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B978-3-437-42107-5.50075-2

10.1016/B978-3-437-42107-5.50075-2

978-3-437-42107-5

Entwicklungsschritte bei Kindern bis vier Jahren.

Tab. 1
Alter Motorik Sprache Sozialverhalten
1 Monat Kopf drehen Reaktion auf Geräusche Reaktion auf Ansprache
2 Monate Kopf heben in Bauchlage Einzelne Laute Erwidert Lachen
3 Monate Freies Halten und Seitwärtsdrehen des Kopfes Kopfdrehung zur Geräuschquelle hin Findet Blickkontakt
6 Monate Sitzen mit Hilfe, Drehen von Rücken in Bauchlage, gezieltes Greifen Imitation von Sprachlauten, Silbensprache Unterscheidung zwischen bekannt und fremd
9 Monate Freies Sitzen, Krabbeln, Hochziehen in den Stand, Pinzettengriff Doppelsilben, Imitation von Wörtern Fremdeln
12 Monate Freies Stehen, Laufen mit Unterstützung Reaktion auf eigenen Namen Ausdruck von Unbehagen
15 Monate Freies Gehen Einwortsätze, Papa, Mama Kann Aufmerksamkeit auf sich ziehen
18 Monate Treppensteigen mit Festhalten Zweiwortsätze (Wortschatz bis zu 5 Wörter) Kann aus Tasse trinken
24 Monate Einbeinstand, Rennen Dreiwortsätze Interaktionen mit anderen Kindern
36 Monate Hüpfen mit beiden Beinen Sechswortsätze (Wortschatz ca. 1 000 Wörter) Isst selbstständig mit Besteck
48 Monate Hüpfen auf einem Bein, Zehen- und Hackengang, Zeichnen von Menschen Benutzung der Ich-Form Selbstständiges Anziehen, schließt Freundschaften

Impfkalender nach Empfehlungen der STIKO 2004.

Tab. 2
Impfstoff Alter in vollendeten Monaten Alter in vollendeten Jahren
2 3 4 11–14 15 – 23 5 – 6 9 – 17 Ab 18
DTaP 1. 2. 3. 4.
DT/Td X A A A
aP A A
Hib 1. XX 2. 3.
IPV 1. XX 2. 3. A
HB 1. XX 2. 3. G
MMR 1. 2.
Varizellen 1. XXX
HPV SMXXXX

DTaP; Diphtherie-Tetanus-azelluläre Pertussis-Vakzine; DT; Diphtherie-Tetanus-Vakzine; Td; Tetanus-Diphtherie-Vakzine mit reduziertem Diphtherietoxoidgehalt; aP; azelluläre Pertussis-Vakzine; Hib; Haemophilusnfluenzae-Vakzine; IPV; inaktivierte Poliomyelitis-Vakzine; HB; Hepatitis-B-Vakzine; MMR; Masern-Mumps-Röteln-Vakzine A; Auffrischimpfung; G; Grundimpfung aller noch nicht geimpften Jugendlichen bzw. Komplettierung des Impfschutzes

X Ab einem Alter von fünf Jahren Verwendung eines Impfstoffs mit reduziertem Diphtherietoxoidgehalt (d)

XX Antigenkombinationen, die eine Pertussis-Komponente enthalten, werden nach dem für DTaP angegebenen Schema benutzt.

XXX Bei Verwendung des Kombinationsimpfstoffs MMRV ist eine 2. Dosis gegen Varizellen erforderlich.

XXXX Standardimpfungen für Mädchen

Pädiatrische Untersuchung I

Die pädiatrische Anamnese und Untersuchung erfolgen normalerweise zusammen mit den Eltern des Kindes und erfordern vom Untersucher neben der Konzentration auf das Kind auch ein Einbeziehen der elterlichen Auskünfte und Beratungsbedürfnisse. Die ermittelten Informationen basieren normalerweise auf der Auskunft der Eltern über ihr Kind. Der Arzt muss bei den sorgenvollen Schilderungen über Gesundheit und Verhalten des Kindes objektive von emotional beeinflussten Informationen klar trennen, was keine leichte Aufgabe ist. Aus der Beobachtung heraus kann sich der Untersucher während der Anamnese bereits einen ersten Eindruck über den Allgemein- und Ernährungszustand, körperliche und geistige Entwicklung und das Verhalten des Kindes machen.

Idealerweise bemerkt das Kind die klinische Untersuchung an ihm nicht. Dies erfordert allerdings vom Untersucher ein gutes Gespür bzw. eine gute Strategie, das Vertrauen des Kindes schnell zu gewinnen. Daraus resultiert, dass die pädiatrische Untersuchung oft nicht systematisch ablaufen kann, weil das Kind einfach nicht mitspielt. Ein großes Maß an Flexibilität und Verständnis, falls die Untersuchung nicht vervollständigt werden kann, erleichtert die medizinische Arbeit mit Kindern ungemein. Grundsätzlich sollte man für Anamnese und Untersuchung ein für Kind undEltern angenehmes Klima schaffen (z. B. Spielzeug zum Kennenlernen und Ablenken, Heizstrahler bei Neugeborenen). Untersuchungen, die das Kind erschrecken könnten oder bei denen das Kind einen leichten Schmerz verspüren könnte, stellt man am besten an das Ende der Untersuchung.

Die pädiatrische Anamnese
Aktuelles Beschwerdebild
Genau wie bei der Untersuchung von Erwachsenen konzentriert man sich zunächst auf den eigentlichen Behandlungsgrund, also auf die Haupt- und Leitsymptome. Bei Kindern sind dies häufig Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber, Durchfall, Infektionserkrankungen und Unfälle (s. S. 152 f.). Wichtige Informationen zu Beginn, Dauer, Art und möglichem Auslöser müssen erfragt werden. Aber auch vegetative Begleiterscheinungen wie Temperaturerhöhung oder Gewichtsverlust, Veränderungen im sozialen Umgang mit den Bezugspersonen ermöglichen Rückschlüsse auf die Schwere einer Erkrankung.
Persönliche Anamnese
Pränatalzeit
Wichtige Informationen lassen sich aus dem Alter der Mutter bei Geburt und der Einstellung zu der Schwangerschaft erfahren (gewünschtes oder ungewünschtes Kind). War es eine Erstgeburt oder ist die Mutter Mehrgebärende? Gab es im Verlauf der Schwangerschaft Besonderheiten oder Auffälligkeiten? Gab es Komplikationen wie Fehlgeburten, Aborte oder Strahlenexposition; bestand oder besteht ein Alkohol- oder Nikotinabusus?
Perinatalzeit
Informationen über Art (vaginal oder Kaiserschnitt) und Verlauf der Entbindung (ob und welche Anästhesie), den Entbindungszeitpunkt (Termingeburt, Frühgeburt, Übertragung), Geburtsgewicht und Größe des Kindes, Apgar-Score und evtl. Komplikationen sind hier von Bedeutung.
Neonatalzeit
In erster Linie ist der Gesundheitszustand von Kind und Mutter nach der Geburt relevant. Gab es Pathologien (z. B. Krämpfe, Zyanose, Anämie), sind bei der Ernährung (Stillen?) Probleme aufgetreten? Gab es Anlass zu einer stationären Nachsorge des Kindes?
Ernährung
Wichtig sind hier die Art (Brustmilch, Flaschenfütterung) und die Menge der Ernährung bzw. auch Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Wie ist das Trink- und Stuhlverhalten?
Entwicklung/Wachstum
Zur Entwicklung des Kindes sind mehrere Dimensionen zu erfragen. Grundsätzliche Informationen über Gewichtszunahme und Längenwachstum werden ergänzt durch Angaben über die motorische und sprachliche sowie über die intellektuelle und soziale Entwicklung. Hierbei helfen dem Untersucher die in Tabelle 1 angeführten Entwicklungsstadien eines Kindes. Die Mutter sollte nach diesen bzw. nach Verhaltensauffälligkeiten gefragt werden.
Vorerkrankungen/Infektionskrankheiten und Impfstatus
Neben der Frage nach den durchgemachten Erkrankungen (Unfälle, Frakturen) und insbesondere nach den Infektionskrankheiten Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Keuchhusten ist der derzeitige Impfstatus des Kindes sehr wichtig. Dieser sollte aus dem Impfpass ersichtlich sein. Die derzeitigen Impfempfehlungen des Robert Koch-Instituts (www.rki.de) sind in Tabelle 2 dargestellt.
Krankenhausaufenthalte/Medikamente
Alle Krankenhausaufenthalte und Operationen sollten dem Untersucher genau (Ort, Zeit) mitgeteilt werden. Auch die sich dadurch ergebende und aktuelle Medikation (verschreibungspflichtige und frei verkäufliche Präparate) des Kindes müssen nach Wirkstoff und Dosis, Dauer der Einnahme und Nebenwirkungen erörtert werden.
Sozial- und Familienanamnese
Das soziale Umfeld ist bei der Entwicklung des Kindes ein ganz wesentlicher Faktor. Deshalb sollte auch in der Anamnese nach den Lebensumständen, in denen das Kind aufwächst, gefragt werden; Wie ist die Familienkonstellation (Familie, alleinerziehend, Geschwister, Bezugspersonen)? Wie gestaltet sich der normale Tagesablauf (Kindergarten, Schule, Hort)? Wie ist das Spielverhalten des Kindes? Gibt es Problemfelder oder Erziehungsschwierigkeiten? Des Weiteren ist unter Berücksichtigung von Erbkrankheiten (z. B. Mukoviszidose) oder familiären Fehlbildungen (z. B. kongenitale Herzfehler) ein Stammbaum der Familie mit dem allgemeinen Gesundheitszustand der Eltern, Großeltern und Geschwister zu skizzieren.
Allergien
Sind den Eltern Allergien z. B. gegen Medikamente, Pflaster, Windeln, Nahrungsmittel, Kontrast- oder Desinfektionsmittel bekannt? Außerdem sind Krankheiten aus dem atopischen Formenkreis (Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis) relevant.
Systemüberblick
Ein abschließender Systemüberblick mit Fragen zu Auffälligkeiten im Allgemeinbefinden, Kopf-Hals-Bereich, Herz-Kreislauf-System, Atmung, Gastrointestinaltrakt und Neurologie rundet die Anamnese ab; danach geht man zur Untersuchung des Kindes über.

Zusammenfassung

  • Die Anamnese und Untersuchung bei Kindern erfordern Flexibilität des Untersuchers.

  • Die pädiatrische Anamnese ist weitgehend eine Fremdanamnese über den begleitenden Elternteil.

  • Die persönliche Anamnese umfasst einen ausführlichen Bericht der Mutter über Prä-, Peri- und Postnatalzeit.

  • Für die Beurteilung der Entwicklung des Kindes stehen dem Arzt bestimmte Entwicklungseckpunkte zur Verfügung, nach denen er fragen sollte.

  • Impfungen und Impfpass sollten routinemäßig kontrolliert werden.

  • Informationen über das soziale Umfeld des Kindes können dem Arzt wichtige Hinweise auf Störungen geben.

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