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B978-3-437-42358-1.00006-9

10.1016/B978-3-437-42358-1.00006-9

978-3-437-42358-1

Modell der operanten Konditionierung.

[L231]

Lernen aggressiver Handlungen durch Beobachtung

  • a)

    Aggressive Handlung an einer Puppe durch ein erwachsenes Modell.

  • b)

    Nachahmen des aggressiven Verhaltens durch ein Mädchen.

  • c)

    Nachahmung durch einen Jungen.

(nach Bandura, 1963). [L138]

Das SORKC-SORKC-ModellModell am Beispiel eines Patienten mit Spinnenphobie.

[L231]

Einflussfaktoren der Selbstunsicherheit.

[O650]

Die Reaktion des Pawlow'schen Hunds.

Tab. 6.1
Vor dem Experiment Nach dem Experiment
Reiz Unkonditionierter/angeborener Reiz = UCS = Unconditioned stimulus (Futter)
Neutraler Reiz = NS = Neutral stimulus (Glocke) Konditionierter Reiz = CS = Conditioned stimulus (Glocke)
Reaktion Unkonditionierte Reaktion = UCR = Unconditioned response (Speichel) Konditionierte Reaktion = CR = Conditioned response (Speichel)

Möglichkeiten, künftiges Verhalten zu beeinflussen.

[R279]

Tab. 6.2
Verstärker Einsatz Entzug
Positiver Verstärker Positive Verstärkung (durch angenehme Konsequenzen) → Verhalten wird häufiger Löschung (durch Verstärkerentzug) → Verhalten wird seltener
Negativer Verstärker Bestrafung (durch unangenehme Konsequenzen) → Verhalten wird seltener Negative Verstärkung (durch Wegfall eines unangenehmen Reizes) → Verhalten wird häufiger

Grundbegriffe des Verhaltens

Lerntheorien

BeimLerntheorien Lernen eignen wir uns Wissen und Kenntnisse an, die sich in unser Gedächtnis einprägen. Dies führt im Laufe der Zeit durch persönliche Erfahrungen, Einsichten etc. zu individuellen Einstellungen und Verhaltensweisen.
Die Lerntheorien gehen von einer großen Bedeutung dieses individuellen Lernprozesses bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen aus. Verfehlte oder fehlende Lernprozesse werden hier als Ursache von Verhaltensstörungen angesehen. Die Verhaltenstherapie geht von der Möglichkeit aus, durch neue Lernprozesse die Verhaltensstörungen wieder zu „verlernen“, sie zu korrigieren.

Klassische Konditionierung

Die Konditionierung:klassischeLehre der bedingten (konditionierten) Reflexe/Reaktionen geht auf die Arbeiten von Iwan P. Pawlow (1849Pawlow, I.–1936) zurück. Er legte damit den Grundstein der Lerntheorie, weshalb diese Lehre der Reaktionsbildung als klassische Konditionierung bezeichnet wird.
Pawlow beobachtete Hunde bei der Fütterung und stellte fest, dass sie mit der Zeit bereits einen Speichelfluss entwickelten, wenn sie nur den Mann mit dem Futternapf sahen, auch wenn sie das Futter noch nicht riechen oder sehen konnten. Zum Beweis der Auslösung einer natürlichen Reaktion auf einen erlernten Reiz setzte Pawlow jetzt jedes Mal bei Gabe von Futter einen Glockenton ein. Gleichzeitig registrierte er den Speichelfluss des Hundes. Bei mehrmaliger Wiederholung floss der Speichel bei dem Hund auch ohne Gabe von Futter nur bei Ertönen der Glocke, wie zuvor durch alleinige Wahrnehmung des Mannes. Der Glockenton wurde zum konditionierten Reiz und der Speichelfluss zur konditionierten Reaktion. Eine Übersicht zu Pawlows Erkenntnissen gibt Tabelle 6.1.
Die Theorie
Die klassische Konditionierung zerlegt das Verhalten in Reiz und Reaktion. Sie beobachtet den Reiz (engl. stimulus) auf einen Organismus, wobei der Organismus selbst als „Black box“ automatenhaft reagiert (engl. response).

Reiz (Stimulus) → Organismus, „Black box“ → Reaktion (Response)

Eine möglichst zeitnahe Exposition eines angeborenen, nicht konditionierten Reizes (UCS) mit einem konditionierten Reiz (CS) führt zu einer festen Assoziation. Der UCS kann dann später komplett durch den CS ersetzt werden. Ein konditionierter (neutraler) Reiz kann also durch Lerneffekt eine angeborene Reaktion auslösen.
Dadurch wird die unkonditionierte Reaktion (angeborene und biologisch zweckmäßige Reaktion, z. B. der Schluckreflex durch den Nahrungsbolus) zu einer konditionierten Reaktion.

Die Konditionierung führt zur Ausbildung erlernter Reaktionen, wobei eine Reaktion auch dann eintritt, wenn an die Stelle des ursprünglichen Auslösereizes ein zunächst neutraler Reiz tritt.

Würde man nun Pawlows Hund immer weiter den Glockenton (CS) darbieten, ohne ihm Futter (UCS) zu geben, so würde die konditionierte, erlernte Reaktion (CR) wieder erlöschen (Extinktion). Die angelernte Reaktion wird nach dem Prinzip der Verhaltenstherapie wieder „verlernt“.
Bei Darbietung von Reizen, die dem konditionierten Reiz ähneln, kann es auch zu einer Reizgeneralisierung kommen, bei der die konditionierte Reaktion schon bei einem Reiz mit ähnlichen Eigenschaften stattfindet. So kann z. B. die Angst vor Ärzten auf weiße Kittel tragende Menschen übertragen werden (in diesem Fall empfiehlt es sich, diesen abzulegen!).

Operante Konditionierung (Lernen am Erfolg)

BeiKonditionierung:operanteLernen:am Erfolg der operanten oder auch instrumentellen Konditionierung steht nun nicht mehr das passive Stimulus-Response-Modell im Vordergrund. E. Thorndike (1874Thorndike, E.–1949) untersuchte die Beeinflussung des Verhaltens bei Tieren und fand heraus, dass man deren Verhalten in eine bestimmte Richtung lenken konnte.
Die Theorie
Wird ein Verhalten ausgeführt, welches (auch zufällig) mit einer positiven Verstärkung belohnt wird, so kommt es zu einer Verhaltensänderung im Sinne einer Wiederholungstendenz. Eine positive Verstärkung kann Bedürfnisse, z. B. nach Nahrung, Zuwendung etc., befriedigen oder auch materiell (Geld, Geschenke), sozial (Anerkennung, Lob) und spaßbringend sein.
Wird das Verhalten mit einem negativen Verstärker verknüpft, so entwickelt sich eine Vermeidungstendenz. Eine negative Verstärkung ist eine unangenehme Konsequenz auf das Verhalten, wie z. B. körperliche (Ohrfeige) oder seelische (Schimpfen, Abwerten) Bestrafung.
Genauso gut kann man umgekehrt durch den Entzug positiver Verstärker oder den Wegfall negativer Verstärker das Verhalten bekräftigen.
Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer bestimmten Verhaltensweise wird durch positive Verstärkung erhöht und durch negative Verstärkung gesenkt.
Die Löschung (LöschungExtinktion) Extinktionder operant konditionierten Verhaltensweise geschieht durch:
  • Beseitigung des Verstärkers

  • Einsetzen eines neutralen Reizes anstelle des verstärkenden Reizes

  • Einsetzen eines aversiven (unangenehmen) Reizes

Das Prinzip der operanten Konditionierung besteht darin, Handlungen, die Befriedigung zur Folge haben, zu wiederholen, und solche, die zu Unlust führen, zu unterdrücken. Diese Konditionierung kann auch wieder gelöscht werden.

Wie mit einem Instrument kann hier aktiv auf die erwünschte Verhaltensweise Einfluss genommen werden. Die Beeinflussung des Verhaltens ist in Abbildung 6.1 und Tabelle 6.2 dargestellt.
Der Behaviorist (engl. behavior = Verhalten) B. F. Skinner (1904Skinner, B.–1990) zeigte die operante Konditionierung am Verhalten von Tauben. Er konstruierte einen besonderen Experimentierkäfig, die berühmte „Skinner-Box“, in die er Tauben setzte.
Der Futternapf der Tauben wurde jedes Mal bei „Hebeldrücken“ gefüllt, und so lernten die Tauben durch zufälliges Versuchen, den Hebel zu drücken, und fanden durch das damit verknüpfte Erfolgserlebnis rasch heraus, den Hebel zu drücken, um durch Nahrung belohnt zu werden.

Lernen am Modell (Imitationslernen, soziales Lernen)

ModelllernenLernen:sozialesLernen:am ModellAlbert Bandura (1963Bandura, A.) studierte Kinder, die im Film beobachteten, wie Erwachsene eine Spielzeugpuppe schlugen und traten. Als die Kinder später allein mit der Puppe im Raum waren, hatten sie die Verhaltensweisen der Erwachsenen übernommen und imitierten das aggressive Verhalten (Abb. 6.2).
Das Verhalten anderer Personen wird also beobachtet und dann imitiert.
Ob ein Modellverhalten internalisiert wird, hängt von folgenden Faktoren ab:
  • Den Persönlichkeitsmerkmalen des Vorbilds (sozial anerkannt, sympathisch, Sicht des Erfolgs beim Vorbild, z. B. wenn die beobachtete Person ein Lob bekommt)

  • Den Persönlichkeitsmerkmalen des Beobachters (Selbstwertgefühl, Interessen, Aufmerksamkeit)

  • Der Beziehung zwischen Modell und Beobachter

  • Der Situation (ruhig, vertrauensvoll, angespannt)

Der Beobachter nimmt das Modell in sein Gedächtnis auf und gleicht es mit den evtl. schon vorhandenen Modellen ab. Tritt für den Beobachter eine Situation auf, in der das Modell anwendbar ist, wird er ein ihm vorteilhaft erscheinendes und erwartetes Modell ausführen. Führt das Modell zu einem Erfolg, bestätigt dies die Anwendung (positive Verstärkung und Motivation). Das Lernen an fremden Erfahrungen bietet zudem ein ökonomisches Prinzip für den Erwerb eigener komplexer Verhaltensstrategien, da bereits Erfolgsprüfungen des Handelns durch das Vorbild/Modell stattgefunden haben.
Die Imitation findet man z. B. bei frühkindlicher sprachlicher und psychomotorischer Orientierung, bei Sprachstilen und ritualisierten Formen des Kontakts, später auch bei differenzierten, kognitiven sowie affektiven Kompetenzen. So übernehmen Kinder häufig die Ängste und Vermeidungsstrategien ihrer Eltern.
Während der Pubertät kommt es zu eigenwilligen Imitationen, da in bestehenden Gruppen (Peer Group und Cliquen) eine starke Nachahmung und ein Konformitätsbedarf bestehen.
Fertige Regelsysteme werden übernommen, was die soziale Anpassung fördert und somit einen Erfolg bietet. Durch den Erfolg wird das angestrebte Modell beibehalten.
Therapeutisch wird dies bei der Therapie in Form von Rollenspielen genutzt.

Einsichtiges Lernen

EineLernen:einsichtiges richtige Wende hat die Lehre der Konditionierung durch das Einbringen des Selbstmanagements erfahren. Die klassische operante Konditionierung und das Imitationslernen werden um ein planvolles, einsichtiges Lernen, das nicht als Folge einer externen Manipulation erklärt werden kann, erweitert. Dabei werden vorhandene Verhaltenselemente (Reaktionen) und Wissenselemente (Kognitionen) neu verknüpft und bewertet.
Das zeigte Tollmann (1932Tollmann, E.) mit einem Labyrinthmodell für Ratten. Die Ratten, die bereits ein bekanntes Labyrinth erfolgreich durchlaufen hatten, erlernten ein spiegelbildlich aufgebautes Labyrinth wesentlich schneller als die Tiere ohne entsprechende vorherige Erfahrung.

Verhaltensmodifikation

Es Verhaltensmodifikationgibt verschiedene Möglichkeiten, das Verhalten zu kontrollieren und zu beeinflussen (modifizieren). So können z. B. unerwünschte Verhaltensweisen verlernt und erwünschte Verhaltensweisen bestärkt werden. Das geschieht in der Verhaltenstherapie.

Verhaltensanalyse

EineVerhaltensanalyse Verhaltensanalyse wird zu Beginn, während und als Erfolgskontrolle nach der Verhaltenstherapie erstellt. Dabei werden die einzelnen Komponenten des Verhaltens auf verschiedenen Ebenen (subjektive Darstellung und motorische, physiologische Objektivierung) berücksichtigt.
Zur Ermittlung der Lerngeschichte und der aufrechterhaltenden Bedingungen unerwünschter Verhaltensweisen wird hierbei die individuelle Verhaltensstruktur zerlegt. Bei der Zerlegung des Verhaltens werden in genauen Betrachtungen die Verhaltensweisen und deren kognitive Hintergründe aufgedeckt, und es wird analysiert, inwieweit sie für ein abweichendes Verhalten verursachend sind. Hierzu nutzt man das SORKC-Modell (Kap. 29), das Abbildung 6.3 am Beispiel der Spinnenphobie zeigt.

Verhaltensaufbau

ZielVerhaltensaufbau des Verhaltensaufbaus (engl. shaping) ist, ein erwünschtes Verhaltensmuster systematisch auf- bzw. ein unerwünschtes Verhalten abzubauen.
Ein Verhaltensdefizit Verhaltensdefizitliegt vor, wenn wichtige Reaktionen nur insuffizient oder gar nicht auftreten (z. B. selbstsicheres Verhalten).
Der Verhaltensaufbau soll zur Verstärkung von Verhaltenstendenzen führen, die einer angestrebten Reaktion ähneln. Das angestrebte Verhalten wird hier nach und nach aufgebaut.
Reaktionen, die dem Zielverhalten im Wege stehen können (z. B. Angst und Vermeidung), werden beseitigt, wobei erwünschtes Kontaktverhalten (z. B. die Auseinandersetzung mit einer Spinne als angstauslösendem Objekt) wahrscheinlicher wird. Dabei müssen irrelevante, störende Reize (lauter Knall, während der Patient die Spinne beobachtet) vermieden werden.
Durch Modelllernen (der Patient beobachtet z. B. einen Freund, der eine Spinne in der Hand hält und entspannt bleibt, nicht gebissen wird) können Restdefizite ausgeglichen werden.
Verhaltensaufbau wird im Durchsetzungstraining angewandt, bei der Ausformung verbesserter kognitiver oder affektiver Expressivität.
Greensporn führte 1955 ein interessantes Experiment der verbalen Konditionierung durch. Versuchspersonen wurden mittels nonverbaler Reaktionen oder durch sprachliche Zustimmung wie „hm“ seitens des Therapeuten in ihrem erwünschten Sprachverhalten verstärkt. Der Patient lernt dabei rasch, das zu verbalisieren, was der Arzt erwartet.

Angstverhalten

Angst ist Angstverhaltenlaut J. Bowlby (1907Bowlby, J.–1990) eine „natürliche Disposition des Menschen“, ein menschliches Phänomen, das allgegenwärtig ist und eine wesentliche Bedeutung für die evolutionäre Anpassungsleistung des Menschen hat. Angst ist ein charakteristisches Symptom der neurotischen Störungen. Die Entstehung von Angst erklärt man aus dem Gefühl der Bedrohung in einer Gefahrensituation. Wiederholt sich die Situation, erinnert dies an die vorangegangene Situation; daher tritt eine Signalangst mit Schutzfunktion auf. Für Außenstehende ist kein adäquater Auslöser erkennbar.

Exkurs

Konfliktängste

KonfliktängsteEin 30-jähriger Lehrer stellt sich in der dermatologischen Praxis vor, nachdem er erstmals eine Psoriasis (Schuppenflechte) entwickelte. Zwei Wochen zuvor hat ihm seine Freundin eröffnet, dass sie sich trennen möchte. Diesem Konflikt kann der Patient sich nicht stellen, es ist ihm nicht möglich, adäquat mit Traurigkeit oder Wut zu reagieren. Er fühlt sich hilflos, zurückgelassen, nicht gewollt und findet keinen Weg, mit der Situation umzugehen. Er entwickelt eine charakteristische Spannung, die man als Angst vor dem Konflikt beschreibt. Da er diese nicht ertragen kann und um jeden Preis vermeiden möchte, verdrängt er den Konflikt (pathogener Konflikt). Es kommt zur Symptombildung (Schuppenflechte). Die Konfliktangst des Patienten bleibt dabei unbewusst. Seine Freundin zeigt sich besorgt, kümmert sich nun um ihn und seine Hautproblematik. Die Trennung ist bis auf Weiteres „vom Tisch“ (sekundärer Krankheitsgewinn!).
Typische Konfliktängste sind Verfolgungs- und Verlassenheitsängste, Verlust- und Trennungsängste, Ängste vor Liebesverlust, Straf- und Gewissensängste.

Vermeidung

Wird eineVermeidung angstauslösende Situation vermieden (bei Angst vor Menschenmassen z. B. Vermeidung von Einkäufen im Supermarkt) und dadurch eine Belohnung erlebt (Spannungsreduktion: Die Ehefrau erledigt den Einkauf), so wird der Patient auch in Zukunft den Gang in den Supermarkt meiden.
Das Vermeidungsverhalten wird also durch die operante Konditionierung mit Belohnung in Zukunft wahrscheinlicher!

Biofeedback

BiofeedbackBiofeedback (engl. feedback = Rückmeldung) soll die willkürliche Kontrolle der Körperfunktionen erleichtern. Dazu werden biologische Daten gemessen, die der Mensch normalerweise nicht wahrnimmt. Durch die Rückmeldung an den Patienten über visuelle oder akustische Signale werden ihm nun die körperlichen Reaktionen seines Körpers bewusst und damit beeinflussbar gemacht. Beeinflussen lassen sich Herzfrequenz, Blutdruck, Hautleitfähigkeit (psychogalvanische Hautreaktionen), Muskelentspannung, Potenziale im EEG, Atmung, Hauttemperatur, Gefäßvolumen und Magenmotilität.
Das Biofeedbackprinzip wird auch beim Lügendetektor genutzt: Die elektrische Hautleitfähigkeit steigt durch eine erhöhte Schweißsekretion und kurzzeitiges Absinken des elektrischen Hautwiderstands bei Erhöhung des Sympathikotonus. Bei einer Lüge steigt durch die emotionale Angespanntheit der Sympathikotonus.
Biofeedback wird in der Psychotherapie z. B. zur Entspannung eingesetzt. Der Patient kann auf einem Bildschirm die Kurvendiagramme seines Pulses, seiner Körpertemperatur und seiner Atmung sowie eine Wohlfühllinie beobachten. In entspanntem Zustand atmet der Patient in den Bauch (tiefe Atmung) und bemerkt, dass der Puls sich seiner Atmung anpasst. Er kann so lernen, tief in den Bauch zu atmen und dadurch besser zu entspannen.
Weitere Anwendungsgebiete sind Migräne, Bluthochdruck und psychosomatische Erkrankungen.

Bestrafung

BestrafungBestrafung ist eine negative Konsequenz, die einem Verhalten folgt. Dies kann entweder ein Strafreiz der Umwelt (z. B. eine Ohrfeige) oder eine Unterbrechung einer dauerhaft wirksamen befriedigenden Stimulierung (z. B. Liebesentzug) sein.
Diese Form der Verhaltensmodifikation beinhaltet allerdings folgende unerwünschte Nebenwirkungen:
  • Steigende Strafintensität bei negativer Verstärkung

  • Artifizielles Defizit (z. B. Dämpfung der gesamten Sprachaktivität bei Löschung von kindlichen Widerreden)

  • Übernahme strafender Modelle durch den Bestraften

  • Positive Verstärkung, wenn Strafe als Zuwendung verstanden wird (z. B. Sadomasochismus)

  • Fehlender Verhaltensaufbau durch fehlende Unterstützung des eigenen Verhaltens

  • Strafreizprogression (bei gleich bleibender Intensität verliert die Strafe ihre gezielte Wirkung)

Der Zuwendungsentzug wird als wirksamere Bestrafung angesehen.

Aversionstechniken

Definition
AversionstechnikenAversivreize (lat. aversio = Abneigung) sind Reize, auf die der Organismus mit Aversion (Abneigung, Ekel oder Vermeidung) reagiert, z. B. Schmerz, Nahrungsmittel oder bestimmte Situationen. Zugrunde liegt meist eine unangenehme Erfahrung in einer vorher neutralen Situation, die mit der unangenehmen Erinnerung verknüpft wurde (Konditionierung).
Eine Aversion kann erlernt werden: Erfolgt in einer ursprünglich neutralen Reizsituation eine unangenehme Erfahrung, so wird diese Reizsituation künftig gemieden, z. B. erlernte Aversion gegen weiße Kittel (Arztangst), Erregung und Angstgefühle beim Heulen einer Sirene nach dem Zweiten Weltkrieg.
Mit der Anwendung der Aversivreize bei unerwünschtem Verhalten soll die Häufigkeit dieses Verhaltens reduziert werden. Dabei wird bei Auftreten des unerwünschten Verhaltens (z. B. Zigarettenrauchen) eine Konditionierung mit einem unangenehmen Reiz (z. B. Nichtbeachtung) vorgenommen.
Ein Aversivreiz ist z. B. die Fixation von Oligophrenen (Bezeichnung für Intelligenzmangel/Geistesschwäche) bei Selbstbeschädigung.
Diese Techniken haben keine starke Effizienz gezeigt und sollten therapeutisch nur eingesetzt werden, wenn schwere Symptome vorliegen und andere Techniken versagen, z. B. bei Autoaggression und zur Gewichtskontrolle bei lebensbedrohlichen Essstörungen.
In jedem Fall kontraindiziert sind sie bei Ängsten und Depressionen!

Selbstsicherheit

Die SelbstsicherheitSelbstsicherheit umfasst einen weiten Bereich unserer Persönlichkeit. Eine selbstsichere Person bildet sich eine eigene Position, kann diese ausdrücken und ggf. verteidigen. Selbstsicherheit ist kein individuelles Persönlichkeitsmerkmal, sondern auch vom gesellschaftlichen System und von dessen Normen abhängig.
Selbstunsicherheit hat verschiedene Einflussfaktoren (Abb. 6.4), welche für eine Verschiebung in Richtung Selbstsicherheit angegangen und überwunden werden sollten.
Zum Aufbau der Selbstsicherheit nutzt man Methoden wie Rollenspiel, Modelllernen und differenzielle Verstärkung.

Selbstkontrolle

SelbstkontrolleSelbstkontrolle wird durch Verhaltensänderungen erreicht, die vom Individuum selbst gesteuert werden. Durch Selbstbeobachtung, Überwachung, Bewertung und Protokollieren eigener Reaktionen kann deren Auftreten kontrolliert werden. Dies wirkt als Konsequenz auf eigenes Verhalten verstärkend, ausblendend oder bestrafend.
Beispielsweise können die weit verbreiteten Gewichtsprobleme durch eine Selbstkontrolle günstig beeinflusst werden.
Diese Methode benötigt Selbstverstärkung, wie kleine Belohnungen, z. B. eine Arbeitspause.
Der adipöse Patient lernt so durch die Kontrolle seines Verhaltens („Esse ich schon den dritten Riegel Schokolade?“), das nun kontrollierte Verhalten zu steuern („Ich esse bewusst einen Riegel Schokolade mit Genuss“).
Situationskontrolle bedeutet die Ausblendung bestimmter Reizangebote, bevor sie ihre auslösende Wirkung ausüben können. Der werdende Nichtraucher sollte z. B. andere Raucher, Zigarettenautomaten oder Aschenbecher meiden.

Zusammenfassung

  • Die Theorie vom erlernten Verhalten beschäftigt sich mit äußeren Reizen, die in konditionierte (erlernte) Reize umgewandelt werden können. Die Reaktion auf den Reiz lässt sich durch positive und negative Verstärker beeinflussen. Wird eine erlernte Reaktion nicht mehr durch eine positive Konsequenz bestärkt, so kann sie wieder verlernt werden (Extinktion).

  • Bei der Reizgeneralisierung kann die Reaktion eines ursprünglichen Reizes auf ähnliche Reize übertragen/verallgemeinert werden.

  • Um uns in einer Umwelt und Gesellschaft zurechtzufinden sowie den erwarteten Verhaltensweisen zu entsprechen, lernen wir aus eigenen Erfahrungen und aus den Erfahrungen anderer, indem Verhalten beobachtet und ggf. nachgeahmt wird.

  • Es gibt verschiedene Methoden der Verhaltensbeeinflussung und somit des systematischen Auf- bzw. Abbaus von Verhaltensweisen.

  • Um den Verlauf einer Verhaltensreaktion zu verstehen, wird das Verhalten mithilfe des SORKC-Modells zerlegt und analysiert.

  • Eine angestrebte Verhaltensweise wird beim Verhaltensaufbau stufenweise erarbeitet.

  • Der zugrunde liegende Konflikt sollte gelöst werden, um dem Teufelskreis der Angst entkommen zu können und ein Vermeidungsverhalten zu verhindern.

  • Methoden zur Modifikation des Verhaltens sind Reizüberflutung, Desensibilisierung, Biofeedback, Bestrafung, Aversionstechniken, Entwicklung von Selbstsicherheit und Selbstkontrolle.

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