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Veränderungen der Hormonspiegel im Blut im Verlauf eines Menstruationszyklus. [5]

Menstruationszyklus

Monat für Monat erlebt jede gesunde Frau im gebärfähigen Alter verschiedene Phasen des Aufbaus und Verfalls der Gebärmutterschleimhaut und damit verbundene Veränderungen des Gesamtorganismus. Die Schwangerschaft stellt eine vergleichsweise seltene Unterbrechung dieser Vorgänge dar.

Als Menarche bezeichnet man das erstmalige Auftreten der Regelblutung, meist zwischen dem 11. und dem 14. Lebensjahr. Die ersten Zyklen sind in ihrer Dauer und Gliederung oft noch unregelmäßig, die Vorgänge im Ovar und Uterus noch nicht genau aufeinander abgestimmt, sodass es zu anovulatorischen Zyklen, also Monatsblutungen ohne einen Eisprung, kommt.

Die letzte durch die Ovarien gesteuerte Menstruation heißt Menopause und findet um das 50. Lebensjahr statt. Sie ist eingebettet in eine Phase der hormonellen Umstellung, die als Klimakterium oder Wechseljahre bezeichnet wird. Auf die etwa 40 Jahre andauernde Zeit der möglichen Reproduktion folgt dann die Postmenopause.

Phasen des Menstruationszyklus

Alle 3–5 Wochen kommt es zur periodischen Wiederkehr bestimmter Vorgänge, von denen die fünf- bis siebentägige Regelblutung nur der sichtbare Teil ist. Die Gebärmutterwand gliedert sich in eine äußere bindegewebige Schicht, das Perimetrium, eine mittlere muskuläre Schicht, das Myometrium, und eine innere Schleimhautschicht, die als Endometrium bezeichnet wird. Hier unterscheidet man wiederum eine Pars basalis, in der kontinuierlich ein Nachschub an Zellen gebildet wird, von einer Pars functionalis. Diese ist der eigentliche Schauplatz des zyklischen Geschehens in der Gebärmutter. Sie wird noch einmal gegliedert in die Pars spongiosa und die Pars compacta.

Desquamationsphase

In der ersten Phase des Menstruationszyklus, die 5–7 Tage andauert, kommt es zur Abstoßung der gesamten Pars functionalis der Uterusschleimhaut. Neben Blut enthält die über die Vagina abgegebene Flüssigkeit auch Schleimhautgewebe, Epithelzellen und die Sekrete der Uterusdrüsen. Ein hoher Anteil an Plasmin hemmt die Gerinnung. Innerhalb eines Zyklus gehen auf diesem Wege 40–80 ml Blut verloren.

Proliferationsphase

In einem 28-tägigen Zyklus reicht die Proliferationsphase vom 6. bis zum 14. Tag. In ihr reifen unter dem Einfluss von Östrogen die immer neu gebildeten Zellen der Pars basalis der Gebärmutterschleimhaut zur neuen Pars functionalis heran. Aus den nach der Desquamation verbliebenen basalen Resten entstehen neue Uterusdrüsen. In der Mitte des Zyklus entsteht so eine etwa 5 mm breite Schleimhautschicht, welche die befruchtete Eizelle aufnehmen kann. Das für die Proliferationsphase entscheidende Hormon Östrogen stammt im Wesentlichen aus der Theca interna des präovulatorischen Ovarialfollikels.

Sekretionsphase

Mit dem Eisprung beginnt die Sekretionsphase, welche insgesamt etwa zwei Wochen andauert. Ihr Name weist auf die Tätigkeit der Uterusdrüsen hin, welche in Vorbereitung auf eine befruchtete Eizelle mit der Ausscheidung eines glykogenreichen Sekrets beginnen. Gleichzeitig erweitern sich die Drüsengänge und bilden sackförmige Ausstülpungen, wodurch die Pars functionalis schwammartig aufgelockert erscheint. Unter dem Einfluss des im Corpus luteum gebildeten Progesterons wachsen zahlreiche Blutgefäße, sogenannte Spiralarterien, in die obersten Schichten der Gebärmutterschleimhaut ein.
Im Falle einer Befruchtung kommt es zur Teilung der Zelle und zur Bildung einer Blastozyste, welche sich um den 20. Tag des Menstruationszyklus in das Endometrium einpflanzt. Das Corpus luteum bleibt vorerst bestehen und setzt seine Progesteron- und Östrogenproduktion fort. Dadurch verbleibt die Gebärmutterschleimhaut im Stadium der Sekretionsphase, ohne dass es zu einer Menstruationsblutung kommt.
Wird die Eizelle nicht befruchtet, bildet sich das Corpus luteum zurück. Damit sistiert die Hormonproduktion. Die Gebärmutterschleimhaut geht in die Ischämiephase ein.

Ischämiephase

Ohne eine Befruchtung kommt es am 28. Tag zur Kontraktion der Spiralarterien, welche damit die Versorgung der Pars functionalis einstellen. Diese wird ischämisch, blutleer und blass, die Sekretionstätigkeit der Uterusdrüsen sistiert, im Schleimhautgewebe entstehen Nekrosen. Es folgt die Abstoßung der Pars functionalis mit ihren Blutgefäß- und Drüsenresten im Rahmen einer neuerlichen Desquamationsphase.

Hormone des Menstruationszyklus

Entscheidend für den Ablauf des Menstruationszyklus ist das Zusammenspiel der Hormone Östrogen und Progesteron, deren Bildung und Sekretion in einem parallelen ovariellen Zyklus gesteuert wird ( Abb. 1). Dieser wiederum unterliegt der Regulation durch das zentrale Nervensystem. Im Hypothalamus wird das Gonadotropin-releasing-Hormon (GnRH) gebildet, welches in der Hypophyse die Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und des luteinisierenden Hormons (LH) bewirkt. FSH regt die Follikelreifung im Ovar an. Wachsende Follikel bilden Östrogen. Dieses beeinflusst die Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut, hat aber auch eine rückkoppelnde Wirkung auf die Hypophyse: Auf dem Höhepunkt der Östrogensekretion kommt es um den 14. Zyklustag zur plötzlichen Ausschüttung von LH und in der Folge zum Eisprung. Der entleerte Follikel wird zum Corpus luteum, welches – weiterhin beeinflusst durch das LH – Progesteron in großen Mengen und Östrogen produziert. Die Uterusschleimhaut reagiert darauf mit der Einleitung der Sekretionsphase. Abbildung 1 fasst die Veränderungen der Hormonspiegel im Blut im Verlauf eines Menstruationszyklus zusammen.

Begleiterscheinungen des Menstruationszyklus

Vom Wechselspiel der Hormone ist nicht nur die Gebärmutterschleimhaut betroffen. Auch andere Organe weisen zyklische Veränderungen auf, die mehr oder weniger deutlich der Vorbereitung einer möglichen Schwangerschaft dienen. So bilden die Eileiter während der Proliferationsphase vermehrt Flimmerepithelzellen aus und fördern so den Eizelltransport. Auch nehmen Durchblutung und Anzahl der Drüsenzellen und damit die Schleimproduktion zu. Die Vagina durchläuft in abgeschwächter Form ebenfalls eine Proliferations- und Sekretionsphase. Der Schleimpfropf, der im Gebärmutterhals (Zervix) das allzu leichte Eindringen von Bakterien und Spermien verhindert, verflüssigt sich kurz vor dem Eisprung und wird damit durchlässig für die Samenzellen. Bereits um den 10. Zyklustag kommt es zur vermehrten Schleimabsonderung durch die Vagina. Nach der Ovulation treten Veränderungen in Farbe und Konsistenz auf, man spricht von einer zunehmenden Spinnbarkeit des Schleims, der sich zu langen Fäden ausziehen lässt. Durch die Einlagerung von Flüssigkeit nimmt das Volumen der Brustdrüsenkörper zu.
Einige Frauen beobachten auch zyklusabhängige Veränderungen der Haut, z.B. die prämenstruelle Verschlechterung einer bestehenden Akne. Auch psychische Veränderungen im Rahmen des Menstruationszyklus sind bekannt.

Unter dem Begriff prämenstruelles Syndrom (PMS) fasst man körperliche Symptome wie Unterleib- und Rückenschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, Kreislaufstörungen, unangenehme Spannungsgefühle und Schmerzen der Brüste, Appetitlosigkeit oder Heißhunger und eine erhöhte seelische Reizbarkeit vor und während der Monatsblutung zusammen. Bestimmte Diätregeln, Sport und die medikamentöse Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln, Kontrazeptiva oder Antidepressiva sollen Linderung verschaffen.

Verhütungsmethoden

Die sogenannten natürlichen Methoden der Schwangerschaftsverhütung beruhen auf der Kenntnis der Abläufe des Menstruationszyklus. Die Wissenschaftler Knaus und Ogino stellten in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Methode zur Berechnung der fruchtbaren Tage, an denen der Geschlechtsverkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Eintritt einer Schwangerschaft führt, vor. Darin einbezogen ist die Erkenntnis, dass die Eizelle nach dem Eisprung für 12 bis 24 h befruchtungsfähig ist und sich die Spermien bis zu drei, manchmal sieben Tage lang im weiblichen Genitaltrakt aufhalten können. Zur Ermittlung des ersten fruchtbaren Tages wird aus einer Reihe von regelmäßigen Menstruationszyklen der Frau der kürzeste herausgesucht und um die Zahl 18 vermindert. Vom längsten Zyklus werden elf Tage abgezogen, um den letzten fruchtbaren Tag zu erhalten. Außerhalb dieser Zeitspanne ist eine Befruchtung sehr unwahrscheinlich.
Andere Methoden machen sich die Beobachtung der Zervix- und Vaginalschleimveränderungen zunutze oder ziehen Schlüsse aus der Veränderung der morgendlichen Körpertemperatur, die mit dem Eisprung und der Progesteronausschüttung um 0,5C ansteigt.
Die einzige Verhütungsmethode, die auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt, ist das Kondom. Spermizide Cremes in der Vagina töten die Samenzellen ab und verhindern dieserart eine Befruchtung. Ein Scheidendiaphragma verschließt den Gebärmutterhals, das Intrauterinpessar (Spirale) verhindert die Implantation der Blastozyste. Durch die verschiedenen Präparate zur hormonellen Schwangerschaftsverhütung (Pille, Dreimonatsspritze etc.) werden die Eizellreifung und der Eisprung unterdrückt.

Zusammenfassung

  • Der Menstruationszyklus umfasst im Durchschnitt 28 Tage und gliedert sich in vier Phasen: Desquamationsphase, Proliferationsphase, Sekretionsphase und Ischämiephase.

  • Die wichtigsten Hormone zur Regulation des Menstruationszyklus sind Östrogen, Progesteron, LH und FSH.

  • Aus der genauen Beobachtung des Menstruationszyklus lassen sich natürliche Schwangerschaftsverhütungsmethoden ableiten.

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