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B978-3-437-42676-6.50036-X

10.1016/B978-3-437-42676-6.50036-X

978-3-437-42676-6

Aufteilung der embryonalen Leibeshöhle. [5]

Entstehung des Zwerchfells. [8]

Körperhöhlen und Zwerchfell

Der erste embryonale Hohlraum liegt in der Keimscheibe zwischen Hypoblast und Epiblast, bevor mesodermale Zellen ihn als drittes Keimblatt füllen. Als nächste tritt in der dritten Entwicklungswoche die Pleuroperikardhöhle in Erscheinung, die sich hufeisenförmig um die Herzanlage legt, um später zur Perikard- und den Pleurahöhlen zu werden ( Abb. 1A). In der vierten Woche bilden die miteinander konfluierenden Spalten im Seitenplattenmesoderm den intraembryonalen Zölomspalt, aus dem die Peritonealhöhle hervorgeht. Er trennt innerhalb des Seitenplattenmesoderms ein parietales (Somatopleura) und viszeralen Blatt (Splanchnopleura) voneinander. Aus der Somatopleura entstehen jeweils die Außenwände der künftigen Körperhöhlen: parietales Peritoneum, parietale Pleura, Serosa des Perikards. Die Splanchnopleura wird zu viszeralem Peritoneum, viszeraler Pleura und Epikard.

Am Rand der Keimscheibe geht das intraembryonale zunächst fließend in das extraembryonale Zölom über. Mit der Abfaltung des Keims werden beide voneinander getrennt. Dann liegt das parietale Blatt des Seitenplattenmesoderms der ventralen Leibeswand innen an und geht im Mesenterium, also der dorsalen Befestigung des Darms, in das viszerale Blatt über, welches den einverleibten Dottersack bzw. den Darm umschließt.

Zwischen der Herzanlage und der sich aus dem Darm entwickelnden Leber bildet sich, zunächst im Halsbereich, ausgehend von der ventralen Leibeswand eine mesenchymale Platte und wächst waagerecht auf die dorsale Wand zu. Als Septum transversum trennt sie die Pleuroperikardhöhle von der Peritonealhöhle. Die dorsale Wand wird allerdings nicht erreicht. Zwischen ihr und dem Septum bleiben die beiden Zölomkanäle (Canales pericardioperitoneales) als kraniokaudale Durchgänge bestehen. Voneinander sind sie durch die Wölbung des Darmrohrs getrennt.

Die beiden aus der vom Ösophagus abgesonderten Trachealknospe hervorgehenden Bronchialbäume wachsen ummantelt vom viszeralen Blatt des Seitenplattenmesoderms in die Zölomkanäle hinein. Sie kommen damit zunächst dorsal der Herzanlage und des Septum transversum zu liegen, ehe sie sich weiter nach ventrolateral ausdehnen.

Gleichzeitig treten rechts und links aus der lateralen Körperwand die zwei Plicae pleurocardiales hervor. Dies sind mesenchymale Falten, in denen je eine V. cardinalis communis und ein N. phrenicus enthalten sind. Beide wachsen aufeinander zu und vereinigen sich medial miteinander. Auf diese Weise werden Pleura- und Perikardhöhle voneinander geschieden ( Abb. 1B und 1C).

Die Zölomkanäle dehnen sich, ebenso wie die Lungenflügel, weiter aus, dringen nach kranial und kaudal, auch zwischen Herzbeutel und vordere Leibeswand und füllen schließlich fast den gesamten Thoraxraum aus.

Aus der dorsolateralen Leibeswand wachsen die beiden Plicae pleuroperitoneales auf das Septum transversum zu, verschmelzen mit diesem und trennen so als dritten Raum nach kaudal hin die Peritonealhöhle ab.

Pleurahöhle

Die beiden Pleurahöhlen, in denen die Lungen ihren Raum finden, gehen aus den Zölomkanälen (Ductus pericardioperitoneales) hervor, welche dorsal des Septum transversum und lateral von Trachea und Ösophagus als Verbindung zwischen Bauch- und Brustraum dienen. Sie erweitern sich durch das Wachstum des Bronchialbaumes und werden dabei oben und unten durch je eine, der lateralen Körperwand entspringende mesenchymale Falte begrenzt. Oben sind dies die Plicae pleuropericardiales, die aufeinander zu wachsen ( Abb. 1B), bis nur noch eine schmale Verbindung (Ductus pleuropericardiaci) zwischen Perikard- und Pleurahöhlen bleibt. Unten liegen die Plicae pleuroperitoneales, die sich einander und dem Septum transversum annähern, um lediglich als schmalen Durchgang von der Pleura- und die Peritonealhöhle den Ductus pleuroperitonealis zu lassen. Schließlich verschmelzen die paarigen Falten vollständig miteinander. Die so entstandenen Pleurahöhlen sind medial durch eine breite Bindegewebsschicht, das Mediastinum, voneinander getrennt.
Die im Inneren der Pleurahöhlen wachsenden und diese gleichsam ausformenden Lungenflügel sind umschlossen von der Splanchnopleura. Die Außenwand der Pleurahöhlen besteht aus der Somatopleura. Beide Schichten nähern sich einander an, bis nun noch ein sehr dünner, flüssigkeitsgefüllter Spaltraum zwischen ihnen bleibt. Die in ihm herrschenden Adhäsionskräfte sind maßgeblich an der Atemarbeit beteiligt. Dehnt sich der Thorax bei der Inspiration, werden auch die Lungen erweitert. Dringt Luft in den Pleuraspalt, fallen sie schlagartig zusammen.

Perikardhöhle

Wie ein umgekehrtes U legt sich der kraniale Abschnitt des intraembryonalen Zöloms um die Herzanlage. Kaudal geht er in die beiden Zölomkanäle über. Mit der Abtrennung der Pleurahöhlen durch die Plicae pleuropericardiales schließt sich dieser zunächst hufeisenförmige Schlauch zum Herzbeutel ( Abb. 1D).
Dabei lassen sich auch hier ein inneres, dem Herzmuskel unmittelbar aufliegendes Epikard und ein äußeres Perikard unterscheiden, die am Ursprung der großen Blutgefäße eine Umschlagsfalte bilden. Zwischen ihnen liegt ein schmaler flüssigkeitsgefüllter Verschiebespalt.

Peritonealhöhle

Die Peritonealhöhle entsteht aus dem kaudalen Abschnitt des intraembryonalen Zöloms. Sie wird kranial teilweise durch das Septum transversum begrenzt. Über die Ductus pleuroperitoneales ist sie anfangs aber noch mit der Pleurahöhle verbunden. Später schließen die Plicae pleuroperitoneales diese Durchgänge, indem sie sich mit dem Septum transversum zum Zwerchfell verbinden.
Das Nabelzölom stellt bis zur zehnten Entwicklungswoche im Bereich der Nabelschnur eine offene Verbindung zwischen der Peritonealhöhle und dem extraembryonalen Zölom dar, obliteriert aber später.
Die Peritonealhöhle wird ausgekleidet durch das parietale Peritoneum (Bauchfell), einer dünnen Schleimhautschicht, die aus dem parietalen Blatt des Seitenplattenmesoderms hervorgeht. Das Darmrohr und die aus ihm entstehenden Gastrointestinalorgane werden von einer mesodermalen Epithelschicht bedeckt, die als viszerales Peritoneum bezeichnet wird. Im Mesenterium oder Darmgekröse, das als Bindegewebsschicht die Organe mit der inneren Leibeswand verbindet und die zu- und abführenden Nerven und Gefäße enthält, gehen die beiden Blätter ineinander über. Während dorsal der Darm in seiner ganzen Länge mesenterial fixiert ist, besteht eine ventrale Aufhängung nur im Bereich des Magens und Duodenums.

Zwerchfell

Das Diaphragma ist der kräftigste inspiratorisch wirksame Atemmuskel und liegt als eine kuppelförmige, teils muskulöse, teils sehnige Trennwand zwischen Brust- und Bauchraum. Entwicklungsgeschichtlich geht er auf die folgenden vier Strukturen zurück ( Abb. 2):
  • Septum transversum: liegt ventral

  • Plicae pleuroperitoneales: wachsen beide von dorsolateral ein

  • Mesenterium: Bindegewebe, das den Ösophagus umgibt

  • Mesodermleisten: treten beide lateral aus der Körperwand hervor.

Nachdem das Septum transversum sich zunächst im Halsbereich gebildet hat, wird es durch die Ausdehnung der Lungen nach kaudal verlagert und zieht dabei die versorgenden Nerven mit sich. Daher hat der N. phrenicus seine Ursprünge in den zervikalen Rückenmarkssegmenten C3–C5.

Defekte im Zwerchfell führen dazu, dass Baucheingeweide in den Brustraum gelangen und dort das Wachstum der Lungen behindern. Diese angeborenen Zwerchfellhernien treten meist im linken posterolateralen Abschnitt des Diaphragmas auf (Bochdalek-Hernie), wo sich der Zölomkanal nicht verschließt. Die Therapie erfolgt operativ, manchmal bereits pränatal, mit einer Reposition der Abdominalorgane und dem Verschluss des Zwerchfells.

Zusammenfassung

  • Die Leibeshöhlen gehen aus dem intraembryonalen Zölom hervor, dessen früheste Erscheinungsform die hufeisenförmige Pleuroperikardhöhle im kranialen Mesoderm der Keimscheibe ist.

  • Der intraembryonale Zölomspalt trennt das parietale vom viszeralen Seitenplattenmesoderm und geht in das extraembryonale Zölom über.

  • Das parietale Blatt des Seitenplattenmesoderms kleidet die Körperhöhlen von innen aus, das viszerale Blatt bedeckt die Organe. Zwischen beiden bleibt ein schmaler flüssigkeitsgefüllter Verschiebespalt.

  • Das Zwerchfell entsteht aus Septum transversum, Plicae pleuroperitoneales, lateraler Körperwand und ösophagealem Mesenterium.

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