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B978-3-437-42676-6.50015-2

10.1016/B978-3-437-42676-6.50015-2

978-3-437-42676-6

Implantierte Blastozyste, etwa zwölf Tage nach der Befruchtung: Oberhalb der Keimscheibe liegt die Amnionhöhle, darunter der Dottersack. [5]

Entwicklung des Amnions. [5]

Plazenta und Eihäute II

Funktion der Plazenta

Von ihrer Entstehung an bis zur Geburt ist die Plazenta für das Kind überlebenswichtig. Ohne die Möglichkeit zu atmen, oder selbstständig Nahrung aufzunehmen und Stoffwechselabbauprodukte abzugeben, ist es auf den Stoff- und Gasaustausch mit dem mütterlichen Blut angewiesen. Zudem stellt die Plazenta ein wichtiges endokrines Organ dar, dessen Hormone in erster Linie dem Erhalt der Schwangerschaft dienen. Der Synzytiotrophoblast beginnt in der zweiten Entwicklungswoche mit der Synthese von Choriongonadotropin (Human chorionic gonadotropin, hCG) und erhält damit das Corpus luteum in seiner Funktion als Progesteronproduzent aktiv. Progesteron bewirkt, dass die Uterusschleimhaut mit dem Embryo nicht wie in einem normalen Menstruationszyklus abgestoßen wird. Der Nachweis von hCG im Urin oder Blut der Frau ist die Grundlage der üblichen Schwangerschaftstests. In der achten Woche erreicht dessen Konzentration den Höhepunkt, danach fällt sie langsam ab. Darüber hinaus werden folgende Hormone in der Plazenta synthetisiert: Progesteron und Östrogen, Plazentalaktogen (hPL, auch Chorionsomatomammotropin, hCS), Chorionthyrotropin (hCT), Chorioncorticotropin und ein Parathormon-ähnliches Hormon.

Amnionhöhle und Dottersack

Während sich die Blastozyste in das Endometrium eingräbt und es außen zur Bildung der Plazenta kommt, finden auch in ihrem Inneren große Veränderungen statt ( Abb. 4). Der Embryoblast formt sich zur Keimscheibe, bestehend aus einer äußeren Zellschicht, dem Epiblast (embryonales Ektoderm) und einer inneren Zellschicht, die Hypoblast (embryonales Entoderm) genannt wird. Die Keimscheibe trennt innerhalb der Blastozyste zwei Hohlräume gegeneinander ab: zwischen Epiblast und Trophoblast entsteht zunächst als schmaler Spalt die Amnionhöhle. Sie bekommt im Folgenden eine ektodermale Auskleidung mit Flüssigkeit sezernierenden Epithelzellen (Amnioblasten). Auf Seite des Hypoblasten befindet sich die ursprüngliche Blastozystenhöhle. Ausgehend vom embryonalen Entoderm wachsen epitheliale Zellen ein und bilden die Heuser-Membran, durch welche innerhalb der Blastozyste ein kleinerer Raum abgegrenzt wird: der primäre Dottersack. Zu Beginn der zweiten Entwicklungswoche existiert also die Keimscheibe, an deren oberen Pol die Amnionhöhle grenzt, während sich unterhalb der primäre Dottersack ausbreitet. Umgeben wird das Ganze vom Chorion, also den Zellschichten des Synzytio- und Zytotrophoblasten. Zwischen Chorion und Keimanlage wachsen alsbald Zellen des extraembryonalen Mesoderms ein und bilden ein zunächst kompaktes Bindegewebe. Um den neunten Tag entstehen darin flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die als Vorläufer des extraembryonalen Zöloms bzw. der Chorionhöhle zu betrachten sind.
Am zwölften Entwicklungstag wird aus dem primären der kleinere sekundäre Dottersack, indem sich ein Teil des ursprünglichen Hohlraums abschnürt. Dieser bleibt zunächst als Exozölzyste am Rande der Chorionhöhle liegen.
Im Zusammenhang mit den Faltungsvorgängen der Keimanlage wird ein großer Teil des sekundären Dottersacks inkorporiert und entwickelt sich im Inneren des Embryos zum primitiven Darmrohr. Mit dem außen verbleibenden Rest, der im Haftstiel zu liegen kommt, wird die Verbindung über den Dottersackgang (Ductus omphaloentericus) aufrechterhalten.
Beim Menschen stellt der Dottersack wohl in erster Linie ein phylogenetisches Überbleibsel dar, dessen Hauptfunktion die Bildung erster Blutzellen und -gefäße und die vorübergehende Aufbewahrung der Urgeschlechtszellen ist. Zudem dient er im ersten Monat dem Transport von Nährstoffen zwischen dem Trophoblasten und dem Embryo. Bei eierlegenden Wirbeltieren wird im Dottersack tatsächlich Dotter gebildet, welches der Ernährung des Embryos dient. Bei den Säugetieren übernimmt diese Aufgabe die Plazenta.

Eihüllen

Im Zuge der Faltung des Embryos vergrößert sich auch die flüssigkeitsgefüllte Amnionhöhle und legt sich wie ein Umhang um den Keim ( Abb. 5). Die Ansätze des Amnionepithels verschieben sich zur Ventralseite des Embryos in den Bereich des Nabels, bis seine Zellen letztlich die äußere Epithelschicht der Nabelschnur bilden.
Im Verlauf ihres weiteren Wachstums stößt die äußere Wand der Amnionhöhle an die innere Wand der Chorionhöhle und verwächst mit dieser zur Eihaut. Die weitere Ausdehnung führt schließlich zur Fusion mit der Dezidua, der oberen Endometriumsschicht, die damit den mütterlichen Anteil der Fruchtblase darstellt.

Fruchtwasser

Zum Zeitpunkt der Geburt ist die Fruchtblase gefüllt mit 1–1,5 l Fruchtwasser. Anfangs obliegt dessen Bildung den Zellen des Amnionepithels. Später stellt sich ein dynamisches Gleichgewicht aus Synthese und Resorption zwischen Mutter und Kind ein: Das Filtrat des mütterlichen Plasmas wird über die Eihüllen in die Fruchtblase abgegeben, vom Kind verschluckt und wieder ausgeschieden und über die Plazenta oder die Uterusschleimhaut erneut dem mütterlichen Kreislauf zugeführt. Fruchtwasser besteht zu 99 aus Wasser. Darin gelöst finden sich Salze, Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Enzyme, Hormone und fetale Epithelzellen.
Seine Funktionen sind vielfältig: Es ist Stoßdämpfer, Temperaturregulator und Infektionsbarriere für das Kind. Zudem ermöglicht es das freie Wachstum des Gesamtorganismus und die ungehinderte Entfaltung der Extremitäten und ist unabdingbar für die Entwicklung der Lungen. Schließlich ist es wichtig für die Regulation des kindlichen Wasser- und Elektrolythaushalts.

Allantois

Als kleine Ausstülpung des Dottersacks tritt ungefähr am 16. Tag die Allantois in Erscheinung. Während ihr bei Vögeln und Reptilien eine wichtige Funktion bei der Atmung und der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten zukommt, dient sie beim Menschen lediglich als vorübergehendes Harnreservoir und übt eine stabilisierende Wirkung auf den Haftstiel aus. Auch in ihrer Wand werden – wie in der des übrigen Dottersacks – zahlreiche Blutzellen und -gefäße gefunden. Sie entwickelt sich weiter zum Urachus und obliteriert postnatal zum Lig. umbilicale medianum.

Nabelschnur

Aus dem Haftstiel und dem Dottersack entsteht nach der Umhüllung durch das sich auf die Ventralseite des Embryos verlagernde Amnionepithel die Nabelschnur. Sie enthält anfangs noch die Allantois sowie vier Blutgefäße, die mit der sich entwickelnden Plazenta in Verbindung stehen. Später bilden sich Allantois und Dottersack zurück. Eine der beiden Venen obliteriert, sodass zwei arterielle Gefäße mit kohlendioxidreichem (!) und ein venöses Gefäß mit kohlendioxidarmem (!) Blut übrigbleiben. Die reife Nabelschnur ist bei der Geburt etwa 1–2 cm dick, 60 cm lang und wird gestützt und ausgefüllt durch die geleeartige Wharton-Sulze, die die sich schlängelnden Nabelgefäße vor Kompression und Abknickung schützt.
Auf Wunsch der Eltern kann unmittelbar postnatal Blut aus der abgeklemmten Nabelschnur entnommen und zur Stammzellgewinnung gelagert werden (s. S. 74/75).

Zusammenfassung

  • Die Plazenta entsteht aus kindlichen und mütterlichen Anteilen. Der Synzytiotrophoblast frisst sich in das Endometrium ein und eröffnet die Spiralarterien. Später bildet er Zotten aus, welche in die blutgefüllten Lakunen hineinragen. Das Chorion besteht aus Synzytiotrophoblast, Zytotrophoblast und extraembryonalem Mesoderm. Die Gebärmutterschleimhaut wird als Dezidua bezeichnet und in die Decidua basalis, parietalis und capsularis untergliedert. Chorion frondosum und Decidua basalis bilden die Plazenta, welche neben dem Stoff- und Gasaustausch zwischen Mutter und Kind auch eine große Bedeutung als endokrines Organ hat.

  • Die Fruchtblase besteht aus drei Eihäuten: Amnionepithel, Chorion und Dezidua. In ihr befindet sich der Embryo, umgeben vom Fruchtwasser.

  • Über die Nabelschnur mit ihren drei Blutgefäßen ist der Embryo mit der Plazenta verbunden.

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