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B978-3-437-43307-8.00014-2

10.1016/B978-3-437-43307-8.00014-2

978-3-437-43307-8

  • a.

    Leichtgradige entzündliche Aktivität bei chronischer Hepatitis C.

  • b.

    Mittelgradige entzündliche Aktivität bei chronischer Hepatitis B mit immunhistochemischem Nachweis von HBs-Antigen und erheblicher Interface-Hepatitis.

  • a.

    [M681]

  • b.

    [M681]

Histologisches Bild einer Leber:alkoholtoxische SchädigungSteatohepatitis. Zahlreiche Hepatozyten sind mittel- bis großtropfig verfettet. Die Mallory-Denk-Mallory-Denk-HyalinKörperchen, die hier in zahlreichen Hepatozyten vorkommen, sind durch die immunhistochemische Darstellung ubiquitinierter Proteine rot hervorgehoben. Entzündungszellen sind im Bereich untergegangener Hepatozyten zu erkennen (untere Bildhälfte). Der Befund kann zu einer alkoholtoxischen Leberschädigung passen.

[M681]

Makroskopischer (a) und mikroskopischer (b) Aspekt einer Schnittfläche durch eine zirrhotische LeberzirrhoseLeber. Die Leber wird irregulär durch kollagenfaserreiches Bindegewebe untergliedert. Die stehen gebliebenen Parenchymfelder sind knotenförmig regeneriert. Die Ursache der Zirrhose war hier eine chronische B-Virus-Hepatitis. Siriusrot-Färbung (b).

[M681]

Mikroskopischer Aspekt eines hoch differenzierten hepatozellulären Karzinoms. Die Tumorzellen ähneln regulären Hepatozyten noch relativ stark. Ihr Zytoplasma ist vermehrt basophil. Man erkennt eine Mitose (Pfeilkopf) und einen kleinen Galletropfen in einem von den Tumorzellen gebildeten Gallekanalikulus (Pfeil). Die Leberzelltrabekel sind verbreitert (mehrreihig).

[M681]

Leber

Frank Dombrowski

  • 14.1

    Wegweiser403

  • 14.2

    Hämodynamisch bedingte Leberveränderungen404

    • 14.2.1

      Blutstauung404

    • 14.2.2

      Schocknekrosen und Infarkte404

  • 14.3

    Hepatitis404

    • 14.3.1

      Virushepatitis404

    • 14.3.2

      Autoimmunhepatitis405

    • 14.3.3

      Grade und Stadien von Hepatitiden405

  • 14.4

    Arzneimittelbedingte Leberschäden406

    • 14.4.1

      Direkte und indirekte toxische Schädigung406

  • 14.5

    Alkoholische Hepatopathie407

    • 14.5.1

      Pathogenese407

    • 14.5.2

      Morphologie407

  • 14.6

    Lebergeweberegeneration408

    • 14.6.1

      Regenerationsrelevante Wachstumsfaktoren und Signaltransduktion408

    • 14.6.2

      Regenerationsbedingte Funktionsalterationen408

  • 14.7

    Leberfibrose und Leberzirrhose409

    • 14.7.1

      Leberfibrose409

    • 14.7.2

      Leberzirrhose409

  • 14.8

    Tumoren und tumorähnliche Läsionen der Leber412

    • 14.8.1

      Hepatozelluläres Adenom412

    • 14.8.2

      Hepatozelluläres Karzinom413

    • 14.8.3

      Tumoren der intrahepatischen Gallengänge414

    • 14.8.4

      Mesenchymale Tumoren414

    • 14.8.5

      Tumorähnliche Läsionen414

IMPP-Hits

Folgende Themenkomplexe wurden bisher häufig vom IMPP gefragt:

  • Hepatitis

  • Alkoholische Hepatopathie

  • Leberzirrhose

  • Lebertumoren

Wegweiser

Weil die Leber für die meisten allgemeinen Krankheitsbegriffe modellhaft herangezogen werden kann, steht sie im Zentrum der allgemeinen Pathologie, und Beispiele aus der Leberpathologie finden sich in den meisten allgemeinen, organübergreifenden Kapiteln dieses Buches. Im Folgenden geht es darum, einige grundlegende Aspekte der Leberpathologie im Zusammenhang darzustellen: die hämodynamisch bedingten Schäden der Leber, die Hepatitis, die Leberschädigung durch Medikamente, die alkoholisch bedingten Leberveränderungen, die Leberregeneration, die Leberzirrhose und hepatozelluläre Tumoren.

Hämodynamisch bedingte Leberveränderungen

Blutstauung

Eine Blutstauung vor dem rechten Leber:StauungVentrikel führt in der Leber aufgrund des geringen Widerstands in den Leberazini zu einer Dilatation der Sinusoide und zu einer Volumenzunahme der Leber, was man am Hervortreten der Venen auf der Schnittfläche sieht (akute Blutstauung der Leber). Bei chronischer Rechtsherzinsuffizienz führt die chronische Dilatation der Lebervenen und der Sinusoide zu einer Atrophie der Hepatozyten in den Azinuszonen 3 und 2. Da die dilatierten Sinusoide der Zone 3 auf der Schnittfläche gut sichtbar sind, ergibt sich makroskopisch das Bild eines gelbroten regelmäßigen feinen Musters, das man Muskatnussleberauch Muskatnussleber oder Herbstlaubleber Herbstlaublebernennt. Der chronisch erhöhte intrasinusoidale Druck führt zu einer vermehrten Kollagenfasersynthese durch die Sternzellen (Perisinusoidalzellen) und damit zur Erhöhung des Widerstands in den Sinusoiden. Langfristig kann sich daraus sogar eine Sonderform einer Leberzirrhose ausbilden, die Cirrhose cardiaque, die Cirrhose cardiaquebei starker Gitterfaserfibrose kaum knotig umgestaltet ist, aber sonst doch alle hämodynamischen und funktionellen Komplikationen einer Leberzirrhose zufolge hat.
Einen Verschluss mehrerer Lebervenen durch Thrombosen nennt man Budd-Chiari-Syndrom. Die Ursachen dafür liegen meist in der Blutzusammensetzung (z. B. Poyglobulie, Polycythaemia vera, Thrombozytosen). Die Lebervenenschlüsse ergeben eine die Leber sehr unregelmäßig erfassende, akute und dann chronische Blutstauung, da die Rekanalisation der Venen oft nicht ganz vollständig erfolgt.

Schocknekrosen und Infarkte

Eine protrahierte Kreislaufinsuffizienz betrifft besonders stark die Hepatozyten in der Azinuszone 3 aufgrund des dort ohnehin schon niedrigen Blutdrucks. Es entstehen dort die Schocknekrosen der Leber, die nach überstandenem Kreislaufversagen abgeräumt werden und durch regenerierende Hepatozyten ersetzt werden (Kap. 14.6).
Anämische Leberinfarkte bilden Leber:Infarktesich aufgrund der doppelten Blutversorgung nur selten in nichtzirrhotischen Lebern aus. Bei intrahepatischen Pfortaderverschlüssen oder Arterienverschlüssen muss sich gar kein Infarkt ausbilden. Manchmal entstehen bei nicht ganz ausreichender Versorgung dann keilförmige hämorrhagische Infarkte, die in der Leber Zahn-Infarkte Zahn-Infarkteheißen. In Leberzirrhosen können ganze Zirrhoseknoten anämisch oder hämorrhagisch infarzieren, wenn der Blutdruck plötzlich abfällt, z. B. beim Anlegen eines portosystemischen Shunts oder bei Kreislaufinsuffizienz.

Hepatitis

Als Leber:EntzündungHepatitisHepatitis bezeichnet man eine Entzündung der Leber. Ursächlich infrage kommen eine Vielzahl mikrobieller Erreger: Hepatitisviren (A–G), eine Mitbeteiligung der Leber bei systemischen Virusinfekten (Gelbfieber-, Zytomegalie-, Herpes-simplex-, Epstein-Barr-Virus, Adenoviren, Varicella-Zoster-Virus), Bakterien und Pilze (Mykobakterien, Borrelien, Brucellen, Candida, Kryptosporidien) sowie Parasiten (Amöben, Leishmanien, Echinokokken, Schistosoma, Ascaris). Daneben sind auch autoimmune Entzündungen (Autoimmunhepatitis) sowie toxische Schädigungen, beispielsweise alkoholtoxische (Kap. 14.5) und medikamentös-toxische Schädigungen, Medikamentenunverträglichkeitsreaktionen (Kap. 14.4) oder Vergiftungen (z. B. durch Knollenblätterpilze, Schädlingsbekämpfungsmittel, Tetrachlorkohlenstoff) möglich. Außerdem kann die Leber bei Stoffwechselerkrankungen, wie α1-Antitrypsinmangel, Wilson-Krankheit (Kupferspeicherkrankheit), Hämochromatose, nichtalkoholische Fettlebererkrankung, sowie bei Erkrankungen unbekannter Ätiologie, wie der Sarkoidose, entzündet sein.

Virushepatitis

Leberentzündungen VirushepatitisHepatitis:viralekönnen durch verschiedene Viren entstehen, allerdings hat nur eine kleine Anzahl von Viren eine ganz besonders große Affinität zu Hepatozyten. Diese Hepatitisviren (A–G) gehören unterschiedlichen Virusfamilien an und sind nicht einmal einheitliche RNA- oder DNA-Viren. Auch die Übertragungswege sind unterschiedlich (Hepatitis A: fäkal-oral; Hepatitis B und C: parenteral/sexuell).
Ätiologie
Hepatitis A
Das Hepatitis-A-Hepatitis-A-VirusVirus ist ein Einzelstrang-RNA-Virus aus der Gruppe der Picorna-Viren, wird fäkal-oral übertragen, führt nur sehr selten zu lebensgefährlichen fulminanten Hepatitiden und weder zu einem Carrier-Status noch zu chronischen Verläufen. Es verursacht keine Leberzirrhose und auch keine hepatozellulären Tumoren.
Hepatitis B
Das Hepatitis-B-Hepatitis-B-VirusVirus ist ein Doppelstrang-DNA-Virus aus der Gruppe der Hepadna-Viren und wird parenteral übertragen. Bei 1–4 % der Infektionen kommt es zu fulminanten Verläufen und in 5–10 % zu chronischen Verläufen mit der Gefahr einer Leberzirrhose und eines hepatozellulären Karzinoms. Das Hepatitis-B-Virus kann auch ohne eine chronische Hepatitis in die DNA infizierter Hepatozyten integriert werden und hepatozelluläre Karzinome induzieren, ohne eine Leberzirrhose zu erzeugen.
Hepatitis C
Die Hepatitis-C-VirusHepatitis C wird durch ein 1989 identifiziertes Einzelstrang-RNA-Virus aus der Gruppe der Flaviviridae parenteral übertragen. Fulminante Verläufe sind extrem selten. Dafür kommen in über 50 % der Fälle primär chronische schleichende, nicht selten lange Zeit unbemerkte Verläufe mit der Entwicklung einer Leberzirrhose und der Gefahr, dass ein hepatozelluläres Karzinom entsteht, vor.
Hepatitis D
Das Hepatitis-D-Hepatitis-D-VirusVirus ist ebenfalls ein Einzelstrang-RNA-Virus. Es ist nur als Superinfektion eines an Hepatitis B Erkrankten oder als Koinfektion bei Hepatitis B und D von Bedeutung. In diesen beiden Fällen führt es allerdings zu besonders schweren Verläufen. Die Koinfektion verläuft in 3–4 % fulminant, die Superinfektion in 80 % chronisch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Leberzirrhose.
Hepatitis E
Das Hepatitis-E-Hepatitis-E-VirusVirus gehört zu den Einzelstrang-RNA-Viren aus der Gruppe der Caliciviridae. Es wird oral über Trinkwasser übertragen, führt zu keinen chronischen Verläufen, aber immerhin in 3 % zu fulminanten Verläufen. Bei Schwangeren sollen bis zu 20 % der Erkrankungsfälle zu fulminanten Hepatitiden führen.

Merke

Die klinischen Symptome der akuten Hepatitis sind bei allen Hepatitisvirusinfektionen gleich: Mattigkeit, eventuell Fieber und Ikterus (Gelbsucht).

Morphologie
Gemeinsam ist den klassischen Virushepatitiden (A–G) die Virus-Antigenpräsentation durch die Hepatozyten, was zu einer zell- und antikörpervermittelten Immunreaktion mit dem Effekt von Leberzellnekrosen/-apoptosen und entzündlichen Infiltraten durch Lymphozyten, neutrophile Granulozyten und Makrophagen führt. Einzelzellapoptosen von Hepatozyten bezeichnet man als Councilman-Councilman-KörperchenKörperchen. Die Entzündung an der Grenze von Portalfeld und Leberazinus nennt man Interface-Hepatitis. Die Cholestase zeigt sich in Form von Galletröpfchen in den Hepatozyten oder in den Gallekanalikuli (Bilirubinostase).
Bei der Hepatitis B kann man im Zytoplasma der Hepatozyten das Surface-Antigen (HBs-HBs-AntigenAntigen) und in replikativen Phasen auch das Core-Antigen (HBc-HBc-AntigenAntigen) nachweisen. Das HBs-Antigen kann in großen Mengen im glatten endoplasmatischen Retikulum gespeichert werden, wodurch das Bild von „Milchglashepatozyten“ entsteht.
Ist die Leber im Rahmen eines Immundefekts (z. B. AIDS) an einer generalisierten Adenovirusinfektion oder Herpes-simplex-Virusinfektion beteiligt, kommt es zum Zelltod der Hepatozyten durch direkten zytopathischen Effekt der Viren ohne Beteiligung spezifisch immunkompetenter Lymphozyten.

Autoimmunhepatitis

Die Hepatitis:autoimmuneAutoimmunhepatitisAutoimmunhepatitis gleicht einer Entzündung durch Hepatitisviren und durch idiosynkratische Unverträglichkeitsreaktionen hervorgerufenen Hepatititden morphologisch so stark, dass erst nach gründlicher serologisch-virologischer Untersuchung und Auslassversuchen von Medikamenten eine Autoimmunhepatitis diagnostiziert werden sollte. Frauen sind viel häufiger als Männer betroffen. Oft kommen antinukleäre Antikörper (ANA), gegen glatte Muskelfasern gerichtete Antikörper (ASMA) und gegen Mikrosomen von Leber- und Nierenzellen gerichtete Antikörper (LKM) vor. Mit einer immunsuppressiven Therapie versucht man, die Entzündung und die Entwicklung einer Leberzirrhose aufzuhalten.

Grade und Stadien von Hepatitiden

Den Hepatitis:StadienSchweregrad der entzündlichen Aktivität einer Hepatitis (Abb. 14.1) schätzt man unabhängig von der Ätiologie am histologischen Bild ab, indem die Ausprägung der Interface-Hepatitis, das Vorkommen von Gruppennekrosen und von Einzelzellnekrosen intraazinär sowie die Ausdehnung der entzündlichen Infiltrate in den Portalfeldern zu einem Score-Wert addiert werden. Außerdem wird die sich im Verlauf einer chronischen Hepatitis oft entwickelnde Leberfibrose (Kap. 14.7) ebenfalls graduiert und als „Stadium der Fibrose“ neben dem „Grad der entzündlichen Aktivität“ dem behandelnden klinischen Hepatologen mitgeteilt. Er kann anhand der beiden Werte ohne Blick ins Mikroskop die Ausgangssituation vor der Therapie und die Befundbesserung oder Verschlechterung im Verlauf einigermaßen abschätzen.

Arzneimittelbedingte Leberschäden

Direkte und indirekte toxische Schädigung

Medikamente Leber:arzneimittelbedingte Schädenkönnen die Leber wie ein chemisches Toxin direkt oder indirekt (über toxische Abbauprodukte) schädigen und zu einer Verfettung, Cholestase, Leberzellnekrosen und Gallengangsepithelnekrosen führen. In der Praxis ist die toxische Schädigung eher ein Problem von Interferenzen verschiedener Medikamente oder einer Leber- oder Nierenvorschädigung mit dem Resultat einer individuell zu hohen Dosis, da die toxischen Eigenschaften eines Medikaments vor einer Zulassung weitgehend abgeklärt werden. Am häufigsten ist Paracetamol der Auslöser.
Zonale Schädigungsmuster
Die toxische Schädigung von Hepatozyten ist in den Azinuszonen unterschiedlich stark ausgeprägt. Obwohl die Konzentrationen der Medikamente oder Toxine aufgrund der Anatomie der Mikrozirkulation in der Zone 1 am höchsten sind, ist die Schädigung der Hepatozyten in der Zone 3 häufig stärker als in den Zonen 1 und 2. Dies liegt an der azinären Zonierung der Enzymausstattung der Hepatozyten, die entweder die Hepatozyten der unterschiedlichen Azinuszonen vor dem Toxin besser oder weniger gut schützen oder zu einer unterschiedlich starken sekundären (indirekten) toxischen Schädigung beitragen.

Praxistipp

Für die Praxis relevant sind die schwer vorhersehbaren Unverträglichkeitsreaktionen auf Medikamente, die entweder auf einer Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems oder auf Defekten (bzw. Varianten) der am Metabolismus der Medikamente beteiligten Enzyme beruhen. In beiden Fällen nennt man dies idiosynkratisch.

Morphologie
Die arzneimittelbedingten Leberschäden können in folgenden Formen morphologisch in Erscheinung treten:
  • Verfettung von Hepatozyten

  • Einzelzell- oder Gruppennekrosen von Hepatozyten

  • Virushepatitis-ähnliches Entzündungsbild

  • Cholangitis

  • Gallengangsverlust

  • Cholestase

  • Fibrose

  • Granulomatöse Entzündung

  • Lebertumoren (z. B. bei Einnahme von Sexualsteroidhormonen)

Prognose
Nach Absetzen des auslösenden Medikaments verschwinden die meisten Schäden wieder. Manchmal persistieren sie jedoch und gehen in so etwas wie eine Autoimmunhepatitis über, wobei in diesen Fällen natürlich eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Ätiologie bestehen bleibt.

Alkoholische Hepatopathie

Pathogenese

Ethanol Leber:alkoholtoxische SchädigungHepatopathie, alkoholbedingteEthylalkohol:Leberschäden durchwird in der Leber über drei verschiedene Reaktionswege abgebaut:
  • Alkoholdehydrogenase

  • Mikrosomales alkoholoxidierendes System unter Beteiligung von Cytochrom P450

  • Katalase der Peroxisomen

Alle drei Systeme können bei regelmäßiger Alkoholzufuhr verstärkt aktiviert werden und führen zu dem Zwischenprodukt Acetaldehyd, das stärker toxisch wirkt als der Alkohol selbst. Die verstärkte regelmäßige Metabolisierung von Alkohol führt zu chronischen Stoffwechselveränderungen in der Leber. Dazu gehören eine Verminderung der Glukoneogenese, ein verstärktes Anfallen von Laktat mit dem Resultat einer Laktatazidose, eine Verschlechterung des Fettsäureabbaus aufgrund des kompetitiven Abbaus von Acetaldehyd in den Mitochondrien, eine Verminderung des Aminosäurenabbaus und die Verminderung des Abbaus von endogenen Steroiden, Toxinen und von manchen Medikamenten. Außerdem werden weniger Zytoskelettbestandteile der Hepatozyten degradiert.

Merke

Ab welcher Menge an Alkohol eine alkoholische Hepatopathie auftritt, hängt stark von der individuellen (genetisch mitdeterminierten) Isoenzymausstattung ab.

In der Regel sind die alkoholabbauenden Enzyme bei Frauen weniger stark exprimiert, sodass bei ihnen die alkoholtoxischen Wirkungen unter Berücksichtigung des Körpergewichts und des Fettanteils an der Körpermasse schon bei niedrigeren Alkoholdosen auftreten als bei Männern.

Morphologie

Mikroskopisch sieht man eine mikro- oder makrovesikuläre Verfettung insbesondere der Hepatozyten der Azinuszone 3, da die Hepatozyten dieser Zone am stärksten mit den alkoholabbauenden Enzymen ausgestattet sind und dort auch am meisten Acetaldehyd anfällt (Abb. 14.2). Außerdem finden Lipolyse und Glykolyse überwiegend in dieser Zone statt. Wenn mehr als 50 % der Hepatozyten Fetttröpfchen speichern, spricht man – unabhängig von der Ursache – von Fettlebereiner Fettleber. Die Verfettung ist für sich allein ein komplett reversibles Phänomen, sobald kein Alkohol mehr getrunken wird. Wenn eine Fettleber weiter toxisch geschädigt wird, kann sich eine sog. Fettleberhepatitis ausbilden, bei der das entzündliche Infiltrat reich an neutrophilen Granulozyten ist. Eine Fettleberhepatitis kann unabhängig davon, ob sie alkoholtoxisch bedingt ist oder nicht (nichtalkoholische Fettleberhepatitis), vergleichsweise rasch zu einer Leberzirrhose Leberzirrhosefortschreiten, ist aber kein obligates Vorstadium einer alkoholbedingten Leberzirrhose.
Der verminderte Abbau von Zytoskelettanteilen führt zur Bildung von Mallory-Denk-Körperchen (Kap. 2.2.1.3). Manchmal sieht man Riesenmitochondrien. In der Azinuszone 3 werden vermehrt Kollagenfasern abgelagert, was ab einem gewissen Ausprägungsgrad das Bild einer Gitterfaserfibrose ergibt. Bei chronischer Alkoholkrankheit der Leber kann die GitterfaserfibroseGitterfaserfibrose zu einer kleinknotigen Leberzirrhose fortschreiten.

Merke

Die hier beschriebenen histologischen Veränderungen treten nicht nur bei alkoholischer Hepatopathie auf, sind also hierfür nicht ganz spezifisch. Sie sind aber immerhin so charakteristisch, dass sie die Frage nach einer genauen Alkoholanamnese erlauben.

Lebergeweberegeneration

Die Leber:RegenerationLeber gehört zu den stabilen Geweben, da die Hepatozyten und Gallengangsepithelien Monate bis Jahre alt werden können und sich beim Ausgewachsenen lediglich 1 Hepatozyt auf 10.000–30.000 Hepatozyten im Proliferationszyklus befindet. Bei Zellverlusten können jedoch alle verbliebenen Epithelien innerhalb von 24–48 Stunden in den Zellzyklus eintreten und zur Regeneration beitragen (Kap. 2.5.3). Die Abläufe der Leberregeneration wurden besonders intensiv experimentell nach partieller Hepatektomie untersucht.

Merke

Klinische Bedeutung beim Menschen hat die Fähigkeit zur Regeneration nach Zellverlusten bei einer Virushepatitis, toxischen Schädigungen (z. B. Pilzvergiftung, Alkohol, Arzneimittel, Tetrachlorkohlenstoff, Sepsis), bei Nekrosen nach Kreislaufschock, bei intrahepatischem Tumorwachstum, Abszessen und bei autoimmunen Entzündungsprozessen.

Dabei können nicht nur zugrunde gegangene Zellen ersetzt, sondern auch ganze Leberazini neu gebildet werden, z. B. nach resezierenden Operationen und nach der Transplantation eines relativ zu kleinen Organs. Wie die Leber bzw. der Organismus „feststellt“, dass regeneriert werden muss, und wann die Regeneration abgeschlossen ist, ist noch unklar.

Regenerationsrelevante Wachstumsfaktoren und Signaltransduktion

Wachstumsfaktoren
An den Abläufen und der Steuerung des Regenerationsprozesses sind Leber:WachstumsfaktorenWachstumsfaktoren beteiligt, die teilweise von außerhalb der Leber und teilweise aus der Leber selbst stammen. Endokrin sind klassische Hormone aus dem Pankreas, dem Darm und der Schilddrüse, wie Insulin und Trijodthyronin, als Wachstumsfaktoren wirksam. Die in der Leber sowohl von Parenchymzellen als auch von Nichtparenchymzellen produzierten Wachstumsfaktoren wirken hauptsächlich über parakrine Mechanismen:
  • Von den Sternzellen (auch Itozellen oder Perisinusoidalzellen genannt) der Leber stammt der größte Teil des Hepatocyte Growth Hepatocyte Growth FactorFactor (HGF), einem starken Wachstumsfaktor für Hepatozyten.

  • Die regenerierenden Hepatozyten und Gallengangsepithelien selbst bilden und sezernieren Transforming Growth Factor α (TGF-α)TGF-<03B1>.

  • Auch die von den Kupffer-Zellen sezernierten Entzündungsmediatoren Tumornekrosefaktor (TNF) und Interleukin 6 (IL-6) sollen eine proliferationsfördernde Wirkung auf die Hepatozyten haben.

Signaltransduktion
Die Wachstumsfaktoren aktivieren über Signaltransduktionskaskaden (z. B. Tyrosinkinasen) Transkriptionsfaktoren (z. B. NFκB, c-fos, c-jun, c-myc), die wiederum zahlreiche Gene aktivieren und andere deaktivieren.

Regenerationsbedingte Funktionsalterationen

Stoffwechsel
Während der Regeneration ist der Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel der Hepatozyten verändert, was mikroskopisch an einem völligen Glykogenverlust und einer verstärkten Basophilie des Zytoplasmas sichtbar ist. Die Galleproduktion und die Synthese exkretorischer Proteine, wie Albumin, Lipoprotein und Blutgerinnungsfaktoren, sind herabgesetzt.
Entgiftung
Auch der Abbau toxischer Substanzen und Medikamente über den Monooxygenaseweg und somit die Entgiftungsfunktion der Leber ist vermindert.
Zellbiologie der Regeneration
Die Segregation und Degradation von Zellorganellen, die zelluläre Autophagie – ein antikataboler Mechanismus, der das Zellwachstum in der Vorbereitung auf die Zellteilung und danach bis zum Erreichen der „regulären“ Zellgröße unterstützt – ist stark gebremst. Die Zell-Zell-Kommunikation ist herabgesetzt, die Zellkontakte sind vermindert. Proteasen werden gebildet, um die extrazelluläre Matrix so weit abzubauen, dass Platz für Wachstum und Zellteilungen und das Einsprossen von Kapillaren vorhanden ist. All diese Veränderungen sind nach Erreichen der ursprünglichen Lebermasse reversibel.
Prognose
Bei geringem Leberparenchymverlust können die Regenerationsvorgänge unbemerkt ablaufen. Bei zu großem Verlust (z. B. akute Leberdystrophie bei Pilzvergiftung, fulminante Hepatitis, > 80-prozentige Leberresektion) ist der Ausfall der Leberfunktionen als Leberinsuffizienz klinisch relevant (Gerinnungsstörungen, Cholestase, Enzephalopathie) sowie die Regeneration der Leber selbst inhibiert.
Sind nur die Parenchymzellen betroffen und das Grundgerüst der extrazellulären Matrix weitgehend erhalten (z. B. Schocknekrosen oder Einzelzellausfälle bei Virushepatitis), bildet sich keine Narbe. Es erfolgt eine Restitutio ad Integrum.

Leberfibrose und Leberzirrhose

Leberfibrose

Eine Leber:FibroseBindegewebevermehrung in der Leber bezeichnet man als Leberfibrose. Die periportale Fibrose betrifft hauptsächlich die Portalfelder oder die Umgebung der Portalfelder, die perivenöse Fibrose bezeichnet die Fibrose in der Azinuszone 3.
Ätiologie und Pathogenese
Bei fortgesetztem Zellverlust oder bei ausgedehnten Nekrosen, die auch die Nichtparenchymzellen betreffen, oder bei Nekrosen, die mit einer kräftigen Entzündungsreaktion verbunden sind, kommt es neben der Regeneration der Parenchymzellen auch zur Proliferation der Nichtparenchymzellen. Vor allem die Perisinusoidalzellen (Sternzellen, Itozellen) der Leber bilden vermehrt Kollagene, die zu narbigen Bindegewebefeldern oder -septen ausreifen.
Morphologie
Die Leberfibrose kann hauptsächlich die Portalfelder oder die Umgebung der Portalfelder betreffen und wird dann als periportale Fibrose bezeichnet. Diese periportale Fibrose kommt v. a. bei chronischen Infektionen der Leber (z. B. Virushepatitiden) und bei Gallengangsentzündungen oder Galleabflussbehinderung vor. Die Fibrose kann auch ganz überwiegend in der Azinuszone 3 lokalisiert sein, was meist mit dem Begriff perivenöse Fibrose gemeint ist. Dies ist der Fall bei Blutstauungen (z. B. chronische Rechtsherzinsuffizienz, Lebervenenthrombose) und v. a. bei toxischen Schädigungen, die vorrangig die Azinuszone 3 betreffen, wie bei Alkoholschädigung oder Tetrachlorkohlenstoffvergiftung.
Prognose
Eine Leberfibrose stellt keinen absolut irreversiblen Zustand dar. So wurde bei Hämochromatose nach Aderlasstherapie von Rückbildungen der Leberfibrose berichtet. Bei fortschreitender Leberfibrose bilden sich meist bindegewebige Septen, die das Lebergewebe von Portalfeld zu Portalfeld oder von Portalfeld zur abführenden Venule oder auch irregulär untergliedern. Damit wird die Entstehung einer Zirrhose eingeleitet.

Leberzirrhose

Unter einer LeberzirrhoseLeberzirrhose versteht man eine das gesamte Organ betreffende Veränderung, die durch eine septenbildende Fibrose und durch Umbau der azinären Architektur in knotige oder inselartige Parenchymformationen gekennzeichnet ist.
Morphologie
Die Leberzirrhose ist also nicht einfach eine besonders stark ausgeprägte Leberfibrose. Bei der Zirrhose kommt hinzu, dass sich das Lebergewebe aufgrund einer bindegewebigen Untergliederung nicht mehr ungestört regenerieren kann. Es entstehen Regeneratknoten, die von Bindegewebe umsäumt sind und keine azinäre Grundstruktur mehr aufweisen. Ist der Regenerationsstimulus abgeschwächt, entstehen regenerationsarme Zirrhosen, bei denen das Parenchym nicht eigentlich knotig, sondern irregulär inselartig umgebaut ist. Die Portalfelder und portalen Traktus verlaufen in den Bindegewebesepten.
Die Durchblutung ist durch das Bindegewebe und die RegeneratknotenRegeneratknotenLeberzirrhose:Regeneratknoten erheblich eingeschränkt, da der Widerstand aufgrund einer verlängerten Kapillarstrecke und einer verminderten Elastizität des perivaskulären Gewebes bei stark vermehrter Kollagenfaserablagerung erhöht ist. Von der Widerstandserhöhung ist v. a. die Pfortaderdurchblutung betroffen (portale Hypertonie Kap. 14.7.2.3). Der Pfortaderdruck steigt, und der Anteil des substrat- und wachstumsfaktorreichen Pfortaderblutes am die Leber durchströmenden Blutminutenvolumen sinkt zugunsten der arteriellen Durchblutung. Viele Endothelien der Lebersinusoide differenzieren zu geschlossenen Kapillarendothelien um. Dies verschlechtert den Stoffaustausch zwischen Blut und Hepatozyten.

Merke

Bei chronischer Leberschädigung bildet sich am häufigsten eine kleinknotige (mikronoduläre) Leberzirrhose aus (Knotengröße < 3 mm). Führt die zugrunde liegende Erkrankung mehr schubweise zum Parenchymverlust, so entstehen eher großknotige (makronoduläre) Zirrhosen.

Grundsätzlich werden die Regeneratknoten durch die immer wieder neu einsprossenden Kollagenfasern ständig weiter untergliedert (Abb. 14.3). Bei der Ausreifung des reparativen Bindegewebes in Narbengewebe setzen auch Schrumpfungsprozesse ein. Dies kann nach und nach zur Organschrumpfung führen. Die Regenerationsprozesse der Hepatozyten werden dadurch noch weiter behindert, sodass in fortgeschrittenen Leberzirrhosen trotz der sonst so ausgeprägten Regenerationskapazität zu wenig Hepatozyten vorhanden sind. Die Leberinsuffizienz entwickelt sich in solchen Fällen langsam.
Kartoffelsackleber
Eine Kartoffelsackleberschwere akute Lebergewebezerstörung (z. B. bei Vergiftung), die nicht zu einer Restitutio ad Integrum oder zu einer Leberfibrose ausheilt, sondern große Narbenfelder hinterlässt, kann grobknotige Regenerate von mehreren Zentimetern Größe zur Folge haben. Diese auch unter dem Ausdruck „Kartoffelsackleber“ bekannten Lebern können nicht zu den Leberzirrhosen im engeren Sinn gezählt werden, da die azinäre mikrovaskuläre Grundarchitektur in den großen Regeneratknoten sogar mit neu gebildeten Portalfeldern und abführenden Venulen vorhanden ist. Der Gefäßwiderstand ist kaum erhöht. Es entwickelt sich keine chronische Leberinsuffizienz.
Ursachen
Chronische Hepatitis
Unter den zahlreichen Leberzirrhose:Ursachenmöglichen Ursachen für die Entstehung einer Leberzirrhose sind weltweit chronische Verläufe einer Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virusinfektion am häufigsten. Auch die viel seltenere Autoimmunhepatitis, bei der verschiedene Autoantikörper (Kap. 14.3.2) im Serum nachweisbar sind, aber kein infektiöses Agens bekannt ist, geht oft in eine Zirrhose über.
Toxische Schäden
Chronische toxische Schädigungen durch Ethylalkohol (Kap. 14.5) sind in Deutschland am häufigsten. Daneben können auch Toxine aus der Arbeitswelt und ganz selten einmal Medikamente eine Leberzirrhose verursachen.
Metabolische Erkrankungen
Mehrere angeborene Stoffwechselerkrankungen führen zu einer Leberzirrhose. Dazu gehören die Hämochromatose (Pigmentzirrhose), die Wilson-Krankheit (Kupferspeicherkrankheit), der α1-Antitrypsin-Mangel, manche Glykogenosen, die Galaktosämie und die Fruktoseintoleranz.
Biliäre Erkrankungen
Bei den biliären Leberzirrhosen führt ein verschlechterter Galleabfluss zur Schädigung der Hepatozyten und zum knotigen Leberumbau. Die primäre biliäre Zirrhose ist durch eine vermutlich autoimmune entzündliche Zerstörung kleiner intrahepatischer Gallengänge gekennzeichnet. Sekundäre biliäre Zirrhosen entstehen bei entzündlicher oder tumorbedingter Obstruktion großer Gallengänge (Kap. 15.1.9). Die kleinen intrahepatischen Gallengänge proliferieren in diesen Fällen besonders stark (Neoductuli). Auch eine Mukovizidose kann über einen schlechten Galleabfluss zu einer biliären Leberzirrhose führen.
Hämodynamische Erkrankungen
Die chronische Blutstauung bei chronischer Rechtsherzinsuffizienz oder bei chronischem thrombotischem Lebervenenverschluss (Budd-Chiari-Syndrom) führt über eine besonders markante Maschendrahtfibrose zu einer Sonderform der Leberzirrhose, die kaum Cirrhose cardiaqueknotig umgebaut ist (Cirrhose cardiaque).
Folgen
Im Folgenden werden die extrahepatischen Auswirkungen der Leberzirrhose besprochen.
Portale Hypertension
Die Portale HypertensionLeberzirrhose:Portale HypertensionLeberzirrhose:FolgenErhöhung des Gefäßwiderstands in der zirrhotischen Leber hat unmittelbar auch die Steigerung des Pfortaderdrucks zur Folge.
Splenomegalie
Die Blutstauung führt in der Milz zu einer Splenomegalie:LeberzirrhoseLeberzirrhose:SplenomegalieSplenomegalie. Aufgrund des Stauungsdrucks kommt es zu einer Kollagenfaservermehrung in den Sinuswänden der roten Pulpa, was als FibroadenieFibroadenie der Milz bezeichnet wird. In der blutgestauten Milz ist die Passagezeit der Erythrozyten und Thrombozyten in den Sinus verlängert, was zu einem verstärkten Abbau durch die Retikulumzellen (Sinusmakrophagen) führt. Trotz einer reaktiven Hyperplasie von Erythropoese und Thrombopoese im Knochenmark können durch diesen sog. HypersplenismusHypersplenismus eine Anämie und Thrombopenie entstehen.
Anastomosenausweitung
Die portale Hypertension bewirkt oft eine Ausweitung anatomischer Anastomosen zwischen dem portalen und dem kavalen Stromgebiet in der Rektumwand und im distalen Ösophagus. Dort können Submukosavenen zu leicht verletzbaren dünnwandigen Varizen (Ösophagus:VarizenÖsophagusvarizen) aussacken und dann lebensgefährliche Blutungsquellen darstellen. Als Caput Caput medusaemedusae (MedusenhauptMedusenhaupt) wird die seltene Erweiterung periumbilikaler Venen der Bauchdecke, die über eine rekanalisierte Umbilikalvene gespeist werden, bezeichnet.
Leberinsuffizienz
Die Leber:InsuffizienzLeberinsuffizienz als Folge der Leberzirrhose entwickelt sich oft schleichend.
Verminderte Proteinsynthese
Die verminderte Leberzirrhose:LeberinsuffizienzProteinsynthese macht sich in einer Hypalbuminämie und einem damit verbundenen verminderten onkotischen Druck im Blut bemerkbar. Es können sich Ödeme, insbesondere aber Aszites (Flüssigkeit in der Bauchhöhle) bilden. Die Pathophysiologie der manchmal exzessiven Aszitesbildung (mehrere Liter, die sich in wenigen Tagen nach Punktion wieder neu bilden) ist nur unvollständig verstanden. Außer der Insuffizienz der Leber sind daran auch die portale Hypertension und eine Funktionsstörung der Niere mit einer Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems beteiligt.
Hepatorenales Syndrom
Eine Hepatorenales SyndromÜberproduktion vasokonstriktiver Substanzen wird beim sog. hepatorenalen Syndrom beobachtet, bei dem sich eine Niereninsuffizienz aufgrund von Perfusionsstörungen der sonst gesunden Nieren bei Patienten mit Leberinsuffizienz entwickelt.
Blutungsneigung
Bei Leberinsuffizienz werden im Rahmen der allgemein verminderten Proteinsynthese in der Leber auch Gerinnungsfaktoren vermindert gebildet, was zur Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese) führt.
Hepatische Enzephalopathie
Die Leberzirrhose:EnzephalopathieEnzephalopathie:hepatischeVerminderung des Harnstoffabbaus als Folge der Leberinsuffizienz und portokavaler Shunts führt zu einer Erhöhung der Ammoniakkonzentration im Blut, was über eine gestörte Synthese und Freisetzung von Neurotransmittern (z. B. Glutamin und Glutamat) neurologische Störungen, die sog. hepatische Enzephalopathie, bewirkt. In schweren Fällen gehen die neurologischen Störungen in ein hepatisches Koma über.
Weitere Auswirkungen
Glukoneogenese, Glykolyse und Lipolyse sind in der zirrhotischen Leber bei portosystemischen Shunts oder bei beginnender Leberinsuffizienz weniger gut reguliert, und die Leber verliert nach und nach ihre zentrale Rolle im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. Ein sich entwickelnder Hypogonadismus, Gynäkomastie und Bauchglatze beim Mann sollen die Folgen einer Verminderung des Östrogenabbaus in der insuffizienten Leber sein. Entgiftung und die Ausscheidung zahlreicher Toxine und Medikamente sind bei Leberzirrhose vermindert. Die Leberinsuffizienz zeigt sich auch an der Hyperbilirubinämie bzw. dem Ikterus (Gelbsucht), was auf einer Verminderung der Gallebildung und -sekretion beruht (Kap. 15.1.1.2). In zirrhotischen Lebern entwickeln sich oft Tumoren, und zwar in erster Linie das hepatozelluläre Karzinom (Kap. 14.8.2).

Lerntipp

Leberhautzeichen sind: Spider naevi, Lackzunge, Lacklippen, Palmar- und Plantarerythem, Juckreiz und Kratzspuren, Hautatrophie, Teleangiektasien und Weißnägel.

Darüber hinaus weisen Leberhautzeichenauch Gynäkomastie, Hodenatrophie, Bauchglatze, Ikterus und Caput medusae optisch auf eine Leberzirrhose hin.

Tumoren und tumorähnliche Läsionen der Leber

Tumoren können in der Leber von verschiedenen Zellen (Hepatozyten, Gallengangsepithelien, Endothelien, Perisinusoidalzellen, unreife Mesenchymzellen) ausgehen. Aufgrund ihrer differenzialdiagnostischen Bedeutung wird am Ende dieses Kapitels auch auf die fokale noduläre Hyperplasie eingegangen. An dieser Stelle sei nur kurz erwähnt, dass die Leber sehr oft Sitz von Metastasen ist, und zwar v. a. von Adenokarzinomen und neuroendokrinen Karzinomen aus dem Kolon, dem Magen, dem Pankreas, dem distalem Ösophagus, der Lunge und der Mamma.

Hepatozelluläres Adenom

Hepatozelluläre Leber:AdenomAdenom:hepatozelluläresAdenome sind von den Hepatozyten ausgehende benigne Lebertumoren, die sich histologisch nur wenig von gesundem Lebergewebe unterscheiden. Sie treten v. a. bei Frauen mittleren Alters in sonst gesunden Lebern nach mehrjähriger Einnahme von synthetischen Östrogenpräparaten auf.
Morphologie
In hepatozellulären Adenomen kommen üblicherweise keine Gallengänge vor. Sie bilden aber manchmal Galle und können deshalb grün gefärbt sein. Die azinäre Grundgliederung des Gewebes ist aufgehoben. Die Trabekel sind ein- oder zweireihig wie im normalen Lebergewebe. Eine Kapsel ist üblicherweise nicht ausgebildet. Verglichen mit dem umliegenden normalen Lebergewebe sind die Zellen des Adenoms oft ein wenig verändert, z. B. kleiner und basophiler oder größer und reicher an Glykogen und Fetttröpfchen. Da solche relativ feinen Unterschiede in zirrhotischen Lebern oft schon unter den einzelnen Regeneratknoten vorkommen, ist ein hepatozelluläres Adenom in einer zirrhotischen Leber kaum zu definieren. So kommt es zu der verbreiteten Meinung, dass hepatozelluläre Adenome nicht in Leberzirrhosen auftreten.
Folgen
Bei subkapsulärer Lage können hepatozelluläre Adenome besonders in der Gravidität rupturieren und schwere intraabdominale Blutungen verursachen. Außerdem können sie in hepatozelluläre Karzinome übergehen. In Tierexperimenten entstehen in verschiedenen Kanzerogenesemodellen hepatozelluläre Adenome zu früheren Zeitpunkten als hepatozelluläre Karzinome. Dies spricht dafür, dass beide Tumoren durch gleiche Kanzerogene erzeugt werden können und dass hepatozelluläre Karzinome aus Adenomen hervorgehen können. Es sind inzwischen molekulare unterschiedliche Typen von hepatozellulären Adenomen, die ein unterschiedlich hohes Risiko für einen Übergang in ein hepatozelluläres Karzinom in sich tragen, bekannt.

Hepatozelluläres Karzinom

Ätiologie und Pathogenese
Alle (!) Hepatozelluläres KarzinomErkrankungenLeber:Karzinom, die zu einer Leberzirrhose führen (Kap. 14.7.2), stellen auch Ursachen für die Entwicklung hepatozellulärer Karzinome Hepatozelluläres Karzinom:Ursachendar. Die wichtigsten Ursachengruppen sind angeborene Stoffwechselerkrankungen, chronische toxische Schädigungen, Autoimmunerkrankungen und Virushepatitiden. Wegen der starken Verbreitung der Hepatitis-B- und -C-Viren ist das hepatozelluläre Karzinom einer der weltweit häufigsten malignen Tumoren, da in den bevölkerungsreichen südostasiatischen Ländern ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung schon im Säuglingsalter infiziert wird und bei den chronischen Verläufen Leberzirrhosen und hepatozelluläre Karzinome schon im jungen Erwachsenenalter häufig auftreten.

Merke

Die Leberzirrhose an sich stellt nicht die Karzinomursache dar. Vielmehr bewirkt die chronische Schädigung der Hepatozyten bei der jeweiligen Grunderkrankung zahlreiche Veränderungen, die die Tumorentstehung mit begünstigen.

Hier spielen viele Faktoren eine Rolle:
  • die chronischen Veränderungen des Energie- und Kohlenhydratstoffwechsels der Hepatozyten unter veränderten metabolischen Bedingungen,

  • der parakrine Einfluss von Wachstumsfaktoren unter dem Regenerationsreiz bei Zellverlusten, wenn gleichzeitig die Proliferation aufgrund toxischer Effekte des schädigenden Krankheitsprozesses inhibiert wird, und

  • außerdem der Einfluss pathologisch veränderter Mesenchymzellen.

Je länger die zugrunde liegende Erkrankung andauert und je intensiver die Leber geschädigt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine Leberzirrhose und ein hepatozelluläres Karzinom. Manchmal tritt ein Karzinom aber auch ohne die Ausbildung einer Zirrhose auf, insbesondere bei leichterer Schädigung und langen Latenzzeiten. Es gibt natürlich auch Fälle, bei denen keine Grunderkrankung erkannt werden kann und bei denen ein hepatozellulärer Tumor in einer scheinbar gesunden Leber entsteht.
Morphologie
Hepatozelluläre Hepatozelluläres Karzinom:MorphologieKarzinome fallen makroskopisch in der zirrhotischen Leber als besonders großer Knoten auf sowie manchmal aufgrund einer veränderten Gewebefarbe. Manche Karzinome bilden Galle und sind aufgrund eines schlechten Galleabflusses grün gefärbt. Die Karzinome können in Lebervenen, Pfortaderäste oder Gallengänge einbrechen und metastasieren am häufigsten in die Lungen (Kavatyp der hämatogenen Metastasierung). Histologisch haben hoch differenzierte hepatozelluläre Karzinome relativ große Ähnlichkeit mit normalem Lebergewebe (Abb. 14.4). Sie wachsen meist grob trabekulär und proliferieren stärker als normales Gewebe. Manche hepatozellulären Karzinome bilden wie fetales oder regenerierendes Lebergewebe α-Fetoprotein.

Merke

Von den hepatozellulären Karzinomen Hepatoblastomwird das Hepatoblastom, von dem es eine embryonale und eine fetale morphologische Variante gibt, abgegrenzt. Beide Varianten treten ausschließlich im Kindesalter auf und gehören zu den blastären Tumoren.

Lerntipp

Tumormarker des HCC ist das AFP!

Tumoren der intrahepatischen Gallengänge

Gallengangsadenom
Gallengangsadenome Gallengangsadenomsind meist nur wenige Millimeter große gutartige Tumoren dicht an dicht liegender, langsam proliferierender Gänge mit einreihigem kubischem Epithel. Sie sind von grauweißer Farbe und werden v. a. zur Differenzialdiagnostik von Lebermetastasen bei Magen- oder Pankreaskarzinom exzidiert und intraoperativ im Schnellschnittverfahren untersucht.
Hepatobiliäres Zystadenom
Das Zystadenom:hepatobiliäreshepatobiliäre Zystadenom ist ein gutartiger zystischer Tumor der intrahepatischen Gallengänge, der v. a. gegenüber der einfachen Leberzyste und einer Parasitenzyste abzugrenzen ist. Zystadenome treten bei Frauen häufiger als bei Männern auf und zeigen eine hohe Rezidivfreudigkeit, da sie wegen ausknospender winziger Tochterzysten nicht leicht vollständig zu entfernen sind.
Cholangiozelluläres Karzinom
Das cholangiozelluläre Cholangiozelluläres KarzinomKarzinom der Leber ist ein maligner Tumor mit schlechter Prognose, der von den intrahepatischen Gallengängen ausgeht und in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen hat. Seine Entstehung wird durch die gleichen Faktoren wie das hepatozelluläre Karzinom begünstigt. Makroskopisch fällt es durch seine grauweiße Farbe, seine unscharfe Begrenzung und seine harte Konsistenz auf. Mikroskopisch ähnelt es anderen Adenokarzinomen, v. a. aus dem Pankreas, dem Magen und den extrahepatischen Gallenwegen, so sehr, dass man aus einer kleinen Biopsie selbst unter Zuhilfenahme immunhistochemischer Techniken nicht schließen kann, ob es sich um einen Primärtumor der Leber (cholangiozelluläres Karzinom der intrahepatischen Gallenwege) oder um eine Metastase handelt.

Mesenchymale Tumoren

Kavernöses Hämangiom
Das kavernöse Leber:HämangiomHämangiomHämangiom, kavernöses kommt in der Leber verhältnismäßig häufig vor. Es kann mehrere Zentimeter groß werden, ganz selten einmal bluten, und es thrombosiert manchmal spontan, sodass der ganze Tumor unter Hinterlassung einer Narbe ausheilen kann.
Angiosarkom
Das Angiosarkom der Leber:AngiosarkomAngiosarkom:LeberLeber ist sehr selten und verläuft wie Angiosarkome anderer Organe sehr aggressiv und meist tödlich. Es kam gehäuft nach Anwendung des radioaktiven Kontrastmittels Thorotrast und nach Exposition von Vinylchlorid vor.
Angiomyolipom
Das Angiomyolipom der Leber:AngiomyolipomAngiomyolipom:LeberLeber ist ein mesenchymaler gutartiger Mischtumor aus den in seinem Namen enthaltenen Anteilen.

Tumorähnliche Läsionen

Fokale noduläre Hyperplasie
Die fokale noduläre Leber:Hyperplasie, fokale noduläreHyperplasie:fokale noduläreHyperplasie (FNH) der Leber ist eine harmlose Veränderung von meist 2–10 cm Größe mit einer beigen oder blassgelben Farbe, oft mit zentraler Narbe. Im Gegensatz zum hepatozellulären Adenom besteht weder eine Rupturgefahr noch ein Entartungsrisiko. Es gibt auch keine prädisponierenden Faktoren. Die FNH wird ebenso wie die Lebertumoren arteriell versorgt und enthält keine Pfortaderäste. Dieser Umstand wird für Erklärungsversuche bei der Pathogenese verwendet: Ein Verlust eines kleinen intrahepatischen Pfortaderastes mit einer sekundären atypischen arteriellen Versorgung eines Leberabschnitts soll Ursache für die Entstehung der FNH sein. Bestes Unterscheidungskriterium zum hepatozellulären Adenom sind die unreifen Gallengänge, wie sie die FNH in portalfeldähnlichen Strukturen ausbildet. Beim hepatozellulären Adenom fehlen Gallengänge.
Von-Meyenburg-Komplex
Von-Meyenburg-Komplexe von-Meyenburg-KomplexeLeber:von-Meyenburg-Komplexesind multiple in den Portalfeldern vorkommende kleine Gallengangsproliferate, bei denen umstritten ist, ob sie Fehlbildungen (Hamartien) oder Tumorvorstadien der Gallengangstumoren darstellen.

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