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B978-3-437-44433-3.00009-X

10.1016/B978-3-437-44433-3.00009-X

978-3-437-44433-3

Serosa (1) des viszeralen Peritoneum:viscerale\"\iPeritoneums. ➔ Peritonealepithel; ▶ Blutkapillare; 2 Tunica muscularis des Kolons. Colon transversum, Rhesusaffe; H. E.-Färbung; Vergr. 450-fach.

Serosa des parietalen Peritoneum:parietale\"\iPeritoneums in einer EM-Aufnahme. 1 Peritonealepithel\"\iPeritonealepithel mit einzelnen relativ langen Mikrovilli; 2 postkapilläre Venole:postkapilläre\"\iVenole; 3 subepitheliales Bindegewebe; 4 Fettzelle\"\iFettzelle; 5 Fibrozyt\"\iFibroblast; 6 Lumen der Abdominalhöhle. Abdominalhöhle, Mensch; Vergr. 3.770-fach.

Serosaepithel\"\iEpithel:Serosa\"\iSerosaepithel des parietalen Peritoneum:parietale\"\iPeritoneums in einer EM-Aufnahme. ➔ Pinozytosebläschen; 1 Zellkern; 2 Kollagen (hat hier keinen Kontrast); 3 Mitochondrien; ▶ Anschnitte durch Mikrovilli. Abdominalhöhle, Mensch; Vergr. 36.600-fach.

Serosaepithel\"\iEpithel:Serosa\"\iSerosaepithel des viszeralen, milzbedeckenden Peritoneum:viscerale\"\iPeritoneums in einer EM-Aufnahme. Das Peritonealepithel ist hier annähernd kubisch, besitzt große euchromatinreiche Kerne und einen gut entwickelten Organellenbestand sowie zahlreiche Mikrovilli. Unter dem Epithel befindet sich straffes Bindegewebe. Milz, Mensch; Vergr. 3.000-fach.

Viszerales Peritoneum:viscerale\"\iPeritoneum. Die Oberfläche der Serosa ist in diesem Präparat infolge der Kontraktion der Muskularis (M) gefaltet. Gut erkennbar sind die zahlreichen kleinen Blutgefäße (∗), hier überwiegend von postkapillären Venole:postkapilläre\"\iVenolen. Ileum, Rhesusaffe; Plastikschnitt, H. E.-Färbung; Vergr. 450-fach.

Viszerale Pleura:visceralis\"\iPleura. Viszerales Blatt der Serosa der Pleurahöhle (Mensch). ➔ elastische FasernFaser:elastische; ▶ Makrophage:Kohlestaub\"\iMakrophagen mit Kohlestaub in der Kollagenfaserschicht; 1 Alveole\"\iAlveolen der Lunge. Färbung: Elastika; Vergr. 250-fach.

Seröse Häute

U. Welsch

  • 9.1

    Serosa337

    • 9.1.1

      Mesothel (Serosaepithel)338

    • 9.1.2

      Submesotheliales Bindegewebe338

  • 9.2

    Versorgung mit Blut- und Lymphgefäßen340

Haut:seröseDie Körperhöhlen (Pleurahöhle, Perikardhöhle, Peritonealhöhle, aber auch das von der Tunica vaginalis testis begrenzte Cavum serosum testis) entstammen dem Zölom des Embryos, also epithelial ausgekleideten Höhlen des Mesoderms. Sie werden von Lunge, Herz, Magen-Darm-Trakt und Hoden ausgefüllt. Die eigentliche Höhle ist beim Erwachsenen ein schmaler, mit hyaluronanreicher Flüssigkeit ausgefüllter Spaltraum. Die Wand der Höhlen wird seröse Membran, seröse Haut, Serosaüberzug oder auch einfach Serosa genannt. Sie besitzt ein parietales Blatt (bildet die äußere Wand) und ein viszerales Blatt (bedeckt die Organoberfläche), die im Bereich eines „Meso“ ineinander übergehen. Derartige Höhlen werden entsprechend auch seröse Höhlen genannt. Die feuchte glatte Oberfläche der serösen Häute erlaubt Bewegungen und Verschiebungen der Organe in ihrer Höhle.

Innerhalb der Abdominalhöhle haften die intraabdominalen Organe (Milz, Magen, Darm und Leber) über Kapillarkräfte verschieblich aneinander, an der Wand der Höhle und am Zwerchfell, sodass die kapilläre Adhäsion dem Eigengewicht der Organe entgegenwirkt. Auch bei physiologischer Verkleinerung von Organen (z. B. im Falle der Harnblase) entstehen in der Bauchhöhle keine „freien“ Räume.

Serosa

Pleura-, Perikard-, Abdominalhöhle und Cavum serosum testis werden von einer Serosa (= serösen Membran = serösen Haut) ausgekleidet. Die Oberfläche dieser serösen Membran ist glatt und feucht und wird von einem Plattenepithel (SerosaMesothel:Serosa\bMesothel) gebildet. Die Organe, die in diesen Hüllen liegen, sind außen ebenfalls von einer Serosa bedeckt und können sich in ihr leicht bewegen oder auch ihre Form verändern.
Die Serosa bildet insgesamt 2 Blätter:
  • parietales Blatt (kleidet die Wand der Höhle aus)

  • viszerales Blatt (bedeckt die Oberfläche der Organe, Abb. 9.1, Abb. 9.2)

Beide Blätter sind im Bereich von Umschlagfalten oder mittels eines „Meso“ kontinuierlich miteinander verbunden. Ein „Meso“ ist eine dünne, von Mesothel bedeckte, passiv bewegliche Bindegewebsplatte, in der die Versorgungsstrukturen für die in der Körperhöhle gelegenen Organe verlaufen. Dort, wo im „Meso“ größere von Bindegewebe begleitete Gefäße verlaufen oder wo es durch kräftige Bindegewebsfasern verstärkt ist, spricht man von einem Ligament. Die spiegelglatte, feuchte Serosa (Abb. 9.1) besteht aus dem Serosaepithel und einer subepithelialen (submesothelialen) Bindegewebsschicht. Beide gehen aus dem Mesoderm hervor, das Epithel wird daher oft Mesothel genannt.
Der spaltförmige Raum der Höhlen enthält eine geringe Menge (im Falle der Pleurahöhle ca. 10 ml) Flüssigkeit, deren Bildung und Resorption beim Gesunden im Gleichgewicht steht. Sie ist klar, proteinarm, aber relativ kohlenhydratreich. Durch die Flüssigkeit sind Lungen, Herz, Magen-Darm-Trakt und Hoden beweglich und verschieblich. In der Peritonealhöhle kommen verbreitet Makrophagen vor.

Klinik

Erguss, SerosaBei verschiedenen Krankheiten, v. a. bei Entzündungen, ist diese Flüssigkeit der Körperhöhlen vermehrt. Man spricht dann von einem Erguss. Ein Erguss kann exsudativ (relativ eiweißreich) oder transsudativ sein. Ursachen eines Ergusses sind u. a. Entzündungen, bösartige Tumoren, Linksherzversagen und Mangelzustände der Ernährung, v. a. Hypalbuminämie. Bei einem fibrinhaltigen Exsudat kann es zur Verklebung von viszeralem und parietalem Blatt der Serosa kommen.

Mesothel (Serosaepithel)

Das Epithel der serösen Häute wird meistens Mesothel genannt. Die Mesothelzellen sind meist flach oder seltener auch kubisch (Abb. 3.1.3, Abb. 9.1, Abb. 9.2, Abb. 9.4, Abb. 10.31, Abb. 13.43) und liegen auf einer BasallaminaEpithel:Serosa.SerosaepithelMesothel Basallamina:MesothelSie enthalten sowohl Vimentin- als auch Keratinfilamente und tragen apikal locker angeordnete, relativ lange Mikrovilli (Abb. 9.2), an deren Spitzen Adhäsionsmoleküle vorkommen. Das raue ER ist reichlich in der Zelle zu finden. Mitochondrien können recht zahlreich sein. Der Golgi-Apparat ist gut entwickelt. Pinozytosebläschen sind häufig (Abb. 9.3), und größere Vakuolen finden sich regelmäßig. Die Epithelzellen sind über Tight Junctions, Gap Junctions, Zonulae adhaerentes und z. T. auch Desmosomen (z. B. auf der Milz) verbunden. Die Membranen des Mesothels enthalten Aquaporine.

Submesotheliales Bindegewebe

Das submesotheliale Bindegewebe enthält Fibroblasten und besteht vorwiegend aus KollagenfasernKollagen:Typ IKollagen:Typ IIIBindegewebe:submesotheliales (Typ I und Typ III), elastischen Fasern, Hyaluronan, Proteoglykanen und Glykoproteinen. Sowohl Mesothelzellen als auch Zellen des submesothelialen Bindegewebes reagieren rasch auf verschiedene Stimuli und können schnell proliferieren. Zum submesothelialen Bindegewebe gehören auch freie Zellen, z. B. Makrophagen und Mastzellen, sowie Blut- und Lymphkapillaren, die in unterschiedlicher Häufigkeit vorkommen (Abb. 9.5).
In verschiedenen Bereichen der einzelnen Körperhöhlen ist die submesotheliale Bindegewebsschicht unterschiedlich aufgebaut, was den jeweiligen funktionellen Anpassungen entspricht. Parietal ist das Bindegewebe z. B. faserreicher als viszeral. Bei manchen Organen, z. B. Milz und Leber, ist ein eigenes viszerales Bindegewebe von der Organkapsel kaum abgrenzbar. Andererseits kann unterhalb des submesothelialen Bindegewebes einer serösen Haut oft noch eine Bindegewebsschicht als Tela subserosa Tela:subserosaabgegrenzt werden, die die Verbindung zu angrenzenden Geweben, z. B. zur Tunica muscularis, herstellt. Hier können z. T. umfangreiche Mengen an Fettzellen eingebaut werden. Verformbare Organe enthalten im subserösen Bindegewebe reichlich elastische Fasern. Das parietale Blatt ist reich sensibel innerviert und sehr schmerzempfindlich (Schmerzen bei Pleuritis und Peritonitis). Auch im viszeralen Blatt treten sensible Fasern auf, unter denen aber nur wenige Schmerzfasern sind.
Eine typische Verteilung von elastischen Fasern im viszeralen Blatt der Serosa der Pleurahöhle (= viszerale Pleura) des Menschen verdeutlicht Abb. 9.6. Auch im Bindegewebe der viszeralen Serosa von Darm und Herz sind elastische Fasern reich entwickelt. Weitere Besonderheiten der Pleura visceralis sind in Kap. 8.6.2 beschrieben. Dicke und Struktur der Pleura visceralis (und auch anderer seröser Häute) sind bei den einzelnen Säugetieren recht unterschiedlich.

Versorgung mit Blut- und Lymphgefäßen

Wichtig für das Verständnis der Funktion der serösen Membranen ist die Kenntnis ihrer Versorgung mit Blut- und Lymphgefäßen. Sowohl viszerale als auch parietale Serosa besitzen kontinuierliche Blutkapillaren und Venolen. Beiden Kapillarnetzen entstammt mittels eines Transsudationsprozesses die Flüssigkeit der jeweiligen Körperhöhle, was man sich z. B. bei der Peritonealdialyse zunutze macht. In der Pleurahöhle überwiegt vermutlich normalerweise der Beitrag der parietalen Kapillaren. Diese Flüssigkeit wird im Falle der Pleurahöhlen ganz überwiegend über Lymphgefäße der parietalen Serosa abgeführt, in deren Epithel 2–12 μm große Löcher (Stomata) beschrieben worden sind, über die Ab-, aber auch Zufluss von Flüssigkeit möglich ist. Auch im Peritonealepithel kommen solche Stomata vor, über die Lymphkapillaren mit der Bauchhöhle kommunizieren. Nach klinischen Erfahrungen kann Flüssigkeit aus der Peritonealhöhle durch kleine Löcher im Zwerchfell in die Pleurahöhle eindringen. Produktion und Rückresorption dieser Flüssigkeiten stehen beim Gesunden im Gleichgewicht.Blutgefäß:SerosaSerosa:BlutgefäßeSerosa:Lymphgefäße

MERKE

Die Serosa der Körperhöhlen besteht aus flachem Mesothel und submesothelialem Bindegewebe mit vielen Blut- und Lymphgefäßen. Die Serosa produziert hyaluronanreiche Flüssigkeit, die Bewegungen und Verschiebungen der Organe, die in diesen Höhlen liegen, ermöglicht. Produktion und Resorption der Flüssigkeit stehen beim Gesunden im Gleichgewicht. Ein Erguss entsteht, wenn die Produktion durch Krankheitsprozesse stark gesteigert oder wenn der Abfluss behindert ist.

Lernhinweise zu Kapitel 9 ▸ im Anhang

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