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B978-3-437-41414-5.00009-1

10.1016/B978-3-437-41414-5.00009-1

978-3-437-41414-5

Cabrera-Kreis. Die farbigen Sektoren bezeichnen die verschiedenen elektrischen Herzachsen.

Mittellage.

Querlage.

Linkslage.

Überdrehte Linkslage.

Steillage.

Rechtslage.

Überdrehte Rechtslage.

Die elektrische Herzachse

  • 9.1

    Definition37

  • 9.2

    Nomenklatur37

  • 9.3

    Bestimmung der elektrischen Herzachse37

  • 9.4

    Sonderformen38

  • 9.5

    Die klinische Bedeutung der elektrischen Herzachse40

    • 9.5.1

      Einfluss extrakardialer Faktoren auf die elektrische Herzachse40

    • 9.5.2

      Einfluss kardialer Faktoren auf die elektrische Herzachse40

IMPP-Hits

  • Zuordnung des Linkstyps am EKG (Kap. 9.2)

  • Erkennen von Indifferenz- bis Steiltyp anhand eines EKG (Kap. 9.3)

Definition

Unter der elektrischen Herzachse, elektrischeHerzachse oder dem Lagetyp versteht man die Richtung des QRS-Vektors im Augenblick seines größten Betrags in Projektion auf die Frontalebene.

Nomenklatur

Aus der Definition ergibt sich, dass zur Bestimmung des LagetypLagetyps die Betrachtung der sechs Ableitungen der Frontalebene genügt.

Verbindet man auf dem Cabrera-Cabrera-KreisKreis die Positionen aVL, I, −aVR, II, aVF und III mit dem Kreismittelpunkt, entstehen sechs Sektoren von jeweils 30 Grad. Jedem Sektor kann man einen Namen (Lagetyp) geben (Abb. 9.1).

  • Linkslage: von aVL (−30°) bis I (±0°).Lagetyp:Linkslage

  • Querlage: von I (±0°) bis −aVR (+30°).Lagetyp:Querlage

  • Mittellage: von −aVR (+30°) bis II (+60°).Lagetyp:Mittellage

  • Steillage: von II (+60°) bis aVF (+90°).Lagetyp:Steillage

  • Rechtslage: von aVF (+90°) bis III (+120°).Lagetyp:Rechtslage

  • Überdrehte Linkslage: Der QRS-Vektor weist über −30° hinaus.Lagetyp:Überdrehte Linkslage

  • Überdrehte Rechtslage: Der QRS-Vektor weist über +120° hinaus.Lagetyp:Überdrehte Rechtslage

In vielen EKG-Lehrbüchern gibt es die Querlage nicht. Stattdessen wird der Sektor zwischen ±0° und +60° als Normallage oder Indifferenzlage zusammengefasst. Das ist insofern nicht plausibel, als die Unterscheidung von Quer- und Mittellage durchaus klinische Bedeutung haben kann. Zudem bereitet es keinerlei Schwierigkeiten, eine Querlage von der Mittellage abzugrenzen.

Bestimmung der elektrischen Herzachse

Mithilfe der vier Cabrera-Regeln (Kap. 5.2) ist die Bestimmung der Herzachse rasch und problemlos möglich. Die Logik dieser Regeln und ihre Anwendung auf die Bestimmung der elektrischen Herzachse verstehen Sie am schnellsten, wenn Sie den beigelegten Vektorpeiler benutzen (S. 283).

Lagetyp:MittellageMittellageWenn Sie den Vektorpfeil z. B. in den violetten Sektor „Mittellage“ stellen, sehen Sie sofort, dass alle Beobachter vor der Senkrechten zu dieser Richtung liegen, den Aktionsstrom also mehr oder weniger auf sich zulaufen sehen. Konsequenz: Die Diagnose „Mittellage“ verlangt, dass alle sechs Ableitungen der Frontalebene einen überwiegend positiven Kammer-Komplex zeigen mit den höchsten Ausschlägen in II oder −aVR (Abb. 9.2).

Lagetyp:QuerlageQuerlageSobald Sie den Vektorpfeil in den orangefarbenen Sektor „Querlage“ bewegen, gerät der Beobachter III hinter die Senkrechte und wird deshalb überwiegend negative Kammerkomplexe registrieren, während in den übrigen Ableitungen die Kammerkomplexe überwiegend positiv sind (Abb. 9.3).

Lagetyp:LinkslageLinkslageSobald der Vektorpfeil in den blauen Sektor „Linkslage“ weist, wird auch aVF hinter die Senkrechte geraten und deshalb ebenso wie III überwiegend negative QRS-Komplexe registrieren. Die höchsten Ausschläge sind jetzt in I und aVL zu erwarten (Abb. 9.4).

Überdrehte Lagetyp:Überdrehte LinkslageLinkslageNur wenn III, aVF und II den Kammerkomplex überwiegend negativ registrieren, handelt es sich um diese fast immer pathologische Achsenabweichung nach „überdreht links“ (Abb. 9.5).

Lagetyp:SteillageSteillageWeist der Vektorpfeil in den grünen Sektor „Steillage“, kommt aVL hinter die Senkrechte, schaut dem Vektor nach und registriert deshalb überwiegend negative Kammerkomplexe. Die höchsten positiven Ausschläge finden sich dann in II und aVF (Abb. 9.6).

Lagetyp:RechtslageRechtslageNur wenn sowohl aVL als auch I überwiegend negative QRS-Komplexe registrieren, darf man von Rechtslage sprechen (Abb. 9.7).

Überdrehte Lagetyp:Überdrehte RechtslageRechtslageErst wenn nicht nur aVL und I, sondern auch −aVR überwiegend negative QRS-Komplexe zeigen, liegt eine überdrehte Rechtslage vor (Abb. 9.8).

Rechtslage und überdrehte Rechtslage sind beim Erwachsenen als pathologisch zu bewerten.

Schon nach kurzer Zeit werden Sie den Vektorpeiler nicht mehr brauchen. Ein Blick auf die „Antipoden“ aVL und III und deren Nachbarn wird Sie mithilfe der dritten Cabrera-Regel rasch zur Feststellung des Lagetyps bringen.

Sonderformen

SIQIII-LageSIQIII-LageLagetyp:SonderformenBei einer Drehung um die Longitudinalachse des Herzens im Uhrzeigersinn (von unten gesehen) treten Q-Zacken in III und betonte S-Zacken in I auf. Die SIQIII-Lage tritt z. B. bei einer akuten Rechtsbelastung auf (Lungenembolie).
QISIII-LageQISIII-LageAusdruck einer Drehung um die Longitudinalachse des Herzens gegen den Uhrzeigersinn (von unten gesehen).
SI, II, III-LageSie wird missverständlich auch „Sagittaltyp“ genannt. Es besteht eine Drehung der Herzspitze um die Transversalachse nach hinten und eine R/S-Konfiguration nahezu gleicher und reduzierter Amplitude in allen Extremitätenableitungen. Die Übergangszone der Brustwandableitungen ist in Richtung V5/V6 verschoben. Die SI, II, III-Lage kommt z. B. bei chronischer Rechtsbelastung vor.
QI, II, III-LageEs besteht eine Drehung der Herzspitze um die Transversalachse nach vorne.

Die klinische Bedeutung der elektrischen Herzachse

Die elektrische Herzachse hat eine sehr große Variationsbreite. Sie wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst.

Einfluss extrakardialer Faktoren auf die elektrische Herzachse

Der körperliche HabitusEin leptosomer Habitus begünstigt wegen des tief stehenden Zwerchfells eine Steillage, während ein pyknischer Habitus und Adipositas wegen des hoch stehenden Zwerchfells zu Linkslage neigen.Herzachse, elektrische:klinische Bedeutung
Herzachse, elektrische:extrakardialer FaktorenRespiratorische SchwankungBei tiefer Inspiration wandert die Herzachse in Richtung Steillage, bei Exspiration in Richtung Linkslage.
Darüber hinaus kann es durch Tumore oder einen Spannungspneumothorax zu einer mechanischen Verdrängung des Herzens kommen.

Einfluss kardialer Faktoren auf die elektrische Herzachse

Im Neugeborenenalter ist aufgrund der Dominanz des rechten Ventrikels im Embryonalkreislauf eine rechtsgerichtete Herzachse physiologisch. Mit dem Älterwerden wandert entsprechend der zunehmenden Dominanz des linken Ventrikels beim Erwachsenen die elektrische Herzachse nach links. Hier besteht eine sehr große Variabilität. Nimmt man die konstitutionelle Variationsbreite hinzu, kann beim gesunden Erwachsenen eine elektrische Herzachse von −30° bis +90° für sich genommen als „normal“ gelten. Von großer Bedeutung sind jedoch plötzliche Vektorsprünge.

Merke

Plötzliche Vektorsprünge beim Lagetyp sind meist ein Hinweis auf ein pathologisches Geschehen am Herzen.

Herzachse, elektrische:kardialer Faktoren
Akute Rechtsherzbelastung (z. B. Lungenembolie)Typisch ist die Kombination aus einer abrupten Drehung der Herzachse zum Steil- oder Rechtstyp, SIQIII-SIQIII-Lage:Rechtsherzbelastung, akutKonstellation, Sinustachykardie, inkomplettem oder komplettem Rechtsschenkelblock und Nachschwankungsveränderungen (ST-Hebungen oder auch ST-Senkungen) in III, V1 und V2. Man spricht hier von einem McGinn-White-Syndrom. Aber: Das Fehlen eines McGinn-White-Syndroms schließt eine Lungenembolie nicht aus!
Chronische Rechtsherzbelastung (Cor pulmonale)Cor pulmonaleEine ausgeprägte chronische Rechtsbelastung geht häufig mit einer QI, II, III-Konstellation einher.
RechtshypertrophieRechtshypertrophieHerzachse, elektrische:RechtshypertrophieZeichen einer Rechtshypertrophie sind eine Steilstellung der Herzachse bis hin zu einer Rechtslage und eine Rechtsverspätung. Aufgrund der Dominanz des linken Ventrikels beim Erwachsenen ist sie im EKG viel seltener nachzuweisen, als es die klinische Häufigkeit erwarten lässt.
HerzinfarkteHerzinfarkteHerzachse, elektrische:HerzinfarkteAusgedehnte Herzinfarkte können zu Vektorsprüngen von 60° und mehr führen und sind dann ein Hinweis auf die Ausdehnung des Infarktgebiets. So kann z. B. bei einem ausgedehnten Hinterwandinfarkt der Potenzialverlust zu einem überdrehten Linkstyp führen. Die Abb. 12.3a und Abb. 12.3bAbb. 12.3aAbb. 12.3b zeigt die Stadien eines ausgedehnten transmuralen Vorderwandinfarkts, die Abb. 12.4a und Abb. 12.4bAbb. 12.4aAbb. 12.4b die Stadien eines ausgedehnten Hinterwandinfarkts mit Vektordrehung.
SchenkelblockierungenSchenkelblockHerzachse, elektrische:SchenkelblockEin linksanteriorer Hemiblock Schenkelblock:linksanteriorer Hemiblockist durch einen überdrehten Linkstyp gekennzeichnet, ein linksposteriorer Hemiblock Schenkelblock:linksposteriorer Hemiblockdurch einen plötzlich auftretenden Rechts- oder überdrehten Rechtstyp (Kap. 11.1.2.3).

Merke

Die Bestimmung der elektrischen Herzachse ist unverzichtbarer Teil jedes EKG-Befunds, auch bei Verlaufskontrollen!

Zusammenfassung

  • Bei Erwachsenen sind Links-, Quer-, Mittel- und Steillage in der Regel Normalbefunde.

  • Eine überdrehte Linkslage ist entweder Bestandteil eines LAH oder Folge großer Hinterwandinfarkte.

  • Eine Rechtslage oder überdrehte Rechtslage ist entweder Bestandteil eines LPH oder Folge einer Rechtsbelastung.

  • Vektorsprünge über 60 Grad nach links treten bei ausgedehnten HW-Infarkten auf, nach rechts bei ausgedehnten VW-Infarkten oder akuter Lungenembolie.

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