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B978-3-437-42107-5.50037-5

10.1016/B978-3-437-42107-5.50037-5

978-3-437-42107-5

Hodenschwellung bei Hodentorsion. [14]

Hypospadie. [15]

Epispadie. [15]

Primäraffekt bei Lues. [1]

Schemadarstellung einer Hodenretention mit entsprechenden Lageanomalien. [14]

Urologische Untersuchung

Die urologische Untersuchung beinhaltet die Inspektion des äußeren männlichen Genitales sowie die Palpation von Penis, Hoden, Nebenhoden bzw. die rektale Austastung mit Beurteilung der Prostata. Die Verwendung von Einmalhandschuhen erklärt sich aus hygienischen Gründen und wegen potenzieller Infektionsgefahr von selbst. Bei Bedarf kann zudem eine Untersuchung des Ejakulats gemacht werden (s. Anhang). Der Arzt muss bei der Untersuchung des Genitales einfühlsam bleiben und die einzelnen Untersuchungsschritte erklären. Eventuelle indirekte Schmerzäußerungen, wie z. B. die Gesichtsmimik, sollten beachtet werden. Der weiblichen Untersucherin sollte eine Hilfskraft assistieren.

Anamnese
Neben den evtl. präsentierten Leitsymptomen sollte der Patient nach seiner medizinischen Vorgeschichte gefragt werden. So sind z. B. Kinderkrankheiten wie Mumps (Gefahr der Orchitis), aber auch vergangene Traumen, Geschlechtskrankheiten, Voroperationen und systemische Erkrankungen (wie Diabetes mellitus) wichtige Informationen. Die Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. -Blocker, Thiaziddiuretika oder Substanzen wie Viagra, kann für den Patienten nicht unerhebliche Nebenwirkungen (z. B. erektile Dysfunktion, kardiale Beschwerden) haben und sollte deshalb abgefragt und im Aufnahme-/Behandlungsbogen eingetragen werden. Schließlich muss bei Verdacht auf infektiöse Geschlechtskrankheiten eine Sexualanamnese (sexuelle Orientierung, Sexualpartner, Schutzmaßnahmen) erhoben und ggf. bereits auf mögliche Übertragungswege und -risiken hingewiesen werden.
Inspektion und Palpation
Zu beachten sind anatomische Auffälligkeiten (z. B. körperliche Disproportionen), Veränderungen im Bereich der Haut und Behaarung (Gynäkomastie, Rötungen, Schwellungen, Abb. 1). Die Behaarung lässt sich – entsprechend der Geschlechtsbehaarung der Frau – nach Thanner bestimmten Entwicklungsstadien zuordnen (s. Anhang). Ein unterentwickeltes Geschlechtsorgan (sog. Hypogonadismus) kann Hinweis auf androgenetische Erkrankungen sein, Kratzspuren lassen an Läuse oder Skabies denken.
Penis
Für die Palpation des Penis wird die Vorhaut (Präputium) zurückgezogen. Dies sollte normalerweise ohne Widerstand und Schmerzen möglich sein. Bei Vorliegen einer Phimose, einer Vorhautverengung, ist das Zurückziehen nicht möglich.

Bei einer Phimose sollte nicht versucht werden, die Vorhaut zurückzuziehen, da die Gefahr der Einklemmung der Glans penis (Paraphimose) besteht.

Beurteilt wird auch die Position der Urethraöffnung; Die pathologische Verlagerung der Öffnung an die Unterseite wird als Hypospadie ( Abb. 2), an die Oberseite als Epispadie ( Abb. 3) bezeichnet. Um einen Ausfluss zu provozieren, wird der Penis von der Schaftbasis zur Glans hin ausgestrichen. Eine Sekretion muss mittels Abstrich einer mikrobiologischen Untersuchung unterzogen werden.
Es muss auf Entzündungszeichen (z. B. bei Balanitis) und warzenförmige Hautveränderungen oder Ulzerationen geachtet werden. Condylomata acuminata (s. S. 74, Abb. 2) sind durch HPV hervorgerufene blumenkohlartige Hyperkeratosen. Das Ulcus durum ist der Primäraffekt der Syphilis und erscheint als schmerzloses Geschwür mit harten Rändern ( Abb. 4). Das Bild einer Herpes-genitalis-Infektion besteht aus herpetiform angeordneten Bläschen an der Glans penis oder dem Präputium.
Skrotum, Hoden, Nebenhoden
Die Untersuchung erfolgt zunächst am stehenden Patienten. Skrotum und jeder Hoden einzeln werden mit beiden Händen palpiert; dabei wird versucht, die Strukturen des Hodens, den Nebenhodenkopf und den nach kranial verlaufenden Ductus deferens zu ertasten. Die Strukturen werden nach Größe, Form, Konsistenz und Druckschmerzhaftigkeit beurteilt.
Das Skrotum ist normalerweise weich und schlaff, das Normalvolumen liegt zwischen 12 und 15 ml. Der linke Hoden steht tiefer als der rechte. Die Hoden eines gesunden Erwachsenen sind zwischen 3 und 5 cm groß und in ihrer Konsistenz prall-elastisch und nicht druckschmerzhaft. Lässt sich nur ein Hoden im Skrotum ertasten, so liegt höchstwahrscheinlich eine Hodenretention vor ( Abb. 5). Normalerweise deszendieren die Hoden bis zum Ende des 2. Lebensjahres vollständig. Ist dies nicht der Fall, so sind die Hodenmeist inguinal, abdominal oder femoral lokalisiert oder es liegt ein Gleithoden vor.
Kleine und atrophische Hoden können Folge einer abgelaufenen Orchitis oder eines Traumas sein. Zur Unterscheidung zwischen einer akuten Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis) und einer Hodentorsion eignet sich das Prehn-Zeichen.

Prehn-Zeichen

Bei Vorliegen einer Hodentorsion verstärkt sich der Schmerz beim Anheben des Skrotums, während es bei einer Epididymitis zu einer Schmerzerleichterung kommt.

Prostata
Die Palpation der Prostata ist Bestandteil der rektalen Untersuchung (s. S. 61). Eine normale Prostata findet sich an der anterioren Rektumwand, besteht aus zwei symmetrischen Lappen und hat einen Durchmesser von ca. 3,5 cm. Die Konsistenz lässt sich am besten als gummiballartig beschreiben. Die Vergrößerung des Organs, auch benigne Prostatahyperplasie genannt, ist im Alter nicht ungewöhnlich. Finden sich allerdings Asymmetrien und Konsistenzunterschiede, muss an die Möglichkeit eines Karzinoms gedacht und weitere, apparative Diagnostik (z. B. Sonografie, Biopsie) veranlasst werden.

Zusammenfassung

  • Die einzelnen Untersuchungsschritte müssen erklärt, auf indirekte Schmerzäußerungen, wie z. B. Gesichtsmimik, sollte geachtet werden.

  • Medikamente wie -Blocker, Thiaziddiuretika, Viagra können erhebliche NW haben.

  • Kratzspuren im Genitalbereich lassen an Läuse oder Skabies denken.

  • Bei einer Vorhautverengung sollte man ein Zurückziehen des Präputiums unbedingt unterlassen, da die Gefahr der Einklemmung der Glans penis besteht.

  • Zur Unterscheidung zwischen einer Epididymitis und einer Hodentorsion eignet sich das Prehn-Zeichen.

  • Konsistenzveränderungen und Asymmetrien der Prostata sind karzinomverdächtig.

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