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B978-3-437-42189-1.00019-4

10.1016/B978-3-437-42189-1.00019-4

978-3-437-42189-1

Diagnostik bei Verdacht auf Hypertonie.

[L157]

Einteilung der Hypertonie bei der Praxis- bzw. Gelegenheitsblutdruckmessung.Hypertonie:Einteilung

[V854/W315-001]

Tab. 19.1
Klassifikation Systolisch/diastolisch (mmHg)
Optimal ≤ 120/≤ 80
Normal ≤ 130/≤ 85
Hochnormal ≤ 139/≤ 89
Grad 1 (leicht) ≤ 159/≤ 99
Grad 2 (mittelschwer) ≤ 179/≤ 109
Grad 3 (schwer) ≤ 180/≥ 110

Grenzwerte bei der 24-h-Blutdruckmessung.

Tab. 19.2
Tageszeit Grenzwert
Tag 135/85 mmHg
Nacht 120/70 mmHg
Durchschnitt 130/80 mmHg
Nachtsenke −10 %

Arterielle Hypertonie

Die Hypertonie Hypertonie:arterielleist eine Volkskrankheit der westlichen Bevölkerung. In der Gruppe der über 45-Jährigen liegt die Hypertonie-Rate bereits bei 25 %.

Physiologisch sind Blutdruckwerte definitionsgemäß < 130/85 mmHg, hochnormal bei Werten <140/90 mmHg.

Nachdem der Hypertonus zumeist asymptomatisch ist und sich erst in späteren Stadien durch seine Folgeerkrankungen zeigt, befindet sich nur ein Teil der Betroffenen in Behandlung.

Pathogenese
Der Blutdruck Hypertonie:Pathogenesewird vom ausgeworfenen Blutvolumen und dem peripheren Gefäßwiderstand bestimmt. Durch Veränderung einer der Komponenten kann eine Hypertonie entstehen:
  • Widerstand: Ist der periphere Gefäßwiderstand durch generalisierte Vasokonstriktion erhöht, resultiert eine meist starke Blutdruckerhöhung.

  • Volumen: Aus einer Erhöhung des Blutvolumens resultieren meist etwas geringere Blutdruckerhöhungen. Erhöhte Herzarbeit kann ein großes Blutvolumen „vortäuschen“.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Hypertonie:
  • Hypertonie:FormenPrimäre, essenzielle Hypertonie (95 %): Die Ursache der primären Hypertonie ist nicht bekannt. Man geht jedoch davon aus, dass neben genetischen auch Umweltfaktoren einen gewissen Einfluss haben. Diese Diagnose „primäre Hypertonie“ kann mit letzter Sicherheit nur nach Ausschluss aller sekundären Ursachen gestellt werden.

  • Sekundäre Hypertonie (5 %):

    • Renal: Eine Minderdurchblutung der Nieren ist Stimulus für eine Reninausschüttung, die über Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstands und des Blutvolumens den Blutdruck moduliert. So kann eine Nierenarterienstenose Ursache einer Hypertonie sein.

    • Endokrin: Eine Überproduktion der Sympathikus-Hormone Adrenalin und Noradrenalin (z. B. durch ein Phäochromozytom) kann den Blutdruck über Vasokonstriktion und gesteigerte Herzarbeit erhöhen.

    • Kardiovaskulär: Die Aortenisthmusstenose führt zu einer Hypertonie im Stromgebiet vor der Stenose. Nimmt im Alter die Windkesselfunktion der Aorta ab, steigt der systolische Blutdruck.

    • Neurogen: Veränderungen der Barorezeptoren können den sog. Entzügelungshochdruck auslösen.

Klinik
Die Hypertonie ist Hypertonie:Klinikmeist bis zum Auftreten der ersten Komplikationen asymptomatisch oder verursacht lediglich uncharakteristische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Nasenbluten. Durch regelmäßige Blutdruckmessungen sollte deshalb versucht werden, den Bluthochdruck im asymptomatischen Stadium, also noch vor Manifestation der ersten Komplikationen, zu entdecken.
Folgeerkrankungen
Die Hypertonie:Folgeerkrankungenunbehandelte Hypertonie führt bei 40 % der Patienten nach 10 Jahren zu Organschäden, die Lebenserwartung sinkt um 10–20 Jahre.
  • Herz: Der Hypertonus bedeutet eine Mehrbelastung des Herzens und führt zur konzentrischen Herzmuskelhypertrophie. Ab einem kritischen Herzgewicht von 500 g kommt es zu Perfusionsstörungen und sekundär zur Dilatation des linken Ventrikels (exzentrische Hypertrophie). Spätfolge ist eine zunehmende Linksherzinsuffizienz.

  • Gefäße: Die Hypertonie ist ein Risikofaktor erster Ordnung für die Entstehung der Atherosklerose. Sie betrifft insbesondere die Koronar-, Renal- und Zerebralgefäße. Durch die Hypertonie treten in der Netzhaut Gefäßschäden auf (Fundus hypertonicus).

Bereits ab Blutdruckwerten von ≥ 140/90 mmHg ist das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen verdoppelt!

Diagnostik
Einschätzung des Hypertonus
Hypertonie:Einschätzung des HypertonusWird bei einer routinemäßigen Blutdruckkontrolle ein erhöhter Blutdruck festgestellt, werden wiederholte Blutdruckmessungen durchgeführt, am besten durch regelmäßige Selbstmessungen und Dokumentation des Patienten zu Hause, um unter anderem einen Weißkittelhypertonus (ausgelöst durch den Stress des Arztbesuchs) auszuschließen und das Hochdruck-Profil (Tab. 19.1) zu erfassen.
Jeder Patient mit Hypertonus sollte eine 24-h-Blutdruckmessung erhalten (Tab. 19.2). Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Nachtabsenkung des Blutdrucks (dipp) gelegt werden: Sinkt der Blutdruck in der Nacht nicht um mindestens 10 %, so kann dies ein Hinweis auf sekundäre Genese des Hypertonus sein.

Bei der ersten Blutdruckmessung sollte der Blutdruck an beiden Armen bestimmt werden!

Diagnostik bei Verdacht auf sekundären Hypertonus
  • EKG (Linksherzhypertrophie? Hinweise auf KHK?) und Echokardiografie (Hypertrophie? Wandbewegungsstörungen?)

  • Eiweiß im Urin (Arteriolosklerose der Nieren?)

  • Evtl. Sonografie des Abdomens (Nierenveränderungen? Aortale Atherosklerose?)

  • Abklärung des weiteren kardiovaskulären Risikoprofils inkl. Kontrolle der Blutfette und Ausschluss einer pathologischen Glukosetoleranz

  • Vorstellung des Patienten beim Augenarzt zur Funduskopie (Fundus hypertonicus?)

Suche nach bereits entstandenen Folgeschäden
Da nur in den seltensten Fällen eine sekundäre Genese des Hypertonus vorliegt, wird eine weitergehende Diagnostik (Abb. 19.1) nur bei begründetem Verdacht durchgeführt.
  • Auftreten des Hypertonus im jungen Alter

  • Rascher Anstieg der Blutdruckwerte oder in kurzen Zeitabständen stark schwankende RR-Werte

  • Keine Nachtsenke (dipp) in der 24-h-RR-Messung

  • Kein Ansprechen auf Therapie

Therapie
Ziel der Hypertonie-Hypertonie:TherapieTherapie ist die Senkung des Blutdrucks auf < 140/85 mmHg. Sind kardiovaskuläre Risikofaktoren vorhanden, liegt der Zielblutdruck niedriger: Bei Diabetes mellitus sollten Werte unter 130/80 mmHg erreicht werden, bei Proteinurie ist ein Blutdruck unter 125/75 mmHg anzustreben.
Allgemeinmaßnahmen
In frühen Stadien der Hypertonie ist häufig bereits mit Allgemeinmaßnahmen eine ausreichende Reduktion der Blutdruckwerte zu erreichen. Doch auch in späteren Stadien sollten die Patienten dazu motiviert werden. Wichtig dabei ist, die häufig beschwerdefreien Patienten ausführlich über Risiken und mögliche Komplikationen der Hypertonie aufzuklären!
  • Gewichtsreduktion (1 kg Gewichtsabnahme ≅ 2,5 mmHg Blutdrucksenkung)

  • Gesunde Ernährung, evtl. salzarme Kost

  • Einschränken von Rauchen und Alkoholkonsum

  • Stressabbau

  • Mildes Ausdauertraining

Medikamentöse Therapie
Bei Versagen der Allgemeinmaßnahmen oder initial hohen Stadien ist eine medikamentöse Therapie erforderlich. Die Patienten benötigen meist eine lebenslange Versorgung, um hypertoniebedingte Komplikationen zu vermeiden. Es ist wichtig, die Patienten darüber aufzuklären, dass sie sich zu Therapiebeginn schlechter fühlen werden als normal. Das liegt daran, dass der Organismus an die hohen Blutdruckwerte gewöhnt ist und die normalisierten Werte subjektiv als hypoton empfunden werden.
Grundsätze der antihypertensiven Therapie: Man beginnt zunächst mit einer Substanz und fügt erst nach etwa 4 Wochen erfolgloser Monotherapie weitere Stoffgruppen hinzu. Die Therapie wird stufenweise aufgebaut.
Die Kombinationstherapie ist der Hochdosierung eines einzelnen Medikaments überlegen und birgt dabei weniger Risiken.
Die Entscheidung, welche Medikamente verschrieben werden, hängt zum Großteil von Begleiterkrankungen ab.
  • β-Blocker (Kap. 13): bei KHK, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern

  • Diuretika (Kap. 15): bei Herzinsuffizienz

  • RAAS-Hemmer (Kap. 14): bei Herzinsuffizienz, nach Myokardinfarkt, bei diabetischer Nephropathie und chron. Niereninsuffizienz

  • Ca2+-Antagonisten (Kap. 16): bei Älteren, als Akuttherapie bei hypertensiver Entgleisung

Ab einer Kombination von zwei Präparaten sollte immer ein Diuretikum verordnet werden!

Hypertensiver Notfall

Hypertensiver NotfallBeim Hypertonie:hypertensiver Notfallhypertensiven Notfall handelt es sich um eine akute Blutdruckentgleisung ≥210/120 mmHg mit lebensbedrohlichen Konsequenzen. Es kommt zu fortschreitenden Funktionseinschränkungen und schließlich Organschäden.
Auslösend können Stress, Schwangerschaft, Drogenkonsum und die Einnahme bestimmter Medikamente wirken. Auch ein rasches Absetzen der gewohnten antihypertensiven Therapie kann einen hypertensiven Notfall verursachen.
Die Patienten klagen über Kopfschmerzen, Erbrechen und Sehstörungen oder weisen Symptome einer instabilen AP auf. Im schlimmsten Fall kommt es durchVersagen der Autoregulation des Gehirns zu einer Dilatation der zerebralen Arterien mit nachfolgend Hirnödem. Es führt zu Krampfanfällen, Sehstörungen, Erbrechen und Bewusstlosigkeit.
Anzustreben ist eine vorsichtige Normalisierung des Blutdrucks, um Schädigungen durch den plötzlichen Blutdruckabfall zu vermeiden. Nach der Akutbehandlung muss der Blutdruck dauerhaft behandelt und kontrolliert werden.

Zusammenfassung

  • Definition: Hypertonie > 140/90 mmHg

  • Die Patienten sind zumeist asymptomatisch, bis sich Spätkomplikationen durch Atherosklerose (Myokardinfarkt; Apoplex) und Arteriolosklerose (Niereninsuffizienz) zeigen. Im Verlauf entwickelt sich eine konzentrische Hypertrophie des Herzens.

  • In der medikamentösen Therapie kommen folgende Substanzklassen zum Einsatz: β-Blocker; Diuretika, Ca2+-Antagonisten, RAAS-Hemmer.

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