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B978-3-437-42676-6.50030-9

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978-3-437-42676-6

Zahnentwicklung. [5]

Kopf und Hals II

Gaumen, Mund- und Nasenhöhlen

Bis zur vierten Entwicklungswoche haben sich die Riechgruben zu den primordialen Nasenhöhlen vertieft, die nur noch eine dünne Membrana oronasalis von der Mundhöhle trennt. Wenn diese sich auflöst, gibt sie als weite Öffnung zwischen Mund- und Nasenraum die primären Choanen frei. Deren ventrale Begrenzung ist der primäre Gaumen. Er entsteht an der Verschmelzungsstelle der medialen Nasenwülste, die sich als Zwischenkiefersegment zwischen die beiden Oberkieferwülste einfügen. Zur Bildung des sekundären Gaumens schieben sich zwei Gaumenplatten von der Innenseite der Oberkieferwülste horizontal aufeinander zu. Von kranial senkt sich das Nasenseptum herab. In der Medianebene verschmelzen alle drei wie ein umgekehrter T-Pfeiler miteinander. Ende der zwölften Woche sind das primäre und sekundäre Palatinum fusioniert und trennen als definitiver Gaumen die Mund- von den Nasenhöhlen. Die Choanen werden dadurch nach dorsal verlagert und verschmälern sich zum Durchgang von den Nasenhöhlen in den Pharynx.
Aus dem primären Gaumen entsteht das Os incisivum, das sich ventral einer als Foramen incisivum bezeichneten kanalikulären Verbindung zwischen Nasen- und Rachenraum befindet und in dem später die Schneidezähne verwurzelt sind. Das Foramen incisivum obliteriert, ist aber meist noch als kleine Grube am ventralen Ende der Raphe palatini zu tasten. Als solche bezeichnet man die Nahtstelle der beiden Gaumenplatten. Diese verknorpeln und verknöchern in ihrem vorderen Abschnitt zum harten Gaumen (Palatum durum), während sich im hinteren Teil der knorpelfreie weiche Gaumen (Palatum molle) mit dem Zäpfchen (Uvula) entwickelt.

Zunge

Ende der vierten Entwicklungswoche kommt es im ventralen Bereich des ersten Schlundbogens zur Ausbildung dreier mesenchymaler Wülste. Medial befindet sich das Tuberculum impar, rechts und links davon die lateralen Zungenwülste. Diese wachsen schon bald über das Tuberculum impar hinweg aufeinander zu, verschmelzen in der Mittellinie und bilden dieserart die vorderen zwei Drittel der Zunge. Entsprechend ihrer Herkunft aus dem ersten Schlundbogen erfolgt die sensible Innervation durch den N. lingualis (Ast des N. mandibularis).
Das hintere Drittel, die Radix linguae, entsteht aus der Copula, einer Erhebung im medialen Bereich des zweiten Schlundbogens und der Eminentia hypobranchialis, welche sich kaudal davon im dritten und vierten Schlundbogen bildet. Letztere wächst nach kranial über die Copula hinweg und verschmilzt mit dem vorderen Zungenanteil. Die Fusionslinie bleibt als V-förmiger Sulcus terminalis erkennbar. In seinem Zentrum liegt als kleine Vertiefung das Foramen caecum. Die Radix linguae wird vom N. hypoglossus (Nerv des dritten Kiemenbogens) und N. vagus (Nerv des vierten Kiemenbogens) versorgt. Neuronale Induktionen führen in der achten Woche zur Entstehung der Geschmacksknospen: Papillae fungiformes im vorderen Zungenbereich, wo die Chorda tympani (N. facialis) sensorisch aktiv ist und Papillae valatae und foliatae im hinteren Drittel.

Zähne

Aus der Neuralleiste entstammende Mesenchymzellen induzieren in der sechsten Woche im Ektoderm der Maxilla und der Mandibula die Bildung zweier, die Kieferform mitvollziehender, Zahnleisten. Aus ihnen wachsen bald jeweils zehn Zahnknospen in das Mesenchym hinein. Kappenartig legen sie sich um die primitiven Zahnpapillen, die ihnen aus dem Kiefermesenchym entgegenwachsen ( Abb. 3A). An diesen Zahnkappen, später Zahnglocken, lässt sich ein äußeres von einem inneren Schmelzepithel unterscheiden. Zwischen beiden liegt netzartig die Schmelzpulpa ( Abb. 3B). Dem inneren Schmelzepithel legt sich bald eine Schicht hochprismatischer Mesenchymzellen, sogenannter Odontoblasten, an, die mit der Sekretion von Prädentin beginnen. Dieses lagert sich in den Raum zwischen innerem Keimepithel und Odontoblastem und verhärtet dort zum Dentin ( Abb. 3C). Die beiden dadurch immer weiter auseinandergedrängten Schichten bleiben durch Zellfortsätze, die Tomes-Fasern, miteinander verbunden.
Das innere Schmelzepithel differenziert sich weiter zu den Ameloblasten und sezerniert die Matrix des Zahnschmelzes. Nach seiner Verkalkung stellt er die härteste Substanz im ganzen Körper dar.
Im Bereich ihrer Umschlagsstelle liegen das innere und das äußere Schmelzepithel direkt aufeinander. Als epitheliale Wurzelscheide dehnen sie sich in die Tiefe des Kiefermesenchyms aus und umschließen einen Raum, der als Pulpahöhle bezeichnet wird. In ihn wachsen die den Zahn versorgenden Nerven und Gefäße ein. Sein Ausgang verengt sich zum Wurzelkanal ( Abb. 3E).
Um die epitheliale Wurzelscheide herum bildet sich im Mesenchym das Zahnsäckchen als Ausgangsstruktur des Zahnhalteapparats (Parodontium) und des Zahnzements. Über sie wird die Zahnwurzel in den Alveolarfortsätzen des Kiefers verankert.
Sechs bis acht Monate nach der Geburt stößt als Erster meist der mediale Schneidezahn des Unterkiefers durch das Zahnfleisch. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs ist das Milchgebiss mit 20 Zähnen komplett. Zum Ende der Fetalzeit werden auch die 32 bleibenden Zähne angelegt, welche etwa ab dem sechsten Lebensjahr das für den Kiefer zu klein werdende Milchgebiss ersetzen ( Abb. 3D und 3E).

Mandeln

Die Tonsillen als Organe der Immunabwehr entwickeln sich aus lymphatischem Gewebe im Kopfbereich. Die Tonsilla palatina geht dabei aus der Tonsillarbucht der zweiten Schlundtasche hervor. Die Tonsilla lingualis entsteht am Zungengrund, die Tonsilla tubaria an der Rachenhinterwand am Eingang der Tuba auditiva und die Tonsilla pharyngea im Nasopharynx. Ab der 20. Entwicklungswoche differenzieren sich in den Mandeln die ersten Lymphfollikel.

Schilddrüse

Die Entwicklung der Schilddrüse beginnt in der vierten Woche mit einer ventralen Ausbuchtung des Vorderdarms im Bereich des zweiten Schlundbogens. Von dort aus senkt sich die entodermale Schilddrüsenknospe bald als Ductus thyroglossus nach kaudal bis zu den Schildknorpeln hinab. Dort erweitert sich der enge Gang zum Isthmus thyroideae, von dem sich die beiden Schilddrüsenlappen abzweigen. Gleichzeitig bildet sich der kraniale Abschnitt des Ductus thyreoglossus zurück. Als Relikte verbleiben lediglich das Foramen caecum am Zungengrund und manchmal ein Lobus pyramidalis auf dem Grat, der die beiden Schildknorpel verbindet.

Reste des Ductus thyreoglossus können als mediane Halszysten oder -fisteln zwischen Zungengrund und Kehlkopf verbleiben. Von klinischer Bedeutung sind beide nur dann, wenn sie sich entzünden.

Aus der dichten Zellmasse der Schilddrüsenknospe bilden sich nach der Einwanderung gefäßreichen Bindegewebes Stränge von Epithelzellen. Aus miteinander konfluierenden Hohlräumen in deren Innerem entstehen die Kolloid-gefüllten Schilddrüsenfollikel als Speicher für T3 und T4. Die Schilddrüsenhormone werden ab dem dritten Monat synthetisiert und sind entscheidend an Wachstum und Entwicklung des Fetus beteiligt.
Ursprünglich der Neuralleiste entstammende und in der fünften und sechsten Schlundtasche als Ultimobranchialkörper zusammengefasste Zellen wandern in das Schilddrüsenmesenchym ein und erhalten dort als Calcitonin-produzierende C-Zellen eine wichtige Rolle bei der Regulation des Kalziumhaushaltes.
Aus der dritten und vierten Schlundtasche deszendieren die Nebenschilddrüsen und lagern sich der Thyroidea seitlich an. Sie sezernieren das Parathormon, dessen wichtigste Funktion in der Bereitstellung von Kalzium liegt.

Thymus

Der Thymus entsteht aus dem Entoderm der dritten Schlundtasche, das sich gemeinsam mit den Nebenschilddrüsen nach kaudal senkt und retrosternal im Mediastinum oberhalb der Herzanlage zu liegen kommt. In ihm bilden solide Zellstränge ein epitheliales Netz (Retikulum), während sich andere zu Thymusläppchen vereinen. Aus dem Ektoderm dringen Zellen ein und formen die Hassallkörperchen. Bis zur zwölften Entwicklungswoche ist das Organ soweit strukturiert, dass sich Rinde und Mark unterscheiden lassen. Lymphozyten werden mit dem Blut herantransportiert und lagern sich im Interstitium. Hier vollzieht sich ihre Reifung zu T-Zellen, die in der Lage sind, körperfremdes von körpereigenem Gewebe zu unterscheiden. In dieser Weise ausgebildet wandern sie in die sekundären lymphatischen Organe wie Milz, Lymphknoten oder Tonsillen.
Seine größte Bedeutung hat der Thymus während der Kindheit, in der das Immunsystem durch die Konfrontation mit der Umwelt stetig reift. Nach dem 20. Lebensjahr bildet er sich zurück und schränkt als retrosternaler Fettkörper seine Funktion deutlich ein.

Zusammenfassung

  • Aus sechs Schlundbögen und ebenso vielen Schlundtaschen und -furchen bilden sich die wesentlichen Elemente von Kopf und Hals.

  • Jeder Schlundbogen enthält die Anlagen für einen Muskel und einen Knorpel.

  • Aus der ersten Schlundfurche entsteht der äußere Gehörgang, die restlichen werden durch das Operculum überdeckt.

  • Die Gesichtsentwicklung beginnt mit fünf Wülsten: Aus dem Stirnwulst entstehen die Stirn und die Nasenfortsätze. Der Oberkieferwulst liefert das Material für Oberkiefer, Wangen, laterale Oberlippe und sekundären Gaumen. Aus den Unterkieferwülsten entstehen die Mandibula und die Unterlippe. Die medialen Nasenwülste werden zur medialen Lippe, Philtrum, primärem Gaumen (Os incisivum) und Septum nasi, die lateralen Nasenwülste zu den Nasenflügeln.

  • Der primäre Gaumen wächst ventral aus den medialen Nasenwülsten, der sekundäre Gaumen lateral aus dem Oberkieferwulst, um den Mund- vom Nasenraum zu trennen.

  • Die vorderen zwei Drittel der Zunge entstehen aus den lateralen Zungenwülsten und dem Tuberculum impar, der hintere Teil aus der Eminentia hypobranchialis und dem Operculum.

  • Aus den Zahnknospen bilden sich Zahnglocken, deren Wand sich zu dentin- und schmelzproduzierenden Zellen differenziert und die den Wurzelkanal mit Nerv und Blutgefäßen umgeben. Der Zahnhalteapparat entsteht aus dem Zahnsäckchen.

  • Aus dem Ductus thyreoglossus, der in die Länge wächst und sich zum Isthmus und den zwei Lappen erweitert, entsteht die Schilddrüse.

  • Das Thymusgewebe entstammt hauptsächlich der dritten Schlundtasche.

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