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B978-3-437-42107-5.50026-0

10.1016/B978-3-437-42107-5.50026-0

978-3-437-42107-5

Projektion der Lungengrenzen auf den Thorax. [3]

Atemmechanik. [3]

Exponierte Berufsgruppen und mögliche pulmonale Erkrankungen.

Tab. 1
Berufsgruppe Stoffexposition Erkrankung
Bergbau Kohlenstaub Pneumokoniose
Glas-Keramik-, Porzellan-, Metallindustrie, Bergbau Quarzstaub (Silikate) Silikose, COPD, Emphysem
Baugewerbe Asbest Asbestose, Pleuramesotheliom, BC, Larynx-Ca
Stahlbau Eisenstaub Siderose
Elektro-, Atomindustrie Beryllium Berylliose
Textilindustrie Baumwolle, Hanf Byssinose
Winzer Schimmelige Weinreben Spätleselunge
Bauern Schimmeliges Heu Farmerlunge

Untersuchung des Respirationstrakts I

Für eine adäquate klinische Untersuchung der Lunge ist die Kenntnis der Größe und der Lungenbegrenzung ( Abb. 1) auf dem knöchernen Thorax unerlässlich. Während die Oberlappen der beiden Lungenflügel mit ihrem Apex bis unter die Klavikula reichen, ist die kaudale Begrenzung der Lungen aufgrund der atemabhängigen Mitbewegung des Zwerchfells nicht eindeutig festzulegen. Bei entspanntem Diaphragma reicht die anatomische Abgrenzung i. d. R. von der kostochondralen Verbindung der 6. Rippe zum Processus spinosus des 10. Wirbelkörpers. Die Fissura obliqua trennt im linken Lungenflügel den Oberlappen vom Unterlappen, im rechten Lungenflügel den Unterlappen vom Mittellappen. Sie verläuft von der 6. kostochondralen Verbindung zum Processus spinosus des 4. Wirbelkörpers. Die Fissura horizontalis findet sich nur im rechten Lungenflügel, verläuft im 4. Interkostalraum (ICR) von ventral nach dorsal und vereinigt sich dann mit der Fissura obliqua.

Die Inspiration ( Abb. 2) erfolgt durch eine Expansion des Thorax mittels Anheben der Rippen in eine horizontale Position bzw. eine Kontraktion des Zwerchfells. Die Exspiration ist ein weitgehend passiver Vorgang, begünstigt durch die Elastizität des Lungengewebes. Frauen benutzen beim Atmen mehr die Interkostalmuskulatur (Brustatmung), während Männer eher unter Zuhilfenahme des Zwerchfells atmen (Bauchatmung).

Anamnese
Die Bevölkerung ist heutzutage zunehmend toxischen und allergischen Substanzen ausgesetzt. Deshalb sollten Sie grundsätzlich nach der persönlichen Belastung (private pollution, z. B. Zigarettenrauchen) sowie der allgemeinen Belastung (common pollution, z. B. durch Auto-/Industrieabgase) fragen. Lassen Sie diesen Hintergrund in die folgenden Gesprächspunkte mit einfließen.
Sozialanamnese
Nikotinkonsum hat als Hauptrisikofaktor für die chronische Bronchitis bzw. das Bronchialkarzinom eine herausragende Stellung. Zur Risikoeinschätzung wird der Konsum des Patienten in sog. Pack years angegeben, d. h. der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten (in Packungen) multipliziert mit den Jahren, in denen der Patient geraucht hat. Des Weiteren ist die Wohnsituation ein wichtiger anamnestischer Parameter. Feuchte Wände, Luftbefeuchter oder Klimaanlagen gelten als potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung eines Asthma bronchiale. Fragen Sie auch nach einer potenziellen Exposition gegenüber Allergenen wie Hausstaub, Tierhaaren (Hunde, Katzen, Hasen), Gräsern, Pollen oder Nahrungsmitteln. Diese gelten als Auslöser einer allergischen Alveolitis (EAA).
Vorerkrankungen
Hat der Patient eine Tuberkulose durchgemacht? Keuchhusten und Masern in der Vergangenheit haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Bronchiektasien. Eine familiäre, atopische Prädisposition als Ursache eines Asthma bronchiale ist genauso wichtig wie verschiedene genetische Erkrankungen mit ernsthaften Auswirkungen auf das respiratorische System (z. B. Mukoviszidose).
Reiseanamnese
Die Frage nach kürzlich unternommenen Auslandsreisen kann bedeutende Hinweise auf die Ursachen von Beschwerden bringen. So könnten Legionellen die Ursache einer atypischen Pneumonie sein. Die in östlichen Ländern weit verbreitete Tuberkulose oder auch eine in Risikogebieten akquirierte HIV-Infektion könnte ebenfalls Grund einer Atemproblematik sein.
Medikamente
Die aktuelle Medikation mit Dosierung und Einnahmedauer sollte auch bei der Anamnese respiratorischer Erkrankungen erfragt werden. Unter Behandlung mit Immunsuppressiva (z. B. Methotrexat) kann sich eine Lungeninfektion entwickeln. ACE-Hemmer, ASS oder -Blocker können zum Bronchospasmus mit Husten führen oder auch eine Asthmaerkrankung verstärken. Für einen Überblick ist außerdem der aktuelle Impfstatus, besonders mit den Impfungen gegen Infektionen der oberen und unteren Atemwege (wie Influenza und Pneumokokkenpneumonien), notwendig.
Berufsanamnese
Bei keinem anderen Organsystem ist in der differenzialdiagnostischen Überlegung die Berufsanamnese so wichtig wie bei respiratorischen Erkrankungen. Über eine dauerhafte Exposition gegenüber organischen und anorganischen Stoffen sind zahlreiche Berufsgruppen wie Arbeiter im Bergbau, in Bäckereien, in der Viehzucht oder in der Landwirtschaft einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von pulmonalen bzw. allergischen Erkrankungen ausgesetzt. Als Berufsallergene gelten Nahrungsmittelenzyme, Mehl- oder Holzstaub oder auch Latex in Gummihandschuhen. Tabelle 1 zeigt exponierte Berufsgruppen und mögliche Erkrankungen. Zu berücksichtigen ist hier neben dem zeitlichen Auftreten der Atemprobleme (sofort/Latenzzeit) auch eine evtl. Symptombesserung bei fehlender Exposition (z. B. während des Urlaubs).
Inspektion
Achten Sie bereits während sich der Patient entkleidet auf eine Atemnot oder Kurzatmigkeit. Neben einer genauen Beobachtung der Atmung (Frequenz, Periodik, Tiefe), der Thorax- und der Hautbeschaffenheit sollten Sie den Allgemeinzustanddes Patienten beurteilen. Während kachektische Patienten meist an einer malignen Grunderkrankung leiden, kann eine ausgeprägte Adipositas Hinweis auf eine kardiovaskuläre Problematik sein. Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel sind Ausdruck einer schweren Hypoxie, die sich bei einer chronischen Bronchitis, bei Bronchialkarzinomen oder auch bei systemischen Entzündungen entwickeln kann.
Thoraxform
Die Beurteilung der Thoraxform ist im Hinblick auf evtl. zugrunde liegende Erkrankungen aufschlussreich. Ein Fassthorax ist gekennzeichnet durch einen vergrößerten Anterior-posterior-Durchmesser und tief stehende Lungengrenzen. Diese Thoraxform kann sich auf dem Boden eines Asthma bronchiale, einer COPD, eines Emphysems oder einer respiratorischen Insuffizienz entwickeln. Bei der Trichterbrust (Pectus excavatum) handelt es sich um eine bogenförmige Einziehung des unteren Sternums. Die Hühnerbrust (Pectus carinatum) wölbt sich hingegen vom Sternum aus nach vorn. Für beide Brustformen kann eine Rachitis bzw. eine Osteomalazie verantwortlich sein.

Zusammenfassung

  • Nikotinkonsum gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung der chronischen Bronchitis bzw. des Bronchialkarzinoms.

  • Unter Pack years versteht man die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten (in Packungen) multipliziert mit den Jahren, in denen der Patient geraucht hat.

  • ACE-Hemmer, ASS oder -Blocker können zu einem chronischen Reizhusten führen oder eine Asthmaerkrankung verstärken.

  • Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel sind Ausdruck einer schweren Hypoxie.

  • Die normale Atemfrequenz eines Erwachsenen liegt i. d. R. zwischen 12 und 16 Atemzügen/Min.

  • Die Cheyne-Stokes- und die Biot-Atmung weisen auf eine schwerwiegende ZNS-Störung hin.

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