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B978-3-437-42358-1.00014-8

10.1016/B978-3-437-42358-1.00014-8

978-3-437-42358-1

Ein Manager unter enormer Belastung stehend, nachdem er schwierige Personalentscheidungen treffen musste

[J787-006]

Darstellung der Psychopathogenese von Belastungsstörungen (AWMF online).

[T577]

Belastungs- und Anpassungsreaktionen (ICD-10: F43.0, F43.1, F43.2)

Definition
Belastungsreaktionen
AnpassungsreaktionenHierunter versteht man psychische, körperliche und BelastungsreaktionenVerhaltensstörungen, die in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang nach einer psychosozialen Belastung auftreten und durch die Intensität bzw. die Dauer der Belastung verursacht werden. Sie dauern an, solange die Belastung wirksam ist oder bis eine effektive Bewältigung zum Tragen kommt. Abbildung 14.1 zeigt, wie sich ein Manager fühlen kann, wenn er sehr schwierige Entscheidungen treffen muss.

Exkurs: Trauma

Der Begriff Trauma (griech. Wunde) wird im heutigen Sprachgebrauch inflationär verwendet. Im medizinischen Sinne wird hierunter jedoch eine äußerst schmerzhafte Erfahrung katastrophenartigen Ausmaßes verstanden, die vorübergehende oder anhaltende psychische Symptome hervorrufen kann. Ein solches Erlebnis liegt außerhalb der üblichen Erfahrungen (Naturkatastrophen, Kriegserlebnisse, Unfälle mit schweren Verletzungen, Geiselnahmen, Vergewaltigungen, Folter etc.). Ob eine derartige Erfahrung zu einer krankhaften Verarbeitung und Ausbildung einer PTBS (s.u.) führt, hängt u.a. von der psychischen Resilienz (Kap. 4), dem inneren Erleben und eigenen Bewältigungsstrategien ab.
Akute Belastungsstörung („Nervenzusammenbruch“)
Klinik  Trotz der großen Varianz der Symptome sind Belastungsstörungfolgende Erscheinungen charakteristisch: eingeengte Bewusstseinslage („Betäubung“), Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten, Desorientiertheit. Die akuten Symptome sind variabel. Darauf können die u. g. Erscheinungen folgen: depressive Verstimmungen, heftige Ängste, Unruhe und unproduktive Überaktivität, soziale Rückzugstendenzen, Fluchtreaktionen oder Fugue. Fast immer vervollständigen zahlreiche vegetative Begleitsymptome das Bild.
Dauer und Verlauf  Unter optimalen Bedingungen verschwindet das Beschwerdebild innerhalb weniger Stunden. Doch selbst unter weniger günstigen Bedingungen liegen die Symptome gewöhnlich nach 3 Tagen nur noch in minimaler Ausprägung vor. Allgemein lässt sich sagen, dass akute Belastungsreaktionen folgenlos ausheilen können.
Risiko  Das Risiko, mit einer akuten Belastungsreaktion auf ein traumatisches Erlebnis zu reagieren, hängt von der individuellen Vulnerabilität und den zur Verfügung stehenden Bewältigungsstrategien ab. Es ist erhöht bei körperlicher Erschöpfung, höherem Lebensalter, fehlenden Erfahrungen im Umgang mit Belastungen, Vorliegen von spezifischen Bedeutungen des Erlebnisses für die betroffene Person, mangelnder sozialer Unterstützung und mangelnder Kontrollierbarkeit der Situation.

Ein Feuerwehrmann während eines schweren Brandeinsatzes. Dieser kann zu einem Trauma führen.

[J787]

Posttraumatische Belastungsstörung
Definition  Die posttraumatische Belastungsstörung:posttraumatischeBelastungsstörung ist eine Reaktion auf massiv belastende und außergewöhnliche Situationen (z. B. Kriege, Folter, KZ-Haft, Vergewaltigung, schwere Unfälle, Naturkatastrophen u. Ä.). Dieses Beschwerdebild tritt mit einer Latenz von Wochen bis Monaten auf.
Klinik  Die posttraumatische Belastungsstörung ist durch folgende Trias charakterisiert:
  • 1.

    Emotionale Teilnahmslosigkeit und soziale Rückzugstendenzen

  • 2.

    Sich aufdrängende Nachhallerinnerungen („Flashbacks“)

  • 3.

    Psychovegetative Überaktivität (mit Schlaflosigkeit und Schreckhaftigkeit)

Ängste und Depressionen sind häufig mit dieser Trias assoziiert. Akute affektive Ausbrüche (von Panik oder Aggression) sind seltener, können aber durchaus vorkommen.
Dauer und Verlauf  Die posttraumatische Belastungsstörung folgt dem Trauma mit einer Latenz von Wochen bis Monaten. Der Verlauf der posttraumatischen Belastungsstörung ist wechselhaft, es findet jedoch in den meisten Fällen eine Heilung statt. Aufgrund des hohen Leidensdrucks der Patienten geht die PTBS nicht selten mit Komorbiditäten wie Suchterkrankungen und Suizidalität einher.
Anpassungsstörungen
Definition Hier handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden Anpassungsstörungenund emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen wie auch schwerer körperlicher Erkrankung auftreten. Die Störung beginnt im Allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung. Die Symptome halten meist nicht länger als 6 Monate an. Anpassungsreaktionen können durch Todesfälle, Trennungserlebnisse (z. B. Ehescheidung), Emigration, Umzug, Pensionierung oder schwere Enttäuschungen ausgelöst werden.
Epidemiologie
Die Lebenszeitprävalenz für posttraumatische Belastungsstörungen in der Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 2 und 7 %. Die Häufigkeit ist abhängig von der Art des Traumas. Es lässt sich sagen, dass die Prävalenz nach Vergewaltigung ca. 50 %, nach anderen Gewaltverbrechen ca. 25 %, bei Kriegs- und Vertreibungsopfern ca. 50 %, bei Verkehrsunfallopfern ca. 15 % und bei schweren Organerkrankungen (Herzinfarkt, Malignome) ca. 15 % beträgt.
Pathogenese und Psychodynamik
In Abbildung 14.3 ist die Psychopathogenese von Belastungsstörungen skizzenhaft dargestellt.
Therapie
Akute Belastungsstörung  In der Regel ist keine Therapie notwendig. Lediglich bei protrahierten Verläufen ist eine psychiatrische bzw. psychosomatische Psychotherapie mit supportiven Gesprächen und Medikamenten indiziert.
Posttraumatische Belastungsstörung  Als Behandlungsformen mit nachgewiesener Wirksamkeit gelten die Verhaltenstherapie (Expositionstherapie, kognitiv-behaviorale Therapie), Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing Therapy (EMDR, Kap. 33) sowie Pharmakotherapie.
Anpassungsstörungen  Die Psychotherapie (z. B. Gesprächstherapie) findet häufig Anwendung. In besonders schweren Fällen (z. B. Suizidalität) ist auch an Psychopharmaka zu denken. Bei längeren Störungen muss differenzialdiagnostisch das Bestehen einer depressiven Störung oder einer generalisierten Angststörung abgewogen werden.

Zusammenfassung

  • Nach einem Trauma können Belastungsreaktionen auftreten.

  • Man unterscheidet zwischen akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen.

  • Anpassungsreaktionen können nach persönlichen Schicksalsschlägen auftreten.

  • Eine Therapie ist bei posttraumatischen Belastungsstörungen und bei Anpassungsstörungen meist notwendig.

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