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B978-3-437-42676-6.50023-1

10.1016/B978-3-437-42676-6.50023-1

978-3-437-42676-6

Entwicklung des Blutkreislaufs. Die Organe sind nicht maßstabgetreu gezeichnet. [5] A) Fetaler Kreislauf. B) Blutkreislauf nach der Geburt. Die pränatal existierenden Shunt-Verbindungen (Ductus arteriosus, Foramen ovale, Ductus venosus) werden postnatal geschlossen.

Schlundbogenarterien und ihre Derivate

Tab. 1
Schlundbogenarterie Entwicklung
Erste Schlund- bogenarterie
  • Verschwindet fast vollständig

  • Reste werden in A. maxillaris und A. carotis externa integriert.

Zweite Schlund- bogenarterie
  • Verschwindet fast vollständig

  • Reste gehen in die A. stapedia ein, die für die Entwicklung des Mittelohrs von Bedeutung ist und das Loch im Steigbügel hinterlässt.

Dritte Schlund- bogenarterie
  • Proximaler Abschnitt: A. carotis communis

  • Distaler Abschnitt: A. carotis interna.

Vierte Schlundbogenarterie
  • Linke vierte Schlundbogenarterie: Teil des definitiven Aor-tenbogens; die ventrale Aorta wird zur Aorta ascendens, die dorsale zur Aorta descendens.

  • Rechte vierte Schlundbogenarterie: proximaler Abschnitt der rechten A. subclavia (ihr distaler Abschnitt und die gesamte linke A. subclavia gehen aus der paarigen siebten Segmentarterie hervor).

Fünfte Schlundbogenarterie
  • Wird nur bei der Hälfte aller Embryonen angelegt und verschwindet, ohne Derivate zu hinterlassen.

Sechste Schlundbogenarterie
  • Linke sechste Schlundbogenarterie: proximaler Abschnitt der linken A. pulmonalis; ihr distaler Teil stellt als Ductus arteriosus Botalli die Kurzschlussverbindung zwischen linker Pulmonalarterie und dorsaler Aorta dar.

  • Rechte sechste Schlundbogenarterie: proximaler Abschnitt der rechten A. pulmonalis.

Herz, Blutkreislauf und lymphatisches System II

Blutkreislauf

Arterien (Fortsetzung)

Tabelle 1 stellt die Entwicklung der Schlundbogenarterien dar.
Zur Versorgung des sechsten Schlundbogensegments schlingt sich der N. laryngeus recurrens, ein Ast des N. vagus, von kranial kommend beidseits um die sechsten Schlundbogenarterien und kehrt in die Kehlkopfanlage zurück. Mit der Rückbildung des distalen Gefäßabschnitts auf der rechten Seite verliert er dort seinen Halt, gelangt nach oben und bleibt an der vierten Schlundbogenarterie bzw. der A. subclavia hängen. Links windet er sich um den Ductus arteriosus Botalli bzw. nach dessen Obliteration um das Ligamentum arteriosum und den Aortenbogen.

Als Aortenisthmusstenose bezeichnet man eine Verengung der Aorta distal des Abgangs der A. subclavia. Je nach ihrer Lage zum Ductus arteriosus lässt sich die präduktale von der postduktalen unterscheiden. Während Letztere bereits pränatal die Bildung eines Umgehungskreislaufs induziert, treten die Schwierigkeiten bei der präduktalen Aortenisthmusstenose erst nach der Geburt auf: Mit dem Verschluss des Ductus arteriosus kommt es zur plötzlichen Mangeldurchblutung der unteren Körperhälfte. Therapeutisch kommen präoperativ Prostaglandine zum Einsatz, die den Ductus arteriosus offenhalten.

Die der dorsalen Aorta entspringenden Segment- oder Intersegmentalarterien vereinigen sich im Bereich des Halses zu den beiden Aa. vertebrales, die durch die Foramina der Procc. transversales in den Schädel ziehen. Die siebte Segmentarterie beteiligt sich an der Bildung der A. subclavia. Im Thorax- und Lendenbereich ist die segmentale Zuordnung noch deutlich am Verlauf der Aa. intercostales und Aa. lumbales zu erkennen. Viele Segmentarterien verlieren aber auch ihre Verbindung zur Aorta oder vereinigen sich zu segmentübergreifenden Gefäßen.
Auch einige unpaare Gefäße verlassen die dorsale Aorta: Als Aa. vitellinae (Dottersackarterien) sind sie für die Blutversorgung des aus dem Dottersack entstehenden Darms zuständig. Aus ihnen entsteht der Truncus coeliacus sowie die A. mesenterica superior und inferior.
Kaudal verschmelzen die beiden dorsalen Aorten nicht, sondern ziehen als zwei getrennte Aa. umbilicales durch die Nabelschnur in die Plazenta, wo sie sauerstoffarmes Blut zur O2-Anreicherung in die Choriongefäße leiten. Ihre proximalen Anteile werden zu den Aa. iliaca internae, während die distalen Teile zum paarigen Lig. umbilicale mediale obliterieren.

Venen

Der venöse Zufluss des Herzens über die beiden Sinushörner erfolgt durch drei paarige Gefäße: Dottersackvenen (Vv. vitellinae), Nabelvenen (Vv. umbilicales) und Kardinalvenen (Vv. cardinales communes). Die Vv. vitellinae transportieren das sauerstoffarme Blut aus der Wand des Dottersacks zum Herzen. Dabei durchqueren sie das Septum transversum, in dem sich die Leberanlage entwickelt. In deren Innerem formieren sich aus Zellsträngen und endothelial ausgekleideten Hohlräumen die Lebersinusoide, welche Anschluss an die Dottervenen finden. Die rechte V. vitellina bildet die Vv. hepaticae sowie Teile der V. cava inferior und der V. portae. Letztere nimmt das Blut aus dem Darm und den unpaaren Verdauungsorganen auf und leitet es der Leber zu. Die linke V. vitellina geht in die Lebersinusoide ein.
Die rechte der beiden Nabelvenen bildet sich frühzeitig zurück, während die linke das sauerstoffreiche Blut aus der Plazenta zum Herzen transportiert. Um das Kapillarnetz der Leber zu umgehen, bildet sich zwischen ihr und dem Sinus venosus als kräftiges transhepatisches Gefäß der Ductus venosus Arantii aus. Postnatal obliteriert er zum Lig. venosum, Reste der linken Nabelvene werden zum Lig. teres hepatis.
Die beiden Kardinalvenen verlaufen parallel zur Körperachse durch den Embryo und transportieren das Blut der oberen (Vv. cardinales superiores) und unteren (Vv. cardinales inferiores) Körperhälfte über ihren Zusammenfluss als Vv. cardinales communes und den Sinus venosus zum Herzen. Bald besteht kranial zwischen ihnen eine Querverbindung, unterhalb derer sich die linke V. cardinalis zurückbildet. Auf diese Weise entsteht die V. brachiocephalica sinistra. Die rechte V. cardinalis superior wird zur V. cava superior und zur V. brachiocephalica dextra.
Die Vv. cardinales inferiores spielen eine Rolle bei der Entstehung der Urnieren und bilden sich mit ihnen weitgehend zurück. Statt ihrer übernehmen bald die Vv. subcardinales und supracardinales den Transport des venösen Bluts aus Nieren und Genitalien in die V. cava inferior, deren Stamm sie teilweise selbst bilden. Auch die Vv. azygos und hemiazygos entstehen aus den Suprakardinalvenen.

Fetaler und postnataler Blutkreislauf

Charakteristisch für den fetalen Kreislauf sind drei Kurzschlussverbindungen, die der Rolle der Plazenta als Gas- und Stoffwechselorgan gerecht werden ( Abb. 2). Mit der Geburt und der Durchtrennung der Nabelschnur übernehmen Lunge und Leber diese Funktionen und müssen somit anders in den Kreislauf integriert werden. Durch den sofortigen – zunächst funktionellen – Verschluss des Foramen ovale und die nach einigen Stunden vollzogene Kontraktion des Ductus arteriosus und des Ductus venosus ändern sich Druck- und Volumenverhältnisse in Herz, Leber und Lunge, und Körper- und der Lungenkreislauf werden getrennt.

Lymphsystem

Ende der fünften Entwicklungswoche bilden sich – wiederum durch Differenzierung von Mesodermzellen – nahe der venösen Blutgefäße erste Lymphkapillaren aus. Bald darauf entstehen sechs Lymphsäckchen: zwei juguläre an der Mündungsstelle der zukünftigen V. jugularis interna, zwei iliakale am Übergang von V. iliaca und V. cardinalis inferior, ein retroperitonales und – ebenfalls im Retroperitonealraum – die Cysterna chyli. Die Lymphkapillaren bilden ein Gefäßnetz. Kräftigere Stämme verbinden die Cysterna chyli mit den jugulären Säckchen. Aus ihnen entstehen der Ductus thoracicus und der Ductus lymphaticus dexter, die die Lymphe in den linken und rechten Venenwinkel einspeisen.
Durch mesenchymal gesteuerte Umstrukturierungen werden aus den Lymphsäckchen im Laufe der frühen Fetalzeit Gruppen von Lymphknoten, in deren zentrales Retikulum die Vorläufer der B- und T-Lymphozyten einwandern, während sich in der Rinde die Lymphfollikel ausbilden.
Als eine Art großer Lymphknoten entsteht im dorsalen Mesogastrium aus Mesenchymzellen die Milz. Aus den einwandernden T-Vorläuferzellen und B-Lymphozyten wird die weiße Pulpa. Blutgefüllte Sinusoide im Umfeld der Zentralarterie und ihrer Äste bilden die rote Pulpa, die der Abschöpfung funktionsuntüchtiger Erythrozyten dient.

Zusammenfassung

  • Die Kardiogenese in Stichworten: kardiogene Platte Herzschlauch Herzschleife mit Truncus arteriosus, Bulbus cordis, primitiven Ventrikel, primitiven Atrium und Sinus venosus samt Sinushörnern Bildung von inneren Septen, die Vorhöfe und Herzkammern voneinander trennen; Integration des Sinus venosus in das rechte Atrium; Teilung des Truncus arteriosus in Aorta und Pulmonalarterie

  • Aus den Schlundbogen-, Segment-, Dottersack- und Umbilikalarterien entsteht das arterielle, aus Dottersack-, Umbilikal- und Kardinalvenen das venöse Grundgerüst des Blutkreislaufs.

  • Im Unterschied zum adulten bestehen im fetalen Kreislauf drei Kurzschlussverbindungen zur Umgehung von Leber und Lunge: Ductus venosus, Ductus arteriosus und Foramen ovale.

  • Das Lymphsystem entwickelt sich aus Lymphgefäßen und Lymphsäckchen.

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