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B978-3-437-42676-6.50038-3

10.1016/B978-3-437-42676-6.50038-3

978-3-437-42676-6

In-vitro-Fertilisation und Embryonentransfer. [5]

Künstliche Befruchtung und Präimplantationsdiagnostik

Als künstliche Befruchtung oder assistierte Reproduktion bezeichnet man eine Reihe von Verfahren, die Anwendung finden, wenn in einer Partnerschaft auf natürlichem Wege keine Schwangerschaft eintritt.

Die Ursachen einer solchen ungewollten Kinderlosigkeit sind vielfältig und liegen ungefähr zu gleichen Teilen bei Mann und Frau, nicht selten auch bei beiden Partnern. Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit können neben einer fehlerhaften Bildung der Samenzellen auch die Verlegung der Samenwege, Verletzungen, Entzündungen, Fehlbildungen oder ein Hodenhochstand, hormonelle Störungen sowie Erkrankungen von Nebenhoden oder Prostata sein. Die Unfruchtbarkeit der Frau gründet häufig auf einer Undurchlässigkeit der Eileiter, z.B. durch Entzündungen. Andere mögliche Ursachen sind Fehlbildungen, Verletzungen, Infektionen oder auch Tumoren der Eierstöcke, Eileiter oder der Gebärmutter oder wiederum Störungen im Hormonhaushalt. Psychische Belastungen, Stress, Medikamente, Drogen oder Alkohol, Ernährungs- und Umweltfaktoren können auf Seiten beider Partner die Fruchtbarkeit kurz- oder langfristig behindern.

Nach einem Jahr ungewollter Kinderlosigkeit trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs kann medizinische Hilfe zur Reproduktion in Anspruch genommen werden. Allerdings ist auch sie kein Garant für den Eintritt und den komplikationslosen Verlauf einer Schwangerschaft. Nicht selten bedarf es mehrerer Versuche.

Gesetzliche Regelung

Die Sensibilität des Themenfelds um die (biologische) Entstehung eines Menschen und die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Reproduktion sowie die damit verbundenen individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen machen die Vorgabe gesetzlicher Rahmen erforderlich. Das Embryonenschutzgesetz (ESchG) vom 13. Dezember 1990 definiert und untersagt u.a. die missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken sowie die missbräuchliche Verwendung menschlicher Embryonen. Es verbietet die Auswahl des Geschlechts bei der künstlichen Befruchtung, die künstliche Veränderung menschlicher Keimbahnzellen, das Klonen menschlicher Embryonen und die Schaffung von Chimären, also Mischwesen mit menschlichem und tierischem Erbgut. Damit positioniert es sich sowohl zu Fragen der künstlichen Befruchtung als auch zur Forschung an menschlichen Embryonen. Davon abzugrenzen ist das Stammzellgesetz (StZG), welches die Einfuhr und Verwendung embryonaler Stammzellen regelt. Beide Gesetzestexte sind im Anhang dieses Buchs abgedruckt.
Weitere Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und der Krankenkassen besagen, dass eine assistierte Reproduktion nur bei verheirateten Partnern durchgeführt werden darf, wobei die Frau nicht älter als 40, der Mann nicht älter als 50 Jahre und beide nicht jünger als 25 Jahre sein dürfen. Zudem muss im Vorfeld ein Beratungsgespräch stattgefunden haben.

Verfahren

Gemeinsames Ziel aller Verfahren der assistierten Reproduktion ist es, Ei- und Samenzelle, die auf natürlichem Weg nicht zueinander finden können, in Kontakt zu bringen. Unterschiede gibt es hinsichtlich des Orts und der Dichte dieser Annährung. Zu Beginn der Behandlung wird durch hormonelle Stimulation die Reifung von zumeist mehreren Tertiärfollikeln in den Ovarien bewirkt.

Insemination

Hierunter versteht man das Einbringen von durch Masturbation gewonnenen und nach Intaktheit und Beweglichkeit ausgewählten Spermien entweder in den Gebärmutterhals (intrazervikale Insemination) oder den Uterus (intrauterine Insemination, IUI). Dieses Verfahren kommt z.B. bei verminderter Samenzahl oder -qualität oder bei Vorliegen eines undurchdringlichen Zervixschleims zur Anwendung.
Beim intratubaren Gametentransfer (Gamete-intrafallopian-Transfer, GIFT) werden ausgewählte Ei- und Samenzellen mittels eines transvaginal eingeführten Katheters in den Eileiter eingebracht. Von homologer Insemination spricht man, wenn es sich um den Samen des Partners handelt. Für die heterologe Insemination wird das Sperma eines anonymen Spenders verwendet.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Bei der In-vitro-Fertilisation findet die Befruchtung außerhalb des Körpers der Frau in einem Glasschälchen statt ( Abb. 1). Nach hormoneller Stimulation und Auslösung der Ovulation werden mehrere Eizellen entnommen und gemeinsam mit den Spermien in eine Nährlösung gegeben. Die Befruchtung selbst geschieht ohne äußere Einflussnahme. Die folgenden Zellteilungen verlaufen genau wie in vivo: Auf die Entstehung der Zygote folgen das Zwei-, Vier- und Achtzellstadium, schließlich entsteht die Morula. Bis zu drei dieser frühen Embryonen werden dann mithilfe eines feinen Katheters in die Gebärmutter eingebracht. Allerdings führt eine solche Behandlung nur in ca. einem Drittel der Fälle zum Erfolg. Oft ist eine, z.T. sind auch mehrere Wiederholungen erforderlich, bis es tatsächlich zur Implantation des Embryos und zur Austragung einer Schwangerschaft kommt. Andererseits treten nach einer assistierten Reproduktion nicht selten Mehrlingsschwangerschaften ein, wenn sich zwei oder gar alle drei Embryonen implantieren und weiterentwickeln.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Ein Verfahren, welches bei herabgesetzter Spermienqualität zum Einsatz kommt, ist die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI, Mikroinjektion), bei der ein Spermium unter dem Mikroskop direkt in eine Eizelle eingebracht wird. Nach der Fusion und Reduplikation der Erbinformation gestaltet sich der weitere Verlauf wie bei der IVF: Nach den ersten Zellteilungen wird der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt. Die Erfolgsraten entsprechen denen der In-vitro-Fertilisation.

Präimplantationsdiagnostik (PID)

Im Jahr 1978 kam das erste durch künstliche Befruchtung gezeugte Kind zur Welt. Seitdem wurden die oben genannten Verfahren millionenfach eingesetzt, um Ehepaaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Das Spiel mit den Begrifflichkeiten gibt einen ersten Hinweis auf die ethische Brisanz des Themas: Theoretisch ergibt sich die Möglichkeit der Erzeugung von Wunschkindern durch Selektion der Embryonen vor ihrer Übergabe in die Gebärmutter. Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland – anders als in einigen Ländern der EU, Australien und den USA – (noch) verboten.
Nach der extrakorporalen Befruchtung durch IVF oder ICSI werden im Achtzellstadium ein oder zwei Zellen aus dem embryonalen Gefüge entnommen und auf die Chromosomenanomalien und die genetische Anlage bestimmter Erkrankungen geprüft. Auch das Geschlecht des zukünftigen Kindes kann auf diese Weise bereits bestimmt werden. Die entnommenen Zellen selbst sind totipotent, also in der Lage, sich zu einem vollständigen Menschen zu entwickeln. Der ursprüngliche Embryo nimmt durch die Zellentnahme üblicherweise keinen Schaden und kann, abhängig von den erhobenen Befunden in die Gebärmutter eingebracht oder aber verworfen werden.
Eine indirekte Methode der Präimplantationsdiagnostik ist die Untersuchung des Polkörperchens, welches im Verbund mit der Eizelle entnommen wurde. Dies geschieht vor der Befruchtung. Demzufolge werden aber nur Erkrankungen von Seiten der Mutter entdeckt.

Zusammenfassung

  • Die künstliche Befruchtung oder assistierte Reproduktion kommt zum Einsatz, wenn auf natürlichem Wege keine Schwangerschaft eintritt.

  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden durch das Embryonenschutzgesetz gegeben.

  • Bei der Insemination werden Spermien künstlich in den weiblichen Genitaltrakt eingebracht. Die Befruchtung findet in vivo statt.

  • Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) treffen Ei- und Samenzelle extrakorporal in der Petrischale aufeinander. Nach den ersten Zellteilungen wird der Embryo in die Gebärmutter transferiert.

  • Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird ein Spermium direkt in die Eizelle hineingespritzt.

  • Die Präimplantationsdiagnostik (PID) zur Erkennung genetischer Defekte vor der Übergabe des Embryos in die Gebärmutter ist in Deutschland (noch) verboten.

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