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B978-3-437-42107-5.50084-3

10.1016/B978-3-437-42107-5.50084-3

978-3-437-42107-5

Todesbescheinigung. [31]

Leichenflecken mit Dekubitus. [32]

Totenstarre, Rigor mortis. [15]

Charakteristika supravitaler Reaktionen und früher Leichenveränderungen bezogen auf den Todeszeitpunkt

Tab. 1
Todeszeichen Zeitspanne Beschreibung
Abkühlung (rektal gemessen) Stündlich Um 1 C (bei einer Umgebungstemperatur von 18 – 20 C)
Totenflecken Nach ca. 20 bis 60 Min. Deutlich an herabhängenden Körperpartien sichtbar
Nach ca. 2 Std. Konfluieren
Bis 2 Std. Vollständig umlagerbar
Bis 12 Std. Unvollständig umlagerbar, aber vollständig wegdrückbar
Bis 36 Std. Mittels starken Drucks noch teilweise wegdrückbar
Totenstarre Nach ca. 30 Min. bis 4 Std. Erstarrung der gesamten Muskulatur
Nach 6 – 9 Std. Vollständig ausgeprägt
Nach 2 – 3 Tagen Spontane Lösung
Ideomuskulärer Wulst Bis max. 6 Std. Durch Beklopfen erregbar
Bis 8 Std. Durch elektrische Reizung erregbar
Pupillenreaktion Bis 5 Std. Durch Eintropfen von Atropin in die Augen auslösbar
Bis ca. 17 Std. Durch Einspritzen von Atropin in die vordere Augenkammer auslösbar

Untersuchung von Verstorbenen

Jeder vollapprobierte Arzt ist im Rahmen seiner ärztlichen Tätigkeit verpflichtet, eine Leichenschau auf Verlangen beispielsweise von Angehörigen vorzunehmen und den Verstorbenen zu untersuchen. Bestandteil dieser Begutachtung ist die Feststellung des Todes, des Todeszeitpunkts, der Todesart und der Todesursache. Das Ergebnis der Untersuchung wird auf einer Todesbescheinigung ( Abb. 1), die der Beurkundung des Sterbefalls dient, festgehalten.

Todeszeichen

Jede Leiche muss vollständig entkleidet und bei ausreichend guten Lichtverhältnissen begutachtet werden. Der Tod eines Menschen kann grundsätzlich nur bei Vorliegen von mindestens einem sicheren Todeszeichen festgestellt werden. Bei V. a. ungeklärte oder nicht natürliche Todesursachen geben auch äußere Umstände (Lage, Bekleidung der Leiche, Spritzen) Hinweise auf die Todesursache.
  • Sichere Todeszeichen: Zu den sicheren Todeszeichen zählen neben den Totenflecken (Livores) und der Totenstarre (Rigor mortis) auch späte Leichenveränderungen, wie z. B. Autolyse oder Fäulniserscheinungen. Mindestens eines dieser Todeszeichen muss am Leichnam für die Feststellung des Todes vorhanden sein.

  • Unsichere Todeszeichen: Als unsichere Todeszeichen werden neben dem Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand auch Hautblässe, Hautvertrocknungen, eine Abkühlung des Leichnams, eine Areflexie und Ausbleiben einer normalen Pupillenreaktion angesehen. Bei diesen Zeichen muss von einem klinischen Tod ausgegangen werden, bei dem eine Reanimationspflicht gegeben ist.

Leichenveränderungen

Frühe Leichenveränderungen
Abkühlung
Obwohl die Abkühlung nicht zu den sicheren Todeszeichen gehört, kann sie zur Bestimmung der Todeszeit herangezogen werden. Die Rektaltemperatur nimmt bei einer Umgebungstemperatur von 18–20 Cstündlich um 1 C ab und gleicht sich im späteren Verlauf der Umgebungstemperatur an. Allerdings ist die Abkühlung der Leiche von vielen Faktoren abhängig und erfolgt beispielsweise durch Strahlung (z. B. frei hängende Leiche) langsamer als durch Leitung (Wasserleichen, Verschüttete). Äußere Faktoren, wie z. B. Kleidung, Unterhautfettgewebe, Außentemperaturen und Wetterverhältnisse, sind ebenfalls von Bedeutung.
Totenflecken (Livores)
Totenflecken entwickeln sich postmortal durch das Absinken des Blutes in tiefer gelegene Körperteile ( Abb. 2). Mit Ausnahme der Aufliegestellen und der Stellen, an denen die Haut unter Druck ist, sind die Totenflecken nach 20 – 60 Min. deutlich ausgeprägt und imponieren durch eineblauviolette, livide Verfärbung. Nach ca. zwei Std. beginnen sie zu konfluieren und sind dann mit fortschreitender Zeit nicht mehr wegdrückbar.
Totenstarre (Rigor mortis)
Durch einen postmortalen intramuskulären Abbau von Adenosintriphosphat (ATP) entsteht nach etwa 30 Min. bis vier Std. die Totenstarre ( Abb. 3). Diese beginnt mit den am meisten beanspruchten Muskeln (Unterkiefer-, Hals- und Nackenmuskulatur) und steigt dann abwärts. Nach ca. zwei bis sechs Tagen löst sich die Starre bei Eintritt der Fäulnis in umgekehrter Reihenfolge. Gegen die Schwerkraft erhobene Körperteile deuten also auf eine Veränderung der Lage der Leiche nach mindestens neun Std. hin ( Tab. 1).
Hautveränderungen
Hautveränderungen können in vielfältiger Weise auftreten. So entstehen beispielsweise durch Wasserentzug aus dem Gewebe nach Todeseintritt einzelne Vertrocknungen, die als braunrote, lederartige Flecken imponieren. Abschürfungen zeichnen sich postmortal durch braunrote, teils helle, teils dunkle Vertrocknungen aus. Verfärbungen infolge intravital zugefügter Hämatome erscheinen bis zu sechs Std. nach dem Tod als blauviolett und wandeln sich nach ca. acht Tagen über eine grünliche zu einer gelblichen Verfärbung um.
Späte Leichenveränderungen
Späte Leichenveränderungen sind durch Autolyse, Verwesung bzw. Fäulnis gekennzeichnet. Sie sind sehr stark von der Todesart und den Umgebungsbedingungen abhängig und eignen sich daher nur schlecht zur Todeszeitbestimmung. Fäulnis zeigt sich zuerst durch eine Grünverfärbung der Haut im Unterbauchbereich, ein Durchschlagen des Venennetzes und durch ein aufgetriebenes Aussehen des Leichnams. Die Verwesung setzt im Anschluss an die Fäulnis ein. Oxidative Prozesse führen hier zu einem Schrumpfen der Haut und schließlich zu einer völligen Skelettierung der Leiche.

Todeszeitpunkt

Der Todeszeitpunkt als endgültiger, nicht behebbarer Ausfall aller Hirnfunktionen (Hirntod) spielt besonders in der forensischen Medizin bei der Aufklärung von Verbrechen eine wichtige Rolle. Zur ungefähren Schätzung des Todeseintritts dienen die Auslösbarkeit der supravitalen Reaktionen, beispielsweise die mechanische und elektrische Erregbarkeit der Muskulatur (ideomuskulärer Wulst), die Pupillenreaktion auf Medikamente und die frühen Leichenveränderungen ( Tab. 1). Gegebenenfalls können allerdings auch Veränderungen in der Umgebung der Leiche, z. B. Pflanzenwuchs oder Wetterveränderungen, als Hinweis fungieren.

Todesursache

Natürliche Ursache
Ist der Tod aus innerer Ursache (z. B. Krankheit, Altersschwäche) und unabhängig von rechtlich relevanten äußeren Einflüssen eingetreten, so spricht manvon einer natürlichen Todesursache. Der untersuchende Arzt stellt hier die Todesbescheinigung aus und gibt den Leichnam somit zur Bestattung frei.
Nicht natürliche (unnatürliche) Ursache
Jeder durch fremdes (z. B. Verkehrsunfall, Körperverletzung, Vergiftung) oder eigenes Verschulden (z. B. Suizid) verursachte Tod ist als nicht natürlich anzusehen. Hier muss der untersuchende Arzt die Polizei verständigen und den Fundort möglichst unberührt belassen. Es erfolgt eine gerichtlich angeordnete Obduktion zur Feststellung der genauen Todesursache.

Zusammenfassung

  • Jeder Arzt ist verpflichtet, auf Verlangen eine Leichenschau durchzuführen.

  • Das Ausstellen einer Todesbescheinigung nach der Leichenschau ist obligat.

  • Bestandteil der Todesbescheinigung sind die Todesfeststellung, der Todeszeitpunkt, die Todesart und die Todesursache.

  • Totenflecken, Totenstarre und späte Leichenveränderungen zählen zu den sicheren Todeszeichen.

  • Der Todeszeitpunkt lässt sich aus den frühen Leichenveränderungen ungefähr eingrenzen.

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