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B978-3-437-42107-5.50051-X

10.1016/B978-3-437-42107-5.50051-X

978-3-437-42107-5

Dermatome der Haut. [25]

Untersuchung des Beins mit Wattebausch. [8]

Untersuchung der Vibration. [8]

Untersuchung der Temperatur. [8]

Untersuchung des Schmerzempfindens. [8]

Sensibilität

Die Untersuchung der Sensibilität ist unter Beachtung des Verteilungsmusters möglicher sensibler Störungen eine wertvolle Untersuchung zur genauen Lokalisation von Nervenläsionen.

Allgemeine Untersuchung
Bei der Überprüfung der Sensibilität untersucht man neben der epikritischen (Berührung) auch die protopathische (Schmerz, Temperatur) und die propriozeptive (Vibration, Lage) Sensibilität. Grundsätzlich ist die Untersuchung im Seitenvergleich durchzuführen. Der Patient sollte mit geschlossenen Augen entspannt liegen. Eine Inspektion des gesamten Körpers auf evtl. Muskel- oder Hautatrophien bzw. Verletzungen und Verbrennungen als Zeichen einer sensiblen Störung ist der erste Schritt des Untersuchungsvorgangs. Eine adäquate Mitarbeit des Patienten ist hier besonders wichtig, da das Erfassen und Beurteilen von eventuellen Pathologien letztlich auf dessen subjektiven Angaben basiert. Unterschieden werden einseitige oder beidseitige Ausfälle, aber auch symmetrische (z. B. bei Polyneuropathien) oder diffuse (z. B. bei multipler Sklerose) Sensibilitätsstörungen. Als Orientierung bei peripheren Nervenschädigungen dient die Einteilung in die jeweiligen Dermatome ( Abb. 1).
Spezielle Untersuchung/Befunde
Grundsätzlich lässt sich bzgl. Sensibilitätsstörungen festhalten, dass eine segmentale Ausbreitung auf eine Läsion in den sensiblen Hinterwurzeln des Rückenmarks schließen lässt. Eine periphere Sensibilitätsstörung hat als Ursache eine Läsion des peripheren Nervs. Leidet der Patient an einer halbseitigen Sensibilitätsstörung, so muss an zerebrale Läsionen gedacht werden.
Berührung (epikritische Sensibilität)
Die Beurteilung des Berührungsempfindens erfolgt über ein leichtes, seitenvergleichendes Bestreichen der Haut mit den Fingerspitzen, einem Wattebausch oder Pinsel ( Abb. 2). Pathologische Befunde in Form von Missempfindungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Brennen oder Prickeln bezeichnet man als Parästhesien. Werden diese als quälend empfunden, so spricht man von Dysästhesien. Eine herabgesetzte bzw. aufgehobene Berührungssensibilität nennt man Hypästhesie bzw. Anästhesie. Die gesteigerte Empfindung bezeichnet man als Hyperästhesie, die verstärkte, d. h. inadäquate Berührungsempfindlichkeit bei normalem Reiz Hyperalgesie.
Räumliches Auflösungsvermögen
Zur Beurteilung des räumlichen Auflösungsvermögens dienen die folgenden Untersuchungen;
  • Zwei-Punkte-Diskrimination: Zwei Nadeln (z. B. Zirkel) werden in unterschiedlichem Abstand auf die Haut aufgesetzt. Der Patient gibt an, ob er nur eine oder zwei verschiedene Berührungen wahrnimmt. Der Abstand, bei welchem der Patient zwei Berührungen noch differenzieren kann, wird dokumentiert.

  • Zahlenschrift: Der Untersucher schreibt mit seinem Finger verschiedene Zahlen auf die Haut (z. B. auf den Rücken) des Patienten. Dieser muss diese Zahlen ohne visuelle Kontrolle erkennen.

Vibration (Propriozeption)
Das Vibrationsempfinden wird mithilfe einer Stimmgabel (64 oder 128 Hertz) durchgeführt. Diese wird angeschlagen und von distal nach proximal (Innenknöchel Knie) an Knochenvorsprüngen aufgesetzt. Der Patient muss mit geschlossenen Augen angeben, ob und wie lange er in dem jeweiligen Knochen ein Vibrieren verspürt ( Abb. 3). Über die Verwendung einer Skala von 1/8 bis 8/8 kann der Untersucher besonders im Verlauf einer Therapie das Vibrationsmissempfinden des Patienten feststellen und beurteilen. Ein aufgehobenes Vibrationsempfinden (Pallanästhesie) ist oft das erste Anzeichen einer peripheren Polyneuropathie, beispielsweise infolge Diabetes mellitus oder Alkoholkrankheit.
Lage (Propriozeption)
Bei der Untersuchung des Lagesinns bewegt der Untersucher die Zehengrundgelenke des Patienten auf- bzw. abwärts. Der Patient muss mit geschlossenen Augen die Richtung der Bewegung angeben. Ein Unvermögen der Lagebeurteilung stellt einen pathologischen Befund dar und ist ein Hinweis auf eine Schädigung der Hinterstrangbahnen. Werden die sensiblen Bahnen auf Rückenmarksebene geschädigt, so kann es aufgrund des/der unterschiedlichen Verlaufs und Kreuzung der Bahnen zu einer dissoziierten Empfindungsstörung kommen.

Paradebeispiel ist das Brown-Squard-Syndrom. Hier kommt es auf der Seite der Läsion zu einer halbseitigen Querschnittslähmung mit spastischen Paresen und Störungen der Tiefensensibilität. Auf kontralateraler Seite hingegen ist lediglich die Schmerz- und Temperaturempfindung aufgehoben.

Temperatur (protopathische Sensibilität)
Das Temperaturempfinden wird mithilfe eines metallischen Gegenstands (z. B. Reflexhammer) bzw. mit gefüllten Reagenzgläsern (warmes und kaltes Wasser) oder Desinfektionsspray geprüft. Ein vermindertes bzw. aufgehobenes Temperaturempfinden wird als Thermhypästhesie bzw. Thermanästhesie bezeichnet ( Abb. 4).
Schmerz (protopathische Sensibilität)
Die Schmerzempfindung wird mit einem spitzen Gegenstand (z. B. einer Nadel) überprüft ( Abb. 5). Der Untersucher berührt mit diesem im Seitenvergleich die Haut des Patienten. Pathologische Befunde sind wiederum ein vermindertes (Hypalgesie) bzw. aufgehobenes (Analgesie) Schmerzempfinden. Eine Schmerzüberempfindlichkeit wird hingegen als Hyperalgesie bezeichnet. Unter einer Allodynie versteht man eine Schmerzempfindung bei einem Reiz, der normalerweise keine Schmerzen auslöst.

Zusammenfassung

  • Die Untersuchung der Sensibilität ermöglicht die Feststellung und Lokalisation von Nervenschädigungen.

  • Die epikritische Sensibilität beinhaltet das Testen der oberflächlichen Berührung.

  • Die protopathische Sensibilität bezieht sich auf Schmerz- und Temperaturempfinden.

  • Zur propriozeptiven Sensibilität gehören der Lage- und Vibrationssinn.

  • Das Vibrationsempfinden wird mithilfe einer Stimmgabel überprüft.

  • Die Zahlenschrift und die Zwei-Punkte-Diskrimination stellen Methoden zur Überprüfung des Lagesinns dar.

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