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B978-3-437-42189-1.00006-6

10.1016/B978-3-437-42189-1.00006-6

978-3-437-42189-1

Kompletter Rechtsschenkelblock.

[L106]

Kompletter Linksschenkelblock.

[L106]

P pulmonale

[T573]

Linksherzhypertrophie im EKG. Oberer Umschlagspunkt (OUP) > 0,05 s, QRS < 0,12 s. Sokolow-Index R in V5 + S in V2 > 3,5 mV. Diskordanz der Nachschwankungen.

[L106]

Rechtsherzhypertrophie mit P pulmonale. OUP ≥ 0,03 s; QRS < 0,12 s; Sokolow-Index RV1 + SV6 > 1,05 mV; Diskonkordanz der Nachschwankungen.

[L106]

Elektrokardiografie

Schenkelblock und Hypertrophiezeichen

Schenkelblock

„Schenkelblock„Rhythmusstörungen, bradykarde:SchenkelblockBeim Schenkelblock ist die Erregungsüberleitung in den Tawara-Schenkeln und damit die Überleitung vom AV-Knoten auf das Kammermyokard gestört. Abhängig davon, welcher Tawara-Schenkel in seiner Funktion gestört ist, sind charakteristische Veränderungen im EKG zu erkennen, sodass der Untersucher Rückschlüsse auf die Lage der Blockade ziehen kann.
Man unterscheidet die Schenkelblöcke nach ihrer Lage im linken oder rechten Tawara-Schenkel. Da der linke Schenkel in einen vorderen und hinteren Faszikel aufgeteilt ist, können ein linksanteriorer und linksposteriorer Schenkelblock differenziert werden.
Der komplette Schenkelblock ist eine gleichzeitige Blockade beider Schenkelstämme. Eine Kombination aus Rechtsschenkelblock und entweder einem linksanterioren oder linksposterioren Hemiblock bezeichnet man als bifaszikulären Block.

Rechtsschenkelblöcke können als Zufallsbefund bei jungen, symptomfreien Menschen gefunden werden. Ein kompletter Linksschenkelblock ist immer als pathologisch zu werten.

Schenkelblöcke erkennt man in den Brustwandableitungen.

Bei der Blockade eines Schenkels zeigen sich nach einer normal geformten P-Welle und normaler Überleitungszeit die QRS-Komplexe deformiert und v. a. verbreitert (> 120 ms), da die Erregungsausbreitung indirekt über den noch intakten Schenkel erfolgen muss (also einen anderen Weg nimmt) und dementsprechend länger dauert.
Kompletter Rechtsschenkelblock (RSB)
„RechtsschenkelblockDas„Schenkelblock:Rechts∼ rechtsventrikuläre Myokard wird nur verzögert über den linken Tawara-Schenkel erregt.
  • Der QRS-Komplex ist auf > 120 ms verbreitert (Abb. 6.1).

  • Typisch ist eine M-förmige Deformierung des QRS-Komplexes in den rechtspräkordialen Ableitungen V1–V3. Nach einer ersten hohen R-Zacke (die in V1 sonst nicht auftritt) folgt oft noch ein zweiter positiver Ausschlag, den man „R' “ nennt.

  • In den Extremitätenableitungen findet sich ein breites und tiefes, plumpes S in I und aVL.

Kompletter Linksschenkelblock (LSB)
„LinksschenkelblockDas„Schenkelblock:Links∼ linksventrikuläre Myokard wird über den rechten Tawara-Schenkel mitversorgt.
  • Der QRS-Komplex ist auf > 120 ms verbreitert (Abb. 6.2).

  • Der QRS-Komplex ist in den linksgerichteten Ableitungen V5, V6, I und aVL M-förmig aufgesplittert.

  • Die elektrische Herzachse ist zu einem (überdrehten) Linkstyp hin verändert.

  • Durch den veränderten Repolarisationsverlauf ist die ST-Strecke in den linksgerichteten Ableitungen abgesenkt, die T-Welle negativ.

Bei komplettem LSB ist das EKG bzgl. der Infarktdiagnostik nicht verwertbar. ST-Strecken-Hebungen bei komplettem LSB haben also keinerlei diagnostische Wertigkeit. Im Gegensatz dazu können Sie bei einem kompletten RSB ST-Strecken-Hebungen etc. sehr wohl beurteilen und einen Infarkt sehr wohl auch im EKG diagnostizieren.

Für die charakteristischen Veränderungen bei inkompletten Schenkelblöcken sei auf EKG-Lehrbücher verwiesen.

Hypertrophie im EKG

Rechtsatriale Hypertrophie (P dextroatriale)
Als„P dextroatriale elektrophysiologisches Korrelat einer Belastung, Schädigung oder Hypertrophie des rechten Vorhofmyokards, z. B. bei ASD (Kap. 42), zeigt sich im EKG eine Veränderung der P-Welle im Sinne eines P dextroatriale (P pulmonale, Abb. 6.3). Die Amplitude der P-Welle ist bei normaler Dauer in der Ableitung II überhöht (≥ 0,25 mV).
Linksatriale Hypertrophie (P sinistroatriale)
Ein„P sinistroatriale (P mitrale) P sinistroatriale (P mitrale) findet sich bei Hypertrophie des linken Vorhofmyokards, z. B. bei Mitralklappenstenose (Kap. 35).
  • Der 2. Teil der P-Welle, der die linksatriale Erregung reflektiert, ist in der Amplitude erhöht und verbreitert (> 0,12–0,15 s). Dies ist Zeichen der linksatrialen Hypertrophie (höhere Amplitude) und Dilatation (Verzögerung der Vorhoferregung) durch die Volumen- und Druckbelastung des linken Vorhofs.

  • Die P-Welle ist in den Extremitätenableitungen doppelgipflig, in den Brustwandableitungen biphasisch. Das ist das Korrelat der Erregungsausbreitung vom rechten in den linken Vorhof.

Linksventrikuläre Hypertrophie
„Hypertrophie:linksventrikuläre„Elektrokardiografie (EKG):linksventrikuläre HypertrophieDie„Linksventrikuläre Hypertrophie im EKG linksventrikuläre Hypertrophie geht im EKG mit charakteristischen Veränderungen einher (Abb. 6.4).
  • Linkstyp: Die elektrische Herzachse ist durch die vergrößerte Muskelmasse verändert, es findet sich ein Links- oder überdrehter Linkstyp.

  • Sokolow-Index: „Sokolow-IndexDurch eine Zunahme der Muskelmasse ist die R-Zacke in den linksgerichteten Ableitungen (I, aVL, V5, V6) vergrößert, während parallel dazu in den rechtsgerichteten Ableitungen (V1, V2, V3, III, aVF) die Amplitude der S-Zacke zunimmt. Ist der Sokolow-Index, die Summe aus der R-Zacke in V5 und der S-Zacke in V1, ≥ 3,5 mV, so ist von einer linksventrikulären Hypertrophie auszugehen.

  • Verzögerte Erregungsausbreitung: Durch die Volumenbelastung des linken Ventrikels breitet sich die Erregung verzögert aus. Korrelat ist die Verlagerung des sog. oberen Umschlagpunkts (OUP). „Oberer Umschlagpunkt (OUP)Dabei handelt es sich um den Punkt, ab dem der Kammerkomplex negativ wird. Ist er in V6 > 0,05 s von Beginn des Kammerkomplexes entfernt, spricht man von einer Linksverspätung.

  • Typischerweise ist die R-Progression verzögert.

  • Diskordanz der Nachschwankung: In den linkspräkordialen Ableitungen sind ST-Strecke und der Anfang der T-Welle gesenkt, in den rechtspräkordialen Ableitungen gehoben. Grund ist die verzögerte Repolarisation.

  • Ischämie: Überschreitet die Hypertrophie ein gewisses Maß (kritisches Herzgewicht), so kommt es zu Ischämien, vor allem in den endokardnahen „letzten Wiesen“, die sich im EKG als ST-Senkung oder T-Negativierung niederschlagen (Kap. 21).

Rechtsventrikuläre Hypertrophie
„Elektrokardiografie (EKG):rechtsventrikuläre HypertrophieEine Hypertrophie des rechten Ventrikels ist im EKG durch folgende Charakteristika zu erkennen (Abb. 6.5):
  • Steil- oder Rechtstyp: Die elektrische Herzachse ist durch die vergrößerte Muskelmasse verändert, es findet sich ein Steil-, Rechts- oder überdrehter Rechtstyp.

  • Sokolow-Index: Durch eine Zunahme der rechtsventrikulären Muskelmasse ist die R-Zacke in den rechtsgerichteten Ableitungen (III, aVF, V1, V2) vergrößert, während parallel dazu in den linksgerichteten Ableitungen (V5, V6, I, aVL) die Amplitude der S-Zacke zunimmt. Ist der Sokolow-Index, die Summe aus der R-Zacke in V1 und der S-Zacke in V5, ≥ 1,05 mV, so ist von einer rechtsventrikulären Hypertrophie auszugehen.

  • Verzögerte Erregungsausbreitung: Analog zur Linksherzinsuffizienz ist der OUP verlagert. Man spricht von Rechtsverspätung bei einer Verlagerung von > 0,03 s in V1.

  • Diskordanz der Nachschwankung: In den rechtspräkordialen Ableitungen sind ST-Strecke und der Anfang der T-Welle gesenkt, in den linkspräkordialen Ableitungen gehoben.

  • Ischämie: Überschreitet die Hypertrophie ein gewisses Maß (kritisches Herzgewicht), so kommt es zu Ischämien, vor allem in den „letzten Wiesen“, die sich im EKG als ST-Senkung oder T-Negativierung niederschlagen (Kap. 21).

Zusammenfassung

Schenkelblöcke

  • Ein kompletter Schenkelblock besteht bei einem QRS-Komplex > 120 ms.

Hypertrophie im EKG

  • Aus dem EKG lassen sich anhand charakteristischer Veränderungen erste Rückschlüsse auf die kardiale Morphologie ziehen.

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