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B978-3-437-42107-5.50063-6

10.1016/B978-3-437-42107-5.50063-6

978-3-437-42107-5

Untersuchung des Beckenstands in der Frontalebene. [24]

Neutral-Null-Methode der Hüftuntersuchung. [24]

Thomas-Handgriff. [24]

Trendelenburg-Zeichen; Normalbefund und positives Phänomen. [24]

Verschiedene Formen des Hinkens

Tab. 1
Hinken Gangbild Mögliche Erkrankung/Ursache
Verkürzungshinken Beim Gehen senkt sich der Körper zur Seite des verkürzten Beins Z. n. Fraktur, Beinverlängerung bei Spitzfuß
Schmerzhinken Schonhaltung und Entlastung der schmerzenden Extremität Verletzung des Fußes, Beins, Koxarthrose
Lähmungshinken Je nach neuronaler Schädigung entweder spastisch (zentral) oder schlaff (peripher) Zentral; Apoplexie Peripher; Polyneuritis
Hüfthinken Trendelenburg-Hinken; Becken sinkt zur gesunden Seite ab Duchenne-Hinken; zusätzliche Verlagerung des Oberkörpers zur kranken Seite Schwäche oder Lähmung der pelvitrochantären Muskulatur (M. gluteus medius), Koxarthropathie
Intermittierendes Hinken Ähnlich dem Schmerzhinken AVK, Stenosen
Versteifungshinken Starke Bewegungseinschränkung und Beckendrehung bei Gehen Ankylose, Z. n. Arthrodese
Psychogenes Hinken Imitation von unterschiedlichen Gangbildern Neurotische bzw. psychotische Störungen
Beidseitiges Hinken Watschelgang Bei beidseitiger Koxarthropathie

Untersuchung der unteren Extremität I

Für die Untersuchung der unteren Extremität sollte der Patient bis auf die Unterhose entkleidet sein. Die Untersuchungsliege sollte von verschiedenen Seiten zugänglich sein – das erleichtert v. a. die Bewegungsüberprüfung ungemein.

Hüftgelenk

Beschwerden in der Hüfte sind ein häufig beobachtetes klinisches Problem. Oft stehen akute oder chronische Schmerzen mit oder ohne Bewegungseinschränkung im Vordergrund. Eine gezielte körperliche Untersuchung hilft entscheidend weiter.
Inspektion
Der entkleidete Patient sollte ein paar Schritte gehen. So lassen sich Auffälligkeiten im Gangbild, evtl. Bewegungseinschränkungen oder Deformitäten erkennen. Am besten orientiert man sich an knöchernen Fixpunkten, z. B. an der Spina iliaca anterior. So kann man gut einen Seitenvergleich anstellen und schnell einen Beckenschiefstand erkennen ( Abb. 1). Hinken ist eine einseitige, in seltenen Fällen eine beidseitige Gangstörung mit markanter Gangauffälligkeit. Tabelle 1 zeigt verschiedene Formen und mögliche Ursachen.
Palpation
Die Hüfte wird auf druckschmerzhafte anatomische Strukturen abgetastet. Gibt der Patient Schmerzen an, so muss man zwischen einem muskulären und einem osteogenen Schmerz unterscheiden. Bei Verdacht auf eine Beinlängendifferenz als Ursache des Beckenschiefstands bzw. des Verkürzungshinkens erfolgt eine seitenvergleichende Messung des Beins von der Spina iliaca anterior superior bis zur Spitze des Malleolus lateralis (s. a. S. 112, Längen- und Umfangsmessung). Verifizierte Beinlängendifferenzen werden, abhängig vom Ausmaß bzw. von der klinischen Symptomatik, mit Einlagen oder Absätzen korrigiert.
Funktionsprüfung
Basisuntersuchungen
Um den Bewegungsumfang der Hüfte zu messen, liegt der Patient entspannt auf der Untersuchungsliege. Es werden sowohl aktiv als auch passiv die Flexion/Extension, die Abduktion/Adduktion und die Innen-/Außenrotation gemessen ( Abb. 2).
Spezielle Untersuchungstechniken
Thomas-Handgriff
Um eine Hüftbeugekontraktur auszuschließen, bedient man sich des Thomas-Handgriffs. Hier liegt der Patient auf dem Rücken. Der Untersucher beugt das Bein der Gegenseite im Hüftgelenk bis zur vollständigen Auflösung der Lendenlordose ( Abb. 3). Das zu untersuchende Bein sollte in voller Extension auf der Unterlage liegen bleiben. Ist dies nicht der Fall, deutet das auf eine Beugekontraktur oder eine fixierte Hyperlordose der LWS hin.
Trendelenburg-/Duchenne-Zeichen
Zur Überprüfung des Trendelenburg-Zeichens steht der Patient auf einem Bein. Bei einer einseitigen Insuffizienz der pelvitrochantären Muskulatur (M. gluteus medius et minimus) sinkt das Becken zur gesunden Seite ab, das Trendelenburg-Zeichen ist als positiv zu werten ( Abb. 4). Das Duchenne-Zeichen ist positiv, wenn der Patient zusätzlich für einen Lastenausgleich den Oberkörper zur kranken Seite neigt.

Lasgue-Zeichen (s. S. 104)

Drehmann-Zeichen
Bei einem Verdacht auf eine Epiphysiolysis capitis femoris, eine Erkrankung, die besonders im Jugendalter vorkommt, kann das Drehmann-Zeichen die Annahme bestätigen. Hier ist die Innenrotation erheblich eingeschränkt, und eine Beugung im Hüftgelenk ist nur in Außenrotationsstellung und Abduktion möglich.

Zusammenfassung

  • Der Patient sollte bei der Untersuchung der unteren Extremität bis auf die Unterhose entkleidet sein.

  • Die Orientierung bei der Inspektion der Hüfte erfolgt an knöchernen Fixpunkten, wie der Spina iliaca anterior bzw. posterior.

  • Der Thomas-Handgriff dient der klinischen Diagnosestellung einer Hüftbeugekontraktur.

  • Ein positives Trendelenburg-Zeichen deutet auf eine Insuffizienz der Mm. glutei medius et minimus hin.

  • Das Duchenne-Zeichen ist bei bestehendem Trendelenburg plus einer Ausgleichsbewegung mit dem Oberkörper als positiv zu werten.

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