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B978-3-437-42358-1.00033-1

10.1016/B978-3-437-42358-1.00033-1

978-3-437-42358-1

Aufbau des autogenen Trainings.

Tab. 33.1
Grundstufe des autogenen Trainings
Psychotherapeutische Grundübungen Wärmeempfindung
Schwereempfindung
Ruhetönung
Organübungen Wahrnehmung der Atmung
Wahrnehmung des Herzschlags
Kühleempfindung im Stirnbereich
Wärmeempfindung im Bauchraum (Sonnengeflecht)
Formelhafte Vorsatzbildung (z.B. persönliche Leitsätze)

Trancephänomene.

Tab. 33.2
Sensorische Phänomene Analgesie, Halluzination
Motorische Phänomene Katalepsie, unwillkürliche Bewegungen, posthypnotische Reaktionen
Kognitive Phänomene Hyperamnesie, Amnesie, Imagination, Zeitverzerrung
Physiologische Phänomene Vasokonstriktion/-dilatation, Muskeltonusänderung, immunologische Reaktionen, EEG-Veränderungen

Entspannungsverfahren und suggestive Techniken

Zu den als wissenschaftlich fundiert geltenden Entspannungsverfahren zählen:

  • Das autogene EntspannungsverfahrenTraining (AT)

  • Die progressive Muskelrelaxation (PMR)

  • Die Hypnose

Sie werden vorwiegend als die Psychotherapie unterstützende Maßnahmen angesehen. Zudem gewinnt das Biofeedback als Entspannungsverfahren zunehmend an Bedeutung (Kap. 6).

Autogenes Training

Definition
Das AT wurde 1932 von J. H. Schultz als „autogenes TrainingBasispsychotherapeutikum“ eingeführt und ist ein Verfahren zur „konzentrativen Schultz, J.Selbstentspannung“, welches auf Auto-(Selbst-)Suggestionen basiert.
Durchführung
Das Verfahren lässt sich in psychotherapeutische Grundübungen und formelhafte Vorsatzbildung einteilen (Tab. 33.1).
Bei diesen Übungen konzentriert sich der Übende auf körperliche Wahrnehmungen (z. B. Ruhe, Schwere und Wärme in den Extremitäten) und unterstützt dies durch die mentale Wiederholung autosuggestiver Selbstinstruktionen (z. B. „Meine Beine sind warm und schwer“). Es handelt sich also um eine primär suggestive und sekundär konditionierte Einübung erwünschter vegetativer Abläufe.
Ziele dieser Übungen sind psychovegetativ regulierende Selbstentspannung und Selbstbeeinflussung. Um vom AT profitieren zu können, müssen die Eigenübungen zwei- bis dreimal am Tag für 2–10 min durchgeführt werden.
Anwendung
Die Anwendung des AT reicht von der Psychohygiene und -prophylaxe (z. B. durch Volkshochschulkurse) bis zur gezielten psychosomatischen und psychotherapeutischen Behandlung bei einer Vielzahl von funktionellen Störungen, psychosomatischen Erkrankungen, neurotischen Erkrankungen, Suchterkrankungen etc.
Es existieren Direktnachweise für ein Absinken des Atemwiderstands bei Asthmapatienten. Sinnvoll ist die Anwendung zudem bei Hypertonikern und Patienten mit Schlafstörungen.

Progressive Muskelrelaxation

Definition
Eine Anspannung der Muskulatur geht häufig mit Unruhe, Angst und psychischer Spannung progressive Muskelrelaxationeinher. Jedoch ist nach einer großen körperlichen Anstrengung, also Anspannung, der Entspannungseffekt bekanntermaßen am größten.
Diese Kontrastwahrnehmung intentional angespannter bzw. entspannter Muskelgruppen ist die Grundlage der von Edmund Jacobson 1930 begründeten PMR, mit deren Hilfe die Patienten eine verbesserte Jacobson, E.Körperwahrnehmung für Entspannungs- und Verspannungszustände lernen. Das Ziel ist eine willkürliche Entspannung der wichtigsten quergestreiften Muskulatur und somit vegetativer und mentaler Prozesse.
Durchführung
Die PMR wird folgendermaßen durchgeführt:
  • Beginn mit einer allgemeinen Ruheeinstellung (z. B. Konzentration auf die Atmung)

  • Muskelgruppe schmerzfrei anspannen (z. B. Hand zur Faust ballen)

  • Spannung bewusst für ca. 5–10 s halten

  • Spannung lösen und Entspannung für ca. 30 s bewusst spüren

Nach diesem Muster werden mehrere Muskelgruppen für 10–20 min angesprochen.
Die Effekte dieses Verfahrens umfassen die Verbesserung der allgemeinen Befindlichkeit und der vegetativen Stabilität, die Herbeiführung muskulärer Entspannung sowie größere innere Ruhe und Gelassenheit.
Anwendung
Die PMR kann zur Behandlung von Schlafstörungen, bei essenzieller Hypertonie, Spannungskopfschmerz sowie Angst- und Spannungsgefühlen eingesetzt werden.

Hypnose

Definition
Hypnose ist ein Bewusstseinszustand, der gegenüber dem Alltagserleben als subjektiv verändert Hypnoseempfunden wird. Durch entsprechende Suggestion erleben Patienten in hypnotischer Trance unwillkürliche Veränderungen auf der sensorischen Ebene, der kognitiv-affektiven Ebene und der Verhaltensebene (Tab. 33.2). Die Hypnose soll dem Patienten den Zugang zu seinen eigenen Ressourcen erleichtern.
Durchführung
Vor der Tranceinduktion müssen eine ausführliche Eingangsdiagnostik und Anamnese erfolgen und ein Vertrauensverhältnis hergestellt werden (Rapport). Erwartungen und Befürchtungen des Patienten müssen abgeklärt werden.
Die Hypnose beginnt dann mit Fokussierung der Aufmerksamkeit des Patienten, z. B. durch Augenfixation eines Gegenstands oder Erzählen von Geschichten.
Das Sprachmuster ist durch rhythmische Synchronie mit der Atmung und Wiederholungen von Wörtern oder Sätzen charakterisiert. Es kommt zu einer Dissoziation von Alltagsleben durch Trance. Dies leitet die therapeutische Phase ein, in der Thematisierung und Bahnung des Therapieziels durch Suggestionen die Hauptrolle spielen. Je nach therapeutischem Nutzen kann auch durch Suggerierung eine Amnesie erzeugt werden. Am Ende der Hypnose erfolgt eine Einleitung der Reorientierung.
Die Nutzung der Trancephänomene (Tab. 33.2) liegt im analytischen und therapeutischen Bereich.
Anwendung
Die Indikationen für eine Hypnotherapie sind vielfältig:
  • Somatische Probleme: z. B. Immunologie, Vasomotorik, akuter Schmerz, Neurologie und sexuelle Dysfunktion

  • Psychoneurotische Störungen: z. B. Phobien, Zwänge, depressive Reaktionen, posttraumatische Reaktionen, Schlafstörungen und dissoziative Persönlichkeitsstörungen

  • Psychosomatische Störungen: z. B. chronische Schmerzen, Migräne/Spannungskopfschmerz, Morbus Crohn, Ulkus, Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis und Hypertonie

  • Verhaltensprobleme: z. B. Nägelkauen, Bettnässen, Rauchen und Übergewicht

Kontraindikationen sind:
  • Fortgeschrittene Demenzen

  • Schizophrene und andere organische Psychosen

  • Wahnstörungen

  • Schwere Depressionen

  • Patienten mit Neigung zu hypochondrischer Selbstbeobachtung (AT)

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

Definition
Die EMDR wurde als therapeutischer Baustein zur Behandlung Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)schwer traumatisierter Patienten konzipiert, basierend auf der modernen Traumaforschung. Die Exposition mit der traumatischen Erinnerung wird kombiniert mit bilateraler Stimulation beider Hirnhemisphären (z. B. mit induzierten Augenbewegungen).
Durchführung
Zu Beginn der Sitzung wird der Patient aufgefordert, z. B. ein Bild einer traumatischen Erfahrung innerlich aufzurufen und die Erinnerung in ihrer schmerzhaften Ausprägung einzustufen (Skala von 0–10). Direkt im Anschluss folgt der Patient mit seinem Blick z. B. einem in mittlerer Geschwindigkeit vor seinen Augen waagerecht hin und her bewegten Finger. Nach 20–40 solcher bilateraler Bewegungsfolgen werden diese kurz unterbrochen. Hierdurch wird eine „Lockerung“ der Erinnerung hervorgerufen, im Sinne einer Veränderung von Bildern, Körperempfindungen oder Entstehung neuer Assoziationen. Ziel ist es, die traumatische Erinnerung solange mithilfe der bilateralen Stimulation zu bearbeiten, bis die subjektive Belastung deutlich sinkt (Werte von 0–1 auf der Skala von 0–10). Hierfür sind mehrere 60- bis 90-minütige Sitzungen erforderlich.
Anwendung
Anwendung findet die EMDR bei posttraumatischen Belastungsstörungen.
Cave: Unvorsichtige Anwendungen bei Patienten mit dissoziativen Störungen können zu einer Überforderung und Destabilisierung führen!

Zusammenfassung

  • Entspannungsverfahren und suggestive Techniken können als die Psychotherapie unterstützende Maßnahmen eingesetzt werden.

  • Autogenes Training (AT) ist ein Verfahren zur „konzentrativen Selbstentspannung“. Bei den Übungen konzentriert sich der Patient auf körperliche Wahrnehmungen und unterstützt dies durch die mentale Wiederholung autosuggestiver Selbstinstruktionen.

  • Progressive Muskelentspannung (PMR) ist eine Methode, um die Kontrastwahrnehmung intentional angespannter bzw. entspannter Muskelgruppen zu fördern. Das Ziel ist eine Entspannung vegetativer und mentaler Prozesse.

  • Die Hypnose soll dem Patienten durch Veränderung seiner Bewusstseinslage den Zugang zu seinen eigenen Ressourcen erleichtern. Es kommt zu Trancephänomenen, die analytisch und therapeutisch genutzt werden können.

  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) ist eine Methode zur Behandlung schwer traumatisierter Patienten, basierend auf der modernen Traumaforschung.

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