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B978-3-437-43960-5.10001-2

10.1016/B978-3-437-43960-5.10001-2

978-3-437-43960-5

Sporteignungsuntersuchung

Anamnese

Ein engagierter Sportlehrer (33 Jahre alt) kommt in die Privatambulanz Ihrer kardiologischen Klinik. Er sei auch privat ein begeisterter Sportler und fühle sich körperlich noch nicht voll ausgelastet. Daher habe er sich erstmalig für einen Marathonlauf angemeldet. Nun möchte der Patient wissen, wie es um seine körperliche Leistungsfähigkeit steht und will heute kurzerhand von Ihnen durchgecheckt werden. Sie nehmen Blut ab und schreiben ein EKG.

Untersuchungsbefund

33 Jahre alter, schlanker und durchtrainierter Patient. Herz, Lunge und Abdomen unauffällig. Labor: Glukose 95 mg/dl, Hb 16 g/dl, Hkt. 48 %, Erythrozyten 5,2 Mio./l, Leukozyten 8200/l, Thrombozyten 275000/l, GOT 42 U/l, GPT 41 U/l, GT 48 U/l, Kreatinin 0,89 mg/dl, HN-N 22 mg/dl, Natrium 2,7 mmol/l, Kalium 4,1 mmol/l, TSH 2,7 mU/l, CK 105 U/l, CRP 3,8 mg/l, INR 1,0.
  • 1.

    Sehen Sie eine Auffälligkeit im EKG? Wie lautet der EKG-Befund?

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  • 2.

    Welche anatomische Struktur verursacht dieses EKG-Bild? Wie wird diese vom vegetativen Nervensystem beeinflusst?

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  • 3.

    Welche Ursachen kann diese EKG-Besonderheit haben?

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  • 4.

    Welche Prognose besitzt diese EKG-Veränderung?

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  • 5.

    Was versteht man unter einem SA-Block? Welche Formen kennen Sie, und wie spiegeln sich diese im EKG wider?

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1. EKG-Befund

Sinusrhythmus, Linkslagetyp, Herzfrequenz 54/min, PQ-Zeit 270 ms, R/S-Umschlag in V6, Erregungsrückbildung unauffällig. Es ist ein atrioventrikulärer Block (AV-Block) 1. Grades zu erkennen.

2. AV-Block 1. Grades: Anatomie und Physiologie

Ein AV-Block 1. Grades ist durch eine auf mehr als 200ms verlängerte PQ-Zeit gekennzeichnet. Die PQ-Zeit ist definiert vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn der Q-Zacke. Es liegt also eine Verzögerung zwischen Beginn der Vorhoferregung und Beginn der Kammererregung vor. Diese Latenz kann auf der Ebene des Vorhofs, des AV-Knotens oder des His-Bündels entstehen. Die anatomische Struktur, in der diese Leitungsverzögerung am häufigsten vorkommt, ist der Bereich des AV-Knotens. Dieser besitzt die besondere physiologische Eigenschaft, das vom Vorhof eintreffende Signal langsamer oder schneller überzuleiten. Entsprechend des veränderlichen Gleichgewichts zwischen Sympathiko- und Vagotonus wird die Dromotropie des AV-Knotens moduliert: Bei Anstrengung oder Aufregung wird die Überleitung verkürzt, bei Ruhe und Entspannung verlängert.

3. Ursachen von AV-Überleitungsstörungen

Eine AV-Überleitungsstörung entsteht oft durch die Gabe bestimmter Medikamente wie Betablocker, Kalziumantagonisten vom Verapamil-Typ und Digitalisglykoside. Auch strukturelle Herzerkrankungen wie die koronare Herzerkrankung, akute oder durchgemachte Herzinfarkte, eine linksventrikuläre Hypertrophie und eine Myokarditis sowie seltener eine Borreliose können zum AV-Block führen. In diesem Fall haben wir es mit einem Sportler mit vermutlich erhöhtem Vagotonus zu tun. Die Vagotonie schlägt sich in der niedrigen Herzfrequenz in Ruhe nieder. Ein einfaches Belastungs-EKG würde zeigen, dass der AV-Block unter körperlicher Belastung reversibel ist.

4. Prognose des AV-Blocks 1. Grades

Im Gegensatz zu manchen Formen höhergradiger AV-Blockierungen besitzt ein asymptomatischer AV-Block 1. Grades ohne Beschwerden eine sehr gute Prognose. Bei einem etwaigen kurzzeitigen relevanten AV-Überleitungsblock können distal gelegene Erregungszentren im His-Bündel oder Ventrikelmyokard als Schrittmacher einspringen. Bei Patienten mit AV-Block 1.Grades, die über Schwindel oder Synkopen klagen, sollte ein intermittierender höhergradiger AV-Block ausgeschlossen werden und bis dahin keine Präparate gegeben werden, welche die AV-Überleitung hemmen.

5. SA-Block

Beim sinuatrialen Block (SA-Block) ist die Erregungsleitung vom Sinusknoten zur Vorhofmuskulatur verzögert oder unterbrochen. Es gibt vier Formen:

SA-Block 1. Grades: verzögerte Leitung. Im EKG nicht erkennbar. Keine klinische Relevanz.

SA-Block 2. Grades Wenckebach-Typ: intermittierende Leitungsunterbrechung. Die PP-Intervalle werden zunehmend kürzer, bis keine P-Welle mehr auftritt und eine Pause der ventrikulären Erregung eintritt. Mobitz-Typ: Es treten Herzpausen nach Wegfall der P-Welle auf, deren Dauer dem Doppelten oder Mehrfachen des normalen PP-Intervalls entspricht. Es ist zu beachten, dass sowohl beim Wenckebach- als auch beim Mobitz-Typ die PQ-Zeiten immer gleich lang sind (im Unterschied zu AV-Blockierungen).

SA-Block 3. Grades: totale Leitungsunterbrechung. Hier fällt plötzlich die P-Welle aus, und es springt ein meist schlanker AV-Knoten-Ersatzrhythmus ein, bis wieder Vorhoferregungen einsetzen.

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