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B978-3-437-42358-1.00030-6

10.1016/B978-3-437-42358-1.00030-6

978-3-437-42358-1

Typisches psychotherapeutisches Setting.

[L138]

Die drei Basisvariablen des Gesprächsverhaltens (1942).

[E937]

Gesprächspsychotherapie

Definition
Die klientenzentrierte Gesprächstherapie oder auch nondirektive GesprächspsychotherapieGesprächstherapie zählt zu den Verfahren der „humanistischen Psychologie“ und stellt neben den psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Verfahren eine dritte Schule der Psychotherapie dar. Diese Therapieform ist ein erlebnisaktivierendes und einsichtsorientierendes Verfahren. Für die Einsichtsgewinnung ist eine große Eigenleistung des Patienten notwendig. Die Gesprächstherapie kann auch als eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ betrachtet werden, deren Ziel es ist, die individuellen positiven Kräfte des Patienten herauszuarbeiten.
Ursprung
Der Begründer der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie ist der amerikanische Psychotherapeut Carl R. Rogers (1902–1987). Rogers sprach von seinen Patienten immer als „Klienten“ und vertrat dieRogers, C. Auffassung, dass jeder Mensch eine angeborene Fähigkeit zur Selbstverwirklichung besitzt. Weder wollte er durch Deutung unbewusster Konflikte (Kap. 5) noch durch Umstrukturierung oder Verhaltensänderung (Kap. 29) den „Klienten“ beeinflussen, sondern dieser sollte selbst seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen.
Vom Beginn an wurde dieses Therapieverfahren unter ständiger empirischer und experimenteller Beobachtung entwickelt. Geforscht wurde u. a. auch an den Qualitäten des Therapeuten selbst und am Gesprächsverfahren der klientenzentrierten Gesprächsführung (s. u.).
Grundannahme
Der Patient, als ganzheitlicher Mensch mit seinen Möglichkeiten und emotionalen Erlebnissen, steht im Mittelpunkt der klientenzentrierten Gesprächstherapie. Die Therapie konzentriert sich dabei v. a. auf die Verbalisierung seiner Gefühle, um Klarheit in das emotionale Erleben zu bringen. Außerdem versucht der „Klient“ mit Unterstützung des Therapeuten, Lösungsmöglichkeiten selbstständig zu erarbeiten, denn:

Die Gesprächstherapie geht im Vergleich zu anderen psychotherapeutischen Behandlungsansätzen davon aus, dass der Patient im Prinzip selbst weiß, was für ihn gut ist.

Die klientenzentrierte Gesprächstherapie geht davon aus, dass der Mensch dann gesund ist, wenn sein Selbstbild mit seiner persönlichen Vorstellung eines idealen Selbst übereinstimmt. Dann kann er Selbstvertrauen entwickeln, Kreativität und Selbstbestimmung leben und seinen „Aktualisierungstendenzen“ folgen. Störungen entstehen dann, wenn der Mensch während seiner Entwicklung nur unter bestimmten Bedingungen Lob, emotionale Zuwendung, also positive Verstärkung, erhält. Er wird von äußeren Einflüssen gebahnt und kann sich nicht entsprechend seinen persönlichen Eigenschaften und Stärken selbst verwirklichen. Der Patient ist dann in seiner Selbstentfaltung eingeschränkt und erlebt nur die Teile seiner Persönlichkeit, die von der Umwelt akzeptiert werden. Die anderen Anteile, wie z. B. Wut, werden verdrängt und können nicht in das Selbstkonzept integriert werden. Es entsteht ein Selbstwiderspruch, also eine Diskrepanz zwischen Selbstbild und Idealbild.
Methoden
In der Gesprächstherapie ist das klassische autoritäre Abhängigkeitsverhältnis zwischen Patienten und Therapeuten unerwünscht, daher auch der Begriff „klientenzentriert“. Der Therapeut soll weniger ein Experte als ein Berater und Unterstützer eigener Bestrebungen des Patienten zur Problemlösung sein. Die Therapie soll als erlebter Dialog und konkurrierende Interaktion empfunden werden (Abb. 30.1). Sie ist durch Förderung der Selbstheilungskraft, bejahende Begleitung und identifikatorische Teilhabe des Therapeuten gekennzeichnet.
Die Grundbedingungen seitens des behandelnden Therapeuten dabei sind (Abb. 30.2):
  • Bedingungsfreies Akzeptieren

  • Empathie bzw. einfühlendes Verstehen

  • Kongruenz bzw. Echtheit

Das Therapiegespräch ist nondirektiv gestaltet, d. h., der Gesprächsverlauf wird vom Patienten und nicht vom Therapeuten bestimmt. Dieser versucht, während des Gesprächs die emotionale Bedeutung des vom Patienten inhaltlich Gesagten zu erfassen und zu interpretieren. Dabei sucht er allerdings keine Lösung für die Probleme, sondern leistet Hilfestellung bei der selbstständigen Lösungsfindung des Patienten.
Eine weitere Gesprächstechnik ist das Spiegeln. Der Therapeut fasst die Aussagen und Inhalte des Patienten mit einem anderen Schwerpunkt zusammen und konfrontiert ihn so mit seinem Verhalten und seinen Gefühlen.
Die Therapieziele sind weniger durch eine Analyse und Verarbeitung der Entstehungsgeschichte der Störung geprägt als durch aktives Bemühen des „Klienten“, mithilfe seines Therapeuten Lösungsmöglichkeiten für sich selbst zu erarbeiten. Dabei soll der behandelnde Therapeut zusammen mit dem Patienten eine Klärung dessen momentaner Gefühle und Wünsche erarbeiten, um eine Aufhebung des Selbstwiderspruchs zu erreichen. So wird eine erhöhte seelische Funktionsfähigkeit hergestellt, und der Patient hat die Möglichkeit, sich entsprechend seiner Vorstellung zu verwirklichen. Die Therapie dient zudem als Sinnerfahrung.
Die klientenzentrierte Gesprächstherapie findet ihre Anwendung sowohl im klinischen als auch im ambulanten Bereich:
  • Gruppengesprächstherapie

  • Paartherapie

  • Familientherapie

  • Kinderpsychotherapie

  • Stationäre Gesprächstherapie

Die durchschnittliche ambulante Therapiedauer beträgt 70 Sitzungen.
Anwendung
Die Indikation für eine klientenzentrierte Gesprächstherapie ergibt sich bei:
  • Affektiven Störungen wie Depressionen

  • Selbstunsicherheit

  • Sozialem Rückzug, Introvertiertheit

  • Selbstunzufriedenheit

  • PS

Nicht sinnvoll ist dieses Verfahren bei ungenügender Verbalisierung seitens des Patienten.

Zusammenfassung

  • Die klientenzentrierte Gesprächstherapie nach Rogers ist ein „humanistisches“ Psychotherapieverfahren, welches durch nondirektive Gesprächsführung erreichen will, dass der Patient den Therapieverlauf selbst bestimmen und seine Problemlösungsfähigkeiten aktivieren kann. Sie stellt quasi eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ dar. Der Therapeut nimmt die Rolle eines Beraters ein und fördert die natürlichen Selbstverwirklichungstendenzen des „Klienten“. Folgende Grundbedingungen muss der Therapeut erfüllen:

    • Bedingungsfreies Akzeptieren

    • Empathie bzw. einfühlendes Verstehen

    • Kongruenz bzw. Echtheit

  • Eine weitere Gesprächstechnik ist das Spiegeln von Aussagen und Gefühlen des Patienten. Therapieziele sind u. a. das Aufheben des inneren Selbstwiderspruchs des Patienten und das Erlangen einer erhöhten seelischen Funktionsfähigkeit.

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