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B978-3-437-42107-5.50028-4

10.1016/B978-3-437-42107-5.50028-4

978-3-437-42107-5

Auskultationsareale an der Thoraxvorder- und -rückseite. [8]

Schemazeichnung eines vesikulären Atemgeräuschs (a) und bei Bronchialatmung (b). [23]

Einteilung und Beschreibung der feuchten Rasselgeräusche.

Tab. 3
Rasselgeräusche Beschreibung Mögliche Krankheitsbilder
Feinblasig Flüssigkeit in den Bronchiolen und Alveolen; hochfrequenter Klangcharakter Chronische Linksherzinsuffizienz mit Lungenstauung, Pneumonie
Mittelblasig Flüssigkeit in den kleinen Bronchien Bronchitis, Alveolitis
Grobblasig Flüssigkeit in den größeren Bronchien; tieffrequenter Klangcharakter Lungenödem, Bronchiektasien
Klingend Lokalisierte, ohrnahe, hochfrequente RG Typisch für Infiltration, Pneumonie
Nicht klingend Ohrfern, niederfrequenter Klangcharakter Kardiale Stauung

Untersuchung des Respirationstrakts III

Auskultation
Die Auskultation der Lunge hat bei der Untersuchung des Respirationstrakts eine herausragende Stellung. Mithilfe dieser Methode können differenzialdiagnostisch wichtige Befunde erhoben werden.
Der Patient nimmt dabei eine sitzende Position ein. Bitten Sie ihn, mit leicht geöffnetem Mund gleichmäßig tief, allerdings nicht forciert ein- und auszuatmen, während Sie mit der Membran des Stethoskops entsprechend den in Abbildung 7 gezeigten Arealen die vordere, hintere und seitliche Thoraxwand abhören. Achten Sie dabei auf die im Folgenden erklärten Atem- und Nebengeräusche.
Atemgeräusche
Das physiologische Atemgeräusch wird auch als vesikuläres oder auch alveoläres Atmen bezeichnet. Dabei hört man ein leises, niederfrequentes Rauschen, welches in der Inspirationsphase durch das Eindringen der Luft in den Alveolarraum entsteht. In der Exspirationsphase ist dieses Atemgeräusch kaum noch zu hören. Ein schärferes, hochfrequent hohl klingendes und auchwährend der Exspiration hörbares Atemgeräusch ( Abb. 8) ist das Bronchialatmen. Physiologischerweise kann man dieses über der Trachea, den Bronchien und zwischen den Schulterblättern hören. Bei einer Gewebsinfiltration (z. B. bakterielle Pneumonie) oder bei einer Lungenfibrose wird dieses in den Bronchien entstehende Geräusch bis zur Brustwand fortgeleitet und kann dann über der äußeren Thoraxwand als pathologisches Atemgeräusch auskultiert werden. Im Seitenvergleich der beiden Lungenhälften kann beim Vorliegen eines Ergusses oder bei verminderter Lungenentfaltung ein abgeschwächtes Atemgeräusch gehört werden. Das Geräusch kann einseitig (z. B. bei Pneumothorax) oder beidseitig (z. B. bei Lungenemphysem) auch fehlen (fehlendes Atemgeräusch).
Nebengeräusche
Nebengeräusche sind als pathologische Auskultationsbefunde zu werten und können je nach Klangcharakter verschieden beschrieben werden. So kann man z. B. trockene und feuchte Rasselgeräusche, das Pleurareiben oder auch die Sklerophonie bzgl. ihrer Entstehung und diagnostischen Bedeutung unterscheiden.
Trockene Rasselgeräusche
Diese Geräusche imponieren als Pfeifen, Giemen oder Brummen und entstehen durch eine Obstruktion der unteren Luftwege, wie sie z. B. bei einer COPD vorkommt. Während das Giemen als pfeifendes exspiratorisches Geräusch die Folge eine Strömungsbeschleunigung der Luft bei einer Obstruktion ist, liegt bei einem in- oder auch exspiratorischen Brummen ein tieffrequentes, meist durch Schleimfäden verursachtes Geräusch vor. Der Patient sollte aufgefordert werden, diese Schleimfäden abzuhusten, und anschließend nochmals auskultiert werden.

Vom Giemen abzugrenzen ist der Stridor, ebenfalls ein hochfrequentes, pfeifendes Atemgeräusch, welches allerdings in den oberen Atemwegen entsteht. Ein trachealer Stridor (bei Trachealkompression) kann sowohl in- als auch exspiratorisch auftreten. Der bronchiale Stridor tritt exspiratorisch auf und kommt z. B. bei Asthma vor.

Feuchte Rasselgeräusche
Diese entstehen durch eine Flüssigkeitsansammlung in den Lufträumen und sind besonders in der Inspirationsphase zu hören. Sie werden in fein-, mittel- und grobblasig bzw. klingend und nicht klingend eingeteilt. Tabelle 3 zeigt diese Unterteilung und mögliche Differenzialdiagnosen im Überblick.
Sklerophonie (Siderophonie)
Die Sklerophonie ist ein typisches Geräusch bei vorliegender Lungenfibrose. Man kann es als trockenes Knisterrasseln besonders gut gegen Ende der Inspirationsphase hören.
Pleurareiben
Pleurareiben ist ein ohrnahes, schabendes Geräusch während der In- und Exspiration, das durch ein Aneinanderreiben der beiden Pleurablätter (Pleura visceralis und parietalis) bei zugrunde liegender Entzündung entsteht. Bildlich wird dieses Geräusch oft als Lederknarren beschrieben, welches durch einen höheren Druck der Stethoskopmembran verstärkt auszukultieren ist. Das Geräusch ist definiert und i. d. R. verbunden mit starken Schmerzen, die sich bei tiefer Inspiration oder Husten noch verschlimmern.
Bronchophonie/Ägophonie
Die Bronchophonie dient als Stimmphänomen bei der Auskultation zur Diagnostik einer Lungenentzündung. Physikalische Grundlage sind, entsprechend der palpatorischen Untersuchung des Stimmfremitus, die unterschiedlichen Leitungsqualitäten des Lungengewebes für hohe und tiefe Frequenzen.
  • Setzen Sie bei dieser Untersuchung die Stethoskopmembran auf die Thoraxhinterwand auf und bitten Sie den Patienten, die Zahl 66, stellvertretend für hohe Frequenzen, zu flüstern. Achten Sie hierbei auf einen leisen, aber seitengleichen Befund. Die pathologische Dichtezunahme des Lungengewebes bei Infiltraten führt zu einer besseren Leitfähigkeit und damit zu einem deutlichen und lauter hörbaren Auskultationsbefund.

Das gleiche physikalische Prinzip macht man sich bei der Ägophonie zunutze.
  • Hier sagt der Patient bei gleichzeitiger Auskultation laut i. Ist das Lungengewebe pathologisch verdichtet, so hören Sie als Untersucher bei der Auskultation ein e.

Zusammenfassung

  • Bei der Lungenauskultation sollte der Patient sitzen.

  • Unter Bronchialatmen versteht man ein scharfes, hochfrequentes, während der Exspiration hörbares Atemgeräusch. Es kann physiologisch über der Trachea, den Bronchien und zwischen den Schulterblättern auskultiert werden.

  • Einem abgeschwächten oder fehlenden Atemgeräusch liegt eine Minderbelüftung des entsprechenden Lungenareals zugrunde.

  • Zu den trockenen Rasselgeräuschen zählen Pfeifen, Giemen und Brummen.

  • Feuchte Rasselgeräusche werden in fein-, mittel- und grobblasig bzw. klingend und nicht klingend eingeteilt.

  • Pleurareiben entsteht durch ein Aneinanderreiben der beiden Pleurablätter infolge von Entzündungen.

  • Die pathologische Dichtezunahme des Lungengewebes bei Infiltraten führt zu einer besseren Leitfähigkeit.

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