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B978-3-437-42358-1.00003-3

10.1016/B978-3-437-42358-1.00003-3

978-3-437-42358-1

Fünf Phasen des Sterbens nach Kübler-Ross.Kübler-Ross, E.

Tab. 3.1
Nicht-wahrhaben-Wollen Abwehr, Isolierung
Sich aufbäumen Zorn, Neid auf Nichterkrankte
Feilschen Verhandeln, Flucht in die Regression
Trauern Depression
Sich fügen Zustimmung, Akzeptanz, Hoffnung

Menschliche Grundbedürfnisse und Affekte

Menschliche Grundbedürfnisse

Menschliche Grundbedürfnisse können unterschieden werden in emotionale, triebhafte und primäre Grundbedürfnisse.

Folgende Bedürfnisse sind nach Ansicht der Neurosenpsychologie triebhafte Grundbedürfnisse, welche im Es (Kap. 5) als primäre Impulse definiert werden:Grundbedürfnisse
AbhängigkeitsbedürfnisseAbhängigkeitsbedürfnisse<2002>Sie hängen eng mit den Zärtlichkeits- und Anlehnungsbedürfnissen zusammen und entsprechen einem Bedürfnis nach Passivität. Durch eine oder mehrere Bezugspersonen, deren interessierte, zuwendende und fürsorgende Anteilnahme erfolgt die Befriedigung. Vorherrschend sind Bedürfnisse nach Folgendem:
  • Körperlichem Kontakt

  • Getragen zu werden

  • Sich anzuklammern

  • Interesse

  • Angenommen zu werden

  • Emotionaler Zuwendung

Beispiel: Eine pathologische Entwicklung durch nicht befriedigte Abhängigkeitsbedürfnisse zeigte sich bei Kaspar Hauser. (Kasper Hauser wuchs auf Anordnung König Ludwigs von Bayern im 19. Jh. ohne menschlichen Kontakt auf und erhielt lediglich Nahrung; dies führte zu einer sozialen Deprivation und später dazu, dass Kaspar Hauser nicht mehr sozial lebensfähig war.)
AutonomiebedürfnisseAutonomiebedürfnisse<2002>In der analen Phase (Kap. 4) treten die ersten natürlichen Autonomiebedürfnisse des Kleinkinds auf, die einem Bedürfnis nach Aktivität entsprechen und häufig aggressiv durchgesetzt werden (Trotzphase). Das Kind macht in seiner Entwicklung die Erfahrung, selbst etwas zu wollen und selbst etwas zu können. Es versucht, sich von den Eltern zu entfernen. Die Eltern haben Angst, das Kind zu verlieren. Um dies zu verhindern, wird häufig eine restriktive oder überfürsorgliche Erziehung angewandt. Diese Eltern werden auch als overprotective bezeichnet.
BindungsbedürfnisseBindungsbedürfnisse<2002>Sie entsprechen einem angeborenen Bedürfnis nach Befriedigung.
Sexuelle BedürfnisseBedürfnisse:sexuelle<2002>Nach Freud sind diese Bedürfnisse bzw. die nicht ausgelebte Triebhaftigkeit für die Entstehung von Neurosen von besonderer Bedeutung. Diese Ansicht ist von der Sexualwissenschaft weitestgehend relativiert worden.
Aggressive Bedürfnisse Sie spielen bei vielen Neurosen eine wichtige Rolle. Während der analen Phase (Kap. 4) kommt es zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit den aggressiven Bedürfnissen, v. a. den Autonomiebedürfnissen (s. o.). Dieser Entwicklungszeitraum ist wegweisend für den späteren Umgang mit den eigenen Aggressionen. Wichtig ist, dass das Kind lernt, sie zu akzeptieren, sie kontrolliert für seine Ziele einzusetzen und sie nicht zu unterdrücken.
Narzisstische BedürfnisseBedürfnisse:narzistische<2002>Diese Bedürfnisse kann man auch als innere Kräfte ansehen, die dem Menschen bei der Erhaltung eines für ihn vereinbaren Selbstbilds helfen und somit ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl aufrechterhalten. Sie sind gleichbedeutend mit einem Bedürfnis nach stabiler Identität, Akzeptanz und Bedeutung. Die Befriedigung narzisstischer Bedürfnisse entspricht einer Steigerung des Selbstwertgefühls und somit einem Grundbedürfnis, welches das Selbstwertgefühl stabilisiert. Erst die deutliche Fokussierung auf die eigene Person und die egoistische Betrachtung unter Einschränkung und Abwertung der Kommunikation mit anderen Personen machen schließlich den pathologischen Narzissmus aus.

Affekte

Affekte (lat. affectus = Gemütsverfassung) sind zeitlich begrenzte intensive Gefühlsregungen, wie z.B. Zorn, Wut, Hass, Freude, Ekel und andere, die sich mimisch ausdrücken und häufig auch mit einer körperlichen Reaktion einhergehen (z.B. Erröten, Schwitzen).

Es gibt Störungen, bei denen der Patient diese Affekte nur schwer kontrollieren kann und impulsive Affekthandlungen ausführt (z. B. Borderline-Persönlichkeitsstörung, Kap. 12 und Kap. 13).
In Abgrenzung zu den Affekten stehen die Stimmungen, die länger andauern und weniger intensiv sind (z. B. „gut drauf sein“), und die Emotionen, die aus vielen verschiedenen Komponenten bestehen, wie Gefühle, Kognitionen, Ausdruck etc.Affekte
Im Folgenden soll auf die häufigsten Affekte genauer eingegangen werden.

Angst

AngstRealangstRealangst<2002>Die Realangst ist die Angst vor realer äußerer Bedrohung. Sie ist für das Überleben des Individuums unerlässlich. In der Ausprägung der Angst gibt es starke Unterschiede zwischen den Menschen. Die einen entwickeln häufiger und rascher Angst, die anderen dagegen bleiben in den gleichen Situationen gelassener und entspannter. Ein Beispiel ist die Angst vor der erlebten Insektengiftallergie.
Neurotische AngstAngst:neurotische<2002>Die neurotische Angst ist Angst aus einer innerlich erlebten Bedrohung oder auch aus einem internalisierten Konflikt heraus (z. B. Herzneurose). Bei der Entstehung einer Neurose kommt es zur Verstärkung der Realängste. Ein aktueller Konflikt kann zur Regression und damit zur Reaktivierung infantiler Ängste (z. B. Verlassenheitsängste) führen. Die Realängste des Kinds können beim Erwachsenen als neurotische Ängste in Konfliktsituationen wieder auftauchen.
AngstvermeidungAngstvermeidung<2002>Neurotisch gefährdete Personen empfinden Ängste als unerträglich. Sie versuchen, sie zu verleugnen, zu verdrängen oder auf die Außenwelt zu projizieren. Es kommt zum Rückzug von allen Angst- und Gefahrensituationen, und die Angstvermeidung beherrscht die Person (z. B. Sozialphobie). Der übermäßige Gebrauch von Abwehrmechanismen führt dann zu einer Neurose.
Einen Schutz der psychischen Gesundheit bietet die Zuflucht in „aktive Maßnahmen, wie den Fokus auf das logische Denken legen und die innere Distanzierung von Angstgefühlen durch Vergegenwärtigung der aktuellen Emotion“, tatkräftige Veränderung der Außenwelt, aber auch aggressive Gegenmaßnahmen (kontraphobische Vermeidung, z. B. Bungee-Jumping bei Höhenangst).

Abwehr

Die AbwehrBegriffe Abwehr und Verdrängung gehen auf Sigmund Freud Freud, S.zurück. Die Abwehr führt zu einem Schutz des Ich gegen die Ansprüche des Es (Kap. 5). Bedrohliche, angsterregende und unangenehme Situationen, Gedanken und Handlungen sollen durch Abwehr vermieden werden.
Seine Tochter Anna Freud unterteilte 1936 verschiedene Abwehrmechanismen, wie Regression, Projektion, Intellektualisierung etc. (Kap. 5), die in primäre und sekundäre (reife) Abwehrmechanismen klassifiziert werden. Sie werden von jedem Menschen gebraucht, ein übermäßiger Einsatz kennzeichnet jedoch eine neurotische Entwicklung.

Wut

Die Wut Wutmobilisiert Kräfte zum Widerstand gegen Einschränkungen der Person und kann zum Stressor werden. Wut ist individuell sehr unterschiedlich auslösbar, hängt aber meist mit Frustrationen wie Zielbehinderungen, Schadenszuführungen, drohendem Verlust, Beleidigungen, Übervorteilungen, Zwängen etc. zusammen.
Wut spielt auch bei den Autonomiebedürfnissen (s. o.) eine große Rolle und wird vom Kleinkind im Rahmen der Trotzphase bei dem Versuch, seine Bedürfnisse zu stillen, unkontrolliert eingesetzt.

Scham

Scham, SchamTakt, Geheimnisse, Schweigepflicht etc. sind Schutzmaßnahmen, um das Innerste unverletzlich zu halten. Dieser Selbstschutz hindert uns auch daran, Grenzen anderer taktlos zu durchbrechen. Bei einer körperlichen oder geistigen Bloßstellung kommt es zu einer Verletzung des erworbenen Selbstbilds. Es besteht die Gefahr, einen Makel zu entdecken. Das dabei entstehende Schamgefühl ist nicht immer nur aktuell, sondern es gibt auch verlernte und verdrängte Schamgefühle.

Trauer

Die TrauerTrauer stellt eine prozesshafte Auseinandersetzung mit einem Verlust dar und ist ein Stadium der Depression in der Phase des Abschiednehmens. Dabei dient die Traurigkeit dem Ausdruck und der Ablösung vom Verlust.
E. Kübler-Ross, amerikanische Psychiaterin und Begründerin der Sterbeforschung Sterbephasenund -begleitung, teilte das Abschiednehmen 1982 in fünf verschiedene Stadien ein (Tab. 3.1).
Bei diesen Phasen handelt es sich um unbewusste Strategien zur Bewältigung des Verlusts. Sie können zeitweise auch nebeneinander existieren und von unterschiedlicher Dauer sein. Manche Phasen können auch übersprungen werden. Sie werden sowohl vom Sterbenden als auch vom Trauernden erlebt.

Zusammenfassung

  • Menschliche Grundbedürfnisse werden in der Neurosenpsychologie als triebhafte Grundbedürfnisse oder primäre Impulse des Es bezeichnet und folgendermaßen eingeteilt:

    • Abhängigkeitsbedürfnisse

    • Autonomiebedürfnisse

    • Sexuelle Bedürfnisse

    • Aggressive BedürfnisseAggressive

    • Narzisstische Bedürfnisse

  • Affekte sind zeitlich begrenzte intensive Gefühlsregungen, wie z. B. Ärger, Zorn, Wut, Hass, Freude und Ekel, die häufig auch mit einer körperlichen Reaktion einhergehen (z. B. Erröten, Schwitzen). Ihnen stehen die Stimmungen, die länger andauern und weniger intensiv sind (z. B. „gut drauf sein“), und die Emotionen, die aus vielen verschiedenen Komponenten bestehen, wie Gefühle, Kognitionen, Ausdruck etc., gegenüber.

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