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B978-3-437-42676-6.50035-8

10.1016/B978-3-437-42676-6.50035-8

978-3-437-42676-6

Entwicklung der Haut und ihrer Anhangsgebilde. [5]

Haut und Hautanhangsgebilde

Haut

Als größtes zusammenhängendes Organ umhüllt die Haut den Menschen komplett, schützt vor Kälte, Austrocknung und dem unmittelbaren Zugriff von Krankheitserregern und vermittelt als Sinnesorgan Informationen über Beschaffenheit und Temperatur der Umwelt. An den Körperöffnungen geht sie über in die unverhornte Schleimhaut, im Bereich der Augen stellen Konjunktiva und Kornea zwei spezialisierte Häute dar.
Bereits makroskopisch lässt sich die mit Haaren und Talgdrüsen versehene Felderhaut von der ausschließlich an den Hand- und Fußinnenflächen vorkommenden Leistenhaut unterscheiden. Diese ist nicht behaart, hat keine Talgdrüsen, dafür aber besonders viele Sinneszellen und Schweißdrüsen.
Histologisch gliedert man die Haut in Epidermis, Dermis und Subkutis.

Epidermis

Bis zum Ende der Embryonalzeit besteht die äußere Umgrenzung des Embryos lediglich aus einer einzelnen Schicht isoprismatischer Ektodermzellen, die dem Mesenchym aufliegt. Ende des achten Monats werden sie hochprismatisch und bekommen den Charakter einer Basalschicht, die zur Oberfläche hin eine Lage Plattenepithel ausbildet, das Periderm.
In den folgenden Wochen kommt es zur starken Proliferation der dann als Stratum germinativum fungierenden Basalschicht und zur Entstehung einer keratinozytenhaltigen Zwischenschicht unter dem Periderm. In Letzterem setzt langsam ein Verhornungsprozess ein, schließlich löst es sich ab und verschwindet. Währenddessen differenziert sich die Zwischenschicht wie folgt ( Abb. 1):
  • Stratum spinosum mit Keratin-bildenden Stachelzellen

  • Stratum granulosum mit Keratohyalingranula

  • Stratum corneum mit toten, kern- und organellenlosen verhornten Zellen.

Abschilfernde Zellen bilden im Gemisch mit dem Substrat der Talgdrüsen die Käseschmiere (Vernix caseosa), die die Haut vor dem direkten Kontakt mit der (u.a. urinhaltigen!) Amnionflüssigkeit schützt und die Gleitfähigkeit im Geburtskanal erhöht.
Zum Ende des zweiten Monats wandern Melanoblasten aus den Neuralleisten bis in die Basalschicht ein und beginnen hier im fünften Monat mit der Produktion und Weitergabe von Melanin. Abhängig von der Menge dieses Pigments erscheint die Haut mehr oder weniger dunkel, wobei sich die Intensität einer dunklen Hautfarbe meist erst postnatal ausprägt.
Aus dem Knochenmark wandern die Langerhans-Zellen in die Epidermis. Dort erfolgt die Auseinandersetzung dieser noch unreifen antigenpräsentierenden Zellen mit in die Haut eindringenden Fremdsubstanzen. Schließlich finden sich in der Oberhaut die aus der Neuralleiste stammenden Merkel-Zellen, deren Funktion in der Druckrezeption besteht.

Dermis und Subkutis

Die Dermis entsteht aus dem Mesenchym des Seitenplattenmesoderms und der Somiten und unterliegt wie diese einer segmentalen Gliederung, die sich am Innervationsmuster erkennbar macht. Mit der Epidermis ist sie mittels fingerförmiger Auswüchse, sogenannter Dermispapillen, verzahnt, die sich zwischen den von der Oberhaut ausgehenden Reteleisten ausbreiten. Auf diese Weise wird die Oberfläche beider Schichten sowohl zur Sicherung des mechanischen Halts als auch für den Stoffaustausch vergrößert. Bis in die Spitzen der Papillen wachsen Kapillarschleifen, in einen Teil von ihnen auch sensorische Nervenfasern ein.
Differenziert zu Fibroblasten beginnen die dermalen Mesenchymzellen im dritten Monat mit der Synthese von Kollagen- und elastischen Fasern, die sich besonders im Grenzgebiet zur Subkutis dicht aneinanderlagern. So lässt sich bald innerhalb der Dermis ein Stratum reticulare mit straffem Bindegewebe vom Stratum papillare mit eher lockerem Bindegewebe unterscheiden.
Die Subkutis besteht im Wesentlichen aus Fettgewebe, dessen Zellen ab der 27. Entwicklungswoche einwandern und so eine Straffung der Haut und die Rundung der äußeren Körperform bewirken. Sie lagern sich in einem Gerüst aus lockerem Bindegewebe und dienen je nach Lokalisation als Bau- oder Depotfett, als Polster oder Wärmeisolator. Als Sensoren für Druck und Vibration wandern die Vater-Pacini-Lamellenkörperchen aus der Neuralleiste ein.

Hautanhangsgebilde

Haare

Die Bildung erster Haare beginnt zwischen neunter und zwölfer Entwicklungswoche im Bereich von Augenbrauen, Oberlippe und Kinn mit Einstülpungen der epidermalen Basalschicht in das darunter liegende Mesenchym ( Abb. 1). Auf diese Weise entsteht die Haarknospe, die sich durch die Anlagerung immer neuer Zellen zur Haarzwiebel verbreitert. Ihre basale Seite bildet die Keimschicht, die durch das Vordringen der mesenchymalen Haarpapille nach innen verlagert wird. Haarzwiebel, Haarpapille und das um sie gelagerte Mesenchym bilden gemeinsam den Haarfollikel, der über die dermale und epidermale Wurzelscheide mit der Hautoberfläche in Verbindung steht. Die proliferierenden Zellen der Keimschicht dringen in die Wurzelscheide vor, verhornen und bilden den Haarschaft. Melanozyten wandern ab der zehnten Woche in die Keimschicht ein und setzen Melanin frei, welches dem Haar seine Farbe verleiht.
Die fetalen Haare sind sehr dünn und weich und werden als Flaum- oder Lanugohaare bezeichnet. Sie bedecken den gesamten Körper, außer den Hand- und Fußinnenflächen und den Lippen. Um die Geburt herum werden sie ersetzt durch Vellushaare. Im Erwachsenenalter bilden sich die Terminalhaare, die in bestimmten Körperregionen (Kopf, Achselhöhlen, Schamgegend, Bart bei Männern) besonders kräftig sind.
Einige Mesenchymzellen differenzieren sich in der Umgebung der dermalen Wurzelscheide zu den glatten Muskelzellen des M. arrector pili. Ihre Kontraktion bewirkt die Anhebung des Haarfollikels zur Bildung einer Gänsehaut.

Hautdrüsen

Talgdrüsen entstehen aus kleinen Epithelknospen am Rand der Wurzelscheiden, die in das Mesenchym einwachsen, sich dabei verzweigen und Aus führungsgänge und Endstücke bilden ( Abb. 1). Ihr öliges Sekret geben sie direkt in den Haartrichter ab, von wo aus es zur Hautoberfläche transportiert wird, um dort der Fettung von Haut und Haaren bzw. in der Fetalzeit der Bildung der Käseschmiere zu dienen.
Große apokrine Schweißdrüsen bilden sich im Zusammenhang mit den Haarfollikeln um die Körperöffnungen, in der Schamgegend, am Brustwarzenvorhof und in der Axilla und erfüllen dort die phylogenetisch alte Funktion von Duftdrüsen. Die weit größere Hautfläche aber ist ausgestattet mit kleinen ekkrinen Schweißdrüsen, deren Sekret in erster Linie zur Flüssigkeitsabgabe und Kühlung dient. Sie senken sich zunächst als ein solider Zapfen von Epithelzellen in die Tiefe des Mesenchyms, wo sich ihre Spitze zum Knäuel windet, während gleichzeitig das Drüsenlumen und der Ausführungsgang entstehen. Ihr Drüsenkörper ist ausgestattet mit myoepithelialen Zellen, welche mit ihrer Kontraktion die Schweißabgabe bewirken.

Brustdrüsen

In der sechsten Entwicklungswoche bildet sich als eine von der Achselgegend bis in die Inguinalregion verlaufende Epithelverdickung die Milchleiste aus. Während bei anderen Säugetieren daraus zwei Reihen von Zitzen entstehen, entwickelt sich beim Menschen nur ein kleiner Bereich über dem M. pectoralis major zur Milchdrüse. Dafür senkt sich ähnlich wie bei den apokrinen Schweißdrüsen eine Epithelknospe in das Mesenchym, die sich allerdings nicht zu einem langen Drüsengang auswächst, sondern bereits früh mit der Ausbildung dichotomer Verzweigungen beginnt. Auf diese Weise entsteht ein Drüsenbaum, an dessen zahlreichen Enden sich alveoläre Drüsenendstücke ausbilden, die ihr Sekret über die Ductus lactiferi in den Sinus lactiferus, das Brustdrüsengrübchen, abgeben. Dieses ist zum Zeitpunkt der Geburt mit der Brustwarze unter das Niveau des Warzenhofs eingesenkt, hebt sich aber durch Mesenchymproliferation bald aus diesem hervor. Unmittelbar nach der Geburt kann es unter dem Einfluss mütterlicher Hormone zur Abgabe eines als Hexenmilch bezeichneten Sekrets kommen. Danach verbleiben die Brustdrüsen bei beiden Geschlechtern aber bis zur Pubertät in einem Ruhestadium.

Bei einer Polythelie finden sich überzählige Brustwarzen, bei einer Polymastie auch Drüsenkörper entlang der ursprünglichen Milchleiste. Abhängig vom Differenzierungsgrad wird daraus während der Stillzeit auch Milch sezerniert.

Nägel

Die Entwicklung der Nägel beginnt in der zehnten Entwicklungswoche an den Fingerkuppen, einen Monat später auch an den Zehenspitzen mit einer epithelialen Verdickung. Diese wandert auf die Dorsalseiten der Finger- und Zehenenden, wo sich das primäre Nagelfeld bildet. Es ist von vier Seiten begrenzt durch schmale Furchen: proximal und seitlich durch den Nagelfalz, distal durch den Nagelwall. Im Bereich des proximalen Nagelfalzes bildet sich aus dem Ektoderm die Nagelmatrix, deren Zellen sowohl rückwärts in das Fingermesenchym als auch vorwärts über das Nagelfeld wachsen und dort zur Nagelplatte verhärten. Die anfangs den gesamten Nagel bedeckende Epidermisschicht (Eponychium) bildet sich bis auf das Nagelhäutchen zurück. Dieses überdeckt auch beim Erwachsenen die Lunula, jene helle, halbmondförmige Wachstumszone am sichtbaren proximalen Nagelende.
Bis zur 32. Entwicklungswoche haben die Fingernägel den Rand der Fingerkuppen erreicht, vier Wochen später sind auch die Zehennägel an der Zehenspitze angekommen, was bei der Geburt als Reifezeichen gewertet wird.

Zusammenfassung

  • Die Epidermis entsteht aus dem Ektoderm, dessen Zellen im Bereich der Basalschicht proliferieren und immer wieder Nachschub für das Stratum spinosum, granulosum und corneum liefern.

  • Die Dermis verzahnt sich über papilläre Ausläufer mit der Epidermis. Sie ist – wie die Subkutis – mesodermaler Herkunft.

  • Die Haarfollikel bestehen aus der Haarzwiebel, die die Keimschicht und die Haarpapille umschließt. Sie gehen aus epidermalen Einstülpungen in das Mesenchym hervor.

  • Talg-, Duft-, Schweiß- und Brustdrüsen entstehen aus soliden Strängen der Epidermis, die sich entweder verzweigen oder verknäulen und nach der Kanalisierung ihr Sekret an die Hautoberfläche abgeben.

  • Die Nagelmatrix als Keimepithel der Zehen- und Fingernägel geht auf ektodermale Zellen zurück, die sich am Rande des Nagelfeldes sammeln.

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