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B978-3-437-42107-5.50066-1

10.1016/B978-3-437-42107-5.50066-1

978-3-437-42107-5

Topografische Orientierung an der Wirbelsäule. [24]

Variationen der Rückenkonfigurationen. [24]

Klinisches Erscheinungsbild einer Skoliose. [24]

Beweglichkeitsprüfung der Wirbelsäule. [24]

Funktionsprüfung der Wirbelsäule. [24]

Hyperextensionstest. [24]

Untersuchung der Wirbelsäule

Beschwerden an! der Wirbelsäule drücken sich v. a. durch Steifigkeit, Kopf- und Nacken-, Rücken- und Kreuzschmerzen in den jeweiligen Abschnitten (HWS, BWS und LWS) und eine daraus resultierende Bewegungseinschränkung aus. Die Beurteilung der Körperhaltung und die Untersuchung der Wirbelsäule komplettieren die meist schon richtungsweisende Anamnese. Wichtig ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Bewegungsumfang altersentsprechend abnimmt.

Inspektion
Die Inspektion erfolgt grundsätzlich am entkleideten Patienten, und zwar von vorn, von hinten und seitlich. Die physiologische Krümmung der Wirbelsäule umfasst eine Lordose im HWS- und LWS-Bereich bzw. eine Kyphose im BWS-Bereich. Es wird auf die Beckenkamm- und Schulterhöhe sowie auf die Symmetrie der Michaelis-Raute geachtet ( Abb. 1).
Ein Flachrücken ( Abb. 2d) beschreibt eine Abflachung der LWS-Lordose, die von lateral ersichtlich ist. Eine vermehrte Ausprägung der LWS-Lordose wird hingegen als Hohlkreuz ( Abb. 2c) bezeichnet. Der Rundrücken ( Abb. 2b), eine verstärkte Krümmung der BWS-Kyphose, wird v. a. bei Krankheiten wie dem M. Bechterew und M. Scheuermann beobachtet.
Bei einer Skoliose handelt es sich um eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule aufgrund verschiedener Ursachen. So können sowohl Fehlhaltungen infolge eines Ausgleichs bei Beinlängendifferenz (funktionelle Skoliosen) als auch knöcherne, zumeist angeborene Anomalien (echte Skoliosen) zu dieser seitlichen Fehlstellung der Wirbelsäule führen. Wegweisend für eine Unterscheidung ist die Überprüfung eines Beckenschiefstands, indem man die beiden Beckenkämme auf gleiche Höhe hin palpiert und eine Beinlängenmessung vornimmt. Ein Beckenschiefstand und eine Beinlängendifferenz weisen auf eine funktionelle Skoliose hin. Die Erkennungsmerkmale von Skoliosen sind ein erhöht stehendes Schulterblatt bzw. erhöhter Beckenkamm, ein vergrößertes Taillendreieck, bei thorakaler Skoliose ein Rippenbuckel, bei lumbaler Skoliose ein Lendenwulst auf der konvexen Seite ( Abb. 3).

Bei allen Wirbelsäulenbeschwerden müssen anamnestisch erhobene Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen an den Extremitäten abgeklärt werden!

Palpation
Zunächst werden die Dornfortsätze von kranial nach kaudal palpiert, indem die Wirbelkörper mit geballter Faust bzw. dem Reflexhammer leicht beklopft werden. Zu achten ist auf Druckschmerzhaftigkeit bzw. Auffälligkeiten der knöchernen Konturen. Lokale Schmerzen sprechen differenzialdiagnostisch eher für entzündliche Prozesse (z. B. Spondylitis), Frakturen oder Neoplasien, diffuse Schmerzen sind dagegen meist Anzeichen einer osteoporotischen Veränderung. Die paravertebrale Muskulatur wird ebenfalls auf Schmerzhaftigkeit und Muskelverhärtungen sowie Myogelosen oder Hartspann untersucht. Hierfür liegt der Patient optimalerweise in Bauchlage, der Untersucher palpiert die Rückenextensoren systematisch von kranial nach kaudal. Ein Stauchungsschmerz der gesamten Wirbelsäule, ebenfalls ein Zeichen für Frakturen, Neoplasien und Entzündungsprozesse, wird über ein Fallenlassen aus dem Zehenstand auf die Fersen provoziert. HWS- und BWS-Bereich können zudem einzeln über einen ruckartigen axialen Druck auf den Kopf bzw. die Schultern überprüft werden.
Funktionsprüfung
Basisuntersuchung
Da die Brustwirbelsäule über die Fixierung an den Rippen der unbeweglichste Teil der Wirbelsäule ist, erfolgt die hauptsächliche Bewegung aus der HWS bzw. LWS.
HWS
Die HWS kann in drei Bewegungsebenen überprüft werden. Zunächst führt der Patient aktiv eine Flexions-/Extensionsbewegung (NN 45–0–45), eine Rotationsbewegung (NN 80–0–80) und die Seitneigung (NN 60–0–60) durch ( Abb. 4a, b, c).
Bei Beschwerden werden die Bewegungen nochmals vom Untersucher ausgeführt. Am besten stellt man sich hinter den sitzenden Patienten.
BWS/LWS
Der Bewegungsumfang der BWS/LWS wird ebenfalls in den drei Ebenen Flexion/Extension (NN 120–0–30), Rotation (NN 30–0–30, Abb. 4e) und Seitneigung (NN 40–0–40, Abb. 4d) getestet. Der Untersucher steht hinter dem Patienten und fixiert die beiden Beckenkämme. Der Patient führt dann die Bewegung selbst aus.
  • Finger-Boden-Abstand: Der Patient beugt sich bei gestreckten Kniegelenken nach vorn und versucht, mit den Fingerspitzen den Boden zu berühren. Bei gesunden Menschen beträgt der Finger-Boden-Abstand 0 cm.

  • Ott-/Schober-Zeichen ( Abb. 5): Der Untersucher markiert am stehenden Patienten zwei Punkte auf der Haut. Beim Ott-Zeichen wird von C7 ein Lot gefällt und der Punkt 30 cm weiter kaudal angezeichnet. Das Schober-Maß wird von S1 10 cm nach kranial aufgetragen. In Inklination vergrößert sich an einer normal beweglichen Wirbelsäule die Entfernung zwischen den Marken. Ist dies nicht der Fall, so kann man von einer Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule ausgehen. Erkrankungen, die hier infrage kommen, sind neben Muskelverspannungen auch degenerative Veränderungen bzw. die Spondylitis ankylosans (M. Bechterew).

Spezielle Untersuchungstechniken
Mennell-Test (Hyperextensionstest)
Das Iliosakralgelenk ist besonders bei Spondylarthritiden (M. Bechterew) betroffen. Die Untersuchung erfolgt in Bauchlage des Patienten. Der Untersucher fixiert das Os sacrum mit einer Hand. Die zweite Hand hyperextendiert das gestreckte Bein nach dorsal, so wie in Abbildung 6 gezeigt. Schmerzen bei dieser Bewegung weisen auf eine Entzündung in diesem Gelenk (Sakroiliitis) hin und sollten weiter röntgenologisch abgeklärt werden.
Lasgue-/Bragard-Test (s. S. 130)

Zusammenfassung

  • Die Untersuchung der Wirbelsäule erfolgt grundsätzlich am entkleideten Patienten.

  • Eine Skoliose ist eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit verschiedenen Ursachen.

  • Die Orientierung erfolgt über markante Punkte, z. B. am 7. Halswirbel oder am Schnittpunkt der beiden Beckenkämme ( LWK 4).

  • Lokalisierte Schmerzen weisen eher auf Frakturen, Entzündungen oder Neoplasien hin, diffuse Schmerzen sind bei degenerativen Erkrankungen die Regel.

  • Ein pathologisches Schober- und Ott-Maß weist auf eine Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule hin.

  • Schmerzen beim Mennell-Handgriff sprechen für eine Sakroiliitis.

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