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B978-3-437-42358-1.00032-X

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978-3-437-42358-1

Patientenarbeit als Ergebnis der Gestaltungstherapie.

[O650]

Averbale Therapieverfahren

Bei diesen Therapieverfahren steht nicht das therapeutische Gespräch, sondern der „averbale“ Zugang zu den seelischen Konflikten und Gefühlen des Patienten im Vordergrund. Da der Patient sein „Innenleben“ häufig nicht in Worten ausdrücken kann, werden ihm verschiedene andere Möglichkeiten angeboten, sich auszudrücken. Speziell ausgebildete Therapeuten interpretieren die Ergebnisse der Therapiesitzungen.

Gestaltungstherapie (Kunsttherapie)

Definition
Ein kreativtherapeutisches GestaltungstherapieVerfahren, welches sich in den 1960er-Jahren in enger Anlehnung an die KunsttherapieTFP etablierte. Es geht dabei um die Einbeziehung von bildnerisch-künstlerischen Tätigkeiten und Mitteln in die Psychotherapie, wobei sowohl der Weg (die Herstellung) als auch die Gestalt (das Bild) eine gleich wichtige Rolle spielen. Die Gestaltungstherapie hat sowohl diagnostische als auch therapeutische Aspekte (Abb. 32.1).
Durchführung
Die Gestaltung bringt den Patienten in Beziehung zu sich selbst. Dies geschieht durch sensorische und körperliche Erfahrungen sowie durch affektives Erleben während der künstlerischen Arbeit. Zudem fördert Gestaltung Ich-Funktionen, wie z. B. Entscheidungen bezüglich des Materials zu treffen sowie zeitliche oder räumliche Grenzen zu bestimmen und respektieren zu lernen. Im Anschluss an die Gestaltung erfolgt ein Gespräch mit dem Therapeuten über das Werk: Welche Gefühle spiegelt es wider? Welche Gefühle löst es aus? Inwieweit bezieht es sich auf die aktuelle Lebenssituation des Patienten?
Es werden Einzel-, bevorzugt jedoch Gruppentherapien mit maximal zehn Patienten angeboten, die ein- bis zweimal pro Woche in 90-min-Sitzungen behandelt werden.
Die Gestaltungstherapie wird vorwiegend in der klinischen Psychotherapie und psychosomatischen Medizin einschließlich der psychosomatischen Rehabilitation eingesetzt, immer im Rahmen eines multimodalen Behandlungsprogramms.
Anwendung
Die Indikation ist für eine Vielzahl von psychosomatischen und somatoformen Erkrankungen zu stellen.
Kontraindikationen sind wahnhafte Formen von Depression, schwere depressive Hemmungen und akute Suizidalität.

Musiktherapie

Definition
Eine Therapieform, die darauf beruht, dass Musik schon seit je eine natürliche Ausdrucksform Musiktherapiedes Menschen ist, und bei der die Musik als nonverbales Mittel zur Kommunikation eingesetzt wird. Bei der passiven Musiktherapie lauscht der Patient auf vom Therapeuten ausgewählte Musik, bei der aktiven Musiktherapie drückt er sich selbst musikalisch aus.
Durchführung
In der aktiven Musiktherapie kommen u. a. auch Orff-Instrumente (Trommeln, Rasseln, Flöten) zum Einsatz, die ohne Vorkenntnisse gespielt werden können.
Die Musiktherapie ist in Form sowohl von Einzel- als auch Gruppentherapie möglich. Beide Therapieformen finden ein- bis zweimal pro Woche statt und haben eine Dauer von 45–60 min im Einzelsetting und ca. 90 min in der Gruppe.
Ziel der Musiktherapie ist es, emotionale und kommunikative Vorgänge im Patienten zu aktivieren und seine Erlebnisfähigkeit zu erweitern.
Anwendung
Die Indikation ist bei neurotischen Störungen, psychosomatischen Störungen und Krankheitsbewältigung bei chronischen Erkrankungen zu stellen.
Eine Kontraindikation ergibt sich bei akuter Suizidalität, Hirnleistungsstörungen und Hörstörungen.
Die Musiktherapie ist zusätzlich auch in der Geriatrie, Gerontopsychiatrie sowie Kinder- und Jugendtherapie einsetzbar.

Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)

Definition
Eine körperorientierte Therapieform, die ganzheitlich auf konzentrative Bewegungstherapie (KBT)Wahrnehmung, Beziehung, Handlung und Affektregulation ausgerichtet ist. Durch bewusste Konzentration auf das eigene Erleben werden Erinnerungen belebt, die sich neben realen Erfahrungen auch in symbolbedeutsamen Verhaltensweisen oder Bewegungen widerspiegeln. Aktualisierte Inhalte werden konkret erfassbar und eventuelle Konflikte „begreifbar“.
Je nach Prozessgeschehen kann die KBT sowohl übungsorientiert als auch aufdeckend und konfliktorientiert eingesetzt werden.
Durchführung
Die Übungen finden im Liegen, Stehen oder Gehen statt und sind oft mit Spürerfahrungen, z. B. mit Steinen, Kugeln, Bällen, Bändern etc., verbunden. Während der Übungen sollte sich der Patient auf alle Sinneswahrnehmungen konzentrieren.
Die KBT findet meist in Gruppen mit maximal zehn Teilnehmern ein- bis zweimal pro Woche statt, kann aber auch einzeltherapeutisch genutzt werden.
Das Ziel der Therapie ist es, Zugang zu den eigenen Gefühlen zu finden, die Ausdrucksfähigkeit und das eigene Körpergefühl zu verbessern. Durch diesen Lernprozess findet eine Veränderung im Sinne einer Persönlichkeitsentwicklung statt. Zudem kann unbewusstes „Material“ durch aufdeckendes Arbeiten bewusst gemacht und anschließend psychotherapeutisch bearbeitet werden.
Anwendung
Die Indikation ergibt sich bei neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen, bei PS, strukturellen sowie bei Körperschemastörungen.

Tanztherapie und Körpertherapie

Definition
Die psychotherapeutische TanztherapieVerwendung von Tanz und Bewegung dient dem freien Ausdruck und KörpertherapieAusleben von Gefühlen. Zusätzlich werden bei der Tanztherapie ähnlich wie bei sportlichen Tätigkeiten die positiven Effekte körperlicher Betätigung auf das psychische Befinden genutzt.
Durchführung
Die drei methodischen Hauptelemente der Tanztherapie sind Tanztechnik, Improvisation und Gestaltung. Tanztherapie kann sowohl übungsorientiert als auch erlebnis- und konfliktzentriert eingesetzt werden. Mit der Bewegungsanalyse versucht der Therapeut, durch Körperhaltung, Gesten, Mimik, Rhythmus, Tempo und Atemmuster des Patienten mehr über dessen Gefühle und Konflikte zu erfahren. Ziele der Tanztherapie und der Körpertherapie sind die Förderung der Körperwahrnehmung, die Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung, die Erweiterung der Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten sowie die Aufarbeitung von konflikthaften Themen.
Anwendung
Die Indikation ist bei psychosomatischen, funktionellen Beschwerden und Körperschemastörungen gegeben.

Zusammenfassung

  • Bei den averbalen Therapieverfahren steht der nonverbale Zugang zum Innenleben des Patienten im Vordergrund.

    • Die Gestaltungstherapie ist ein kreativtherapeutisches Verfahren, welches den Patienten durch bildnerisch-künstlerische Tätigkeiten und Mittel zum einen in Beziehung zu sich selbst bringen, zum anderen eine Ausdrucksmöglichkeit unbewusster Inhalte geben soll. Sie kann sowohl therapeutisch als auch diagnostisch genutzt werden.

    • Die Musiktherapie verwendet Musik als nonverbales Kommunikationsmittel in aktiver oder passiver Form, um emotionale und kommunikative Vorgänge im Patienten zu aktivieren und dessen Erlebnisfähigkeit zu erweitern.

    • Die konzentrative Bewegungstherapie ist ein körperorientiertes Verfahren, welches den Zugang zu den eigenen Gefühlen, die Ausdrucksfähigkeit und das eigene Körpergefühl durch verschiedene „konzentrative“ Körperübungen verbessern soll.

    • Bei der Tanz- und Körpertherapie wird durch die Verwendung von Tanz und Körperbewegung die Erweiterung der Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gefördert und werden die positiven Effekte körperlicher Betätigung auf das psychische Befinden genutzt.

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