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B978-3-437-42358-1.00007-0

10.1016/B978-3-437-42358-1.00007-0

978-3-437-42358-1

Angstauslösende Situation für Personen mit Agoraphobie: eine große Menschenmenge auf einem öffentlichen Platz.

[J787]

Die Spinne ist eines der Tiere, vor denen Menschen am häufigsten eine Phobie entwickeln.

[J787-001]

Eine Präsentation vor einer Gruppe von Zuhörern: eine typisch angstauslösende Situation für Menschen mit sozialer Phobie.

[J787-002]

Beispiele für verschiedene Phobien.ZoophobieKlaustrophobieEntomophobienDysmorphophobieBelonophobieAviophobieAkrophobieAchluophobieAblutophobie

Tab. 7.1
Phobie Erklärung
Zoophobie (Abb. 7.2) Angst vor Tieren
Akrophobie Angst vor der Höhe bzw. vor der Tiefe (Höhenangst)
Klaustrophobie Platzangst
Aviophobie Flugangst
Ablutophobie Angst vor dem Waschen oder Baden
Achluophobie Angst vor Dunkelheit
Belonophobie Angst vor Nadeln
Entomophobien Angst vor Insekten
Dysmorphophobie Angst vor Hässlichkeit

Phobische Störungen (ICD-10: F40)

Definition
Störungen:phobischePhobien sind Angstzustände mit einem phobische Störungenkonkreten Objektbezug, wobei die Unsinnigkeit der Angst eingesehen wird und der Patient versucht, das angstauslösende Objekt zu meiden. Die Angst kann in ihrer Intensität das Ausmaß von Panikattacken erreichen. Alle Phobien weisen folgende Charakteristika auf:
  • Die Angstentstehung ist an eine reale Situation oder an ein Objekt gebunden.

  • Die Angst kann nicht durch Vernunft erklärt oder beseitigt werden.

  • Die Angst ist dem Willen entzogen und unverhältnismäßig.

  • Durch Angstvermeidung kommt es zu Einschränkungen des täglichen Lebens.

Untertypen
Agoraphobie (griech. agora = Marktplatz): Es handelt sich um Agoraphobie<2002>eine irrationale Angst vor Situationen, bei denen das Haus verlassen und/oder öffentliche Orte aufgesucht werden müssen (Abb. 7.1) und/oder in denen man auf Reisen allein, weit weg von zu Hause entfernt ist. Die Agoraphobie stellt die häufigste und oft auch schwerste Form der gebundenen Ängste dar. John Bowlby (1907–1990), britischer Arzt und Bindungsforscher, bezeichnet diese Sonderform der Phobie als Pseudophobie, da die Patienten nicht nur eine bestimmte Situation fürchten, sondern auch darunter leiden, dass keine Bindungsfigur (oder eine andere sicherheitsvermittelnde Basis) präsent ist. Aus diesem Grund können die Betroffenen schon besser mit der gefürchteten Situation umgehen, wenn sie eine vertraute Person, einen Talisman o. Ä. bei sich haben. Die Angst beginnt oft, wenn das Haus ohne Begleitung verlassen werden soll. Kennzeichnend sind vegetative Angstkorrelate (in über 50 % in Kombination mit Hyperventilationsanfällen). Oft werden nur die körperlichen Veränderungen wahrgenommen. Die Agoraphobie tritt gehäuft in Kombination mit einer Panikstörung auf (Kap. 11).
Spezifische Phobien  Hauptmerkmal der spezifischen Phobien ist die anhaltende Angst vor einem bestimmten Objekt. Sie gelten nur als Störung, wenn dadurch erhebliches Leiden entsteht. Es gibt alle möglichen Formen von Phobien. In Tabelle 7.1 sind verschiedene häufige und außergewöhnliche Beispiele aufgelistet.
Soziale Phobien (Anthrophobie) Diese sind charakterisiert durch die Angst vor AnthrophobieAufmerksamkeit und kritischer Beachtung durch andere Menschen. Diese Angst kann zahlreiche Auswirkungen auf die Patienten haben. Von Erröten bis zu starkem Schwitzen, Händezittern, Übelkeit, Erbrechen, Drang zum Wasserlassen oder der Vermeidung von Blickkontakt mit anderen ist vieles möglich. Dies wird als unvernünftig und übertrieben empfunden und führt zu starkem Vermeidungsverhalten. Soziale Phobien sind häufig mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Ein Beispiel ist die Erythrophobie (die Angst zu erröten) (Abb. 7.3).
Epidemiologie
Prävalenz: 5–10 % der Bevölkerung, w > m, Ausnahme bei sozialen Phobien m = w.
Pathogenese und Psychodynamik
Die Ursache der meisten Phobien ist eine unbewusste Vorstellung, z. B. ein Wunsch oder Impuls, der subjektiv verboten ist und dessen Inhalt verdrängt wird. Durch diesen inneren Konflikt („Ich möchte etwas, das ich eigentlich nicht darf“) kommt ein Gefühl der inneren Gefahr auf, das die Patienten als Angst bewusst wahrnehmen. Diese Angst wird als Abwehrmechanismus auf eine Situation oder ein Objekt in der Außenwelt verschoben. Der innere Konflikt ist somit entlastet, es bleibt jedoch die verschobene, reale Angst. Durch Vermeidung der angstauslösenden Situation (bzw. des Objekts) kann die Angst eingedämmt werden, was aber zu erheblichen Einschränkungen des Lebens führen kann. Aus lerntheoretischer Sicht kann die stetige Angstvermeidung in einer Chronifizierung der Phobie oder sogar in einer Generalisierung resultieren.
Therapie
Mittel der Wahl bei allen Phobien ist die Psychotherapie. In zahlreichen Studien hat sich die kognitiv-behaviorale Therapie (CBT) als besonders effizient herauskristallisiert. Psychopharmakologisch haben sich die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und die trizyklischen Antidepressiva als wirksam erwiesen.
Anmerkung
Unter kontraphobischem Verhalten versteht man die Umkehr in ein gegenteiliges Verhalten, wenn z. B. ein Patient mit Höhenangst als Hobby Bungee-Jumping betreibt.

Zusammenfassung

  • Phobien beziehen sich auf ein Objekt, sind unsinnig und behindern das alltägliche Leben.

  • Man unterscheidet zwischen Agoraphobie, sozialen und spezifischen Phobien.

  • Die Prävalenz liegt bei 5–10 % der Bevölkerung.

  • Die Therapie der Wahl ist die Verhaltenstherapie.

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