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B978-3-437-42676-6.50033-4

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978-3-437-42676-6

Embryo im Ohr und einige korrespondierende Triggerpunkte der Ohrakupunktur. [1]

Äußerer Gehörgang, Mittel- und Innenohr zum Zeitpunkt der Geburt. [8]

Entwicklung des häutigen Labyrinths aus dem Ohrbläschen. [5]

Ohr

Die frühesten Sinneseindrücke, die das werdende Kind erfährt, sind akustischer Natur. Die Entstehung des Ohrs beginnt am 22. Entwicklungstag und ist um den fünften Monat so weit fortgeschritten, dass der Fetus die Stimme und den Herzschlag der Mutter hört, Lärm und Stille um sie wahrnimmt und darauf reagiert.

Anatomisch lassen sich Außen-, Mittel- und Innenohr differenzieren.

Äußeres Ohr

Zum äußeren Ohr gehören die Ohrmuschel und der äußere Gehörgang. Gegen Ende des zweiten Monats bilden sich oberhalb und unterhalb der ersten Pharyngealfurche am ersten und zweiten Pharyngealbogen sechs kleine mesenchymale Höckerchen (Tuberculae auriculares) aus. Diese verschmelzen im Verlauf des dritten Monats zur vorderen und hinteren Ohrfalte, welche sich weiter zur äußerlich sichtbaren Ohrmuschel ausformen. Deren Gestalt ist höchst variabel und erinnert entfernt an die embryonale Körperform. Als solche ist sie für die Ohr-Akupunktur von Bedeutung ( Abb. 1).

Apostasis otis ist der Fachausdruck für abstehende Ohren. Davon spricht man, wenn der Winkel zwischen Ohrmuschel und Mastoid größer als 30 ist. Eine Störung der akustischen Wahrnehmung wird dabei nicht beobachtet. Die Apostasis otis ist eher ein kosmetisches Problem und sollte ggf. vor der Einschulung des betroffenen Kindes operativ behoben werden.

Aus der ersten Pharyngealfurche geht der primäre Gehörgang hervor, der später den knorpeligen Gehörgangsabschnitt repräsentiert. Sein Epithel wächst zunächst als Gehörgangsplatte, dann als kompakter Gehörgangsstrang in die Tiefe und wird im siebten Monat kanalisiert. Der so entstandene sekundäre Gehörgang verfügt über einen lateralen knorpeligen und einen medialen knöchernen Anteil.

Aurikularanhängsel entstehen aus versprengten Zellen aus dem Bereich der ersten Pharyngealfurche. Sie können überall zwischen der Präaurikularregion und der Wange vorkommen und stellen in erster Linie ein kosmetisches Problem dar. Anders verhält es sich mit den präaurikulären Fisteln: Nach dem unvollständigen Verschluss der ersten Schlundfurche verbleiben mehr oder weniger lange blinde Gänge, die sich leicht entzünden können. Um bei der Resektion möglichst den gesamten Fistelgang zu entfernen, wird er mit Methylenblau gefärbt und dadurch intraoperativ sichtbar gemacht.

Mittleres Ohr

Die Strukturen und Räume des Mittelohrs ( Abb. 2) entstammen hauptsächlich der ersten Pharyngealtasche (Schlundtasche). Diese trennt sich seifenblasenartig vom Pharynx ab, bis zwischen beiden Räumen nur noch eine dünne schlauchartige Verbindung besteht: die Tuba auditiva. Die erste Schlundtasche selbst bildet die Paukenhöhle. Distal bildet sie eine Ausstülpung, den Recessus tubotympanicus, der sich von innen der ersten Pharyngealfurche annährt. Die beiden Räume verschmelzen jedoch nicht miteinander: Als dünne Grenze bleibt zwischen ihnen das Trommelfell bestehen. Dieses ist innen überzogen vom Entoderm der Pharyngealtasche, außen vom Ektoderm der Pharyngealfurche und zwischen beide schiebt sich eine dünne Lage Mesoderm.
Die Gehörknorpelchen, später -knöchelchen, entstehen aus Verdichtungen im mesenchymalen Bindegewebe des ersten und zweiten Pharyngealbogens. Während Amboss und Hammer aus dem Meckel-Knorpel, also dem Mesenchym des ersten Kiemenbogens, hervorgehen, entstammt der Steigbügel dem Reichert-Knorpel des zweiten Kiemenbogens. Umgeben werden sie von der Schleimhaut des Recessus tubotympanicus, deren Verdichtungen und Falten später die Bänder der Ossicula auditus (Gehörknöchelchen) bilden.
Ausgehend von der Paukenhöhle beginnt bereits pränatal die entodermale Schleimhaut in Richtung auf das Mastoid vorzuwachsen. Dort, wo sie sich ausdehnt, hinterlässt sie Hohlräume im Gewebe. Aber erst im Laufe der Kindheit und Jugendzeit wird so die Pneumatisierung von Mastoid und Felsenbein vollendet.

Angeborene Fehlbildungen des Mittelohrs können ein- oder beidseitig auftreten, als kleine Fehlbildungen nur die Gehörknöchelchen betreffen oder als große Fehlbildungen Teil eines kraniofazialen Fehlbildungssyndroms sein. Ursachen hierfür sind einerseits eine Reihe teratogener Noxen, die sich schädigend auf die Ohrentwicklung auswirken, z.B. bestimmte Medikamente, große Mengen von Vitamin A, ionisierende Strahlen und intrauterine Infektionen. Zum anderen sind erbliche Formen der Mittelohrfehlbildung bekannt. Gemeinsam ist ihnen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Schallleitungsschwerhörigkeit, die unbehandelt zu schweren Sprachentwicklungsstörungen führt. Diagnostisch wendet man bei Verdacht auf Mittelohrschwerhörigkeit ab dem dritten Lebensmonat verschiedene audiologische Tests an, therapeutisch sollte im sechsten Monat die Anpassung eines Hörgerätes erfolgen. Operative Techniken kommen erst im Vorschul- und Schulalter zum Einsatz.

Inneres Ohr

Am Anfang der Entwicklung des komplexen Innenohrs steht zunächst nichts weiter als ein Fleck: Die sogenannten Ohrplakoden werden in der vierten Woche beidseits am sich bildenden Rautenhirn sichtbar und stellen eine zelluläre Verdickung des Oberflächenektoderms dar. Dieses stülpt sich im Weiteren ein zu den Ohrgrübchen, welche sich schließlich als Ohrbläschen (Otozyste) ganz von der Oberfläche abschnüren. Bald darauf teilt sie sich in zwei Räume auf, die lediglich durch einen dünnen Gang miteinander in Verbindung bleiben: Ventral entsteht der Sacculus, dorsal der Utriculus ( Abb. 3). Beide enthalten eine Flüssigkeit, die als Endolymphe bezeichnet wird. Die Gesamtheit der aus dem Ohrbläschen entstehenden Strukturen nennt man häutiges Labyrinth.
Um die sechste Woche geht aus dem Sacculus eine Ausbuchtung hervor, die sich schlauchförmig ausweitet und spiralförmig in zweieinhalb Windungen erstreckt: der Ductus cochlearis, in dem sich später aus strangförmigen Epithelverdichtungen das Corti-Organ mit den inneren und äußeren Haarzellen und der Tektorialmembran bildet. In der Umgebung des Ductus cochlearis lagert sich mesenchymales Gewebe an, das mit der Zeit eine dicke knorpelige Kapsel bildet. Innerhalb dieser Kapsel entstehen zwei Hohlräume, die Scala tympani und die Scala vestibuli, welche sich in der Spitze der Spirale vereinigen. Zur Scala tympani grenzt sich der Ductus cochlearis durch die Basilarmembran ab. Zwischen ihm und der Scala vestibuli liegt die Membrana vestibularis (Reissnermembran). Die Scalae tympani und vestibuli enthalten die Perilymphe.
Aus dem Utriculus entwickeln sich die Strukturen des Gleichgewichtsorgans. Drei zunächst plattenförmige Ausstülpungen richten sich im Raum aus und verdünnen sich dann in ihren Mitten: Aus den Scheiben werden drei hohle Ringe, die Bogengänge. Dort, wo sie aus dem Utriculus entspringen bilden sie Erweiterungen aus, die Ampullen. Dort, wo sie wieder in den Utriculus einmünden, bleiben sie schmal. Der vordere und der hintere Bogengang verschmelzen zum Crus commune. In den Ampullen verdichten sich Epithelzellen zu einer Leiste, aus der sich die Haarzellen der Crista ampullaris differenzieren. Ihre Auslenkung durch die Bewegung der Endolymphe erzeugt ein Aktionspotential, dessen Weiterleitung und Übersetzung eine Vorstellung von der Lageänderung im Raum erzeugen.
Utriculus und Sacculus selbst bleiben als kugelförmige Räume bestehen. Sie enthalten ebenfalls Sinnesgewebe, die Maculae staticae, die mit Aktionspotenzialen auf Linearbeschleunigung reagieren.
Die Weiterleitung sämtlicher Reize aus Hör- und Gleichgewichtsorgan erfolgt über das Ganglion statoacusticum, welches sich aus spezialisierten Zellen der ursprünglichen Ohrplakode bildet. Sein zentrales Axon reicht als VIII. Hirnnerv bis ins Rhombencephalon.

Fehlbildungen des Innenohrs sind selten und treten meist im Zusammenhang mit Syndromerkrankungen (z.B. Waardenburg-, Usher-, Refsum-, Alport- und Pendred-Syndrom) auf. Hauptsymptom ist die Schwerhörigkeit oder Taubheit, die im Rahmen pädiatrischer Vorsorgeuntersuchungen mittels audiologischer Tests diagnostiziert wird. Therapeutisch steht eine Hörgeräteversorgung mit frühzeitiger Sprachförderung im Mittelpunkt. Zudem besteht prinzipiell die Möglichkeit der Cochlea-Implantation.

Zusammenfassung

  • Ohrbläschen Sacculus: Sacculus und Hörorgan

  • Ohrbläschen Utriculus: Utriculus und Bogengänge

  • Erste Pharyngealtasche Mittelohr

  • Erste Pharyngealfurche äußerer Gehörgang.

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