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B978-3-437-42107-5.50079-X

10.1016/B978-3-437-42107-5.50079-X

978-3-437-42107-5

Organische und psychische Ursachen für Bauchschmerzen bei Kindern.

Tab. 1
Organische Ursachen Psychische Ursachen
  • Infektionskrankheiten (Masern, Mumps, Röteln, Scharlach)

  • Appendizitis

  • Nahrungsmittelintoleranzen (z. B. Laktoseunverträglichkeit), Allergien

  • Streit oder Trennung der Eltern, Verlust von Angehörigen

  • Überforderung, Vernachlässigung des Kindes

  • Wohnortwechsel, Trennung von Bezugspersonen (Freunden)

  • Leistungsdruck in der Schule

Hinweise auf potenzielle Misshandlungsfälle.

Tab. 2
  • Multiple Verletzungen verschiedenen Alters

  • Schädelverletzungen (Brillenhämatome, Retinablutungen, Kopfschwartenhämatome)

  • Hämatome, Bisswunden, Fingereindrücke verschiedenen Alters

  • Multiple Frakturen, Epiphysenlösungen

  • Verletzungen, Entzündungen, Rötungen im Genital- und Analbereich

  • Erklärungsnöte und fadenscheinige Erklärungen der Eltern

Wichtige Aspekte einer Anfallsanamnese bei Kleinkindern .

Tab. 3
  • Begleiterkrankungen (Infektion, Kopfschmerzen, Trauma)

  • Bewusstseinslage des Kindes

  • Atemstillstand während des Anfalls

  • Fiebertemperatur

  • Einnässen, Einkoten

  • Tonisch-klonische Krämpfe

  • Initialschrei, Aura

Pädiatrische Leitsymptome

Bauchschmerzen

Bauchschmerzen sind bei Kindern bis drei Jahren ein sehr häufiges Symptom bei Beschwerden aller Art – fast alle Krankheiten, Befindlichkeitsstörungen und psychischen Defizite können sich in diesem Entwicklungsstadium auf den Bauch projizieren. Eine differenzierte Anamneseerhebung wird primär durch den Umstand, dass die Kinder die Schmerzen nicht verbal beschreiben und lokalisieren können, entscheidend erschwert. Hier ist der Arzt auf die fremdanamnestischen Angaben der Eltern und die subtilen Schmerzäußerungen des Kindes, wie z. B. Schreien, Schluchzen oder Stöhnen, angewiesen. Säuglinge und Kleinkinder äußern Schmerzen u. a. in einem sog. Schrei-Weinen, einem Aufschreien in hoher Tonlage. Weitere Anzeichen des Schmerzausdrucks können zusammengekniffene Augen, Fingerkauen, ein (schmerz)verzerrtes Gesicht oder eine eingenommene Schonhaltung mit angezogenen Beinen sein. Grundsätzlich kann man bzgl. der subjektiven Schmerzintensität bei Kindern feststellen, dass die Schmerzen als heftig anzunehmen sind, wenn das Kind sein normales, allgemeines Verhalten (Essen, Schlafen, Spielen) nicht mehr zeigt bzw. auffällig erregt oder sehr gedämpft wirkt. Differenzialdiagnostisch müssen organische Erkrankungen, z. B. die Infektionserkrankungen Masern, Mumps und Scharlach, von psychisch bedingten Befindlichkeitsstörungen abgegrenzt werden ( Tab. 1).

Geistig-motorische Entwicklungsverzögerung

Geistig-motorische Entwicklungsverzögerungen sind auf den ersten Blick – abgesehen von kongenitalen Krankheitsbildern wie Down-Syndrom, Hydrozephalus oder Stoffwechselkrankheiten – nur schwer zu erkennen und zu diagnostizieren. Meist kann man über eine langjährige Betreuung und in Zusammenarbeit mit Psychologen und lernfördernden Einrichtungen (Kindergarten, Schulen) zu einer objektiven Beurteilung kommen. So sehr hier die Mitarbeit der Eltern über eine genaueBeobachtung ihres Kindes wünschenswert ist, muss sich der Arzt der subjektiven Sicht der Eltern (mit evtl. Beschönigen der Situation) bewusst sein.

Erbrechen

Erbrechen im Säuglings- und Kindesalter ist ein abklärungsbedürftiges Symptom, v. a. wenn es anfallartig oder rezidivierend auftritt. Wichtig ist hier wiederum eine genaue Beschreibung der Symptome durch die Eltern. Tritt das Erbrechen direkt nach dem Trinken auf und ist es schwallartig, so muss man von einer unbedingt behandlungsbedürftigen Pylorusstenose ausgehen. Findet sich Galle in dem Erbrochenen, ist eine Obstruktion des Darms zu vermuten. Für schleimiges Erbrechen ist i. d. R. eine Ösophagusatresie verantwortlich. Aber auch schwere, zentralnervöse Erkrankungen, Infektionskrankheiten und psychogene Faktoren sind grundsätzlich differenzialdiagnostisch abzuklären.

Verletzungen/Misshandlungen

Verletzungen kommen im Kindesalter aufgrund der für Kinder üblichen Agilität sehr häufig vor. Schürfwunden und oberflächliche Hautverletzungen werden meist bereits von den Eltern versorgt. Bei schwerwiegenderen Verletzungen (z. B. Fahrradstürzen, V. a. Frakturen) ist eine funktionelle und apparative Untersuchung durch einen Arzt angebracht. Diese richtet sich nach dem Verletzungsmuster und ist den einzelnen Kapiteln dieses Buches zu entnehmen.
Allerdings muss der Arzt für bestimmte Unregelmäßigkeiten bei Verletzungsmustern und -häufigkeiten sensibel sein ( Tab. 2) – körperliche Misshandlungen haben auch in der Bundesrepublik eine hohe Dunkelziffer. Sie kommen in allen Altersgruppen und sozialen Schichten vor. Besonders die Konfrontation der Eltern mit dieser Thematik ist sicher nicht sehr einfach, jedoch eine unabdingbare Aufgabe des Arztes.

Atembeschwerden

Die Definition für eine Dyspnoe ist dem Alter des Kindes anzupassen. So kann man beispielsweise bei Neugeborenen erst ab einer Atemfrequenz von über 60/Min. von einer Dyspnoe sprechen. Als häufigster Grund fungiert hier das Atemnotsyndrom bei fehlender Lungenreifung. Bei Kleinkindern stellen Lungenentzündung und die Fremdkörperaspiration eine wichtige Ursache der Dyspnoe dar. Klinische Auffälligkeiten bei Kindern sind Nasenflügeln, thorakale Einziehungen und ein Rückwärtsbeugen des Kopfes.
Ein Stridor ist die Folge einer Obstruktion der oberen Atemwege (Larynx, Pharynx) aufgrund einer Entzündung, eines Tumors oder eines Fremdkörpers. Diagnostisch wegweisend ist die Unterscheidung zwischen inspiratorischem und exspiratorischem Stridor. Während die Ursache eines inspiratorischen Stridors ein Krupp-Anfall (bei Diphtherie) oder ein Krupp-Syndrom (bei Laryngotracheobronchitis) sein kann, ist der exspiratorische Stridor u. a. ein Symptom eines obstruktiven Asthma bronchiale.

Fieber

Kleinkinder können innerhalb kurzer Zeit sehr hohe Temperaturen entwickeln, was zunächst eine schwere Erkrankung erwarten lässt. Allerdings müssen hier sowohl die Temperaturmessung und der Temperaturverlauf als auch die Agilität und weitere Begleitsymptome wie Husten, Schnupfen, Hals- und Ohrenschmerzen, Unruhe, Ausschläge (Exantheme) oder Apathie für eine Diagnose herangezogen werden. Die häufigste Ursache von Fieber bei Kindern sind Infektionen der oberen Atemwege.

Husten/Schnupfen

Husten und Schnupfen werden gern als Vorboten einer banalen Erkältung beschrieben. Allerdings lassen sich durch die Beschreibung des Hustens (trocken, produktiv) und der Farbe des abgesonderten Sekrets Schlüsse auf eine virale, bakterielle oder allergische Ursache dieser Symptome ziehen. Während ein eitrig-gelbes Nasen- und Bronchialsekret auf eine bakterielle Infektion hindeutet, ist ein wässrig-klares Sekret mehr einer allergischen oder viralen Ursache zuzuordnen. Anfallweise auftretender, krampfartiger Husten, teilweise bis zum Erbrechen, deutet auf Keuchhusten, Asthma oder Mukoviszidose hin. Bei einem blutigen Sekret ist eine Inspektion des Mund-, Nasen- und Rachenraums mit der Fragestellung einer Blutungsquelle der oberen oder unteren Atemwege (Trauma, Infektion) obligat.

Krämpfe

Epileptische Anfälle sind für Kind und Eltern aufgrund ihrer Dramatik (tonischklonische Krämpfe) eine sehr beunruhigende Situation und überfordern diese normalerweise. Allerdings sind die meisten Anfälle im Kindesalter Gelegenheitskrämpfe, basierend auf akuten Krankheiten oder Stoffwechselstörungen, so z. B. bei Fieber, Elektrolytentgleisungen, Hypoglykämie oder Meningitis. Wichtigediagnostische Aspekte sind hier die genaue Beschreibung des Krampfes durch die Eltern (Auslöser, Ort, Art, Dauer), da man als Untersucher diese Anfälle normalerweise nicht miterlebt. Weitere abklärungsbedürftige Punkte sind in Tabelle 3 aufgeführt.

Enuresis

Als Enuresis bezeichnet man das Bettnässen von Kindern, wobei eine primäre Form (Kind war nie trocken) und eine sekundäre Form (Kind war schon trocken) zu unterscheiden sind. Bei einem vierjährigen Kind ist die Blasenkontrolle tagsüber und nachts zu 90 erreicht. Ursächlich, v. a. bei der sekundären Form, kommen psychogene Faktoren wie regressive Reaktionen (z. B. bei Geburt eines Geschwisterkindes) oder auch Konfliktsituationen innerhalb der Familie infrage. Allerdings müssen auch organische Ursachen wie Harninkontinenz, Harnwegsinfekt oder Epilepsie ausgeschlossen werden.

Zusammenfassung

  • Bauchschmerzen sind bei Kindern der zentrale Projektionsort für Beschwerden aller Art.

  • Die geistig-motorische Entwicklung sollte diagnostisch/therapeutisch zusammen mit Eltern, Psychologen und der lernfördernden Einrichtung erfolgen.

  • Schwallartiges Erbrechen bei Neugeborenen deutet auf eine Pylorusstenose hin.

  • Kleinkinder können auch bei banalen Infekten innerhalb kurzer Zeit sehr hohe Temperaturen entwickeln.

  • Die meisten Anfälle bei Kindern sind Gelegenheitskrämpfe, so z. B. der Fieberkrampf, und haben keinen chronischen Charakter.

  • Bei einer Enuresis müssen neben den psychogenen auch organische Ursachen abgeklärt werden.

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