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B978-3-437-43285-9.00008-9

10.1016/B978-3-437-43285-9.00008-9

978-3-437-43285-9

Hormone des Hypothalamus und der Hypophyse. Nicht dargestellt wurde die Feedbackregulation der Hormone des Zielorgans auf die übergeordneten Zentren. Außerdem fehlt MSH (Melanozyten-stimulierendes Hormon), das vom Hypophysenvorderlappen gebildet wird.

Hormone, die nicht vom Hypothalamus gesteuert werden

Tab. 8.1
Hormone Bildungsort Wirkung
Insulin Pankreas Senkung Blutglukosespiegel
Glukagon Pankreas Erhöhung Blutglukosespiegel
Kalzitonin Schilddrüse Senkung Kalziumspiegel, Erhöhung Phosphatspiegel
Parathormon Nebenschilddrüse Erhöhung Kalziumspiegel
Erythropoetin Niere Erythropoese
Progesteron Ovar, Plazenta Umwandlung der Uterusschleimhaut zur Sekretionsphase

Pharmakologische Parameter der verschiedenen Vasopressinrezeptoragonisten. Abkürzung: V-Rezeptor = Vasopressinrezeptor

Tab. 8.2
Desmopressin Terlipressin Felypressin
Bevorzugte Selektivität zum V-Rezeptor V2-Agonismus (zudem Antagonist an V1a) V1-Agonismus
Wirkung antidiuretischprokoagulatorisch vasokonstriktorisch
Indikationen Diabetes insipidus centralis,Gerinnungsstörungen Ösophagusvarizenblutung Zusatz bei Lokalanästhetika als Vasokonstriktor
Unerwünschte Wirkungen Hyperhydratation, Hyponatriämie Blutdruckanstieg, myokardiale Ischämie

Wirkstoffe zur Beeinflussung der Funktion der hypthalamischen und hypophysären Hormone mit Indikationen

Tab. 8.3
Wirkstoffklasse Wirkstoff Indikation
GnRH-Analoga Buserelin, Goserelin
  • Fertilitätsstörung

  • Prostata-, Mammakarzinom

  • Endometriose, Uterus myomatosus

GnRH-Rezeptorantagonist Abarelix, Ganirelix
  • Frau: bei assistierter Reproduktionstechnik

  • Mann: Prostatakarzinom

Somatostatin/-analoga Somatostatin, Octreotid
  • Ulkusblutungen, hämorrhagische Gastritis, Ösophagusvarizenblutungen (Kap. 26.4)

  • Akromegalie, endokrin aktive Tumoren

Dopaminrezeptoragonisten Bromocriptin, Cabergolin, Quinagolid
  • idiopathisches Parkinson-Syndrom (Kap. 42.3)

  • Hyperprolaktinämie, Abstillen

  • Akromegalie

Gonadotropine Gonadotropine
  • Frau: Sterilität bei anovulatorischen Zyklen, In-vitro-Fertilisation

  • Mann: hypogonadotroper Hypogonadismus

  • Jungen: Kryptorchismus

Wachstumshormon Wachstumshormon hypophysärer Minderwuchs
Wachstumshormonantagonist Pegvisomant Akromegalie
Oxytocin/-analoga Oxytocin, Carbetocin Wehenschwäche (Kap. 45.2.2), Geburtseinleitung, Austreibung der Nachgeburt, Uterusatonie, Stillprobleme
Oxytocinrezeptorantagonist Atosiban drohende Frühgeburt (Kap. 45.2.2)
ADH-Analoga Desmopressin, Terlipressin, Felypressin
  • Diabetes insipidus und Gerinnungsstörungen (Desmopressin)

  • Ösophagusvarizenblutung (Terlipressin; Kap. 26.4)

  • Zusatz Lokalanästhetika (Felypressin)

Vasopressinrezeptorantagonisten Tolvaptan SIADH

Hypothalamische und hypophysäre Hormone

  • 8.1

    Wegweiser115

  • 8.2

    Hypothalamische Hormone117

    • 8.2.1

      GnRH117

    • 8.2.2

      Somatostatin und Somatostatinanaloga118

    • 8.2.3

      Dopamin119

  • 8.3

    Hypophysäre Hormone119

    • 8.3.1

      Gonadotropine120

    • 8.3.2

      Wachstumshormon120

    • 8.3.3

      Oxytocin121

    • 8.3.4

      ADH121

  • 8.4

    Zu guter Letzt122

IMPP-Hits

Für das Hammerexamen ist dies ein untergeordnetes Kapitel. Für das systematische Lernen und für semsterbegleitende Prüfungen ist es jedoch sinnvoll, das Thema Hormone nicht zu vernachlässigen.

Das IMPP stellte bislang nur Fragen zu:

  • 1.

    GnRH-Analoga: inkl. Wirkstoffnamen, Wirkmechanismus und Indikationen

  • 2.

    Oxytocin: Indikationen

  • 3.

    sowie ziemlich aktuell zu Indikationen von Octreotid und Nebenwirkungen von Desmopressin

Wegweiser

HormoneHormone sind Botenstoffe, die – im klassischen Sinne – von Drüsen gebildet und ins Blut abgegeben werden und in einem anderen Organ eine gewisse Wirkung erzielen. Neben dieser klassischen endokrinendokrinen Wirkung gibt es auch Hormone mit parakrinparakriner Wirkung, die nach ihrer Bildung und Freisetzung auf Nachbarzellen wirken, und Hormone mit autokrinautokriner Wirkung, die die Zelle beeinflussen, in der sie gebildet wurden. Neben den bekannten Drüsen, wie z. B. Schilddrüse, Nebenniere, Pankreas, Hypophyse, können Hormone in verschiedenen anderen Organen und Geweben gebildet werden, z. B. Herz und Magen-/Darmschleimhaut.
Hormone sind essenziell und üben eine Vielzahl an Wirkungen im Organismus aus. Krankheiten können sowohl durch einen Mangel als auch durch eine Überproduktion entstehen, sodass pharmakologisch Wirkstoffe eingesetzt werden, die entweder die Hormonwirkung imitieren oder hemmen können.
Die Synthese und Freisetzung vieler Hormone erfolgt eng reguliert, häufig in einem dreistufigen System (Abb. 8.1):
  • 1.

    Ganz oben steht der HypothalamusHypothalamus, der sog. Freisetzungshormone (Releasing Hormones; grün in Abb. 8.1) oder Hemmhormone (Inhibiting Hormones; braun in Abb. 8.1) bildet.

  • 2.

    Diese erreichen direkt über das sog. PfortadersystemPfortadersystem der HypothalamusHypophyse den Hypophysenvorderlappen und steuern dort die Synthese und Sekretion der Hypophysenhormone (weiß in Abb. 8.1).

  • 3.

    Über den systemischen Blutkreislauf erreichen die Hypophysenhormone ihre Zielorgane, in denen sie die Synthese und Sekretion der effektorischen Hormone (orange in Abb. 8.1) steuern bzw. direkte Wirkungen erzielen.

Außerdem gibt es Neurone (ganz rechts in Abb. 8.1), deren Zellkörper im Hypothalamus liegen und deren Axone in den Hypophysenhinterlappen ziehen. Dort setzen die Neurone die Hormone ADH und Oxytocin frei.
Darüber hinaus gibt es auch Hormone, die nicht einer hypothalamischen Kontrolle unterliegen, sondern z. B. direkt durch metabolische Veränderungen gesteuert werden (Tab. 8.1).
Aus didaktischen Gründen wurden die Hormone und die entsprechenden Pharmaka auf mehrere Kapitel verteilt:
  • hypothalamische und hypophysäre Hormone: Kap. 8

  • Steroidhormone: Kap. 9

  • Gewebehormone: Kap. 10

  • Pankreashormone: Kap. 11

  • Hormone von Schilddrüse und Nebenschilddrüse: Kap. 12

  • Erythropoetin: Kap. 25.3.3

Hypothalamische Hormone

HypothalamushormoneHormone:hypothalamischeWie in Abb. 8.1 erkennbar ist, bildet der Hypothalamus zahlreiche Hormone. Aus pharmakologischer Sicht werden einige nur für diagnostische Zwecke eingesetzt (CRH, TRH, GHRH) und sollen in diesem Buch nicht weiter vertieft werden. Therapeutisch sind folgende hypothalamischen Hormone wichtig:
  • GnRH

  • Somatostatin

  • Dopamin

GnRH

Physiologie
GnRHDas Gonadotropin-Releasing-Gonadotropin-Releasing-HormonHormon (GnRH) wird vom Hypothalamus pulsatil freigesetzt, und zwar durchschnittlich alle 120 min beim Mann und alle 90 min bei der Frau (in der Follikelphase des menstruellen Zyklus; etwas längere Intervalle in der Lutealphase). Im Hypophysenvorderlappen bindet GnRH über spezifische Rezeptoren an den gonadotropen Zellen und fördert die Synthese und Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH. Pharmakologisch werden sowohl GnRH-Rezeptoragonisten (GnRH-Analoga) als auch GnRH-Rezeptorantagonisten verwendet.
GnRH-Rezeptoragonisten (GnRH-Analoga)
GnRH-Rezeptoragonisten

Wirkstoffe

BuserelinBuserelin · GoserelinGoserelin

Lerntipp

Es gibt noch eine Reihe anderer GnRH-Rezeptoragonisten. Sie enden alle auf -relin.

Wirkmechanismus
Buserelin, Goserelin und Co. sind hochaktive GnRH-Analoga, die an den GnRH-Rezeptor der gonadotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens binden. Je nach Art der Anwendung können sie die Sekretion von LH und FSH steigern aber auch hemmen. Bei einmaliger oder pulsatiler Gabe erhöhen sie die Sekretion von LH und FSH und damit auch die Estrogen- und Testosteronsynthese. Bei kontinuierlicher Wirkung kommt es jedoch zu einer Down-Regulation der GnRH-Rezeptoren, sodass es nach einer intialen Steigerung der Gonadotropine nach 2–3 Wochen zu einer Abnahme von LH und FSH sowie der Estrogene und von Testosteron kommt. Die Abnahme der Sexualhormone ist derart ausgeprägt, dass man auch von chemischer Kastration, chemischechemische KastrationKastration spricht. Nach Absetzen der GnRH-Analoga ist dieser Effekt reversibel.

Merke

Gabe der GnRH-Rezeptoragonisten:

  • einmalig: kurzfristige hypophysäre LH- und FSH-Freisetzung

  • langfristig pulsatil (alle 60–90 min): Imitation der physiologischen GnRH-Sekretion → LH- und FSH-Freisetzung ↑ → Stimulation der Estrogen- bzw. Testosteronsynthese

  • langfristig kontinuierlich: zunächst gesteigerte LH- und FSH-Freisetzung. Nach 2–3 Wochen Hemmung der LH- und FSH-Freisetzung durch Down-Regulation der GnRH-Rezeptoren in der Hypophyse: Estrogenproduktion im Ovar ↓ bzw. Testosteronsynthese im Hoden ↓ (= chemische, reversible Kastration).

Indikationen

  • Die einmalige Gabe von GnRH dient der Diagnostik der Hypophysenfunktion bei Hypogonadismus (sog. GnRH-Test). Bei normaler Hypophysenfunktion steigt LH nach GnRH-Gabe an.

  • Die langfristige pulsatile Gabe, z. B. über Pumpen oder als Nasenspray wird bei Frauen zur Behandlung von hypothalamisch bedingten Fertilitätstörungen eingesetzt. Bei Jungen kann so ein Kryptorchismus behandelt werden.

  • Die langfristige kontinuierliche i.m.-Gabe dient der Therapie des fortgeschrittenen hormonempfindlichen Prostata- und Mammakarzinoms, der Endometriose und des Uterus myomatosus. Um bei der Therapie des Prostatakarzinoms den initialen Testosteronanstieg (sog. Flare-Phänomen) durch das GnRH-Analogon zu verhindern, wird für die ersten 4 Wochen zusätzlich ein Antiandrogen verabreicht.

GnRH-Rezeptorantagonisten
GnRH-Rezeptorantagonisten

Wirkstoffe

AbarelixAbarelix · GanirelixGanirelix

Lerntipp

Es gibt noch eine Reihe anderer GnRH-Rezeptorantagonisten. Sie enden alle auf -relix.

Nochmal zum besseren Einprägen:

  • GnRH-Rezeptoragonisten: -relin

  • GnRH-Rezeptorantagonisten: -relix: „Der Asterix ist der Antagonist."

Wirkmechanismus
Es handelt sich um kompetitive Antagonisten am GnRH-Rezeptor. Dadurch heben sie die Wirkung von GnRH auf die Synthese und Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH auf. Folglich fällt auch der Spiegel der Sexualhormone Estrogen bzw. Testosteron. Die Wirkung entspricht einer hormonalen, reversiblen Kastration. Im Gegensatz zur Dauertherapie mit einem GnRH-Rezeptoragonisten (Kap. 8.2.1.1) bewirken die Antagonisten einen sofortigen Abfall der Gonadotropine und Sexualhormone ohne vorübergehenden Anstieg (kein Flare-Phänomen).
Indikationen
GnRH-Rezeptorantagonisten werden in der Reproduktionsmedizin und beim fortgeschrittenen hormonabhängigen Prostatakarzinom angewandt.
  • Bei Frauen werden GnRH-Rezeptorantagonisten im Rahmen einer assistierten Reproduktionstechnik verwendet (zur Eizellentnahme bei In-vitro-Fertilisation), um einen vorzeitigen Anstieg von LH und somit einen vorzeitigen Eisprung zu vermeiden.

  • Da einige sexualhormonabhängige Tumoren GnRH-Rezeptoren exprimieren, können Antagonisten für therapeutische Zwecke genutzt werden. Beispiel ist das fortgeschrittene hormonabhängige Prostatakarzinom.

Unerwünschte Wirkungen
Ältere Präparate konnten durch Histaminfreisetzung anaphylaktoide Reaktionen bewirken. Außerdem kann eine Verlängerung der QT-Zeit auftreten.

Somatostatin und Somatostatinanaloga

Somatostatin

Wirkstoffe

Somatostatin · OctreotidOctreotid

Physiologie
Somatostatin wird vom Hypothalamus freigesetzt und hemmt die Sekretion von Wachstumshormon (Kap. 8.3.2). Deshalb kann Somatostatin zur Behandlung der Akromegalie verwendet werden. Allerdings hat Somatostatin noch zahlreiche weitere Wirkungen. So hemmt es u. a. auch die Freisetzung gastrointestinaler Hormone (z. B. Insulin, Glukagon), es hemmt die Salzsäureproduktion im Magen und verringert die Durchblutung im Splanchnikusbereich. Es gibt mindestens fünf Somatostatinrezeptor-Subtypen. Viele endokrin aktive Tumoren exprimieren Somatostatinrezeptoren, sodass sich dadurch ein pharmakologischer Angriffspunkt für die Tumortherapie ergibt.
Wirkmechanismus
Octreotid ist ein Somatostatinanalogon mit längerer Halbwertszeit als Somatostatin sowie etwas anderer Affinität zu den einzelnen Subtypen des Somatostatinrezeptors. Somatostatinanaloga vermitteln somit in Abhängigkeit vom entsprechenden Rezeptor-Subtyp die Wirkungen von Somatostatin.
Indikationen
Somatostatin
Somatostatin wird bei schweren Ulkusblutungen, hämorrhagischer Gastritis und Ösophagusvarizenblutungen genutzt. Günstig ist der Einsatz bei Leberzirrhose und portaler Hypertonie, da Somatostatin die Leberdurchblutung vermutlich durch lokale Vasokonstriktion vermindert und damit den portalen Druck verringert.
Octreotid
Octreotid wird bei der Akromegalie und bei endokrin aktiven Tumoren verwendet.
Unerwünschte Wirkungen
Aufgrund der Hemmung von Glukagon fällt zunächst der Blutzucker ab. Wegen der Hemmung von Insulin steigt er dann nach 2–3 h wieder an. Bei langfristiger Therapie können Gallensteine auftreten, vermutlich aufgrund einer verminderten Gallenblasenkontraktion.

Dopamin

Physiologie
DopaminDopamin ist einerseits Vorstufe bei der Synthese zum Noradrenalin (Abb. 2.5, Kap. 2.4), selbst aber auch Transmitter und Hormon. Im ZNS wird Dopamin in drei wichtigen Regionen gebildet:
  • Im Hypothalamus wird Dopamin freigesetzt und gelangt über die Portalgefäße in den Hypophysenvorderlappen (tubero-infundibuläres Systemtubero-infundibuläres System).

  • In der Substantia nigra liegen dopaminerge Neurone, die zum Nucleus caudatus und Putamen ziehen (nigro-striatale Bahnnigro-striatale Bahn).

  • Zudem ziehen dopaminerge Neurone vom Mesenzephalon zum limbischen System (mesolimbische Bahnmesolimbische Bahn).

Von den fünf DopaminrezeptorenDopaminrezeptoren sind von besonderer Bedeutung:
  • D1-Rezeptoren: kommen in Nierengefäßen vor und bewirken eine Vasodilatation.

  • D2-Rezeptoren: kommen im Corpus striatum, im Hypophysenvorderlappen, in der mesolimbischen Bahn, im Hypothalamus und in der Area postrema vor.

Dopamin des tubero-infundibulären Systems bindet im Hypophysenvorderlappen an D2-Rezeptoren auf laktotropen Zellen und hemmt dort die Prolaktinfreisetzung. Deshalb finden Dopaminrezeptoragonisten therapeutisch Anwendung, wenn die Prolaktinspiegel gesenkt werden sollen.
Ansonsten ist ein Dopaminmangel das Charakteristikum des idiopathischen Parkinson-Syndroms, sodass dabei therapeutisch der zentrale Dopaminersatz bzw. Dopaminrezeptoragonisten von Bedeutung sind.
Dopamin kann auch direkt therapeutisch angewandt werden, wirkt dann aber nur peripher (passiert nicht die Blut-Hirn-Schranke) und bindet an periphere Dopaminrezeptoren sowie in steigender Konzentration auch an adrenerge Rezeptoren (β- und α-mimetisch). Deshalb wurde es früher häufig (heute seltener) i. v. zur Behandlung von Schockpatienten eingesetzt (Kap. 2.4.2.1).
Dopaminrezeptoragonisten
Dopaminrezeptoragonisten

Wirkstoffe

BromocriptinBromocriptin · CabergolinCabergolin · QuinagolidRopinirol

Weitere Dopaminrezeptoragonisten sind in Kap. 22.4 näher erläutert.
Wirkmechanismus
Über D2-Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen bewirken die Substanzen eine Hemmung der Prolaktinfreisetzung.
Indikationen
Abgesehen vom idiopatischen Parkinson-Syndrom, bei dem ein Dopaminmangel durch Dopaminrezeptoragonisten ausgeglichen werden soll, werden diese Substanzen immer dann angewandt, wenn eine Hyperprolaktinämie behandelt werden muss. Dazu zählen prolaktinbedingte Fertilitätsstörungen, Amenorrhö, Galaktorrhö, Prolaktinome. Auch beim Abstillen können sie eingesetzt werden. Eine weitere Indikation ist die Akromegalie, bei der sie die Freisetzung von Wachstumshormon hemmen können.
Unerwünschte Wirkungen
Über D2-Rezeptoren in der Area postrema werden Übelkeit und Erbrechen ausgelöst. Hyperkinesien resultieren über eine Stimulation der Rezeptoren im Striatum, psychomotorische Störungen aufgrund der Stimulation im limbischen System.
Für alle weiteren Details wird auf Kap. 22.4 verwiesen.

Hypophysäre Hormone

HypophysenhormoneWie beim Hypothalamus werden von der Hypophyse HormoneHormone:hypophysäre gebildet, die keine therapeutische Bedeutung haben und nur für diagnostische Zwecke eingesetzt werden (TSH, ACTH) und daher in diesem Buch nicht weiter vertieft werden. Prolaktin hat ebenfalls keine pharmakologische Bedeutung (seine Hemmung durch Dopaminrezeptoragonisten hingegen schon, Kap. 8.2.3.1). Aus therapeutischer Sicht sind folgende hypophysäre Hormone wichtig:
  • Gonadotropine (LH, FSH)

  • Wachstumshormon

  • Oxytocin

  • ADH

Gonadotropine

Physiologie
GonadotropineVom Hypophysenvorderlappen werden unter Stimulation von GnRH die Gonadotropine FSH (follikelstimulierendes Hormonfollikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormonluteinisierendes Hormon) gebildet:
  • LHLH löst bei der Frau die Ovulation aus, führt zur Umwandlung des Follikels in den Gelbkörper und fördert die Progesteronbildung. Beim Mann stimuliert LH die Androgensynthese in den Leydig-Zellen.

  • FSHFSH führt bei der Frau zum Wachstum der Follikel und fördert die Estrogenproduktion; beim Mann die Spermienbildung.

Strukturell eng verwandt ist zudem das von der Plazenta gebildete HCG (humanes Choriongonadotropin), das überwiegend LH-Aktivität besitzt.
Wirkmechanismus
Zur Behandlung werden heutzutage meist rekombinante Gonadotropine verwendet, die die Funktionen der endogenen Gonadotropine übernehmen.
Indikationen
Bei der Frau werden Gonadotropine zur Stimulation von Follikelbildung und Ovulation, bei Sterilität mit anovulatorischen Zyklen und zur In-vitro-Fertilisation zur Gewinnung von Eizellen verwendet. Beim Mann kann ein hypogonadotroper Hypogonadismus und beim Jungen ein Kryptorchismus behandelt werden.
Unerwünschte Wirkungen
Durch Überstimulation kann es zu enormer Ovarvergrößerung kommen. Zudem können Mehrlingsschwangerschaften auftreten.

Wachstumshormon

Physiologie
WachstumshormonDie Freisetzung von Wachstumshormon (STHSTH, somatotropes Hormonsomatotropes Hormon; GHGH, Growth Growth-HormonHormone; SomatotropinSomatotropin) aus dem Hypophysenvorderlappen wird durch das hypothalamische Hormon GHRH stimuliert und durch Somatostatin gehemmt. Nachts ist die Sekretion am höchsten. Andererseits wird die Freisetzung u. a. durch Glukose, Glukokortikoide und freie Fettsäuren gehemmt. Das Wachstumshormon vermittelt seine Wirkung in quasi allen Körperzellen und kann entweder direkt oder zumeist indirekt über die Bildung von IGF-1IGF-1 (Insulin-Like-Growth-Faktor 1Insulin-Like-Growth-Faktor 1, auch Somatomedin CSomatomedin C genannt) wirken. Es fördert das Wachstum von Knorpel, Knochen und Muskeln, erhöht den Blutglukosespiegel, fördert die Eiweißsynthese und Lipolyse. Ein Mangel führt bei Kindern zu Kleinwuchs, eine überschießende Produktion an Wachstumshormon, z. B. durch Tumoren, bewirkt eine Akromegalie.
Therapeutisch genutztes Wachstumshormon

Wirkstoffe

Gentechnisch hergestelltes Wachstumshormon

Wirkmechanismus
Es wird gentechnisch hergestelltes Wachstumshormon verwendet, das die physiologischen Wirkungen des Hormons imitiert.
Indikationen
Wachstumshormon wird zur Substitution bei hypophysärem Minderwuchs bei Kindern eingesetzt. Auch Erwachsene können bei Mangel an Wachstumshormon von einer Substitution profitieren – nicht durch Längenwachstum, aber u. a. durch Veränderung der Körperzusammensetzung, Verbesserung der Leistungsfähigkeit, Zunahme der Knochendichte.
Unerwünschte Wirkungen
Es kann zu Blutzuckererhöhungen und peripheren Ödemen kommen.
Wachstumshormonantagonisten
Wachstumshormonantagonisten

Wirkstoffe

PegvisomantPegvisomant

Wirkmechanismus
Pegvisomant ist ein Antagonist am Wachstumshormonrezeptor und hebt somit die Wirkungen vom Wachstumshormon auf.
Indikation
Pegvisomant dient der Behandlung der Akromegalie.

Merke

Zur Behandlung der Akromegalie werden folgende Therapiekonzepte verwendet:

  • Hemmung der Hormonwirkung: Pegvisomant

  • Hemmung der Hormonfreisetzung aus der Hypophyse: Somatostatinanalogon Octreotid, Dopaminrezeptoragonisten

Oxytocin

Physiologie
OxytocinOxytocin wird vom Hypophysenhinterlappen freigesetzt und führt zu Kontraktionen der glatten Muskulatur im Uterus und der Milchdrüse. Der Uterus ist am Ende der Schwangerschaft bei hohem Östrogenspiegel besonders empfindlich für Oxytocin.
Oxytocin und Oxytocinagonisten zur Therapie

Wirkstoffe

Oxytocin · Carbetocin

Wirkmechanismus und Indikationen
Oxytocin und der lang wirksame Oxytocinagonist CarbetocinCarbetocin werden insbesondere aufgrund ihrer Wirkungen auf die Uterusschleimhaut klinisch verwendet bei:
  • Wehenschwäche: Oxytocin darf im Gegensatz zu den Mutterkornalkaloiden auch während der Geburt und nicht erst in der Nachgeburtsphase angewandt werden, da weniger unerwünschte Wirkungen beim Kind zu erwarten sind.

  • Geburtseinleitung bei vorzeitigem Blasensprung

  • Austreibung der Nachgeburt

  • Uterusatonie

  • Stillprobleme (Oxytocin per Nasenspray).

Unerwünschte Wirkungen/Kontraindikationen
Unerwünschte Wirkungen Kontraindikationen
schmerzhafte Dauerkontraktion des Uterus, Blutdruckabfall Geburtskomplikationen (Querlage des Kindes, Nabelschnurkomplikationen), drohende Uterusruptur
Oxytocinrezeptorantagonist
Oxytocinrezeptorantagonist

Wirkstoffe

AtosibanAtosiban

Wirkmechanismus und Indikation
Atosiban ist ein kompetitiver Antagonist am Oxytocinrezeptor. Somit hebt er die Oxytocinwirkung auf. Es kommt zur Uterusrelaxation. Atosiban wird folglich bei drohender Frühgeburt eingesetzt.

ADH

Physiologie
ADHADH (antidiuretisches Hormonantidiuretisches Hormon) wird aufgrund seiner vasokonstriktorischen Wirkung auch als Vasopressin bezeichnet. Im Prinzip hat es drei Wirkungen:
  • 1.

    Vasokonstriktion: wird über den V1a-Rezeptor in glatten Muskelzellen von Gefäßen vermittelt.

  • 2.

    Antidiurese: Diese Wirkung erzielt es in der Niere, indem es die Rückresorption von Wasser in den distalen Tubuli und Sammelrohren erhöht. Vermittelt wird dieser Effekt über den in der Niere exprimierten Vasopressin-V2-Rezeptor.

  • 3.

    Prokoagulation: ADH fördert die Synthese des Von-Willebrand-Faktors und von Faktor VIII (prokoagulatorische Wirkung); vermutlich auch über V2-Rezeptoren.

Die Freisetzung von ADH erhöht sich u. a. bei Zunahme der Osmolarität des Plasmas, Blutdruckabfall, Volumenmangel.
Vasopressinrezeptoragonisten (ADH-Analoga)
Vasopressinrezeptoragonisten

Wirkstoffe

DesmopressinDesmopressin · TerlipressinTerlipressin · FelypressinFelypressin

Wirkmechanismus, Indikationen, unerwünschte Wirkungen
Die Vasopressinrezeptoragonisten imitieren die Wirkung von Vasopressin, allerdings haben sie unterschiedliche Affinitäten zu den Rezeptorsubtypen (Tab. 8.2).
Vasopressinrezeptorantagonisten
Vasopressinrezeptorantagonisten

Wirkstoffe

TolvaptanTolvaptan

Wirkmechanismus
Tolvaptan ist ein Antagonist am Vasopressin-V2-Rezeptor. Es bewirkt eine verstärkte Ausscheidung von freiem Wasser. Tolvaptan wird daher auch als Aquaretikum bezeichnet, da es im Gegensatz zu den Saluretika nicht die Natriumausscheidung steigert. Der Urin wird hypoosmolar, das Serum hypernatriämisch.
Indikation
Tolvaptan dient der Behandlung des Syndroms der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), bei dem es infolge einer gesteigerten ADH-Sekretion, z. B. nach Schädel-Hirn-Trauma oder bei bestimmten Tumoren, zur Hyponatriämie und Hyperhydratation kommt. Da bei einer Herz- und Leberinsuffizienz ebenfalls eine Hyponatriämie auftreten kann, kommt es evtl. auch in Deutschland irgendwann zu einer Erweiterung der Indikation für diese Erkrankungen.
Unterwünschte Wirkungen
Entsprechend dem Wirkmechanismus kann es zu Hypernatriämie, Pollakisurie, Polydipsie kommen.

Cave

Die Natriumkonzentration darf nicht zu schnell gesteigert werden wegen der Gefahr der osmotischen Demyelinisierung.

Zu guter Letzt

Lerntipp

Da die verschiedenen Wirkstoffe zur Beeinflussung der Funktion der hypothalamischen und hypophysären Hormone ganz unterschiedliche Indikationen haben, sind sie abschließend zum besseren Lernen noch einmal in Tab. 8.3 mit Verweisen zu den klinischen Kapiteln zusammengefasst. Ein klinischer Fall wurde für dieses Kapitel nicht erstellt, da es keine besondere Prüfungsrelevanz hat.

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