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B978-3-437-42107-5.50077-6

10.1016/B978-3-437-42107-5.50077-6

978-3-437-42107-5

Mögliche Herzerkrankungen bei bestehender Zyanose.

Tab. 6
Keine Zyanose Offener Ductus arteriosus, isolierte Pulmonalstenose, Aortenisthmusstenose, anormaler Ursprung der linken Koronararterie
Zyanose im Frühstadium Fallot-Tetralogie, Transposition der großen Gefäße, schwere Pulmonalstenosen mit intaktem Ventrikelseptum
Zyanose im Spätstadium Eisenmenger-Komplex, isolierte Pulmonalstenose, Fallot-Tetralogie, Septumdefekte

Thanner-Stadien der Geschlechtsentwicklung.

Tab. 7
Schambehaarung (Pubeshaare; Jungen und Mädchen)
Ph1 Infantiler Status, ohne Behaarung
Ph2 Einzelne, gering pigmentierte Haare an der Peniswurzel bzw. an den großen Labien
Ph3 Dunkel gekräuselte Haare breiten sich über der Symphyse aus
Ph4 Dichte Behaarung, die allerdings noch nicht auf den Oberschenkel übergreift
Ph5 Behaarung dehnt sich zudem auf den Oberschenkel aus
Ph6 Behaarung reicht über die Linea alba an den Nabel heran
Genitalstatus (Jungen)
G1 Infantiler Status
G2 Hodenvolumen von ca. 4 ml, das Skrotum wächst, der Penis ist größenunverändert
G3 Hodenvolumen und Skrotumgröße nehmen weiter zu, Penis wird länger
G4 Hodenvolumen beträgt ca. 12 ml, das Skrotum ist dunkel pigmentiert, der Penis ist länger und dicker
G5 Adulter Status
Brustentwicklung (Mädchen)
B1 Infantiler Status
B2 Brustdrüse ist vergrößert, der Warzenhof wölbt sich vor, der Durchmesser der Areola hat zugenommen
B3 Durch weiteres Wachstum ist das Volumen des Drüsenkörpers größer als das der Areola
B4 Warze und Areola haben sich vom Drüsenkörper abgesetzt
B5 Voll entwickelte Brust

Frühkindliche Reflexe.

Tab. 8
Name Überprüfung Physiologisch im Zeitraum von Geburt
Suchreflex Mundöffnung und Hinwenden des Kopfes bei Berührung der Wange Bis ca. 3. Monat
Saugreflex Das Kind fängt bei Berührung der Lippen zu saugen an. Bis ca. 3. Monat
Schreitreflex Schreitbewegungen des Kindes bei Berührung der Unterfläche Bis ca. 2. Monat
Glabella-Reflex Augenschluss bei Druck (mit Zeigefinger) auf die Stirnmitte des Kindes Bis ca. 2. Monat
Galant-Reflex Eine Reizung der paravertebralen Haut führt zu einer konkaven Bewegung der Wirbelsäule. Bis ca. 3. – 6. Monat
Moro-Reflex Auf eine plötzliche Abwärtsbewegung (Vorsicht!) reagiert das Kind mit einer Mundöffnung und einem Abspreizen der Finger. Bis ca. 5. Monat
Hand- und Fußgreifreflex Das Kind macht einen Hand- bzw. einen Plantarschluss bei Berührung der Hand- und Fußflächen. Handschluss; bis ca. 6. Monat Fußschluss; bis ca. 12. Monat
Babinski-Reflex Bei Bestreichen des lateralen Fußrandes kommt es zur Dorsalextension des großen Zehen bei gleichzeitiger Flexion der Zehen 2 – 5. Bis ca. 12. Monat
Landau-Reflex Der Untersucher beugt den Kopf des in Bauchlage angehobenen Kindes. Hierauf kommt es zu einer reflektorischen Beugung des gesamten Körpers (Stellreflex). 4. Monat bis ca. 3 Jahre

Pädiatrische Untersuchung III

Klinische Untersuchung (Fortsetzung)
Kardiovaskuläres System
Die Untersuchung des Herzens bei Kindern entspricht mit einigen Ausnahmen der Untersuchung von Erwachsenen. Eine orientierende Inspektion verschafft Klarheit über die ungefähre Herzgröße (s. Herzspitzenstoß), das Vorliegen einer Zyanose oder einer Minderversorgung einzelner Extremitäten. Neben der Erhebung des Pulsstatus wird auf evtl. Herzgeräusche hin auskultiert. Da bei Kindern fast immer irgendwann Herzgeräusche auskultierbar sind, muss man zwischen funktionellen und organisch bedingten Herzgeräuschen unterscheiden können.
Funktionelle Herzgeräusche
Das funktionelle, gutartige (akzidentelle) Herzgeräusch zeichnet sich durch ein Fortbestehen bei fehlenden weiteren Hinweisen auf eine kardiovaskuläre Erkrankung aus. Typisch ist ein kurzes, niederfrequentes Systolikum mit einer Lautstärke von unter 3/6, das am linken Sternalrand am besten auskultiert werden kann. Bei älteren Kindern kann ein akzidentelles Herzgeräusch als lageabhängiges Herzgeräusch (im Stehen bzw. Liegen) auftreten.
Organisch bedingte Herzgeräusche
Organisch bedingte Herzgeräusche werden durch angeborene oder erworbene Herzerkrankungen verursacht. Hier kommen verschiedene Grunderkrankungen infrage. Das gleichzeitige Auftreten einer Zyanose ermöglicht eine grundsätzliche Unterscheidung ( Tab. 6).
Respiratorisches System
Bei der Inspektion ist besonders auf eine Dyspnoe, Nasenflügeln oder Einziehungen der Interkostalmuskulatur zu achten. Die Perkussion ist im Gegensatz zur Untersuchung Erwachsener leiser durchzuführen, da auf diese Weise Dämpfungen besser gehört werden können. Die Auskultation ergibt meist ein für Kinder physiologisches, scharfes Atemgeräusch, das auch als pueriles Atmen bezeichnet wird.
Gastrointestinales System, Abdomen
Das Abdomen sollte in Rückenlage des Kindes untersucht werden, wobei kleine Kinder auf dem Schoß der Mutter bleiben können. Man sollte besonders darauf achten, warme Hände zu haben. Ein Anheben der Beine entspannt das Abdomen und erleichtert die Untersuchung. Die genaue Inspektion auf Rötungen, Vorwölbungen oder Schwellungenkann schon erste Hinweise auf Krankheitsbilder (z. B. Hernien) geben. Die Palpation sollte fern eines vermuteten Schmerzortes beginnen, und der Untersucher sollte sich behutsam zum Punkt des maximalen Schmerzes vortasten. Hierbei ist neben der Schmerzangabe auch der Gesichtsausdruck (z. B. Augenzusammenkneifen) ein wichtiger Indikator. Die Leber des Säuglings ist physiologisch groß und ca. 2 cm in der MCL unter dem Rippenbogen zu palpieren. Gelegentlich ist auch die Milz bei Kleinkindern physiologischerweise zu tasten. Bei Verdacht auf intraabdominale oder perirektale Erkrankungen erfolgt eine rektale Untersuchung mit dem kleinen Finger.
Urogenitales System
Achten Sie bei der Untersuchung der männlichen Genitalien besonders auf Fehlbildungen. Eine Epi- und Hypospadie kann man an einer Spaltung der Vorhaut an Penisober- bzw. -unterseite erkennen. Das Vorliegen einer Vorhautverengung (Phimose) wird bis zum 3. Lebensjahr als physiologisch angesehen. Ein Deszensus der Hoden ist normalerweise vor der Geburt abgeschlossen, allerdings bei bis zu 20 der Frühgeborenen unvollständig. Der Hoden ist vom Untersucher dann meist im Leistenkanal tastbar. Ab dem Alter von zwei Jahren sieht man den unvollständigen Deszensus als pathologisch an.
Die Untersuchung des Genitales weiblicher Säuglinge beschränkt sich auf die Inspektion der großen und kleinen Labien bzw. des Scheideneingangs. Anlass für eine ausführlichere gynäkologische Untersuchung sind pathologische Blutungen und der Verdacht auf Infektion, Fremdkörper, Tumoren, aber auch Misshandlungen. Der Pubertätsverlauf lässt sich anhand der Einteilung nach Thanner ( Tab. 7 und Anhang) überprüfen. Abweichungen, wie z. B. die Pubertas praecox (Pubertätseintritt vor dem 8. Lebensjahr) oder die Pubertas tarda (nach dem 16. Lebensjahr), werden dokumentiert, im Verlauf beobachtet und ggf. behandelt.
Muskuloskeletales System
Bei der Inspektion der Extremitäten sollte auf Fehlbildungen und Fehlhaltungen geachtet werden. Ein einseitig schlaff herabhängender Arm kann geburtstraumatische Ursachen (z. B. Plexusparese, Luxation, Fraktur) haben, eine Hemmung der Abduktion (Abspreizhemmung) der Beine ist ein Hinweis auf eine angeborene Hüftgelenksluxation. Diese Instabilität wurde früher mit dem Ortolani-Versuch verifiziert. Da dieser die Gefahr birgt, iatrogene Schäden zu verursachen, wird heute stattdessen die sonografische Hüftgelenksuntersuchung eingesetzt. Die Wirbelsäule wird im Verlauf insbesondere auf Fehlhaltungen überprüft.
Neurologie
Entscheidend ist bei der neurologischen Beurteilung das allgemeine Verhalten des Kindes. Wie wirkt das Kind; apathisch, unruhig, agitiert, rastlos, aufmerksamkeitsgestört? Was erzählt die Mutter über das Lern-, Spiel- oder Essverhalten ihres Kindes? In den ersten Lebensjahren ist es wichtig, neben den üblichen Sehnenreflexen wie PSR, ASR, Bauchdecken- oder Kremasterreflex auch die kindlichen Reflexe für eine Entwicklungsbeurteilung zu testen ( Tab. 8).
Ohren, Mund und Rachen
Des Weiteren sollten Augen und Ohren bzw. Mundhöhle und Rachenring beurteilt werden. Diese Untersuchung wird allerdings v. a. von Säuglingen und Kleinkindern nur schwer toleriert und sollte deshalb zum Schluss stattfinden. Bei der Mund- und Rachenuntersuchung wird der Kopf des Kindes mit der linken Hand fixiert, die rechte Hand drückt mit einem Holzspatel die Zunge sacht nach unten. Neben der Dentition wird der Rachenring auf Entzündungen inspiziert. Der Würgereflex sollte am Schluss der Untersuchung überprüft werden. Die Ohrinspektion erfolgt nach dem auf S. 20 beschriebenen Vorgehen.

Zusammenfassung

  • Funktionelle Herzgeräusche sind bei Kindern sehr häufig.

  • Der Pubertätsverlauf lässt sich nach Thanner in verschiedene Stadien einteilen.

  • Neben den üblichen Sehnenreflexen sollten bei den Untersuchungen die frühkindlichen Reflexe überprüft werden.

  • Der Babinski-Reflex ist bei Kindern bis zum 12. Lebensmonat physiologisch.

  • Die Untersuchung von Ohren, Rachen und Mund sollte am Schluss erfolgen, da sie für die Kinder meist sehr unangenehm ist.

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