© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42107-5.50031-4

10.1016/B978-3-437-42107-5.50031-4

978-3-437-42107-5

Einteilung des Abdomens in Quadranten und Bereiche. Modif. nach [3]

a) Grey-Turner-Zeichen; Einblutung in die Flanken bei hämorrhagisch-nekrotisierender Pankreatitis; b) Cullen-Zeichen; Einblutung in den Nabel bei akuter hämorrhagischer Pankreatitis, mit intrakutaner Fettgewebsnekrose. [3]

Klinische Palpation des Abdomens. [8]

Schmerzpunkte und Schmerz auslösende Manöver bei einer Appendizitis. [3]

Lokalisation der Schmerzpunkte bei Appendizitis.

Tab. 1
Punkte Lokalisation
McBurney Zwischen mittlerem und äußerem Drittel auf der Verbindungslinie Nabel/rechte Spina iliaca anterior superior
Lanz Rechter Drittelpunkt der die beiden Spinae iliacae anteriores superiores verbindenden Linie
Rovsing-Zeichen Schmerzangabe beim Eindrücken des linken Unterbauchs und Verschieben des Koloninhalts in Richtung Appendix
Blumberg-Zeichen Loslassschmerz nach langsamem Eindrücken und plötzlichem Loslassen des linken Unterbauchs
Psoasschmerz Schmerzangabe beim Anheben des rechten Oberschenkels gegen Widerstand (Beugung des Hüftgelenks)

Untersuchung des Abdomens I

Patienten mit gastrointestinalen Beschwerden stellen für den Untersucher v. a. wegen der meist unspezifischen Symptome und der zahlreichen potenziell betroffenen Organe eine besondere Herausforderung dar. Deshalb ist ein strukturiertes Vorgehen und eine akribische Abklärung der Symptome unbedingt erforderlich.

Anamnese
Im ärztlichen Gespräch sollte in jedem Fall auf die Leitsymptome eingegangen werden (s. S. 62 ff.). Bei der Anamnese von Bauchschmerzen sollte neben den intraabdominellen Gründen auch an mögliche extraabdominelle Ursachen (Urogenitaltrakt, Lungenembolie, Herzinfarkt, Frakturen) mit Schmerzausstrahlung gedacht und möglichen Hinweisen (z. B. Brennen beim Wasserlassen, kardiale Vorerkrankung) nachgegangen werden. Aufgrund der häufigen Korrelation zwischen Psyche und Darmbeschwerden sollten zudem psychische und psychosoziale Eckdaten wie Stress, Grundstimmung oder neurotische Veranlagung erhoben werden. Im Zusammenhang mit Darmerkrankungen muss auch daran gedacht werden, den Genussmittelkonsum des Patienten zu erfragen. Appetitveränderungen (Abneigung, Nahrungsmittelunverträglichkeit) stellen ebenfalls einen wichtigen Anamnesepunkt, insbesondere bei Tumorerkrankungen, dar. Übelkeit oder Erbrechen weisen auf eine Schleimhautirritation, Motilitätsstörungen, intestinale Obstruktion oder eine peritoneale Reizung hin. Der Stuhlgang (Frequenz, Farbe, Form) lässt Rückschlüsse auf die Struktur und Funktionalität der Mukosa des Magen-Darm-Takts zu. Begleitsymptome, insbesondere Fieber, gelten als Hinweis auf einen entzündlichen Vorgang. Außerdem ist die Medikamenteneinnahme sehr wichtig, da eine langfristige Anwendung bestimmter Substanzen erhebliche NW haben kann (Glukokortikoide/NSAR Magenulzera; Antikoagulanzien Retroperitonealblutungen). Auch Vorerkrankungen (z. B. KHK, M. Crohn, Colitis ulcerosa) und Voroperationen (z. B. bei Bridenileus) sollten abgeklärt werden. Schließlich können Magen-Darm-Beschwerden im Rahmen bestimmter familiärer Erkrankungen (z. B. familiäres Mittelmeerfieber) auftreten. Auch nach Auslandsaufenthalten muss gefragt werden, da verschiedenste Tropenkrankheiten abdominelle Symptome auslösen können.
Klinische Untersuchung
Bei der Präsentation von Magen-Darm-Beschwerden ist grundsätzlich eine komplette Allgemeinuntersuchung angezeigt, da diese nicht selten Begleiterscheinungen von Erkrankungen anderer Organsysteme sind. Der Patient liegt während der Untersuchung entspannt auf dem Rücken mit einem Kissen unter dem Kopf. Die Hände sollten neben dem Körper liegen, die Beine leicht angewinkelt sein. Der Bauch sollte mit warmen Händen und vorgewärmtem Stethoskop untersucht werden, eine entleerte Blase ist besonders für die Beurteilung eines Aszites von Vorteil. Um eine gute differenzialdiagnostische Systematik bei der Zuordnung der Beschwerden zu erlangen, teilt man das Abdomen am besten in Quadranten und Bereiche ein ( Abb. 1).
Inspektion
Als Erstes wird auf den Ernährungs und Gesundheitszustand und die Körperhaltung des Patienten geachtet. Schon hier können mögliche Beschwerden und deren Ursachen erahnt werden. So versucht der Patient z. B. bei einer Peritonitis, möglichst ruhig zu liegen und sich nicht zu bewegen, während Patienten mit kolikartigen Schmerzen sehr unruhig sind und durch Lage- und Positionsveränderungen eine Linderung herbeiführen wollen. Des Weiteren sind Operationsnarben als Zeichen früherer Beschwerden und Eingriffe wichtig. Asymmetrien, seitliche Vorwölbungen und Hernien in der Medianlinie, Leiste oder Nabel sind i. d. R. nicht zu übersehen. Eine deutliche Peristaltik des proximalen Darmabschnitts gilt als Ausdruck einer Obstruktion bei einem mechanischen Ileus. Sichtbare Pulsationen sind bei schlanken Menschen durchaus physiologisch, ein pulsierender Tumor sollte allerdings unter dem Verdacht eines Bauchaortenaneurysmas abgeklärt werden. Eine Blaufärbung (Cullen-Zeichen) um den Nabelbereich ist – wie die blau-livide Verfärbung in den Flanken (Grey-Turner-Zeichen) – als Zeichen einer akuten hämorrhagischen Pankreatitis zu werten ( Abb. 2). Ein veränderter Behaarungstypus (z. B. Bauchglatze als Leberhautzeichen) kann ebenfalls auf mögliche Grunderkrankungen hinweisen.
Als Facies abdominalis bezeichnet man den klassischerweise bei einer Peritonitis zu beobachtenden ängstlichen, eingefallenen Gesichtsausdruck mit halonierten Augen. Die bei Lebererkrankungen vorkommenden Leberhautzeichen sind auf S. 60 f. näher beschrieben.
Palpation
Neben der Form, Größe und Beschaffenheit (Konsistenz) der Bauchorgane lassen sich auch lokale Schmerzen, Resistenzen oder eine peritoneale Reizung feststellen. Sinnvoll ist eine systematische und sanfte Palpation, die möglichst schmerzfern beginnt und sich zum Schmerzzentrum hintastet. Zunächst sollte oberflächlich und mit leichtem Druck in allen vier Quadranten palpiert und neben der Druckschmerzprovokation auch nach Resistenzen, Abwehrspannung und evtl. Lücken (Diastasen) getastet werden. Bei der anschließenden tiefen Palpation werden die abdominellen Organe nach Größe, Form und Konsistenz beurteilt Abb. 3).
Das Abdomen eines gesunden Menschen ist weich und weist keine Abwehrspannung auf. Weder die oberflächliche noch die tiefe Palpation ist schmerzhaft, und es finden sich keine Resistenzen und Peritonitiszeichen. Wichtige pathologische Befunde der Abdomenpalpation sind:
  • Peritonitiszeichen: Die Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) tritt häufig als Folge von Perforationen einzelner Hohlorgane des Bauches auf. Der Verlauf ist meist hochakut und weist neben einer ausgeprägten Abwehrspannung der Bauchdecke (brettharter Bauch aufgrund von Muskelanspannung bei Berührung) und stärksten Schmerzen zen,(Loslassschmerz) auch eine Kreislaufdekompensation (Tachykardie, -pnoe, Kaltschweißigkeit, Erbrechen, Fieber) bis hin zum Schock auf.

  • Appendizitiszeichen: Die charakte ristischen Symptome für eine Appendizitis (erst diffuse abdominelle Schmerzendann rechter Unterbauchschmerz; Übelkeit, Erbrechen, Fieber) lassen sich durch die Überprüfung der klassischen Druckschmerzpunkte ( Tab. 1, Abb. 4) bestätigen. Das Alter des Patienten oder Lagevariationen können die Schmerzangabe beeinflussen.

Zusammenfassung

  • Bereits in der Anamnese von abdominellen Beschwerden sollte an intraabdominelle und extraabdominelle Ursachen gedacht werden.

  • Für einen guten Überblick und eine systematische Zuordnung von gastrointestinalen Beschwerden wird das Abdomen in vier Quadranten und bestimmte Bereiche eingeteilt.

  • Die Facies abdominalis mit eingefallenem Gesichtsausdruck und halonierten Augen ist als Zeichen einer Peritonitis zu werten.

  • Bei der oberflächlichen Palpation des Abdomens wird nach Druckschmerzen, Resistenzen, Abwehrspannung und Diastasen gefahndet, mit der tiefen Palpation lassen sich die Bauchorgane nach Größe, Form und Konsistenz beurteilen.

  • Die klassischen druckschmerzhaften Punkte bei einer Appendizitis sind die nach Lanz und McBurney.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen