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B978-3-437-44433-3.00015-5

10.1016/B978-3-437-44433-3.00015-5

978-3-437-44433-3

Mamma:Drüsenstrukturen\"\iDrüsenstrukturen in der nicht laktierenden Brust-(Milch-)Drüse (Schema).

Mamma:Gangsystem\"\iBrustdrüse:Gangsystem\"\iGangsystem (nicht laktierende Milchdrüse). ∗ kleinerer Ast der Milchgänge; ➔ Tubuloalveoli in Drüsenläppchen. Rhesusaffe; Häutchenpräparat; Färbung: Eisenhämatoxylinfärbung:Brustdrüse\"\iHämatoxylin; Vergr. 20-fach.

Milchgang\"\iMilchgang (nicht laktierende Milchdrüse) mit zweischichtigem Epithel, ∗ Lumen. Mensch; H. E.-Färbung; Vergr. 250-fach

Mamma:Drüsenläppchen\"\iBrustdrüse:Drüsenläppchen\"\iDrüsenläppchen (nichtlaktierende Milchdrüse). 1 intralobuläre terminale Gänge, denen Tubuloalveolus, Brustdrüse\"\iTubuloalveoli (2) ansitzen; ∗ zellreiches Mantelgewebe der Läppchen (intralobuläres Bindegewebe); 3 interlobuläres Bindegewebe. Mensch; H. E.-Färbung; Vergr. 150-fach.

Zytokeratin 19Zytokeratin:19, Nachweis\"\i (CK19). Immunhistochemischer Nachweis in den Epithelzellen eines Drüsenläppchens (nichtlaktierende Milchdrüse). Mensch; Vergr. 250-fach.

Protein bcl-bcl-2\"\i2. Immunhistochemischer Nachweis (relativ kräftige Braunfärbung einzelner Zellen) des protektiven Proteins bcl-2 in den Drüsenläppchen (nichtlaktierende Milchdrüse). Das Protein bcl-2 schützt Zellen vor der Apoptose:Protein bcl-2\"\iApoptose. ➔ bcl-2-positive Zellen. Mensch; Vergr. 250-fach.

Brustdrüse:Progesteronrezeptor\"\iProgesteronrezeptor. Immunhistochemischer Nachweis in Zellkernen (Rotbraunfärbung) von Endstücken und terminalen Gängen der nicht laktierenden Brustdrüse. Mensch; Vergr. 250-fach.

Laktierende Brustdrüse:laktierende\"\iMilchdrüse. Die Endstücke der tubuloalveolären Milchdrüse bestehen aus kubischen bis prismatischen Epithelzellen, die apikal oft weit in das Lumen ragende Vorwölbungen ausbilden (➔). In den Vorwölbungen liegen bis zu 5 μm große Lipidtropfen, die apokrin sezerniert werden. Mensch; H. E.-Färbung; Vergr. 200-fach.

(Aus [R252])

Zytokeratin 7Zytokeratin:7, Nachweis\"\i (CK7). Immunhistochemischer Nachweis in einem kleinen Milchgang\"\iMilchgang (1) und in Alveolen (2) einer laktierende Milchdrüse. Mensch; Vergr. 250-fach.

Apikale Zellmembran laktierender Brustdrüse:Epithelzellen\"\iMilchdrüsenepithelzellen. Nachweis von Bindungsstellen des Erdnusslektins (PNA, engl. peanut agglutinin, Braunfärbung) in der apikalen Zellmembran. Das PNA erkennt bestimmte Oligosaccharidkomponenten von Membranglykoproteinen. ∗ Lumen der Drüsenalveolen. Die positive PNA-Reaktion findet sich nur in sekretorisch aktiven Drüsen. Auch die abgeschnürten Milchfettkugeln besitzen eine PNA-positive Membran (z. B. links, untere Bildhälfte). Afrikanischer Elefant; Vergr. 150-fach.

Feinstruktur laktierender Brustdrüsenzelle:laktierende\"\iMilchdrüsenzellen (Schema). Das Milchfett wird mittels apokriner Mechanismen sezerniert, die Milchfettkugeln tragen einen dichten Besatz negativ geladener Muzine. Milcheiweiße (z. B. Kasein), Milchzucker u. a. werden exozytotisch aus Sekretionsgranula freigesetzt.

(Aus [R252])

Apikales ZytoplasmaZytoplasma:Brustdrüsenzellen\"\i einer laktierenden Milchdrüsenzelle in einer EM-Aufnahme. 1 Lumen der Alveole; 2 Golgi-Apparat; 3 Sekretionsgranula mit Kaseinmizellen. ➔ Kaseinmizellen im mit Milch gefüllten Lumen; 4 raues ER; 5 Lipidtropfen. Ratte; Vergr. 20.700-fach.

Lipidtropfen (1) in einer laktierenden Brustdrüsenzelle:laktierende\"\iMilchdrüsenzelle. ➔ Lipidtropfen, die im Begriff sind, apikal ins Lumen abgeschnürt zu werden. 2 Myoepithelzelle:Brustdrüse\"\iMyoepithelzelle; 3 Lumen der Alveole. Afrikanischer Elefant; Vergr. 3.760-fach.

Interlobuläres Brustdrüse:Bindegewebe\"\iBindegewebe:Brustdrüse\"\iBindegewebe in der laktierenden Mamma:Bindegewebe\"\iMamma. 1 Lymphgefäße mit Klappen (➔). 2 Läppchen mit laktierenden Drüsenzellen. Afrikanischer Elefant; H. E.-Färbung; Vergr. 250-fach.

Mamille\"\iBrustwarze\"\iMamille, Übersichtsvergrößerung. 1 Milchsinus\"\iMilchsinus; 2 längs angeschnittener Ductus papillarisDuctus:papillaris (insgesamt sind 4 Ductus papillares angeschnitten); 3 Epidermis; ➔ Bündel glatter Muskelzellen. Mensch; H. E.-Färbung; Vergr. 12-fach.

Mamille:Bindegewebe\"\iBrustwarze:Bindegewebe\"\iBindegewebe in der Mamille. Dieses Bindegewebe ist durch zahlreiche unterschiedlich ausgerichtete glatte Muskelzellen gekennzeichnet (➔). Rhesusaffe; H. E.-Färbung, Vergr. 130-fach.

Basale Region der Mamille. 1 Milchsinus\"\iMilchsinus; 2 Ductus papillarisDuctus:papillaris; ➔ glatte Muskulatur. Mensch; H. E.-Färbung; Vergr. 150-fach.

Montgomery-Montgomery-Drüse\"\iDrüsen im Warzenhof. Mensch; H. E.-Färbung, Vergr. 130-fach.

Bestandteile der Milch im Vergleich.Protein:MuttermilchLinolsäure, MuttermilchLaktose, MuttermilchKalzium:MuttermilchFett, Muttermilch

Tab. 15.1
Gehalt (je 100 ml) Mensch Kuh
Energie (kcal) 69 66
Protein (g) 0,9–1,2 3,3
Verhältnis Molke-Protein zu Kasein 80 : 20 20 : 80
Fett (g) 3,8 3,7
Linolsäure (% des Gesamtfetts) 13 4
Laktose (g) 7 4,5
Mineralstoffe (Asche in g) 0,2 0,7
Kalzium (mg %) 30 125
Phosphor (mg %) 15 95

Weibliche Brust und Brustdrüse

U. Welsch

  • 15.1

    Drüsenkörper529

    • 15.1.1

      Gangsystem529

    • 15.1.2

      Drüsenläppchen531

    • 15.1.3

      Binde- und Fettgewebe536

  • 15.2

    Warzenhof und Brustwarze536

  • 15.3

    Hormonale Steuerung der Brustdrüse538

Brust (MammaMamma) und BrustdrüseBrustdrüse (Milchdrüse, Gl. Glandula:mammariamammaria) sind Strukturen, die bei beiden Geschlechtern entlang der Milchleiste gleichartig angelegt werden. Nur bei der Frau erfährt die Brust nach der Pubertät eine weitere Entwicklung. Das epitheliale Drüsengewebe entwickelt sich aus der embryonalen Epidermis unter dem Einfluss mütterlichen Prolaktins und Östrogens und plazentaren Progesterons. Beim männlichen Fetus bildet sich das Drüsengewebe bis auf einzelne Milchgänge unter dem Einfluss von Testosteron zurück.

In medizinisch-biologischer Hinsicht kommt der weiblichen BrustdrüseBrustdrüse bzw. Brust auf dreierlei Weise eine wichtige Bedeutung zu:

  • Sie bildet die Milch, die für den Neugeborenen und Säugling in den ersten Lebensmonaten die natürliche Nahrung ist und alle erforderlichen Nährstoffe enthält.

  • Die weibliche Brust besitzt im Verhalten zwischen den Geschlechtern Signal- und Auslöserfunktion.

  • Von der Brustdrüse geht bei der Frau die häufigste bösartige Geschwulst aus, das Mammakarzinom.

Drüsenkörper

Zur Orientierung

Funktionell wichtigster Bestandteil der Mamma ist der Brustdrüsenkörper, der auf jeder Seite aus 12–20 eng miteinander verbundenen einzelnen Brustdrüsen besteht, die alle getrennt auf der Brustwarze ausmünden. Wichtigste Abschnitte des Gangsystems sind (vom Ausmündungsbereich bis zu den Endstücken) der große Ausführungsgang (liegt in der Brustwarze), der Milchsinus, die Milchgänge (Ductus lactiferi) und die terminalen zarten Endverzweigungen (Terminalgänge), die mit den Endstücken in den Läppchen in Verbindung stehen. Das Gangsystem hat ein zweischichtiges Epithel.

Die Drüsenendstücke in den Drüsenläppchen unterscheiden sich stark je nach Funktionsphase: Nicht laktierend sind sie kleine knospenartige Gebilde mit sehr engem Lumen, kubischen bis prismatischen Epithelzellen und mehr oder weniger gut ausdifferenzierten Myoepithelzellen. In der laktierenden Drüse bilden die Endstücke weitlumige Alveolen mit milchbildenden Drüsenepithelzellen und verzweigten Myoepithelzellen. Die laktierenden Epithelzellen bilden die Bestandteile der Milch. Das Milchfett wird apokrin abgegeben, Milchproteine, Milchzucker und andere Komponenten werden mittels Exozytose ausgeschleust. Das Milchkasein bildet spezifische, im Elektronenmikroskop erkennbare Kaseinmizellen. Die Milchbildung steht unter dem Einfluss von Prolaktin, das Auspressen der Milch wird vom Oxytozin beeinflusst.

Zwischen den Drüsenläppchen ist im Stroma der nicht laktierenden Drüse ein umfangreiches Binde- und Fettgewebe ausgebildet, das während der Schwangerschaft und der Laktation zugunsten der wachsenden Milchdrüse zurückgebildet wird.

Wesentlicher Bestandteil der Mamma:DrüsenkörperMamma ist der Drüsenkörper (Corpus Corpus:mammaemammae), der sich aus Binde- und Fettgewebe sowie den epithelialen Drüsenstrukturen zusammensetzt. Ursprünglich sind in jeder Mamma 12–20 Einzeldrüsen (Drüsenlappen) angelegt, die aber bei der erwachsenen Frau kaum noch als Einzelstrukturen zu unterscheiden sind. Jeder Drüsenlappen zeigt aber seine Eigenständigkeit dadurch, dass er mit einem eigenen Ausführungsgang an der Oberfläche der Mamille ausmündet.
Das epitheliale Drüsengewebe eines Drüsenlappens differenziert sich in ein ausgedehntes Gangsystem und Drüsenläppchen (Abb. 15.1).

Gangsystem

MilchgängeDer Hauptabschnitt des Gangsystems sind die verzweigten Milchgänge (Ductus lactiferi). Ihre Endverzweigungen sind die zarten terminalen Gänge, die das Sekret der Endstücke eines Drüsenläppchens (Lobulus) aufnehmen (Abb. 15.2). Terminale Gänge und Endstücke werden auch als „duktuloterminale Mamma:GangsystemEinheit:duktuloterminaleBrustdrüse:GangsystemEinheit“ (engl. „terminal duct lobular TDLU (terminal duct lobular unit)unit“, TDLU; deutsch: terminale duktulolobuläre Einheit = Terminalductus-Lobulus-Einheit, TDLE) bezeichnet. Die terminalen Gänge dringen bis in die Drüsenläppchen vor, wo sie in der nicht laktierenden Drüse nicht scharf gegen die Endstücke abgegrenzt sind.
Milchsinus und AusführungsgangMilchsinusDie MilchgangMilchgänge bilden kurz vor ihrer Mündung im basalen Bereich der Brustwarze eine Erweiterung, den Milchsinus (Sinus lactifer Sinus:lactifer colligenscolligens). Der Milchsinus setzt sich in den Mamma:AusführungsgangBrustdrüse:AusführungsgangAusführungsgang:BrustdrüseAusführungsgang (Ductus Ductus:excretoriusexcretorius = Ductus papillarisDuctus:papillaris) fort, der in der Brustwarze verläuft und an ihrer Spitze ausmündet. Die Ausführungsgänge münden beim Menschen getrennt voneinander aus, ihre Zahl entspricht der der Drüsenlappen, also 12–20.
MorphologieIm histologischen Präparat finden sich meist mehrere Anschnitte der Milchgänge unterschiedlichen Durchmessers im straffen Bindegewebe zwischen den Drüsenläppchen (Abb. 15.2). Die Milchgänge können ins Lumen vorspringende Falten bilden und sind dicht von elastischen Fasern umsponnen. Ihre Wand wird von einem zweischichtigen kubischen Epithel aufgebaut, dessen basale Schicht aus Myoepithelzelle:BrustdrüseMyoepithelzellen besteht (Abb. 15.3). Die apikale Zellschicht ist reich an Keratinfilamenten. Sie ist in geringem Maße sekretorisch aktiv und trägt apikal eine gut ausgebildete Glykokalyx.MammakarzinomBrustkrebs

Klinik

Bösartige Veränderungen in der Brust (Brustkrebs, Mammakarzinom) entstehen meist durch ungehemmte Proliferation der Gangepithelien oder, viel seltener, der Tubuloalveoli der Läppchen. Brustkrebs ist eine klonale Erkrankung, die auf eine transformierte Zelle zurückgeht und sich über eine lange Zeit unbemerkt entwickelt. Vorsorge und frühe Diagnose sind daher besonders wichtig. Bei der Entstehung von Brustkrebs haben genetische Faktoren, Hormone (Abb. 15.7) – insbesondere Östrogene – und vermutlich auch Umweltfaktoren einen Einfluss. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland kommt es im Jahr zu ca. 70.000 Neuerkrankungen und ca. 10.000–15.000 Todesfällen. Die Inzidenz nimmt zu. In Ostasien erkranken Frauen viel seltener an Brustkrebs als in Mitteleuropa. Sie weisen niedrigere Östrogen- und Progesteronspiegel auf als Frauen in den USA und Europa. Hinsichtlich der Prognose sind mehrere Variablen wichtig, z. B. Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Nachweis von Tumorzellen in den Mikrogefäßen. Das Mammakarzinom metatasiert zunächst über Lymphbahnen in die regionalen Lymphknoten (meist in der Achselhöhle), dann hämatogen in Knochen, Haut, Lunge, Leber und Gehirn. Brustkrebs tritt selten auch bei Männern auf.

Drüsenläppchen

Die Struktur der epithelialen Läppchenstrukturen unterscheidet sich bei nichtlaktierenden und laktierenden Drüsen erheblich.
Nichtlaktierende Drüse
TubuloalveoliInMamma:DrüsenläppchenBrustdrüse:DrüsenläppchenBrustdrüse:nicht laktierendeMamma:nicht laktierendeTubuloalveolus, Brustdrüse der nichtlaktierenden („ruhenden“) Drüse sind Ausführungsgang und Milchsinus, die verzweigten Milchgänge, interlobuläre Gänge sowie terminale Gänge und ihnen zugehörige kleine, einfache Läppchen ausgebildet (Abb. 15.2, Abb. 15.4). Diese Läppchen bauen sich aus wenig verzweigten tubulusähnlichen Endstücken („Tubuloalveoli“, heute oft auch Azini Azinus:Brustdrüsegenannt) auf, die aus kubischen bis prismatischen zytokeratinreichen Epithelzellen (Milchdrüsenepithelzellen, Abb. 15.5) und einzelnen Basalzellen bestehen. Letztere sind meist gering oder mäßig ausdifferenzierte Myoepithelzellen. In den Tubuloalveoli kommt es im Laufe eines Monatszyklus zu proliferativen, apoptotischen und sekretorischen Prozessen (Abb. 15.6, Abb. 15.7). Eine variable Zahl von Epithelzellen exprimiert in ihren Kernen Östrogen- und Progesteronrezeptoren (Abb. 15.7). Das Lumen der Tubuloalveoli ist eng und im Lichtmikroskop oft nicht zu erkennen. Die Tubuloalveoli münden in den unscharf abgesetzten Anfangsabschnitt der terminalen Gänge ein, der aus dem Läppchen austritt und sich mit einem kleinen interlobulären Gang verbindet. In den intralobulären Anteilen der terminalen Gänge kommen einzelne epitheliale Stammzellen der Drüsen vor.
Sekretorische Leistungen der GangepithelienDie Epithelzellen der Gänge – auch die der laktierenden Brustdrüse – bilden eine ganze Reihe antimikrobieller Peptide und Proteine, z. B. Defensine, Lysozym und Transferrin. Außerdem bilden sie verschiedene Muzine und besitzen eine stark negativ geladene Glykokalyx, was die Besiedelung durch Mikroorganismen behindert. Das Muzinmuster verändert sich bei Erkrankungen der Brustdrüse in kennzeichnender Art und Weise.
Laktierende Drüse
Während der Schwangerschaft wandelt sich die nichtlaktierende Drüse zur laktierenden Drüse um. Die Laktation beginnt zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes.
Mamma:laktierendeBrustdrüse:laktierendeVeränderungenIn der laktierenden Drüse gehen die intralobulären Endverzweigungen des Gangsystems kontinuierlich in die jetzt gut abgrenzbaren weitlumigen, dicht nebeneinanderliegenden alveolären Endstücke über (Abb. 15.8, Abb. 15.9). Die Wand der sezernierenden Endstücke der laktierenden Alveolen besteht aus einer einschichtigen Lage von kubischen und prismatischen Epithelzellen (Milchdrüsenepithelzellen, Mammaepithelzellen, Laktozyten) und Myoepithelzellen sowie einer Basallamina.
Laktierendes EpithelIn Epithel:laktierendesder laktierenden Drüse bieten die sezernierenden Endstücke (Alveolen) der einzelnen Läppchen ein variables Bild. Sie sind in unterschiedlichem Ausmaß mit Milch gefüllt, das Lumen kann also weit oder eng sein, und die Höhe des laktierenden Epithels variiert erheblich. Aktiv sekretbildend und mit Milchfettkugeln gefüllt sind die Epithelzellen hochprismatisch und besitzen einen vorgewölbten Apex; nach exo- und apokriner Abgabe des Sekrets sind sie nur von kubischer Gestalt. Laktierende Milchdrüsenepithelzellen (s. u.) exprimieren an ihrer apikalen Zellmembran spezielle Kohlenhydrate, die sich mithilfe von Lektinen, insbesondere dem Erdnusslektin („PNA = peanut agglutinin“), nachweisen lassen (Abb. 15.10).
Milchdrüsenepithelzellen
ZellkontakteDie Drüsenepithelzellen sind über Zonulae occludentes (Tight Junctions), Zonulae adhaerentes, Maculae adhaerentes und Nexus (Gap Junctions) verbunden (Abb. 15.11). Ausdehnung und Konfiguration der Zonulae occludentes verändern sich vor und während der Laktation erheblich. Unmittelbar vor der Geburt sind die Tight Junctions recht durchlässig, was z. T. die Ähnlichkeit der Vormilch (Kolostrum, Milch der ersten Tage nach der Geburt) mit dem Blutplasma erklärt. In den ersten Tagen nach der Geburt nimmt die Durchlässigkeit stark ab. Die meisten Transportprozesse finden dann während der Laktation transzellulär statt.
BrustdrüsenzelleBrustdrüse:EpithelzellenZytoplasma und MilchbestandteileDas ZytoskelettZytoskelett:Brustdrüsenzellen (Aktin- und Keratinfilamente, Mikrotubuli) der Zellen ist stark entfaltet. Die DrüsenepithelzellenZytoplasma:Brustdrüsenzellen besitzen in der Laktationsphase ein reich entwickeltes raues ER, in dem die Milcheiweiße und das Milchfett synthetisiert werden. Der supranukleäre Golgi-Apparat ist sehr umfangreich. Aus dem Golgi-Apparat gehen große sekretorische Vesikel (Granula) hervor, die u. a. Milcheiweiße (z. B. Kasein, Laktoferrin, Laktalbumin) enthalten. In diese Vesikel wird auch der im Golgi-Apparat synthetisierte Milchzucker (Laktose) eingeschlossen, was zu einem erheblichen Einstrom von Wasser, Ionen und kleinen Molekülen führt. Das Kasein bildet spezielle Aggregate (Mizellen, Abb. 15.12). Kalzium, Phosphat und Zitrat werden überwiegend an die Kaseinmizellen gebunden; Kalzium wird zusätzlich durch eine Ionenpumpe sezerniert. Der Inhalt der Vesikel wird exozytotisch ausgeschleust. Nach Freisetzung des Inhalts dieser relativ großen Vesikel strömt dann, vor allem wegen der Laktose, Wasser auch ins Lumen der Endstücke, was Voraussetzung dafür ist, dass die Milch eine Flüssigkeit ist.
Parathormon-verwandtes ProteinInteressant ist, dass das laktierende Drüsenepithel erhebliche Mengen an Parathormon-verwandtem Protein (Protein:Parathormon-verwandtesPTH-RP) bildet. Dies Protein ist strukturell und funktionell dem Parathormon verwandt, vermutlich beeinflusst es den Kalziumtransport.
MilchfettkugelnBrustdrüsenzelle:MilchfettkugelnDas MilchfettkugelMilchfett (Triglyzeride) Triglyzeride:Milchfettkugelnsammelt sich in der Zelle in Form von bis zu 4–5 μm großen Tropfen, die apokrin abgegeben werden (Abb. 15.13). Dies bedeutet, dass die abgeschnürten Milchfettkugeln in der Milch von einer Plasmamembran umhüllt sind. Die Membran der Milchfettkugeln trägt beim Menschen wie die apikale Zellmembran eine komplexe Glykokalyx aus verschiedenen Glykoproteinen, darunter Muzinen (MUC1, MUC3 u. a.) mit negativen Ladungen. Wahrscheinlich spielt diese Glykokalyx Glykokalyx:Brustdrüsenzelleneine Rolle bei der Infektabwehr im Darm des Neugeborenen. Des Weiteren kommen in der Milchfettkugelmembran Proteine vor, darunter Xanthinoxidase und Butyrophilin, einem Protein der Immunglobulinsuperfamilie. Milch enthält alle für normales Wachstum und Gedeihen erforderlichen chemischen Komponenten, darunter auch Jodid, das die Drüsenepithelzellen, in ähnlicher Weise wie die Schilddrüsenepithelzellen, anreichern können. Tab. 15.1 gibt einen Überblick über die wichtigsten Bestandteile der Milch von Mensch und Kuh.
Eine gesunde Frau bildet ca. einen halben bis zu einem Liter Milch pro Tag. Die Dauer des Stillens wird oft von kulturellen Einflüssen oder Modeströmungen bestimmt; bei manchen Völkern oder bei schlechten äußeren Bedingungen können Kinder bis zum 5. Lebensjahr gestillt werden, wobei diese Form der Ernährung dann meistens nur noch eine untergeordnete Funktion hat.
KolostrumKolostrumDie Milch der ersten Tage nach der Geburt wird Vormilch oder Kolostrum genannt, ihre Bildung beginnt schon im 3. Schwangerschaftsmonat. Kolostrum enthält, wie die reife Milch, Immunglobuline, vor allem sekretorisches dimeres IgA, wobei die Vormilch mehr von diesen Molekülen enthält als die reife Milch. Weiteres Merkmal des recht dickflüssigen, gelblichen, eiweißreichen, aber fettarmen Kolostrums sind die in variabler Menge auftretenden Leukozyten (darunter Neutrophile, Eosinophile und Lymphozyten), unter denen die sog. Kolostrumkörperchen besonders auffallen. Bei diesen handelt sich um fettbeladene phagozytierende Zellen monozytären Ursprungs.
HexenmilchUnter Hexenmilchdiesem Begriff versteht man Milchabsonderung aus der Milchdrüse Neugeborener, die durch im kindlichen Körper noch vorhandene plazentare und mütterliche Steroidhormone verursacht werden.
Myoepithelzellen
Die Myoepithelzellen entsprechen in ihrem Aufbau glatten Muskelzellen. Sie sind in den kleineren Gängen spindelförmig und relativ dicht gepackt und bilden im Epithel der Alveolen basal gelegene verzweigte Zellen. Die Myoepithelzellen bauen hier ein korbähnliches Geflecht auf und sind über Desmosomen und Gap Junctions untereinander verknüpft. In den Alveolen und den Drüsengängen spielen sie eine wesentliche Rolle beim Auspressen der Milch aus der Drüse und besitzen Rezeptoren für das in der Neurohypophyse freigesetzte Hormon Oxytozin, das sie stimuliert.
Involution
Ende der StillperiodeNach Abschluss der Laktationsphase kommt es zur Rückbildung (Involution) der Drüsenepithelien. Die Milchsekretion versiegt, wenn die Brust nicht mehr vollständig entleert wird. Gestautes Sekret wird von Makrophagen phagozytiert, die Alveolen zerfallen, und es bleiben nur die Gänge und einfache Läppchen mit weitgehend ruhenden Endstücken (Abb. 15.4) erhalten. Beim Abbau der Alveolen spielen TGFβ-3-induzierte Apoptosevorgänge und Makrophagen eine erhebliche Rolle, auch der Abbau der Basallamina Myoepithelzelle:BrustdrüseMamma:InvolutionInvolutionBrustdrüse:InvolutionBasallamina:Mammaist von wesentlicher Bedeutung bei der Involution.
KlimakteriumWenn Klimakterium:BrustdrüseBrustdrüse:Klimakteriumim Laufe des Klimakteriums die Ovarialfunktion zurückgeht, kommt es zur sog. Altersinvolution der Milchdrüse. Die Drüsenläppchen bilden sich mit Absinken der Östrogen- und Progesteronspiegel nach der Menopause in ihrer Gesamtheit zunehmend zurück. Es bleibt nur ein Rest des Gangsystems erhalten. Im Epithel der Gänge können Unregelmäßigkeiten mit Zellvermehrung auftreten.

Binde- und Fettgewebe

Interlobuläres BindegewebeDas Bindegewebe:BrustdrüseBindegewebe Mamma:Bindegewebedes Drüsenkörpers zwischen den Läppchen (interlobuläres straffes Bindegewebe, Abb. 15.1, Abb. 15.4, Abb. 15.14) ist kollagenfaserreich, relativ zellarm und enthält unterschiedlich große Areale mit univakuolären Fettzellen. Das FettgewebeBrustdrüse:FettgewebeFettgewebe:MammaMamma:Fettgewebe nimmt mit dem Alter zu. Größere Blutgefäße sowie Lymphgefäße (Abb. 15.14) sind häufig anzutreffen.
Intralobuläres BindegewebeDas Bindegewebe der Läppchen zwischen den Endstücken (intralobuläres Bindegewebe, Mantelgewebe) Mantelgewebeist dagegen faserarm, proteoglykanreich, zellreich und reich an kleinen Blutgefäßen. Es enthält nicht nur aktive Fibroblasten, sondern auch Plasmazellen, Lymphozyten und Makrophagen. Mastzellen treten vereinzelt im Mantelgewebe und in großer Zahl im straffen Bindegewebe zwischen den Läppchen auf. Dem Mantelgewebe kommt bei Wachstums- und Rückbildungsprozessen der epithelialen Drüsenstrukturen eine besondere Bedeutung zu. Seine Proteoglykane Proteoglykane:Mantelgewebebinden nicht nur Wasser, sondern auch Proteasen, Inhibitoren von Proteasen und Signalmoleküle (z. B. Wachstumsfaktoren: EGF, TGFβ, IGF). Die Wachstumsfaktoren werden über die Milch vom Neugeborenen aufgenommen. Sie spielen eine Rolle beim Wachstum des kindlichen Verdauungstrakts.

Klinik

Eine Vergrößerung der männlichen Brust wird Gynäkomastie genannt. Sie kann pathologisch oder physiologisch sein. Unter pathologischer Gynäkomastie versteht man eine vergrößerte Brust aufgrund vermehrten Drüsengewebes und proliferierenden Stromagewebes bei Männern. Mögliche Ursachen sind z. B. Defekte der Testosteronsynthese oder überschießende Östrogenbildung. Letztere ist die Ursache für die Gynäkomastie bei chronischen schweren Lebererkrankungen, bei denen die Leber den Östrogenabbau nicht mehr bewältigt. Häufig wird eine pathologische Gynäkomastie durch Medikamente, z. B. Antidepressiva, Kalziumkanalblocker, ACE-Hemmer und Diazepam, verursacht. Eine sog. physiologische Gynäkomastie besteht oft bei Neugeborenen beiderlei Geschlechts, in der Pubertät und im hohen Alter bei Männern.

Gutartige Veränderungen der Brust treten in großer Vielzahl vor allem bei Frauen auf, und zwar im Bereich des Drüsenepithels oder des Bindegewebes, oft sogar gleichzeitig in beiden Gewebeformen. Meistens handelt es sich um sog. fibrozystische Veränderungen mit kleinen Zysten und Hyperplasie von Drüsenepithel und Bindegewebe. Wenn die Hyperplasien atypisch sind, besteht ein erhebliches Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.Gynäkomastie

Warzenhof und Brustwarze

Im Warzenhof (Areola) und WarzenhofAreolain der Brustwarze (Mamille) MamilleBrustwarzekommt reichlich sympathisch innervierte glatte Muskulatur vor (Abb. 15.15, Abb. 15.16), die sich durch mechanische Reizung (z. B. durch die Saugbewegungen des Mundes des Säuglings) kontrahieren kann. Dadurch kommt es zur Verfestigung und Erektion der Brustwarze. Das komplexe System der glatten Muskulatur steht mit feinen verzweigten elastischen Sehnen in Zusammenhang, die v. a. in der Dermis und der Epidermis der Brustwarze verankert sind (elastisch-muskulöses System).
AusführungsgängeIn der Mamille:AusführungsgängeBrustwarze:AusführungsgängeAusführungsgang:MamilleMamille finden sich 12–20 Ausführungsgänge (= Ductus papillaresDuctus:papillaris, Abb. 15.15, Abb. 15.17), die aus den weitlumigen Milchsinus hervorgehen.
Montgomery-DrüsenDer Montgomery-DrüseWarzenhof enthält 20–30 geknäuelte tubuläre Montgomery-Drüsen, die in ihrer histologischen Struktur apokrinen Duftdrüsen entsprechen (Abb. 15.18). Die sekretorischen Endstücke bestehen aus basalen Myoepithelzellen und den sezernierenden Epithelzellen, deren Höhe je nach Funktionszustand variiert. Der Ganganteil ist zweischichtig kubisch. Das Sekret der Montgomery-Drüsen ist gelblich orange gefärbt und dient der luftdichten Verbindung zwischen der Mamille und den Lippen des Säuglings während des Trinkvorgangs.
Weitere Bestandteile.Des Weiteren kommen im Warzenhof viele kleine Talgdrüsen (ohne Beziehung zu Haaren) und einzelne Schweißdrüsen vor. In der Epidermis des Warzenhofs und der Mamille finden sich viele Melanozyten und zahlreiche Pigmentkörnchen in den Keratinozyten.

Hormonale Steuerung der Brustdrüse

In der Kindheit unterliegt die Brustdrüse keinem hormonellen Einfluss. In der Pubertät wird das Wachstum von Brust und Brustdrüse vor allem durch Östrogene reguliert. In der Schwangerschaft wächst und differenziert sich die Drüse insbesondere unter der synergistischen Kontrolle von Östrogenen, Progesteron, Prolaktin und plazentarem Laktogen. Während der Laktation steuert das Prolaktin der Adenohypophyse die Synthese der Milch im Drüsenepithel. Während dieser Zeit besteht die Adenohypophyse zu 60–80 % aus prolaktinbildenden Zellen. Oxytozin, Oxytozin:BrustdrüseMamma:hormonale SteuerungBrustdrüse:hormonale Steuerungdas in neurosekretorischen Zellen des Zwischenhirns gebildet und in der Neurohypophyse freigesetzt wird, ist verantwortlich für die Kontraktion der Myoepithelzellen und das Auspressen der Milch. An den meisten der genannten Funktionen sind auch Insulin, Thyroxin, Glukokortikoide und Wachstumshormone beteiligt.

Klinik

Unter Galaktorrhö versteht man pathologische Milchsekretion aufgrund fehlgesteuerter Prolaktinsekretion bei Frauen und Männern. Dem liegt ein Versagen der hypothalamischen Hemmung der Prolaktinsekretion durch Dopamin zugrunde. Auch zahlreiche Medikamente, die das ZNS beeinflussen (psychotrope Substanzen, Antiemetika, Methyldopa), führen zu vermehrter Prolaktinsekretion.Galaktorrhö

Lernhinweise zu Kapitel 15 ▸ im Anhang

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