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B978-3-437-42104-4.00004-5

10.1016/B978-3-437-42104-4.00004-5

978-3-437-42104-4

Durst: diagnostisches Vorgehen bei anhaltender Polydipsie [6]

Tab. 17
Polydipsie (4–5l/d)
Diabetes mellitus Blutzucker
Chronische Niereninsuffizienz Harnstoff-N, Kreatinin, Astrup, K+
Conn-Syndrom Astrup, K+; RR; Aldosteron; MRT oder CT Nebenniere
Hyperkalzämie Ca-Bestimmung
Polydipsie (6–20l/d)
Diabetes insipidus centralis Durstversuch: UOSM < POSM; ADH-Applikation: UOSM ↑ > 50 %, ADH-Konzentration: < 2 pg/ml;
CT oder MRT Schädel
Diabetes insipidus renalis Durstversuch: UOSM < POSM; ADH-Applikation: UOSM ↑ < 50 %, ADH-Konzentration: < 2–8 pg/ml;
Medikamentenanamnese
Psychogene Polydipsie Durstversuch: UOSM > POSM; ADH-Applikation: UOSM ↑ < 5 %, ADH-Konzentration:
< 2–8 pg/ml

Dyspnoe: Einteilung nach Schweregraden, Skala der American Thoracic Society (ATS)

Tab. 18
0 keine Dyspnoe
1 leichte Dyspnoe Kurzatmigkeit bei schnellem Gehen in der Ebene, bei leichten Anstrengungen
2 mittlere Dyspnoe Kurzatmigkeit bei langsamem Gehen, Pausen zum Atemholen
3 schwere Dyspnoe Gehstrecke maximal 100 m in der Ebene, Pausen nach wenigen Metern
4 sehr schwere
Dyspnoe
Patient kann das Haus nicht mehr verlassen, Atemnot bei alltäglichen Verrichtungen

Dyspnoe: wichtige Begleitsymptome und typische Ursachen

Tab. 19
Symptom Ursache
Husten Fremdkörper, Pneumonie, Tuberkulose, Bronchitis
Hämoptoe Tumor, Infarkt, Bronchiektasen, Tuberkulose
atemabhängiger Brustschmerz Lungenembolie, Pleuropneumonie
inspiratorischer Stridor Glottisödem, Fremdkörper, Laryngitis spastica
exspiratorischer Stridor Asthma bronchiale
Durst Azidose, Urämie
Herzklopfen Herzrhythmusstörung
Ödeme Herzinsuffizienz
Auswurf Bronchitis, Bronchiektasen

D

Diarrhö

Definition

Die Stuhlentleerung erfolgt zu häufig, die Stühle sind zu flüssig und mengenmäßig zu viel (mehr als 300 g/d). Davon ist die häufige Entleerung normal geformter Stühle ebenso abzugrenzen wie die sog. falsche oder paradoxe Diarrhö infolge stenosierender Prozesse im Bereich des distalen Kolons, die zur Stuhlverhaltung mit sekundärer Stuhlverflüssigung führen (Obstipation).

Ursachen

Akute Diarrhö
Infektion, Nahrungsmittelvergiftung
Bakterien
Salmonellen, Shigellen, E. coli (zunehmend wichtig: enterohämolytische E. coli), Proteus, Aerobacter, Pyocyaneus, Vibrio cholerae; außerhalb des Körpers gebildete Toxine von Staphylokokken, Clostridien, (Clostridium difficile: pseudomembranöse Kolitis), Streptokokken.
Viren
Enteroviren wie Echo-, Coxsackie- oder Polioviren, häufig Rotaviren, Noroviren.
Pilze
Candida albicans (bes. unter Antibiotikatherapie bei Resistenzgeminderten).
Parasiten
Entamoeba histolytica, Lamblien, Askariden, Bandwürmer, Hakenwürmer (nicht obligat von Durchfällen begleitet).
Reisediarrhö
Genese meist unbekannt.
Toxisch-medikamentös
Schwermetalle
Arsen, Quecksilber, Blei, Chrom.
Medikamente
Laxanzien, Digitalis, Zytostatika, Antibiotika, Ganglienblocker.
Genussmittel
Alkohol-, Nikotin-, Kaffee-Abusus.
Alimentär-allergisch
Nahrungsmittelunverträglichkeit/-idiosynkrasie.
Unspezifische Entzündung
Akuter Schub oder Beginn einer chronischen ulzerativen Kolitis, antibiotika-induzierte Kolitis.
Strahlen
Röntgen- oder Radiumbestrahlung bes. des Abdomens.

Merke

Die akute Diarrhö klingt spontan oder nach Absetzen der Noxe innerhalb einiger Tage meist wieder ab (cave: Typhus, Ruhr, Cholera!). Eine bakteriologische oder virologische Untersuchung des Stuhls oder des Nahrungsmittels oder eine serologische Abklärung kommt daher oft zu spät.

Chronische oder chronisch-rezidivierende Diarrhö
Funktionell-nervös
Colon irritabile, psychogene Diarrhö bei Angstzuständen etc.
Entzündlich
Colitis ulcerosa, M. Crohn, Divertikulitis.
Neoplastisch
Kolonkarzinom, malignes Lymphom.
Maldigestion/Malabsorption
Sprue-Zöliakie, Laktoseintoleranz, Zustand nach ausgedehnter Dünndarmresektion, exkretorische Pankreasinsuffizienz, M. Whipple, Amyloidose.
Laxanzienabusus
Leber-Galle-Pankreaserkrankungen
Verschlussikterus, intrahepatische Cholestase, biliäre Zirrhose, chronische Pankreatitis, Pankreaskarzinom.
Chronische Darminfektionen
Salmonellen, Shigellen, E. coli, Staphylokokken, Clostridium Welchii, Candida, Enteroviren, Parasiten, Protozoen, Entamoeba histolytica, Lamblien, Trichomonaden, Würmer, Askariden, Bandwürmer, Hakenwürmer, Schistosomen, HIV.
Systemerkrankungen
Urämie, Sklerodermie, Nahrungsmittelallergie, Hyperthyreose, M. Addison, Diabetes, Karzinoid-Syndrom.
Reflektorisch
Erkrankungen des Urogenitaltrakts, der Gallenblase, der Appendix.
Neurologische Erkrankungen
Tabes dorsalis, intrakranielle Prozesse.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • abrupter Beginn, Fieber, Erbrechen: virale oder bakterielle Infektion

  • allmählicher Beginn, Tenesmen, blutig-schleimige Stühle: Parasiten, Amöben

  • Erbrechen, Gelbsehen, Arrhythmien: Digitalis

  • Wechsel von chron. Obstipation und Diarrhö bei gutem AZ: Colon irritabile

  • orthostatische Hypotonie, Impotenz: autonome Neuropathie, z. B. bei Diabetes mellitus

  • Schübe von blutig-schleimigen Durchfallepisoden: Colitis ulcerosa, M. Crohn

  • Gewichtsverlust, Tachypnoe, Tachykardie: Hyperthyreose

  • wässrige Diarrhö, Flush: Karzinoidsyndrom

  • Flatulenz, Tenesmen: Glutenallergie

  • Fettstühle, Schmerzschübe, Alkoholabusus: chronische Pankreatitis

  • Zusammenhang mit Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel: Nahrungsmittelallergie

Diagnostik

Anamnese
Da es sich bei Durchfall um ein polyätiologisches Symptom handelt, sollte die Anamnese bereits eine grobe Unterteilung ermöglichen. Man fragt insbesondere nach:
Dauer
Akute/chronische Diarrhö.
Allgemeinbefinden
Gut bei funktionellen Formen.
Gewicht
Stabil bei funktioneller, absinkend bei organisch bedingter Diarrhö.
Stuhlbeschaffenheit
  • Blut-, Eiter-, Schleimbeimengung: Kolonkarzinom, Kolitis, Divertikulitis

  • massig-fettig, übel riechend: exokrine Pankreasinsuffizienz

  • acholisch: Verschlussikterus

  • uncharakteristisch: Medikamente, Laktoseintoleranz

Medikamenteneinnahme
  • Laxanzien, Antibiotika, Zytostatika

Ernährung
Spezielle Diäten, Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Familienanamnese
Kolonkarzinom, Darmbeschwerden, Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Reisen
Tropenaufenthalt?
Klinische Untersuchung
  • insbesondere Abdomen, Schmerzlokalisation

  • rektal-digitale Untersuchung

Labor
Blut
  • Blutbild, CRP

  • Ferritin, Eiweiß, Elektrolyte, alkalische Phosphatase, Quick

  • erweiterte Labordiagnostik wie AP-Isoenzyme, Vitaminspiegel etc.

Stuhl
Makroskopisch
Blut, Schleim, Eiter, Geruch, Konsistenz.
Mikroskopisch
Nahrungsmittelreste, Amöben, Parasiten, Larven, Eier.
Kultur
Bakteriologisch, virologisch.
pH-Wert
Mittels Teststreifen (sauer – Gärung, alkalisch – Fäulnis).
Gewicht
Ein normales Gewicht unter 150 g/24 h schließt eine Steatorrhö praktisch aus.
Weiterführende Untersuchungen
Ultraschall
Abdominalsonografie.
Endoskopie
Koloskopie, evtl. mit Biopsie und Zytologie, ÖGD.
Radiologie
Resorptionstests
v. a. bei Malabsorption.

Merke

Das Reizdarmsymptom ist eine Ausschlussdiagnose! Ca. 20 % der Deutschen haben das Gen der adulten Laktoseintoleranz. Abhängig von den Ernährungsgewohnheiten manifestieren sich die Symptome im mittleren Lebensabschnitt. Warnzeichen für eine somatische Ursache sind beim Leitsymptom Durchfall zusätzlich Fieber, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, nächtliches Auftreten der Durchfälle sowie Manifestation ab 50. Lj., kurze Anamnese oder progrediente Symptomatik, Anämie, erhöhte Entzündungswerte.

Doppeltsehen Augenmotilitätsstörungen

Synonym Diplopie.

Durst

Definition

Komplexes „Durstgefühl“ im Dienst der Wasserregulation, das zu Flüssigkeitsaufnahme veranlasst. Wird gefühlt als Trockenheit im Rachenraum.
Das Durstgefühl reguliert den Wasserhaushalt auf der Zufuhrseite. Es wird über ein Durstzentrum im Hypothalamus geregelt, welches offenbar durch einen gesteigerten osmotischen Druck der Körperflüssigkeit und durch intrazelluläre Dehydratation stimuliert wird. Die tägliche Wasseraufnahme unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen beträgt ca. 1,5–2 Liter pro Tag. Bei alten Menschen ist das Durstgefühl häufig reduziert.
Polydipsie
Krankhafter Durst. Trinkmenge 4–5 Liter pro Tag und mehr.

Ursachen

Extrarenaler Wasserverlust
  • große Blutverluste

  • starkes Schwitzen

  • lang anhaltende Durchfälle

  • Bildung ausgeprägter Ödeme

  • Ablassen von Ergüssen, Exsudaten etc.

Merke

Die Urinmenge nimmt bei extrarenalem Wasserverlust immer ab!

Renaler Wasserverlust
Polyurie, Diabetes mellitus.
Primäre Polydipsie
  • häufigste Form des krankhaft gesteigerten Dursts (neben Diabetes mellitus)

  • fast immer psychogen bedingt, selten organische Hirnschädigung

  • meist Frauen unter 30

  • Trinkmenge nachts geringer

Diabetes insipidus
Fehlende Konzentrationsfähigkeit der Nieren durch ADH-Mangel durch Hypophyseninsuffizienz:
  • Tumor

  • Infarkt

  • iatrogen durch Operation

  • infektiös

  • idiopathisch

Medikamente, Intoxikationen
  • Alkohol

  • Diuretika, Atropin, Salicylate, Tranquilizer, Opiate

  • NaCl

  • Vitamin D

  • Arsen, Quecksilber u. a.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Polyurie: schließt extrarenalen Wasserverlust aus

  • Wassermenge über 6 l/d: Hinweis auf psychogene Ursache oder zentralen Diabetes insipidus

  • Tageszeit: anhaltendes Durstgefühl bzw. Trinken auch nachts spricht eher für organische Ursache

  • extrarenaler Wasserverlust: Erbrechen, Fieber, Verbrennungen, Durchfälle, Ödemausschwemmung

Diagnostik

Anamnese
  • Beschreibung der Trinkgewohnheiten

  • tägliche Trinkmenge, tägliche Urinmenge?

  • Wasser-, Blutverluste?

  • Erbrechen, Durchfall, Schwitzen, Fieber?

  • Gewichtsveränderungen?

  • Alkohol? Medikamente?

Klinische Untersuchung
  • Zunge: Feuchtigkeit, Belag

  • Hautturgor: Exsikkose

  • Ausatmungsluft: Aceton, Uringeruch

  • Wachheitsgrad: Somnolenz

Weiterführende Diagnostik
  • Labor: HK, Blutzucker, Elektrolyte, Kreatinin, Urinstatus und spezifisches Gewicht des Urins, Glukosebelastungstest

  • Durstversuch (Tab. 17), Auslassversuch von Medikamenten, Alkohol etc.

Dysphagie

Definition

Schmerzhafte Schling- und Schluckstörung; Gefühl, dass der Bissen während der Ösophaguspassage stecken bleibt.
Aphagie
Vollständige Blockade des Schluckakts.
Oropharyngo-laryngeale Dysphagie
Behinderungen auf dem Weg vom Oropharynx in den Ösophagus.
Ösophageale Dysphagie
Behinderung der Passage im Ösophagus.

Ursachen

Organische Obstruktion
Tumoren
  • Ösophaguskarzinom, Kardiakarzinom

  • Karzinome von Larynx, Pharynx, Zunge

  • benigne oder maligne Mediastinal- oder Bronchialtumoren

Strikturen
  • nach Ösophagitis

  • nach Verätzung

  • nach Fremdkörperverletzung

  • kongenital

Einengung
  • durch Struma

  • Aortenaneurysma

  • Dysphagia lusoria

  • vergrößerte Lymphknoten

  • Divertikel des Ösophagus (Zenker-Divertikel)

Fremdkörper

Muskuläre Störung

Spasmen
  • diffuser idiopathischer Ösophagospasmus

Systemerkrankungen
  • Dermatomyositis, Polymyositis

  • Myasthenie

  • Sklerodermie

Neurogene Störung

  • Achalasie

  • diabetische Polyneuritis, Poliomyelitis

  • Bulbärparalyse

  • zerebrale Ischämie

Lokale Irritation

  • Schleimhauttrockenheit in Nase und Rachen

  • Tonsillitis, Pharyngitis

  • Ösophagitis, z. B. durch Reflux, Plummer-Vinson-Syndrom, Sklerodermie

Psychogen

Globusgefühl.

Merke

Häufigste Ursachen sind neurologische Erkrankungen wie Demenz, Parkinson, Schlaganfall sowie Tumoren.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Heiserkeit: Larynxkarzinom

  • Sodbrennen, Aufstoßen: Refluxösophagitis

  • Speichelfluss, retrosternale Schmerzen, Regurgitation von Speisen, Blutung: Ösophaguskarzinom

  • Heiserkeit durch Rekurrensparese, Gewichtsabnahme: Malignom

  • feste Speisen bleiben stecken, Breie und Flüssigkeiten werden geschluckt: mechanisches Hindernis

  • Wechsel der Beschwerden von Mahlzeit zu Mahlzeit: funktionelle Störung

  • Gleichbleiben oder Progredienz der Schluckstörung: organische Ursache

  • Dysphagie für feste und flüssige Speisen: Motilitätsstörung

  • Regurgitation, Aspirationspneumonien: Divertikel, Achalasie

  • Fieber, Halsschmerzen, akuter Beginn: Tonsillitis

  • weitere neurologische Ausfälle: Schlaganfall, multiple Sklerose

  • zunehmend mit Dauer der Muskelaktivität: Myasthenia gravis

  • intermittierende Dysphagie hinter dem unteren Sternum, Angina-pectoris-Aphagie: diffuser Ösophagospasmus

Merke

An einen diffusen Ösophagospasmus sollte gedacht werden, wenn sich bei einem Patienten mit Angina-pectoris-ähnlichen Beschwerden keine Anhaltspunkte für eine Koronarinsuffizienz finden lassen.

Diagnostik

Anamnese
  • Dauer, Progredienz, Ausmaß der Beschwerden

  • flüssige oder feste Nahrung betroffen?

  • Schluckbewegung möglich?

  • Schmerzen, Wundgefühl

  • Kloßgefühl

  • Regurgitation

  • Sodbrennen

  • Hustenreiz

  • Obstruktionsgefühl

  • Risikofaktoren: Alkohol, Rauchen, Refluxösophagitis

  • Gewichtsverlust

Klinische Untersuchung

  • Inspektion: Nase, Nasenrachenraum, Tonsillen, Pharynx, Kehlkopf, Schilddrüse

  • Kau- und Schluckvorgang, Lymphknoten

  • neurologische Untersuchung

Labor

  • Serologie

  • Abstrich

Weiterführende Untersuchungen
  • Röntgen/CT-Thorax, radiologische Untersuchung des Schluckakts, Ösophagogastroskopie

  • Laryngoskopie

  • Sonografie des Halsbereichs

  • Ösophagusmanometrie

Dyspnoe

Definitionen

Während Dyspnoe den Oberbegriff für die verschiedenen Formen der Atemstörung bildet, beschreiben Tachypnoe, Hyperventilation etc. die Charakteristik der veränderten Atmung.
Dyspnoe
Jede Form der Atemstörung. Wird subjektiv empfunden als Atemnot, Lufthunger, Kurzatmigkeit, Beklemmungsgefühl. Der Pathomechanismus, der zur Auslösung einer Dyspnoe führt, bleibt bislang weitgehend unklar. So besteht z. B. keine Korrelation zwischen Atemnot und arteriellen Blutgaswerten, eher noch zwischen Dyspnoe und Atemarbeit.
Klinisch kann die Dyspnoe in Schweregrade unterteilt werden (Tab. 18).

Merke

Dyspnoe ist definitionsgemäß eine subjektiv empfundene Wahrnehmung!

Tachypnoe
Beschleunigte Atmung; Tachypnoe.
Hyperventilation
Übermäßige Steigerung der Atmung; Hyperventilation.
Orthopnoe
Höchste Stufe der Atemnot, die nur in aufrechter Haltung und unter Inanspruchnahme der Atemhilfsmuskulatur kompensiert werden kann.

Ursachen

Thorax, Atemwege und Lungen
Mediastinale Ursachen
  • retrosternale Struma, Thymom, Hiatushernie

  • Aortenaneurysma

  • vergrößerte Lymphknoten

Atemwege
  • Larynx: Fremdkörper, Ödem, Spasmus, Paralyse

  • Bronchien: Asthma bronchiale, Bronchial-Ca.

Lungen
  • Pneumothorax, Emphysem, Fibrose, Pneumokoniose, Pleuraerguss

  • Keuchhusten, Pneumonie, chronische Bronchitis, Tuberkulose

Kardiovaskulär
  • Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Perikarderguss, Perikarditis, Vitium, Herzrhythmusstörung

  • Lungenembolie

Extrathorakal
  • Hypoxie, Hypoxämie, Anämie

  • metabolische Azidose, Urämie

  • Störungen im Bereich des Atemzentrums, Intoxikation, Fieber, Hyperthyreose

  • Adipositas, Meteorismus, Aszites

  • Schwangerschaft

Psychogen
  • Hyperventilationssyndrom, Hysterie

  • Effort-Syndrom, Da-Costa-Syndrom

Praxistipp

Für die klinische Praxis hilfreich ist eine Einteilung der Dyspnoe nach dem zeitlichen Auftreten. Daraus lässt sich wiederum auf die zugrunde liegende Ursache schließen.

Akut einsetzend
Lungen, Thorax, Atemwege
Pneumonie, Pneumothorax, Fremdkörperaspiration, Laryngospasmus, allergisches Glottisödem, Mediastinalemphysem.
Kardiovaskulär
Herzinfarkt, Perikardtamponade, Lungenembolie, Herzrhythmusstörung.
Extrathorakal
Intoxikation, Azidose, Fieber.
Rezidivierende Anfälle
Pulmonal
Asthma bronchiale.
Psychogen
Hyperventilationssyndrom, Effort-Syndrom.
Langsam progressiv
Thorax, Atemwege, Lungen
Chronische Bronchitis, Lungenemphysem, Fibrose, Tumor, Tuberkulose, Pleuraerguss.
Kardiovaskulär
Herzinsuffizienz, Perikarderguss, Pericarditis constrictiva, rezidivierende Lungenembolien.
Extrathorakal
Adipositas, Aszites, Anämie.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • akute Thoraxschmerzen, Atemgeräusch einseitig aufgehoben, Trauma: akuter Pneumothorax

  • Husten, akutes Auftreten beim Essen: Aspiration

  • Parästhesien, Pfötchenstellung, guter AZ: Hyperventilation

  • Giemen, Brummen: Asthmaanfall

  • nächtliche Orthopnoe, Nykturie: Linksherzinsuffizienz

  • Blässe, Tachykardie, Tachypnoe: Anämie

  • sehr leises Atemgeräusch: Lungenemphysem

  • weitere Begleitsymptome Tab. 19

Diagnostik

Anamnese
Beschreibung der Atemnot
Da Dyspnoe ein rein subjektives Symptom ist, müssen zunächst genauer Charakter und Ausmaß der Atemlosigkeit erfragt werden:
  • Ist die Atmung tiefer und/oder schneller als gewöhnlich?

  • Hat der Patient Schwierigkeiten beim tiefen Atemholen? (Adipositas, Aszites)

  • Wie viele Treppen kann der Patient steigen?

  • Tritt die Atemnot akut oder dauernd, tagsüber oder nachts, in Ruhe oder unter Belastung auf? In welcher Situation?

  • Verschlimmernde Faktoren, z. B. flache Lage? Bessert sich die Atemnot im Sitzen?

Begleitsymptome
s. o.
Begleitkrankheiten, Vorerkrankungen
  • z. B. atopische Veranlagung (Heuschnupfen, Ekzem)

  • respiratorische Vorerkrankungen

  • kardiovaskuläre Vorerkrankungen

Sozialanamnese
Beruf (Lungenfibrose, Berufsasthma).
Klinische Untersuchung
Inspektion
  • Atemfrequenz, -form, -rhythmus, -typ

  • Thoraxform (Fassthorax, Kyphoskoliose), Interkostalräume, Thoraxexpansion bei maximaler In- und Exspiration

  • Zyanose, Uhrglasnägel, Trommelschlägelfinger

Palpation, Perkussion, Auskultation
Suche nach Herz- oder Lungenkrankheiten.
Allgemeine internistische Untersuchung
Labor
  • CRP/BSG, Blutbild

  • Troponin, CK

  • Kreatinin, Harnstoff, Blutzucker, Leberenzyme

  • Sputumuntersuchung, bakteriologisch und zytologisch

  • Blutgasanalyse

Weiterführende Untersuchungen
  • Röntgen/CT-Thorax

  • EKG, ECHO

  • Lungenfunktionsprüfung

  • Bronchoskopie

Dysurie

Definition

Schmerzhafter Harndrang mit erschwertem Wasserlassen. Die Dysurie ist das Leitsymptom der Blasenentleerungsstörungen.

Ursachen

Blase
  • bakterielle Zystitis

  • Tumor

  • Stein

  • Fremdkörper

  • nach Bestrahlung

  • chronische interstitielle Zystitis (bes. Frauen)

Urethra
  • Urethritis

  • Striktur

  • Tumor

Druck von außen
  • Tumoren des kleinen Beckens

  • Uterus myomatosus

  • Descensus uteri

Neurogen
  • Tabes dorsalis

  • diabetische Neuropathie

  • multiple Sklerose

Merke

Die häufigste Ursache von Dysurie bei Männern ist die benigne Prostatahypertrophie, seltener das Prostatakarzinom.

Allgemeine Begleitsymptome

  • Schmerzen beim Wasserlassen

  • Pollakisurie mit Druck

  • Brennen

  • Harndrang

  • verzögertes Ingangkommen der Miktion

  • erschwertes Harnlassen gegen einen stärkeren Widerstand

  • geringer Druck beim Wasserlassen

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Hintergrund

Typische Symptome bei der Prostataobstruktion, der häufigsten Ursache der Dysurie beim Mann:

Startverzögerung

Die Startverzögerung beim Urinieren ist eines der frühen Zeichen einer vergrößerten Prostata.
Verlust der Kraft und des Durchmessers des Strahls

Nachtröpfeln

Wird umso ausgeprägter, je mehr die Obstruktion zunimmt.

Akute Urinretention

Plötzliche Unfähigkeit zu urinieren. Der Patient hat entsetzliche suprapubische Schmerzen mit starkem Harndrang, Anurie.

Chronische Urinretention

Durch chronische Harnretention werden erstaunlich wenig Schmerzen verursacht. In späten Stadien kommt es zu dauerndem Tröpfeln und zur Harninfektion.

Diagnostik

Anamnese
  • exakte Beschreibung der Beschwerden und des Uriniervorgangs: Harnträufeln? Hämaturie?

  • Fieber?

Klinische Untersuchung
  • Inspektion

  • Palpation der Prostata

  • Palpation und Perkussion der Harnblase

  • fachurologische Untersuchung

  • evtl. gynäkologische Untersuchung

Labor
Urinuntersuchung:
  • Status

  • Sediment

  • Kultur

Weiterführende Untersuchungen
  • Sonografie insbes. von Nieren und Blase

  • Urethrografie, Urethroskopie

  • Zystoskopie

  • CT, MRT

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