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B978-3-437-42107-5.50064-8

10.1016/B978-3-437-42107-5.50064-8

978-3-437-42107-5

Tanzende Patella. [24]

Neutral-Null-Methode Kniegelenk. [24]

Test des vorderen Schubladenphänomens. [10]

Steinmann-II-Test. [24]

Apley-Zeichen. [10]

Untersuchung der unteren Extremität II

Kniegelenk

Inspektion
Zunächst wird das Kniegelenk am stehenden Patienten auf muskuloskeletale Abnormitäten, Fehlstellungen und Schwellungen beurteilt. Abweichungen in der frontalen Achse bezeichnet man als Genu varum (O-Beine) und Genu valgum (X-Beine). Während bei Ersterem der Abstand der medialen Femurkondylen erweitert ist, verkleinert sich beim Genu valgum der Abstand der beiden medialen Kondylen. Als Genu recurvatum wird eine Hyperextension im Kniegelenk bezeichnet. Diese kann entweder als Folge eines Traumas, bei Wachstumsstörungen oder kompensatorisch bei Lähmungen auftreten. Wichtig ist auch die Position der Patella – ein einseitiger Hochstand kann Hinweis auf eine Ruptur des Lig. patellae sein. Eine Schwellung in der Fossa poplitea lässt auf eine Baker-Zyste schließen.
Palpation
Um sich einen Überblick über die knöchernen und ligamentären Strukturen zu verschaffen, erfolgt die Untersuchung zunächst im Sitzen bei herabhängenden Beinen. Die Hauttemperatur wird gefühlt und dabei auf eine evtl. Überwärmung als Zeichen einer Entzündungsreaktion geachtet. Neben den Knochen und Sehnen werden auch die Weichteile palpiert und dabei auf Druckdolenzen und Schwellungen geachtet. Die Baker-Zyste kann man als umschriebene Ausstülpung mit Synovialflüssigkeit als Inhalt in der Fossa poplitea tasten. Um einen intraartikulären Erguss festzustellen, überprüft man das Zeichen der tanzenden Patella. Hier wird die Flüssigkeit aus der Bursa suprapatellaris mit einer Hand unter die Patella gestrichen und mit einem Finger der anderen Hand auf die Patella geklopft. Die Patella federt nach, was als positives Zeichen zu interpretieren ist ( Abb. 5). Eine Schmerzangabe während der Kontraktion des M. quadriceps oder ein Krepitus beim Verschieben der Kniescheibe deutet auf eine Chondropathia patellae hin. Schmerzen bei der Palpation des medialen bzw. lateralen Seitenbandes zwischen Femurkondylus und Tibia erhärten den Verdacht auf Ein- oder Abriss des medialen/lateralen Meniskus.
Funktionsprüfung
Basisuntersuchung
Die Basisuntersuchung des Kniegelenks erfolgt in zwei Ebenen. Für die Flexions-/Extensionsbewegung liegt der Patient auf dem Rücken ( Abb. 6), die Innen- und Außenrotation wird bei 90-Flexion im Sitzen getestet.
Spezielle Untersuchungen
Da das Kniegelenk und dessen Strukturen häufig bei Traumen in Mitleidenschaft gezogen werden, gibt es in der klinischen Untersuchung viele verschiedenen Tests, die entweder einzeln oder in ihrer Gesamtheit eine spezifische Aussage haben.
Prüfung der Kreuzbänder
  • Pivot-shift-Test: Der Patient liegt entspannt auf dem Rücken, der Fuß ist innenrotiert und das Knie in Extensionsstellung. Der Untersucher übt auf das Kreuzband einen Valgusstress aus und beugt den Unterschenkel. Ein Schnappen der Tibia nach dorsal bei einem Flexionswinkel von ca. 20 – 40 deutet auf eine Läsion des vorderen Kreuzbands hin.

  • Schubladentest: Der Patient liegt mit flektiertem Kniegelenk (ca. 60) auf dem Rücken, den Fuß auf der Liege aufgesetzt. Der Untersucher fixiert den Fuß mit seinem Gesäß, umgreift mit beiden Händen den Unterschenkel des Patienten und zieht diesen nach vorn (vordere Schublade, Abb. 7) bzw. drückt diesen nach hinten (hintere Schublade). Ein Abgleiten der Tibiagelenkfläche nach vorn spricht für eine vordere Kreuzbandläsion, ein Verschieben der Tibia nach hinten impliziert eine hintere Kreuzbandläsion.

  • Lachman-Test: Dieser verläuft ähnlich dem Schubladentest. Der Untersucher umfasst in 20-Flexionsstellung den distalen Oberschenkel und proximalen Unterschenkel und prüft die horizontale Verschieblichkeit. Der pathologische Befund entspricht dem des Schubladentests.

Prüfung der Menisken
Verletzungen der Menisken gehen normalerweise mit einschießenden Schmerzen und Gelenkergüssen einher. Typisch ist ein Druckschmerz über dem Gelenkspalt und nach wenigen Tagen eine auffällige Atrophie des M. quadriceps. Für die Unterscheidung zwischen Innen- und Außenmeniskusschaden gibt es verschiedene Funktionstests:
  • McMurray-Test: Der Patient befindet sich in Rückenlage und beugt das Knie um 90. Der Untersucher streckt den Unterschenkel in Innen- bzw. Außenrotation, während er mit der anderen Hand (Zeigefinger und Daumen) den Gelenkspalt palpiert. Spürt der Untersucher während der Extension ein Knacken im medialen (bei Außenrotation) bzw. lateralen (bei Innenrotation) Gelenkspalt, spricht dies für eine Läsion des Innen- bzw. Außenmeniskus.

  • Steinmann I: Der Patient liegt auf dem Rücken in 90-Beugestellung des Kniegelenks. Der Untersucher palpiert mit der einen Hand den Gelenkspalt, während die andere Hand den Unterschenkel nach innen bzw. außen rotiert. Eine Schmerzangabe bei Innenrotation weist auf einen Defekt des Außenmeniskus hin, Schmerzen bei Außenrotation sprechen für einen Innenmeniskusschaden.

  • Steinmann II: Der Untersucher palpiert den Kniegelenkspalt und beugt das Knie aus voller Extension. Verspürt der Patient einen nach dorsal wandernden Schmerz, ist dies ein Zeichen für eine Meniskusläsion ( Abb. 8).

  • Böhler-Zeichen: Der Patient befindet sich in Rückenlage. Der Untersucher führt bei gestrecktem Bein eine Abduktionsbewegung (Varusstress) bzw. eine Adduktionsbewegung (Valgusstress) aus. Schmerzen bei Abduktion weisen auf eine Außenmeniskusschädigung hin, gibt der Patient Schmerzen bei der Adduktionsbewegung an, so ist der Innenmeniskus geschädigt.

  • Payr-Zeichen: Der Untersucher verstärkt den Druck auf den Innenmeniskus, indem er das Kniegelenk des im Schneidersitz sitzenden Patienten nach unten drückt. Eine Schädigung des Innenmeniskus, besonders des Hinterhorns, führt zu Schmerz.

  • Apley-Zeichen: Der Patient befindet sich in Bauchlage und beugt das Knie um 90. Der Untersucher übt axialen Druck auf das Kniegelenk aus und führt dabei eine Außen- bzw. Innenrotation durch. Eine Schmerzangabe bei der Außenrotation deutet auf einen Defekt des Innenmeniskus hin, Schmerzen bei Innenrotation lassen auf einen Außenmeniskusdefekt schließen ( Abb. 9).

Zusammenfassung

  • Genu varum O-Beine, Genu valgum X-Beine.

  • Das Zeichen der tanzenden Patella spricht für einen Erguss im Kniegelenk.

  • Die Überprüfung der Kreuzbänder erfolgt mittels Pivot-shift-Test, Lachman-Test und Schubladentest.

  • Die Überprüfung der Menisken erfolgt mittels Steinmann-, Böhler-, McMurray-, Payr- und Apley-Test.

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