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B978-3-437-42189-1.00047-9

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978-3-437-42189-1

Kardiopulmonale Reanimation.

[L190]

Advanced Life Support.

[L108]

Europäische Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation Erwachsener.

[T595]

 HITS – reversible Ursachen eines Kreislaufstillstands.

Tab. 47.1
H
  • Hypoxie

  • Hypovolämie

  • Hypo-/Hyperkaliämie

  • Hypoglykämie

  • Hypothermie

  • Herzbeuteltamponade

  • Beatmung

  • Volumensubstitution

  • Elektrolytausgleich

  • Glukosegabe

  • Langsame Erwärmung

  • Punktion

I
  • Infarkt

  • Intoxikation

  • PCI

  • Verabreichung eines Antidots, Hämofiltration

T
  • Thromboembolie (Lunge)

  • Trauma

  • Lysetherapie

  • Schockraumversorgung

S
  • Spannungspneumothorax

  • Säure-Basen-Störung

  • Thoraxdrainage

  • Pufferung

Kardiopulmonale Reanimation

Grundlagen
Damit in der Reanimation, kardiopulmonalesiehe Siehe Kardiopulmonale ReanimationNotfallsituation trotz der damit Kardiopulmonale Reanimationverbundenen Stresssituation strukturiert und nach dem neuesten Stand der Erkenntnisse vorgegangen wird, wird in regelmäßigen Abständen von den Fachgesellschaften ein aktualisierter und überarbeiteter Algorithmus zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) herausgegeben.
Die CPR sollte regelmäßig, z. B. im Rahmen sog. „Mega-Code-Trainings“ geübt werden, um sie auch in der Notfallsituation abrufen zu können und anwesende Laienhelfer ruhig und kompetent anweisen zu können.
Die im Folgenden erläuterten Notfallmaßnahmen gelten für Erwachsene, zur Reanimation von Kindern und Säuglingen sei auf Lehrbücher der Pädiatrie verwiesen.
  • Die Überlebensrate des Herz-Kreislauf-Versagens nimmt pro Minute um etwa 10 % ab.

  • Nach 4 min ohne suffiziente O2-Versorgung treten bereits Gehirnschäden auf.

  • Nach 10 min ohne Reanimation ist kein Überleben mehr möglich.

Basic Life Support

Der Basic Life Kardiopulmonale Reanimation:Basic Life SuportSupport umfasst die Maßnahmen, die vom ErsthelferBasic Life Support beim Eintreffen am Unfallort bzw. beim Auffinden einer leblosen Person vorgenommen werden sollen. Sie haben das Ziel, die Zeit bis zum Eintreffen medizinischen Fachpersonals zu überbrücken. In den Leitlinien 2015 wird die Wichtigkeit einer Anleitung der Laienhelfer durch den Leitstellendisponenten betont.

Über einen Abbruch der Reanimationsmaßnahmen darf nur ein Arzt entscheiden!

Bewusstsein prüfen
Das Bewusstsein prüft man durch Ansprechen, Schütteln oder durch Setzen gezielter Schmerzreize (z. B. in den Hals kneifen).
Atmung prüfen
Zur Überprüfung der Atmung wird der Kopf überstreckt, das Kinn hochgezogen (Jackson- oder Schnüffelstellung).

Es wird nicht nach Zeichen des Herz-Kreislauf-Stillstands gesucht, da dies in der Regel zu viel Zeit beansprucht. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass bei normaler Atmung auch eine Kreislauffunktion stattfindet und umgekehrt!

Kardiopulmonale Reanimation (CPR)
Der Patient wird auf hartem Untergrund gelagert, der Brustkorb freigemacht.

Der durch die Basismaßnahmen erzielbare Blutfluss entspricht etwa 30 % des Normalwerts.

Thoraxkompressionen
  • Die richtige Körperhaltung des Helfers zeigt Abbildung 47.1.

  • Druckpunkt: in der Mitte des Brustkorbs auf dem Sternum

  • Drucktiefe: 4–5 cm

  • Kompressionsfrequenz: 100/min

Es ist wichtig, den Thorax zwischen zwei Kompressionen komplett zu entlasten, um eine Blutfüllung des Herzens zu ermöglichen.
Atemspenden
  • Technik: Mund zu Nase (alternativ: Mund zu Mund), Kopf dabei überstreckt halten!

  • Inspirationsdauer: 1 s

  • Volumen: 500–600 ml

Es ist wichtig, bei der Mund-zu-Nase-Beatmung den Mund zu verschließen, bei der Mund-zu-Mund-Beatmung die Nase!
Rhythmus: 30 Thoraxkompressionen : 2 Beatmungen

Allein eine sichtbare Thoraxexkursion ist Zeichen der suffizienten Beatmung!

Automatisierte externe Defibrillatoren (AED)
Mittlerweile sind in vielen Automatisierte externe Defibrillatoren (AED)öffentlichen Gebäuden AED platziert, die für den Einsatz durch medizinische Laien konzipiert sind. Sie haben das Spektrum der durch den Laien durchführbaren Reanimationsmaßnahmen erhöht.
Der AED diagnostiziert selbstständig das vorliegende Problem und gibt dem Laien genaue Anweisungen. Ist eine Defibrillation notwendig, kann sie vom Ersthelfer ausgelöst werden.

Advanced Life Support

Bei Eintreffen des Notarztes, Kardiopulmonale Reanimation:Advanced Life SupportRettungsdienstes oder in der Klinik sind erweiterte Reanimationsmaßnahmen möglich. Sie haben die Wiederherstellung der regelmäßigen Herzaktion zum Ziel (Abb. 47.2).
CPR
Die kardiopulmonale Reanimation im Rhythmus 30 : 2 wird vom Grundsatz her weitergeführt, allerdings sollte die Beatmung per Maske und Beatmungsbeutel fortgesetzt werden.
Ab dem Eintreffen des Fachpersonals ist ein Defibrillator verfügbar. Über ihn sollte sobald möglich eine Rhythmusableitung erfolgen, denn das weitere Vorgehen hängt vom vorhandenen Rhythmus ab (Abb. 47.3).
Wichtigstes Grundprinzip des nun abzuarbeitenden Algorithmus ist das Bestreben, die Zeit ohne Zirkulation so kurz als möglich zu halten.
Defibrillation
Die Defibrillation ist bei Kammerflimmern, Kammerflattern undDefibrillation pulsloser VT das Mittel der Wahl. Durch einen Stromstoß kann die ungeordnete elektrische Aktivität des Herzmuskels durchbrochen und ein Neustart mit regulärem Rhythmus ermöglicht werden. Unmittelbar nach Defibrillation muss die CPR umgehend fortgesetzt werden, ohne eine Rhythmuskontrolle vorzunehmen – zum einen, weil die Unterbrechung der Zirkulation minimiert werden muss, zum anderen weil es einige Minuten dauern kann, bis ein Erfolg der Defibrillation zu erkennen ist.

Keine Defibrillation bei Asystolie!

Zugang für medikamentöse Therapie
Es sollte versucht werden, unter laufender CPR so bald als möglich zwei großlumige i. v.-Zugänge anzulegen, damit im Folgenden eine Medikamentengabe erfolgen kann.
Gestaltet sich die Anlage schwierig, sollte frühzeitig ein intraossärer Zugang platziert werden, um nicht unnötig Zeit zu verlieren.
Atemwegssicherung
Eine endotracheale Intubation im Rahmen der Reanimation sollteAtemwegssicherung nur vom Geübten durchgeführt werden. Ist eine suffiziente Maskenbeatmung möglich, wird eine Intubation nach den Leitlinien nicht gefordert, im Gegenteil, die Gefahren einer möglichen Fehlintubation sowie die vom Ungeübten beanspruchte Zeit (in einer maximalen Stresssituation!) ist für den Patienten von Nachteil!
Nach erfolgter Intubation wird mit einer Frequenz von etwa 10 Atemspenden pro Minute mit 100 % O2 beatmet und gleichzeitig die Herzdruckmassage kontinuierlich fortgeführt.

Unterbrechungen der Thoraxkompression müssen minimiert werden!

Medikamentöse Basistherapie
Adrenalin
Adrenalin ist das nach den aktuellen Leitlinien einzige Medikament, das im Standard-Algorithmus der Reanimation vorgesehen ist. Es wirkt auf alle α- und β-Rezeptoren gleichermaßen. Bei kleinen und mittleren Dosen ändert sich der arterielle Mitteldruck nur geringfügig, sodass der Vagustonus nicht gesteigert wird und die positiv inotrope/chronotrope β1-Komponente im Herzen zum Tragen kommt.
Indikationen Adrenalin ist bei der Reanimation, der Anaphylaxie und beim Schock mit erniedrigtem peripheren Widerstand und vermindertem HZV indiziert.

„Supra 1 : 10“: Das Adrenalin heißt mit Handelsnamen Suprarenin und wird im Verhältnis 1 : 10 aufgezogen, d. h., eine Ampulle mit 1 ml wird durch Kochsalzlösung auf insgesamt 10 ml verdünnt. Man möchte damit erreichen, dass der Wirkstoff sich im Kreislauf schneller verteilen kann.

Weitere Medikamente, optionaler Einsatz
  • Amiodaron: Nach erfolgloser Defibrillation kann bei anhaltendem Kammerflimmern Amiodaron (Kap. 18) gegeben werden.

  • Atropin: Bei nicht defibrillierbarem Rhythmus (Asystolie, pulslose elektrische Aktivität) kann zur Parasympathikolyse Atropin verabreicht werden.

Reversible Ursachen eines Kreislaufstillstands
Bereits während der laufenden Reanimation sollte über die mögliche Ursache des Kreislaufstillstands nachgedacht werden. Es ist für den Reanimationserfolg von entscheidender Bedeutung, potenziell beheb- oder behandelbare Ursachen des Kreislaufstillstands zu erkennen und dementsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Diese Ursachen sind unter dem Schlagwort „HITS“ zusammengefasst (Tab. 47.1).
  • So kann bei erfolgloser Reanimation und klinischem Verdacht auf Lungenarterienembolie eine Lysetherapie erfolgen.

  • Besteht eine Herzbeuteltamponade, so wird auch eine lange Reanimation ohne Entlastung keinen Erfolg erbringen.

Sekundärprophylaxe des plötzlichen Herztods
Patienten, die einen „plötzlichen Plötzlicher Herztod:SekundärprophylaxeHerztod“ überlebt haben, werde sekundärprophylaktisch mit einem ICD versorgt. Dies gilt nicht, wenn der Kreislaufstillstand durch eine behobene Ursache bedingt war (z. B. Kammerflimmern bei STEMI).

Zusammenfassung

  • Nach 4 min ohne suffiziente O2-Versorgung treten bereits Gehirnschäden auf.

  • Nach 10 min ohne Reanimation ist kein Überleben mehr möglich.

  • CPR: 30 Thoraxkompressionen : 2 Beatmungen

  • Defibrillation nur bei Kammerflimmern oder VT!

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