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B978-3-437-42107-5.50027-2

10.1016/B978-3-437-42107-5.50027-2

978-3-437-42107-5

Pathologische Atmungstypen. [3]

Thoraxkompression in Frontal- und Sagittalebene. [8]

Palpation zur Überprüfung des Stimmfremitus. [8]

Perkussion der Thoraxwand. [8]

Schallqualitäten bei der Perkussion.

Tab. 2
Schallqualität Klangcharakteristika DD Erkrankungen
Sonor Tief, laut, lang andauernd Normalbefund
Hypersonor Tief, sehr laut, sehr lang andauernd Pneumothorax, Lungenemphysem
Hyposonor Hoch, kurz und gedämpft Erguss, Atelektase, Pneumonie
Tympanitisch Klingend, laut Hohlraum (z. B. Darmschlingen, Magenblase)

Untersuchung des Respirationstrakts II

Inspektion (Fortsetzung)
Atmung
Die Messung der Atemfrequenz erfolgt bereits bei der Überprüfung der Vitalparameter am Anfang jeder Untersuchung. Um einen möglichst objektiven Wert zu erhalten, achten Sie darauf, die Atemfrequenz möglichst unbemerkt zu erheben. Die normale Atemfrequenz eines Erwachsenen liegt bei 12 – 16 Atemzügen/Min., bei Säuglingen um die 40/Min., bei Kleinkindern etwa 25/Min. Einer Tachypnoe (AF ) kann neben einem hohen O2-Bedarf (Anstrengung, Fieber, Schmerz) auch ein vermindertes O2-Angebot (kardialer/pulmonaler Ursache) zugrunde liegen. Eine Bradypnoe (AF ) besteht physiologisch bei tiefer Entspannung bzw. Schlaf, aber auch pathologisch bei erhöhtem Hirndruck. Die Hyperventilation ist klinisch charakterisiert durch eine schnelle und tiefe Atmung. Ursächlich sind neben psychogenen, zentralen (ZNS-Schäden), metabolischen Störungen auch hormonelle oder medikamentöse Einflüsse. Die Extremvariante ist die sog. Hyperventilationstetanie mit Schwindel, Parästhesien und Muskelkrämpfen (Pfötchenstellung der Hände). Bei schwerer Dyspnoe imponieren der verstärkte Gebrauch der Atemhilfsmuskulatur sowie bei In- und Exspiration zu beobachtende Einziehungen und Vorwölbungen der Interkostalräume. Von hoher klinischer Relevanz sind die verschiedenen pathologischen Atmungstypen ( Abb. 3). Die Kussmaul-Atmung (abnorm tiefe, regelmäßigeAtmung) liegt bei azidotischer Stoffwechsellage (z. B. Coma diabeticum) vor. Die Cheyne-Stokes-Atmung tritt u. a. bei schwerer Schädigung des Atemzentrums oder bei Herzerkrankungen infolge verlangsamter Blutzirkulation auf. Die Biot-Atmung muss an eine schwere ZNS-Störung denken lassen. Die Schnappatmung ist Kennzeichen des präfinalen Stadiums.
Palpation
Mit der Palpation des Thorax kann der Untersucher neben dem Herzspitzenstoß auch die Atemexkursionen sowie lokalisierte Schmerzen beurteilen.
Schmerzen
Lokale Schmerzen im Thoraxbereich sind meist Folge von Rippenfrakturen oder Interkostalneuralgien. Lassen Sie sich den schmerzhaften Bereich vom Patienten genau zeigen und palpieren Sie diesen vorsichtig. Über die in Abbildung 4 gezeigte Kompression der Thoraxwand in Frontal- und Sagittalebene können Sie bei Rippenserienfrakturen oder einem instabilen Thorax einen Schmerz provozieren.
Position des Mediastinums/der Trachea
Die Position des Mediastinums lässt sich indirekt über die regelrechte Stellung der Trachea und des Herzspitzenstoßes (5. ICR, Medioklavikularlinie, links) beurteilen. Der Untersucher legt seinen Zeigefinger in die Fossa jugularis kranial des Sternums und versucht, in der Tiefe die trachealen Knorpelspangen zu ertasten. Die Trachea liegt normalerweise zentral ohne Abweichung zu einer Seite. Eine Abweichung ist als pathologische Mediastinalverschiebung zu werten und erklärt sich entweder über einen vermehrten Zug einer Seite (z. B. Lungenkollaps, Fibrose) oder ein Schieben zur anderen Seite hin, wie es z. B. bei einem Spannungspneumothorax der Fall ist.
Atemexkursionen
Ein Vergleich der Atemexkursionen sollte im Seitenvergleich vorgenommen werden. Legen Sie beide Hände von hinten auf eine definierte Ebene (z. B. auf Höhe der 9. Rippe) des Patientenrückens (s. a. Überprüfung des Stimmfremitus in Abb. 5). Bei gleichmäßiger Ein- und Ausatmung sollte man die Stellung der Hände auf evtl. Verziehungen oder Asymmetrien überprüfen. Eine einseitig verminderte Atemexkursion kann auf einen Pleuraerguss, eine Pneumonie, einen Pneumothorax oder eine Atelektase hinweisen. Aber auch muskuloskeletale Erkrankungen mit eingeschränkter Thoraxbeweglichkeit sollten hier Differenzialdiagnostisch in Erwägung gezogen werden.
Stimmfremitus
Die Überprüfung des Stimmfremitus basiert auf der Änderung der Leitfähigkeit des Lungengewebes und somit der Thoraxwand bei evtl. pneumonischen Infiltraten. Bei dieser grob orientierenden Untersuchung legt der Untersucher seine Hände im Bereich der 8. – 10.
Rippe auf den Rücken des Patienten ( Abb. 5). Während dieser deutlich die Zahl 99 ausspricht, vergleicht der Untersucher die beidseits fortgeleiteten Vibrationen. Ein einseitig verstärkter Stimmfremitus deutet auf ein pulmonales Infiltrat hin, eine Abschwächung hingegen kann durch einen Erguss, einen Pneumothorax oder auch durch Atelektasen bedingt sein.
Perkussion
Durch die ebenfalls seitengleiche Beurteilung der Resonanzfähigkeit von Thorax und Lungengewebe lassen sich Rückschlüsse auf pathologische Prozesse, wie beispielsweise Lufteinschlüsse (z. B. Pneumothorax) oder Flüssigkeitsansammlungen (z. B. Erguss), ziehen. Aber auch die Lungenbegrenzungen können mittels Perkussion relativ genau beurteilt werden.
Benutzen Sie den Mittelfinger einer Hand als Klopfunterlage – überstreckt und parallel zu den Interkostalräumen auf die Thoraxwand des Patienten. Mit dem leicht angewinkelten Zeige- oder Mittelfinger der anderen Hand klopfen Sie dann mehrmals in kurzen Abständen auf die Klopfunterlage Abb. 6) und beurteilen den dadurch entstandenen Klang entsprechend den in Tabelle 2 gezeigten differenzialdiagnostisch relevanten Qualitäten. Vergessen Sie nicht die Thoraxvorderseite. Für die Beurteilung v. a. der kaudalen Lungenbegrenzungen sitzt der Patient idealerweise mit vornübergebeugtem Oberkörper, während Sie von hinten im Bereich des 10. Rippenpaares auf eine Dämpfung hin perkutieren. Lassen Sie den Patienten dann tief einatmen, die Luft anhalten und perkutieren Sie erneut. Die Atemverschieblichkeit der Lungengrenzen ist normalerweise 1 Interkostalraum. Eine einseitig verminderte Verschieblichkeit weist auf einen Zwerchfellhochstand, eine symmetrische Verminderung z. B. auf ein Lungenemphysem hin.

Zusammenfassung

  • Die normale Atemfrequenz eines Erwachsenen liegt i. d. R. zwischen 12 und 16 Atemzügen/Min.

  • Die Cheyne-Stokes- und die Biot-Atmung weisen auf eine schwerwiegende ZNS-Störung hin.

  • Mit einer Kompression der Thoraxwand in der Frontal- und Sagittalebene können Sie bei Rippenserienfrakturen oder einem instabilen Thorax Schmerzen auslösen.

  • Einseitig verminderte Atemexkursionen können auf Pleuraerguss, Pneumonie, Pneumothorax oder Atelektasen hinweisen.

  • Ein einseitig verstärkter Stimmfremitus deutet auf ein pulmonales Infiltrat hin.

  • Eine Abschwächung des Stimmfremitus kann durch einen Erguss, einen Pneumothorax oder auch durch Atelektasen hervorgerufen werden.

  • Die Perkussion beurteilt die Resonanzfähigkeit von Thorax und Lungengewebe.

  • Mithilfe der Lungenperkussion können Sie neben den Lungenbegrenzungen auch pathologische Prozesse erfassen.

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