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B978-3-437-42189-1.00001-7

10.1016/B978-3-437-42189-1.00001-7

978-3-437-42189-1

Vier-Kammer-Ansicht des Herzens mit Darstellung des Blutflusses. Die Pfeile geben die Strömungsrichtung des O2-armen (blau) und des O2-reichen (rot) Bluts an.

[L126]

Anatomie des Herzens

„Herz:AnatomieDas menschliche Herz liegt im Mediastinum und grenzt seitlich an die beiden von Pleura bedeckten Lungenflügel. Es ist ein muskuläres Hohlorgan von der Größe einer geschlossenen menschlichen Faust und der Form eines abgerundeten Kegels, das als Pumpe in den Blutkreislauf eingeschaltet ist. Das normale Herzgewicht eines Erwachsenen beträgt etwa 300 g. Die Herzwand besteht aus Endokard, Myokard und Epikard.

Äußere Form

Äußerlich erkennbar sind die vordere und die hintere Grenze zwischen rechtem und linkem Ventrikel als Sulci interventriculares anterior und posterior. Die Grenze zwischen den Atria und den Ventrikeln bildet der Sulcus coronarius, in dem das größte venöse Gefäß des Herzens, der Sinus coronarius, verläuft.
Der Ursprung des Truncus pulmonalis aus dem rechten Ventrikel liegt ventral der Aorta. Sie entspringt aus dem linken Ventrikel, windet sich dann in ihrem Verlauf nach ventral um den Truncus pulmonalis und überkreuzt ihn schließlich als Aortenbogen. Als Überbleibsel des fetalen Ductus arteriosus Botalli zieht ein kurzes bindegewebiges Band, das Lig. arteriosum, von der Unterseite des Aortenbogens zur Pulmonalisgabel.
In den rechten dorsalen Vorhof münden, nahezu parallel zur Körperlängsachse, die Vv. cavae superior und inferior sowie im inferioren septalen rechten Vorhof der Sinus coronarius als gemeinsame Endstrecke der großen Herzvenen. In der Regel münden jeweils zwei linke und rechte Pulmonalvenen von dorsal in den linken Vorhof. Ihre Achse steht senkrecht zu den beiden Hohlvenen.
Ventrale Seite
Die ventrale Seite des Herzens liegt dem Sternum und der parasternalen Thoraxwand an. Dieser als Facies sternocostalis bezeichnete Teil wird im Wesentlichen vom rechten Ventrikel und von einem kleinen Teil des linken Ventrikels gebildet. Die Herzsilhouette im p.-a.-Röntgen-Strahlengang wird rechts vom rechten Vorhof, links von linkem Ventrikel und linkem Herzohr gebildet. Oberhalb des Herzens zeichnen sich links der Truncus pulmonalis und rechts der Aortenbogen ab.
Inferiore und posteriore Seite
Die Unterseite des Herzens liegt dem Zwerchfell auf und wird deshalb als Facies diaphragmatica bezeichnet. Sie wird zum Großteil von der Wand des linken Ventrikels gebildet. Nach dorsal liegt das Herz dem Ösophagus und der Aorta an, der linke Vorhof liegt horizontal unterhalb der Trachealbifurkation.

Wichtig ist die enge topografische Beziehung zwischen Ösophagus und linkem Vorhof.

So kann eine Dilatation des linken Vorhofs im p.-a.-Strahlengang an einer Aufspreizung der Trachealbifurkation erkannt werden.

Binnenräume

Rechtes Atrium
Das venöse Blut erreicht den rechten Vorhof über die Vv. cavae superior und inferior (Abb. 1.1). Da der rechte Vorhof in der Embryonalentwicklung aus zwei unterschiedlichen Strukturen verschmolzen ist, ist das Oberflächenrelief des Vorhofs nicht einheitlich: Während der hintere Abschnitt, in den die Vv. cavae münden, glattwandig ist, sind der vordere Abschnitt und das rechte Herzohr durch reliefartige Muskelbälkchen, die Mm. pectinati, charakteristisch zerklüftet. Die Crista terminalis, die im lateralen rechten Vorhof von kranial nach kaudal verläuft, trennt die beiden Abschnitte. Im Bereich der Mündung sowohl der V. cava inf. als auch des Sinus coronarius befinden sich Reste embryonaler Venenklappen. Am Septum interatriale ist die Fossa ovalis, das nun verschlossene Foramen ovale, als muldenförmige Verdünnung des Septums erkennbar. Über die „Herz:Binnenräume„Trikuspidalklappe:FunktionTrikuspidalklappe gelangt das Blut in den rechten Ventrikel.
Rechter Ventrikel
Die Wand des rechten Ventrikels besteht aus einem schwammartigen Geflecht einzelner Muskelbälkchen, den Trabeculae carneae. Es verdichtet sich zu drei stielförmigen Muskelsträngen, den Papillarmuskeln, die in das Kammerlumen ragen und an denen die Sehnenfäden der Trikuspidalklappe befestigt sind. Der rechte Ventrikel wird durch zwei Muskelleisten, die Crista supraventricularis und die Trabecula septomarginalis, in eine posterior-inferior gelegene Einflussbahn und eine anterior-superior gelegene Ausflussbahn unterteilt. Das venöse Blut wird über die „Pulmonalklappe:FunktionPulmonalklappe in den Lungenkreislauf ausgeworfen.
Linkes Atrium
Nach Oxygenierung in der Lunge erreicht das Blut den linken Vorhof über die Vv. pulmonales dextrae et sinistrae. Der linke Vorhof ist glattwandig, nur das linke Herzohr besitzt Mm. pectinati. Über die „Mitralklappe:FunktionMitralklappe erreicht das Blut den linken Ventrikel.
Linker Ventrikel
Nachdem der linke Ventrikel eine deutlich höhere Pumpleistung erbringen muss als der rechte Ventrikel, ist die Ventrikelwand in der Regel etwa doppelt so dick wie die des rechten Ventrikels und im Vergleich eher glattwandig. Auch hier können Trabeculae carneae und zwei Papillarmuskeln, an denen die Sehnenfäden der Mitralklappe befestigt sind, abgegrenzt werden. Der linke Ventrikel wirft das Blut über die „Aortenklappe:FunktionAortenklappe in den Körperkreislauf aus.

Herzklappen

Herzskelett
Die Arbeitsmuskulatur von Vorhöfen und Kammern wird durch das bindegewebige Herzskelett getrennt, an dem auch die Herzklappen und die Stämme der Ausflussbahnen befestigt sind. Es fungiert als Isolationsschicht bei der Erregungsleitung zwischen Vorhöfen und Ventrikeln (Kap. 2).„Herzklappen„Herz:klappen
Segelklappen
Die Segelklappen liegen zwischen Vorhöfen und Kammern und werden deshalb auch AV-Klappen (AV = atrioventrikulär) genannt. Ihre freien Ränder werden durch feine Sehnenfäden, Chordae tendineae, welche an den Papillarmuskeln der Ventrikel ansetzen, gehalten. Dies ermöglicht ein Öffnen der Klappe in den Ventrikel und verhindert gleichzeitig ein Zurückschlagen in das Atrium – einen Klappenprolaps.„Segelklappen<2002>„Herzklappen:Segelklappen (Trikuspidal- und Mitralklappe)<2002>
  • Die Trikuspidalklappe ist die Segelklappe zwischen dem rechten Vorhof und dem rechten Ventrikel. Sie besteht aus drei Segeln.

  • Die Mitralklappe ist die Klappe zwischen linkem Vorhof und linkem Ventrikel. Sie besitzt nur zwei Segel.

Taschenklappen
Die Taschenklappen grenzen die Ausflusstrakte der Ventrikel von Aorta bzw. Truncus pulmonalis ab. Sie bestehen aus je drei halbmondförmigen Membrantaschen (daher der Name „Semilunarklappen“), die durch Aneinanderlagern ihrer freien, nach oben ausgerichteten Ränder das Lumen verschließen.„Taschenklappen<2002>„Herzklappen:Taschenklappen (Pulmonal- und Aortenklappe)<2002>
  • Die Pulmonalklappe befindet sich am Übergang des rechten Ventrikels in den Truncus pulmonalis.

  • Die Aortenklappe grenzt den linken Ventrikel von der Aorta ascendens ab.

Herzgefäße

„Herzgefäße„Herzgefäße:Koronararterien„Herz:gefäßeDie Koronararterien übernehmen als Vasa privata des Herzens dessen Versorgung mit Sauerstoff. Sie liegen, eingebettet in Fettgewebe, in den Sulci des Herzens und werden von Epikard überzogen.
Arteria coronaria sinistra
Die linke „Arteria coronaria sinistra<2002>„Koronararterie, linke/rechteKoronararterie (LCA, engl. left coronary artery) entspringt im Sinus aortae sinister direkt oberhalb der Aortenklappe und zieht zwischen linkem Herzohr und Truncus pulmonalis nach vorn. Sie teilt sich in folgende Äste:
  • R. circumflexus (RCX), der im Sulcus coronarius sinister bis zur Facies diaphragmatica läuft und den R. marginalis sinister (auch R. posterolateralis sinister) abgibt

  • R. interventricularis anterior (RIVA oder auch LAD, engl. left anterior descending), der im Sulcus interventricularis anterior bis zur Herzspitze zieht und in seinem Verlauf mehrere Rr. diagonales und Rr. interventriculares septales abgibt

Arteria coronaria dextra
Die rechte Koronararterie (RCA, engl. right coronary artery) verläuft von ihrem Ursprung im Sinus aortae dexter im Sulcus coronarius dexter bis auf die Facies diaphragmatica. Sie gibt folgende wichtige Äste ab:„Arteria coronaria dextra<2002>
  • R. interventricularis posterior (RIVP), der den Endast der RCA im Sulcus interventricularis posterior darstellt und Rr. interventriculares septales abgibt

  • R. marginalis dexter (auch R. posterolateralis dexter), Rr. atriales et ventriculares und R. nodi sinuatrialis

Die Herzvenen führen das venöse Blut des Herzens dem Sinus coronarius zu, der in den rechten Vorhof mündet.
Versorgungstypen
Die von den Koronarien versorgten Anteile des Myokards variieren erheblich. Man unterscheidet verschiedene Versorgungstypen:„Versorgungstypen„Herzgefäße:Versorgungstypen
  • Rechtsversorgungstyp (60 %): Neben dem rechten Ventrikel werden auch die gesamte inferiore und posteriore Wand des linken Ventrikels und das hintere Septum von der RCA versorgt. Nur ein geringer Anteil des Myokards ist von der LCA abhängig.

  • Linksversorgungstyp (20 %): Neben dem linken Ventrikel versorgt die LCA auch einen Großteil des rechten Ventrikels. Nur die inferiore Hinterwand wird von der RCA mitversorgt.

  • Ausgeglichener Typ (20 %): Die Versorgung ist gleichmäßig zwischen beiden Koronarien aufgeteilt. Die diaphragmale Wand des linken Ventrikels wird von der RCA mitversorgt.

Stenosen der RCA führen oftmals zu Rhythmusstörungen, da dieses Gefäß das Reizbildungs- und -leitungssystem versorgt.

Perikard

„PerikardDer Herzbeutel (Perikard) umgibt das Herz. Er besteht aus dem Pericardium fibrosum und dem Pericardium serosum, das wiederum aus Lamina visceralis (Epikard) und Lamina parietalis besteht. Zwischen diesen beiden Schichten befindet sich ein kapillärer Spaltraum, der seröse Flüssigkeit enthält.

Zusammenfassung

  • Das Herzskelett trennt Vorhof- von Kammermyokard und dient als Befestigung für die Herzklappen.

  • Man unterscheidet Segel- (Mitral-, Trikuspidalklappe) und Taschenklappen (Aorten-, Pulmonalklappe).

  • Drei Herzkranzgefäße versorgen das Myokard: Die linke Koronararterie, welche sich in RCX und RIVA/LAD aufteilt, und die rechte Koronararterie (RCA).

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