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B978-3-437-43960-5.10021-8

10.1016/B978-3-437-43960-5.10021-8

978-3-437-43960-5

Aussetzer des Herzschlags

Anamnese

Ein älterer Versicherungskaufmann stellt sich zur jährlichen Untersuchung vor. Er bietet einen Body-Mass-Index von 32 und hat jahrelang geraucht. Zuletzt hatten Sie eine gestörte Glukosetoleranz festgestellt. Der Patient berichtet, beim Spazierengehen mit seinem Hund immer wieder Aussetzer des Herzschlags zu bemerken.

Untersuchungsbefund

Aufgrund des hohen Risikoprofils entscheiden Sie sich zur Durchführung einer Fahrradergometrie. Sie lassen die Untersuchung bei 50 Watt starten. Schon bei 100 Watt beginnt der Patient zu schnaufen und stark zu schwitzen. Sie brechen die Untersuchung ab, als Sie das EKG auf dem Ergometermonitor sehen.
  • 1.

    Welche Besonderheit entdecken Sie in diesem EKG-Ausdruck des Ergometers?

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  • 2.

    Erklären Sie die vier Begriffe, mit denen der Hauptbefund eingeteilt wird.

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  • 3.

    Nennen Sie allgemein mögliche Ursachen des EKG-Hauptbefundes.

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  • 4.

    Welchen Grund vermuten Sie hier? Welche Untersuchung raten Sie daher dem Patienten?

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  • 5.

    Wie wird das verlängerte RR-Intervall nach einer Extrasystole bezeichnet und wie ist es zu erklären?

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  • 6.

    Kennen Sie den Begriff chronotrope Inkompetenz? Was ist damit gemeint?

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1. EKG-Befund

Sinusrhythmus, Linkslagetyp, Herzfrequenz 58/min, häufige ventrikuläre Extrasystolen. Es handelt sich hier um einen ventrikulären Bigeminus: Auf einen Normalschlag folgt durchgehend eine ventrikuläre Extrasystole.

2. Nomenklatur von VES

Couplet: Zwei Extrasystolen nacheinander. Triplet: Drei Extrasystolen nacheinander. Salve: Mehr als drei Extrasystolen nacheinander. Trigeminus: Durchgehend folgen auf jeden Normalschlag zwei Extrasystolen. (Angloamerikanischer Raum: Auf zwei Normalschläge folgt eine Extrasystole.)

3. Ätiologie von VES

Ventrikuläre Extrasystolen können, v.a. wenn sie häufig stattfinden, neu auftreten oder unter Belastung entstehen, auf pathologische Korrelate hindeuten: koronare Herzerkrankung, Myokarditis, hypertensive Herzerkrankung, Herzklappenvitien oder auch Medikamente wie Digitalis. Im Allgemeinen entwickelt jeder Mensch mit zunehmendem Alter häufigere Extrasystolen ohne Krankheitswert.

4. Ätiologische Klärung

Der Grund für zunehmende ventrikuläre Extrasystolen, vielleicht sogar Couplets und eine höhergradige Extrasystolie unter körperlicher Belastung, aber auch während der unmittelbaren Erholungsphase kann eine belastungsabhängige Myokardischämie sein. Besonders wenn Symptome wie Angina pectoris und Dyspnoe hinzutreten, liegt dieser Verdacht nahe. Dann sollte eine invasive diagnostische Klärung per Koronarangiographie empfohlen werden.

5. Postextrasystolische Pause

Das verlängerte RR-Intervall wird als postextrasystolische Pause bezeichnet und entsteht physiologisch. Normalerweise erfolgt am Sinusknoten in regelmäßigen Intervallen eine physiologische Depolarisation. Der Impuls trifft auf Höhe des Vorhofs oder des AV-Knotens auf bereits von distal durch die Extrasystole erregte Teile des Leitungssystems, die noch refraktär sind. So wird das Signal des Sinusknotens an dieser Stelle ausgelöscht. Erst der übernächste Impuls kann wieder normal übergeleitet werden. Das Intervall zwischen den Normalschlägen vor und nach der Extrasystole entspricht meist der Länge von zwei RR-Intervallen.

6. Chronotrope Inkompetenz

Die chronotrope Inkompetenz bezeichnet einen inadäquaten Anstieg der Belastungsherzfrequenz bezogen auf die metabolisch-hämodynamischen Anforderungen unter körperlicher Belastung. Dies ist auch hier der Fall. Verantwortlich ist eine gestörte autonome Funktion des Herzens mit einer herabgesetzten Reaktion betaadrenerger Rezeptoren. Eine chronotrope Inkompetenz ist ein prognostisch ungünstiges Zeichen, v.a. bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen. Ein trivialer und nicht seltener Grund für einen mangelnden Anstieg der Belastungsherzfrequenz ist die Einnahme von Betablockern oder anderen bradykardisierenden Medikamenten.

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