuchungsverfahren sind hier der Unterberger-Tretversuch bzw. der Romberg Versuch oder der Seiltänzergang (s. S. 98). Die Untersuchung des Nystagmus (= ruckartige, unwillkürliche Augenbewegungen, Definition immer nach der schnell schlagenden Komponente) erfolgt mittels der Frenzel-Brille, die mit mind. 15-dpt-Linsen ausgestattet ist und an deren Seiten zwei Lämpchen befestigt sind. Bei abgedunkeltem Raum wird der Patient mit aufgesetzter Brille einem Drehreiz ausgesetzt und der Nystagmus im Anschluss überprüft.

Nase, Nasennebenhöhlen

Die Hauptbeschwerde im Nasen- und Nasennebenhöhlenbereich ist das Nasenbluten (Epistaxis). Häufigster Grund ist eine mechanische Reizung oder Gefäßverletzung des Locus Kiesselbachii, eines Venenplexus am vorderen Nasenseptum. Allerdings können auch hämatologische, paraneoplastische oder entzündliche Ursachen bzw. die Einnahme von Medikamenten zu einem vermehrten Nasenbluten führen.
Inspektion/Palpation
Die äußere Struktur der Nase wird im Hinblick auf Fehlstellungen (Deviation nach Trauma), Schwellungen (z. B. bei Furunkeln), Farbe (Rötung) und Konsistenzveränderungen (z. B. bei Rhinophym) betrachtet. Für die Untersuchung des Naseneingangs wird die Nasenspitze vorsichtig nach oben gedrückt. So lassen sich Fremdkörper, Nasenseptumdeviationen, Septumhämatome (bläulich rote Schwellung) oder auch Polypen erkennen. Besonders zu achten ist auf potenzielles Nasensekret und dessen Farbe und Konsistenz. Die Bandbreite reicht von serös (z. B. bei Heuschnupfen) über mukös (z. B. bei bakteriellen Entzündungen), blutig (z. B. nach Trauma) bis klar wässrig (z. B. bei Liquorrhö). Um die Durchgängigkeit zu überprüfen, lässt man den Patienten durch ein Nasenloch ausatmen, während das andere Nasenloch zugehalten wird. Die Sprache des Patienten ist ebenfalls ein wichtiges Diagnostikum.
So lässt eine sehr näselnde Sprache an einen Verschluss der Nase (Rhinolalia clausa), eine sehr klanglose Sprache an einen unvollständigen Rachenabschluss (Rhinolalia aperta) denken. Schließlich erfolgt die Palpation, um Weichteil- und Hauttumoren (z. B. Basaliome) aufzuspüren.
Spezielle Untersuchung
Die Überprüfung der Riechfunktion (s. S. 86) erfolgt mit bestimmten Riechstoffen (Olfaktorius-, Trigeminusriechstoffe). Eine spezielle Untersuchungstechnik für eine Beurteilung des Naseninneren ist die Rhinoskopie. Mit der vorderen Rhinoskopie (Rhinoscopia anterior, Abb. 2) lassen sich Nasenboden, Nasengang, die Nasenmuscheln und das Septum beurteilen und Pathologien wie Septumdeviationen, Polypen, Borkenbildung oder Muschelschwellungen diagnostizieren. Die hintere Rhinoskopie (Rhinoscopia posterior, Abb. 3) erfolgt vom Nasen-Rachen-Raum aus. Hier lassen sich die Nasenmuscheln von hinten und die Einmündungsgänge der Eustach-Röhre beurteilen und Adenoide diagnostizieren.

Zusammenfassung

  • Die HNO-ärztliche Untersuchung mittels Spiegeltechnik ist meist den HNO-Ärzten vorbehalten.

  • Neben vestibulären Ursachen kann Schwindel auch mit kardiovaskulären oder zentralnervösen Erkrankungen assoziiert sein.

  • Die Otoskopie dient der Inspektion des Gehörgangs und des Trommelfells.

  • Häufigster Grund für Nasenbluten ist eine Verletzung des Locus Kiesselbachii im vorderen Nasenseptumbereich.

  • Die Rhinoskopie dient der genauen Inspektion der Schleimhäute im Naseninneren.

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