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B978-3-437-42189-1.00011-X

10.1016/B978-3-437-42189-1.00011-X

978-3-437-42189-1

Schematische Darstellung der Rechtsherzkatheteruntersuchung.

[L190]

Darstellung der kontinuierlichen Druckableitung während der Rechtsherzkatheteruntersuchung in Abhängigkeit von der Positionierung des Katheters: rechter Vorhof (a), rechter Ventrikel (b), Pulmonalarterie (c), Wedge-Position (d).

[L141/M584]

Rechtsherzkatheter (Pulmonalis-Katheter)

„Herzkatheter:Rechts∼Die „Rechtsherzkatheter„Pulmonalis-Kathetersiehe Siehe RechtsherzkatheterRechtsherzkatheter-Untersuchung ist ein invasives Verfahren zur Messung der hämodyamischen Auswirkungen von Klappen- und Herzfehlern oder pulmonalen Erkrankungen mit konsekutiver Herzinsuffizienz. Im Gegensatz zur Linksherzkatheter-Untersuchung kommt kein KM zum Einsatz und es wird auch nur orientierend geröntgt.

Durchführung
Im „Rechtsherzkatheter:DurchführungGegensatz zur Linksherzkatheter-Untersuchung erfolgt eine venöse Punktion. Nach dem Prinzip der Seldinger-Technik wird über einen Führungsdraht der Swan-Ganz-Einschwemmballonkatheter eingeführt. Direkt proximal der Katheterspitze befindet sich bei diesem besonderen Katheter ein Ballon, der nach dem Aufblasen ein passives Einschwemmen des Katheters mit dem Blutstrom über den rechten Ventrikel in den Pulmonalisstamm und die beiden Pulmonalarterien ermöglicht. Nach einer gewissen Strecke bleibt der Ballon im immer fein verzweigteren Pulmonalissystem „stecken“ und verschließt damit diesen Seitenast (Wedge-Position).

Selbstverständlich darf der Ballon immer nur kurzzeitig in der Wedge-Position belassen werden, da sonst ein Infarkt des nachgeschalteten Lungenstromgebiets entsteht!

Während der gesamten Untersuchung wird an der Katheterspitze der jeweils herrschende Druck kontinuierlich aufgezeichnet (Abb. 11.1) und erlaubt so eine Lokalisation des Katheters ohne radiologische Kontrolle.
Folgende hämodynamischen Parameter werden gemessen (Abb. 11.2):
  • 1.

    Der zentrale Venendruck (ZVD) entspricht der rechtsventrikulären Vorlast.

  • 2.

    Druck in der rechten Kammer

  • 3.

    Pulmonalkapillarer Verschlussdruck (PCWP; engl. pulmonary capillary wedge pressure): In der Wedge-Position wird der pulmonalkapilläre Verschlussdruck (sog. Wedge-Druck) bestimmt. Er entspricht näherungsweise dem Druck im kleinen Kreislauf und damit der linksventrikulären Vorlast.

  • 4.

    Pulmonalarteriendruck

  • 5.

    HZV: Mit der Thermodilutionsmethode kann das HZV bestimmt werden. Hierzu bringt man ein definiertes Volumen kalter isotoner NaCl-Lösung über die proximale Öffnung des Swan-Ganz-Katheters in die Pulmonalarterie ein und misst die Temperatur des vorbeiströmenden Blutes an der distalen Öffnung des Swan-Ganz-Katheters mittels eines Thermistors. Die NaCl-Lösung kühlt das vorbeiströmende Blut in Abhängigkeit von der vorbeiströmenden Menge und Flussgeschwindigkeit ab. Ein Computer berechnet aus der Temperaturzunahme in der Pulmonalarterie das HZV.

  • 6.

    Gemischtvenöse Sauerstoffsättigung (SgvO2): Aus dem Blut in der A. pulmonalis kann „gemischtvenöses Blut“ abgenommen werden. Im Unterschied zum zentralvenösen Blut ist hier auch das weniger entsättigte Blut der unteren Körperhälfte aus der V. cava inferior enthalten, im Normalfall liegt die SgvO2 also etwas höher als die zentralvenöse Sättigung.

Folgende Parameter können daraus abgeleitet werden:
  • Der Herzindex (engl. cardiac index = CI) wird berechnet aus dem HZV und der Körperoberfläche: CI = HZV/m2 KOF

  • Der periphere Gefäßwiderstandsindex (engl. SVRI) wird aus dem ZVD, dem Herzindex und dem arteriellen Mitteldruck errechnet. Er entspricht näherungsweise der linksventrikulären Nachlast. Der Wert ist z. B. im Rahmen der peripheren Vasodilatation bei Sepsis erniedrigt, bei peripherer Vasokonstriktion, z. B. unter Noradrenalintherapie in der Intensivmedizin, ist er erhöht.

  • Der Gefäßwiderstandsindex im Lungenkreislauf (engl. PVRI) kann aus dem arteriellen Mitteldruck, Wedge-Druck und Herzindex errechnet werden und entspricht der rechtsventrikulären Nachlast. Er ist bei Lungenarterienembolie erhöht.

Normwerte der Hämodynamik in Ruhe.

Tab. 11.1
Ort/MessgrößenNormwerte
Rechter VorhofMitteldruck: 1–5 mmHg
Rechter VentrikelSystolischer Druck: 15–30 mmHgEnddiastolischer Druck: 1–7 mmHg
A. pulmonalisSystolischer Druck: 15–30 mmHgDiastolischer Druck: 4–12 mmHgMitteldruck: 9–19 mmHg
PCWPMitteldruck: 4–12 mmHg
HZV6–8 l/min
Cl> 2,5 l/min/m2
Die linksventrikuläre Funktion kann nun unter Berücksichtigung der LV-Vorlast (PCWP), der LV-Nachlast (SVRI) und des HZV abgeleitet werden. Charakteristische pathologische Veränderungen der Hämodynamik werden in den jeweiligen Kapiteln beschrieben.
Kontraindikationen, Komplikationen
„Rechtsherzkatheter:KontraindikationenAbsolute Kontraindikationen stellen Stenosen von Trikuspidal- und Pulmonalklappe sowie Tumoren und Thromben in RA oder RV dar.
Durch mechanische Irritation der Ventrikelwand können Rhythmusstörungen ausgelöst werden. Bei vorbestehendem Linksschenkelblock kann eine Rechtsherzkatheterisierung durch mechanischen Block des rechten Schenkels zu einem AV-Block III° führen!

Zusammenfassung

  • Zur Rechtsherzkatheteruntersuchung wird ein spezieller Ballon-Katheter, der sog. Swan-Ganz-Katheter verwendet.

  • Sie wird durchgeführt zur hämodynamischen Diagnostik:

    • ZVD = RV-Vorlast

    • PCWP = LV-Vorlast

    • HZV (über Thermodilution)

    • PVRI = RV-Nachlast

    • SVRI = LV-Nachlast

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