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B978-3-437-42104-4.00005-7

10.1016/B978-3-437-42104-4.00005-7

978-3-437-42104-4

Exantheme: Differenzialdiagnose wichtiger Infektionskrankheiten im Kindesalter mit generalisiertem makulopapulösem Exanthem [7]

Tab. 20
Masern Röteln Scharlach
Exanthem großfleckig
konfluierend
kleinfleckig
nur im Gesicht konfluierend
sehr kleinfleckig
Schmetterlingserythem im Gesicht
periorale Blässe
Ausbreitung Beginn hinter den Ohren und an der Nacken-Haar-Grenze
Ausbreitung vom Kopf zu den Füßen
Beginn im Gesicht
Ausbreitung über Stamm in Extremitäten
Achsel, Leiste, Lendengegend, Innenseite von Armen und Oberschenkeln
Begleitsymptome Konjunktivitis mit Lichtscheu
hohes Fieber, Enanthem des weichen Gaumens mit Koplik-Flecken aufgedunsenes Gesicht
schweres Krankheitsgefühl
generalisierte Lymphadenopathie (nuchal + zervikal!)
nur mäßiges Fieber
Angina tonsillaris
hohes Fieber
Erdbeerzunge
fein- bis groblamelläre Schuppung

Extremitätenschmerz: Differenzialdiagnosen venöser Durchblutungsstörungen

Tab. 21
Symptome Diagnose
  • Schweregefühl und Schmerzen in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe

  • Knochen- und Unterschenkelödeme

  • prominente und prall gefüllte Venen

  • Corona phlebectatica paraplantaris: sich vom medialen zum lateralen Fußrand erstreckender Kranz gestauter Venen

  • braune Pigmentationen (Hämosiderin), indurierte Stellen, Ulzera

  • Uhrglasnägel an den Zehen

  • oberflächliche Thrombophlebitis

  • umschriebene schmerzhafte Venenstränge

  • perivenöse Entzündung

chronisch-venöse Insuffizienz
  • umschriebene schmerzhafte Venenstränge

  • perivenöse Entzündung

oberflächliche Thrombophlebitis
  • Ödem

  • livide Verfärbung

  • Petechien

  • Druckschmerzhaftigkeit der Waden

  • Allgemeinsymptome wie Tachykardie und leichter Temperaturanstieg

  • BSG-Beschleunigung, Leukozytose

tiefe Venenthrombose
  • Anschwellen der Extremitäten nach längerem Gehen und Stehen (besonders abends)

  • Müdigkeits- und Schweregefühl sowie Belastungsschmerz

  • Varikosis

  • chronische Entzündungen, besonders im Panniculus subcutaneus

  • trophische Störungen der Haut, Pigmentation, Ekzembildung und Ulzera

postthrombotisches Syndrom
  • Schweregefühl

  • krampfartige Schmerzen in den Beinen bes. beim Stehen

  • Knöchel- und Unterschenkelödeme

  • Besserung durch Hochlegen der Beine

primäre Varikosis

E

Einflussstauung

Definition

Venöse Stauung und Druckerhöhung im Bereich der oberen oder unteren Körperhälfte infolge Verlegung oder Kompression der Hohlvenen oder infolge Einstrombehinderung in die rechte Herzhälfte. Von der durch die Stauungsinsuffizienz des Herzens hervorgerufenen venösen Stauung unterscheidet man die obere Einflussstauung im engeren Sinn.
Obere Einflussstauung (V.-cava-superior-Syndrom)
Abnorme Erweiterung und Füllung der Venen im Bereich des Halses und der oberen Körperhälfte als Folge eines mechanischen Hindernisses im Bereich der großen Venen oder der V. cava superior.

Praxistipp

Cave: Eine Thrombose der V. cava superior tritt häufiger nach Venenkathetern auf!

Ursachen

Extrakardial
  • retrosternale Struma

  • endothorakale Tumoren wie M. Hodgkin, Metastasen eines Bronchialkarzinoms, Mediastinaltumoren

  • Thrombosen

  • Aortenaneurysmen

  • fibrotische Prozesse im Mediastinum

  • Spannungspneumothorax

Kardial
  • Rechtsherzinsuffizienz

  • chronisches Cor pulmonale

  • Kardiomyopathie

  • Pericarditis exsudativa oder constrictiva

  • Trikuspidalstenose

Allgemeine Begleitsymptome

Die obere Einflussstauung geht mit folgenden Symptomen einher:
  • erhöhter Venendruck

  • in ausgeprägten Fällen ödematöse Schwellung des Halses und Gesichts

  • livide Verfärbung der Haut

  • Atemnot

  • Husten

  • Heiserkeit

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • lokales Druckgefühl, Schluckbeschwerden, Dyspnoe: retrosternale Struma

  • stridoröse Atmung, Heiserkeit, Singultus, Zwerchfellhochstand, Horner-Syndrom: Mediastinaltumoren

  • Husten, Dyspnoe, Thoraxschmerzen, Hämoptysen: Bronchialkarzinom

  • (Fieber), Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellung: Non-Hodgkin-Lymphom, Morbus Hodgkin (mediastinal lokalisiert)

  • häufig nach Venenkathetern: livide Verfärbung und Stauung der Weichteile, vermehrte Venenzeichnung obere Thoraxhälfte, Gesichts- und Halsödem (meist zu Beginn einseitig): Vena-cava-superior-Thrombose

  • retrosternaler Schmerz, Dyspnoe, Husten, Stridor, Heiserkeit (Druck auf N. recurrens), evtl. Geräusch: Aortenaneurysma

  • Dyspnoe, Übelkeit, Inappetenz, Ödeme: Rechtsherzinsuffizienz

  • Belastungsdyspnoe, Pleuraergüsse, Aszites, positiver hepatojugulärer Reflux: chronisches Cor pulmonale

  • Dyspnoe, Abgeschlagenheit, Arrhythmien: Kardiomyopathie

Diagnostik

Anamnese
  • Frage nach den wichtigsten klinischen Zeichen einer oberen Einflussstauung sowie dem Beginn, der Dauer und dem Ausmaß der Beschwerden (s. o.)

  • Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Husten, Auswurf, Schmerzen?

  • Diagnostische und/oder interventionelle Kathetereingriffe, Operationen, Thoraxtrauma?

  • Bekannte entzündliche Herzerkrankungen, Malignome, Zustand nach Radiatio?

  • Antikoagulation?

Klinische Untersuchung
Inspektion
  • erweiterte oberflächliche Venen, Halsvenenpulsationen

  • Schwellung von Hals und Armen, livide Verfärbung der Haut, Hautödem

  • Druckschmerz

  • Blässe, Kaltschweißigkeit, marmorierte Haut

  • sichtbare Verletzungszeichen im Bereich des Thorax

Palpation
  • Pulsus paradoxus: Abfall von RRsyst. > 10 mmHg bei tiefer Inspiration, deutliche Pulsabschwächung bis zum nicht tastbaren Puls

  • positiver hepatojugulärer Reflux: weitere Halsvenenfüllung bei Leberpalpation

Auskultation
  • Beurteilung von 1. und 2. Herzton

  • Analyse von Zusatztönen (3. und/oder 4. Herzton), Herzgeräusche

  • evtl. Abschwächung von 1. und 2. Herzton

Labor
  • CK/Troponin

  • CRP/BSG

  • Blutbild

  • evtl. Schilddrüsenwerte

Weiterführende Untersuchungen
  • Röntgen/CT-Thorax

  • ECHO

  • EKG

  • MRT

Merke

Das klinische Erscheinungsbild der oberen Einflussstauung hat keine spezifischen Zeichen in EKG oder Röntgen/CT-Thorax.

Entwicklungsverzögerung

Definition

Gegenüber dem Lebensalter bestehende Verzögerung (Retardierung) der körperlichen und/oder intellektuellen Entwicklung.

Ursachen

Konstitutionell/familiär
Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung
Häufig eine familiäre Eigenart. Verzögerung der somatischen Gesamtentwicklung, die besonders ausgeprägt ist in der Altersstufe von 13–15 Jahren, da in dieser Zeit die Altersgenossen bereits in die Pubertät eingetreten sind. Körperlänge und Knochenalter sind gleichmäßig retardiert. Die Pubertät und der damit verbundene Wachstumsschub setzen später ein. Da das Wachstum jedoch auch erst später abgeschlossen wird, ist die Erwachsenengröße annähernd normal.
Konstitutioneller Minderwuchs
In der Familie findet man meist weitere kleine Personen. Da die genetische Determinierung des Wachstums jedoch multifaktoriell ist, lässt sich kein Erbschema beobachten. Geburtsgewicht und -länge sind normal, ebenso der STH-Spiegel. Die Skelettreife entspricht jeweils dem Lebensalter. Ein gleitender Übergang besteht von diesen kleinen, aber noch im Streubereich liegenden Individuen zum primordialen Minderwuchs.
Primordialer Minderwuchs
Hier zeigen die Betroffenen trotz normaler Tragzeit schon bei der Geburt Untergewicht und Unterlänge. Körperproportionen, Knochenentwicklung, Intelligenz und Eintritt in die Pubertät sind normal. Die Endgröße reicht vom Zwergwuchs bis an den unteren Normbereich.
Ernährungsfehler/Malabsorption
Angeborene Stoffwechselerkrankungen
Sonstige angeborene Erkrankungen
Vgl. zu diesem Punkt auch Minderwuchs.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Polydipsie, Polyurie, Abmagerung trotz reichlicher Ernährung: Diabetes mellitus

  • Muskelhypotonie, erniedrigter Hautturgor, Durchfälle: chronische Dyspepsie

  • Zyanose, Dyspnoe: Herzfehler

  • verzögerter Fontanellenschluss, teigige spröde Haut, Untertemperatur: Hypothyreose

  • Husten, Fettstühle, Obstipation: Mukoviszidose

  • Kraniotabes, rachitischer Rosenkranz an der Rippen-Knorpel-Grenze: Rachitis

Diagnostik

Anamnese
  • Ernährungsanamnese

  • Wachstumsverlauf: klein zur Welt gekommen oder Sistieren von Wachstum und/oder Entwicklung?

  • intellektuelle Entwicklung

  • Stuhlgewohnheiten: Durchfälle oder Obstipation, Fettstühle?

  • weitere Krankheitssymptome

  • Vorerkrankungen

  • Familienanamnese

Klinische Untersuchung
  • auffällige Stigmata

  • Hautturgor und Hautbeschaffenheit

  • Muskeltonus

  • sorgfältige Allgemeinuntersuchung

Labor
  • CRP, Blutbild

  • Elektrolyte einschl. Phosphat, alkalische Phosphatase, Blutzucker, Leberwerte, Schilddrüsenparameter

  • Hormonuntersuchungen

  • Stuhlanalyse

  • evtl. genetische Analyse

Weiterführende Untersuchungen
  • Röntgen-Handwurzelkerne: Beurteilung des Knochenalters anhand der Handskelettentwicklung

  • EKG, ECHO

  • weitere bildgebende Verfahren

  • Entzündungszeichen CRP-/BSG-Veränderung

Erbrechen

Definition

Rückläufige Entleerung von Magen- oder Darminhalt. Komplexes, vom Brechzentrum gesteuertes Reflexgeschehen.

Merke

Erbrechen ist ein vieldeutiges Symptom. Praktisch alle organischen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und seiner Anhangsorgane, aber auch Erkrankungen fast aller anderen Organe und eine Reihe von funktionellen Störungen können zum Erbrechen führen!

Ursachen

Erkrankungen des Verdauungstrakts
Passagehindernis
  • Ösophagus: Tumoren, Narbenbildung, Divertikel, Achalasie

  • Magen: narbiger Verschluss nach Duodenalulkus, Tumor

  • Darm: Volvulus, Invagination (= Intussuszeption), Tumor

Reizzustand der Schleimhaut
  • akute Gastritis

Reflektorisch
  • akute Pankreatitis

  • Cholezystitis

  • Appendizitis

  • Peritonitis

Operativ veränderte Anatomie
  • Syndrom der zuführenden Schlinge

Stoffwechsel, Endokrinium
  • Urämie

  • Coma hepaticum

  • diabetische Azidose

  • Krisen bei Hyperthyreose, M. Addison, Hyper- und Hypoparathyreoidismus

Medikamentös-toxisch
  • Digitalis, Antirheumatika, Zytostatika

  • Alkohol, Nikotin, Blei

  • Nahrungsmittelvergiftung

Otogen
  • Kinetosen

  • Labyrinthitis

  • M. Menière

Neurogen
  • Hirntumor

  • Enzephalitis

  • Meningitis

  • tabische Krisen

  • akuter Hirndruck

Schwangerschaft
  • Hyperemesis gravidarum

Sonstige häufige Ursachen
  • emotional-psychogen

  • Anorexia nervosa, Bulimie

  • Migräne

  • starke Schmerzen wie Koliken (Galle, Harnleiter)

  • Röntgenbestrahlung

  • akute Infektionskrankheiten

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Fehlen von Brechreiz und Übelkeit, Erbrechen im Schwall: zentralnervöse Ursachen

  • Kopfschmerzen, Schwindelgefühl: Migräne, Urämie, Erkrankungen im Bereich des Nervensystems

  • fehlende Besserung der Schmerzen nach dem Erbrechen: Kolik, Pankreatitis

  • Angina pectoris: Herzinfarkt

  • Durchfall: Gastroenteritis, Urämie

  • Fieber: akute Infektionskrankheiten, Appendizitis

  • Kopfschmerzen: Glaukomanfall

  • hoher Blutdruck: hypertensive Krise

  • jahrelange Anamnese, Gewichtsverlust oder -schwankungen: Bulimie, Anorexia nervosa

Lokalisation der abdominalen Schmerzen
  • epigastrisch: Magenerkrankungen, Pankreatitis, Gallensteine

  • umbilikal oder hypogastrisch: Erkrankungen von Dünndarm oder Kolon (Appendizitis, M. Crohn)

  • lateral: Gallenkolik, Nierenkolik

Zeitpunkt des Erbrechens
  • während oder nach einer Mahlzeit: psychoneurotische Genese

  • längere Zeit nach einer Mahlzeit: eher eine organische Ursache (z. B. Passagehindernis)

  • morgendliches Erbrechen: Schwangerschaft, Stoffwechselstörung, Intoxikation (Alkohol)

Geruch und Aussehen
  • geruchlos: Achalasie, Ösophagusdivertikel, Anazidität

  • fäkulent: Dünndarmverschluss

  • putrid mit Blutbeimengung: Magenkarzinom

  • Essen vom Vortag: Magenausgangsverschluss, Ösophagusdivertikel

Merke

Galle im Vomitus schließt Magenobstruktion aus.

Diagnostik

Anamnese
  • Nahrungs- und Ernährungsanamnese, Unverträglichkeiten

  • Wann war die letzte Periode?

  • Vorerkrankungen, Operationen

  • Gewichtsverlust, Gewichtsschwankungen

  • Medikamenteneinnahme, Zytostatika, Digitalis

  • Alkoholkonsum

  • Stuhlverhalten

  • Bauchschmerzen: Tritt nach dem Erbrechen eine Besserung der Symptomatik ein?

Genaue Beschreibung des Symptoms
  • Zeitpunkt des Erbrechens

  • Geruch und Aussehen

Begleitsymptome
  • Kopfschmerzen

  • Flimmerskotome

  • Schwindel

Hämatemesis

Merke

Da das Leitsymptom Erbrechen selbst wegen seiner vielfältigen Ursachen von geringem diagnostischem Wert ist, besitzt die Art des Erbrochenen und des Erbrechens große diagnostische Bedeutung (s. o.).

Klinische Untersuchung
Hydratations- und Ernährungszustand
  • Hautturgor

  • Kachexie?

Blutdruck
Abdomen
  • Schmerzen, Blähung, Druckschmerz, Abwehrspannung, Resistenzen?

  • Peristaltik

  • Operationsnarben, Hautkolorit, Ikterus

  • Bruchpforten

  • rektal-digitale Untersuchung

Zeichen von ZNS-Symptomatik
  • Bewusstseinsstörung

  • Nackensteifigkeit

  • Stauungspapille

  • Lichtempfindlichkeit bei Migräne

Labor
  • Elektrolyte, Glukose, Kreatinin

  • kleines Blutbild, Hämatokrit

  • ggf. Lipase, Digitalisspiegel, toxikologische Diagnostik, Schwangerschaftstest

Weiterführende Untersuchungen
  • Sonografie

  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie

  • radiologische Untersuchung

Exantheme

Definition

Multiple, auf größere Körperpartien ausgebreitete, entzündliche oder nervös-vasomotorische Hautveränderungen hämatogener, lymphogener oder neurogener Genese. Die Erscheinungen müssen einen zeitlichen Ablauf zeigen (Anfang, Höhepunkt, Ende). Exantheme bestehen aus Effloreszenzen. Manche Autoren verknüpfen mit dem Begriff Exanthem eine infektiöse Genese und sprechen sonst von Effloreszenzen.
Effloreszenzen
Hautblüten. Morphologischer Ausdruck einer krankhaften Hautveränderung. Man unterscheidet primäre und sekundäre Effloreszenzen.
Enanthem
Ausschlag im Bereich der Schleimhäute.
Erythem
Hyperämiebedingte entzündliche Hautrötung.

Merke

Exantheme stellen nur bei wenigen Erkrankungen das Leitsymptom dar. Teilweise treten sie auch nur fakultativ auf.

Ursachen

Infektionskrankheiten
Generalisiert
  • Masern (s. u.)

  • Röteln (s. u.)

  • Scharlach (s. u.)

  • Windpocken (s. u.)

  • Dreitagefieber (Exanthema subitum)

  • Ringelröteln (Erythema infectiosum, s. u.)

  • Typhus, Paratyphus

  • infektiöse Mononukleose (s. u.)

  • akute HIV-Krankheit (s. u.)

  • Toxoplasmose (s. u.)

  • Fleckfieber (s. u.)

  • Coxsackie-A-Virusinfektion

  • ECHO-Virusinfektion (s. u.)

Lokalisiert
  • Erysipel

  • Erysipeloid

  • Milzbrand

  • Herpangina

  • Impetigo contagiosa

  • Herpes simplex

  • Herpes zoster

  • Pyodermien

  • Parasitosen

Allergische Ursachen
  • Arzneimittel (s. u.)

  • Nahrungs- und Genussmittel

  • Erythema exsudativum multiforme

  • Neurodermitis (s. u.)

Dermatologische Erkrankungen
Makulopapulös
  • Lichen ruber planus

  • Psoriasis

Vesikulär
  • Epidermolysis bullosa

  • Porphyria cutanea tarda

  • Pemphigus-Gruppe

Gerinnungsstörungen
Infolge hämorrhagischer Diathese; Blutungsneigung.
Paraneoplastische Exantheme
Zum Beispiel bei
  • Lymphadenosen

  • Bronchial-Ca.

  • Magen-Ca.

  • Darm-Ca.

  • Prostata-Ca.

Genese unklar
  • Erythema exsudativum multiforme (s. u.)

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Aufgrund des breiten Ursachenspektrums ist eine Vielzahl von Symptomen möglich. Im Folgenden ein Überblick über Art des Exanthems und häufige Begleitsymptome sowie eine Auswahl typischer Beispiele. Spezifische Hautveränderungen bei häufigen Krankheitsbildern (s. u. Kasten Hintergrund).
Fieberhöhe
  • hoch bei Masern und Scharlach

  • eher mäßig bei Windpocken

Ausbreitung und Lokalisation
  • typischer Beginn hinter den Ohren und an der Haar-Nacken-Grenze bei Masern

  • Beginn im Gesicht und Ausbreitung über den Stamm bei Röteln

Morphologie
  • großfleckig bei Masern

  • kleinfleckig bei Röteln

  • Schuppung, z. B. bei Scharlach

  • Bläschenbildung, z. B. bei Windpocken, Herpes zoster

Lymphknotenschwellung
  • generalisiert, z. B. infektiöse Mononukleose, akute HIV-Krankheit

  • lokalisiert: nuchal, zervikal bei Röteln

Allgemeines Krankheitsgefühl
  • mäßig bei Röteln

  • schwer bei Masern

Diagnostik

Anamnese
  • Fälle in der Umgebung? Kontakte vor einiger Zeit (Inkubationszeiten beachten) erinnerlich?

  • Medikamente

  • Ernährungsanamnese (Nahrungsmittelunverträglichkeiten)

Begleitsymptome:
  • katarrhalische Symptome, Fieber?

  • Juckreiz?

  • Durchfall, Verdauungsstörungen?

  • Gelenkschmerzen

  • Lichtscheu

  • Ausmaß des Krankheitsgefühls

Klinische Untersuchung
Inspektion
  • genaue Inspektion der Haut und Schleimhäute bzgl. Morphologie, Lokalisation und Ausbreitungstyp des Exanthems (Tab. 20)

  • Inspektion des Rachenraums (Koplik-Flecken) und der Tonsillen

Palpation
  • Lymphknotenstatus: generalisierte oder lokalisierte Schwellung, Druckdolenz

Labor
  • Blutbild, CRP/BSG

  • Urinstatus

  • Serologie

  • kultureller Erregernachweis

Weiterführende Untersuchungen
  • Gerinnungsstatus bei Purpura

  • Allergentestung

Merke

Bei unklaren Exanthemen frühzeitig dermatologisches Konsil!

Hintergrund

Im Folgenden wichtige Krankheitsbilder, die Exantheme verursachen können, im Überblick:

Exantheme bei Infektionskrankheiten

Masern

Am 1. und 2. Tag katarrhalisches Vorstadium mit Bronchitis, Konjunktivitis, Rhinopharyngitis, evtl. Enteritis. Ab dem 3. Tag Koplik-Flecken (weiß, kalkspritzerartig, schwer abwischbar, von einem roten Hof umgeben) auf der Wangenschleimhaut.

Hautveränderung

Am 3. bis 4. Tag Ausbruch des Exanthems mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Die Effloreszenzen beginnen im Gesicht und greifen von oben nach unten auf Rumpf und Extremitäten über. Sie sind dunkelrot, grobfleckig, unregelmäßig begrenzt und konfluieren z. T. Das Exanthem blasst in der Reihenfolge des Auftretens ab und ist nach 4–6 Tagen verschwunden, worauf oft eine kleienförmige Schuppung der betroffenen Hautpartien folgt. Nach dem Ausbruch des Exanthems gehen das Fieber sowie die katarrhalischen Erscheinungen zurück.

Röteln

Nach leichten Prodromen (Reizhusten, Schnupfen, Konjunktivitis) kommt es zur generalisierten Lymphknotenschwellung, besonders hinter den Ohren sowie an Nacken und Hinterkopf.

Hautveränderung

Etwa einen Tag später erscheint das Exanthem, das vom Gesicht aus nach unten schreitet. Im Vergleich zum Masernexanthem ist es spärlicher, blasser, kleinfleckiger.

Merke

Durchgeführte Impfungen erfragen!

Hintergrund

Scharlach

Nach einer Inkubationszeit von 3–7 Tagen beginnt die Krankheit plötzlich mit hohem Fieber, starker Tachykardie, Erbrechen, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Es besteht eine Tonsillitis, die follikulär oder lakunär sein oder membranöse Beläge aufweisen kann, dazu eine eitrige Nasopharyngitis. Gaumenbogen und weicher Gaumen sind heftig gerötet, die Halslymphknoten schmerzhaft geschwollen. Die Zunge ist anfänglich weiß belegt. Vom Rand her werden diese Beläge dann abgestoßen und es erscheint die „Himbeerzunge“.

Hautveränderung

Das Exanthem bricht 12–24 Stunden nach Krankheitsbeginn vom Brustkorb absteigend aus. Es besteht aus rosaroten, feinfleckigen, dicht stehenden Effloreszenzen. Bei leichten Verläufen sieht man eventuell nur ein sehr blassrotes Exanthem, das nach wenigen Stunden bereits wieder abklingt. Im Gesicht sieht man keine oder nur sehr wenige Effloreszenzen. Hier fallen Wangenrötung und periorale Blässe auf. Toxische Leberschädigung bewirkt einen leicht gelblichen Ton der Haut, der bei entfernter Betrachtung den Eindruck eines gelblich-rot gefärbten Exanthems hervorruft. Nach dem Abblassen des Exanthems schuppt die Haut ab.

Merke

Scharlach ist neben der Salmonellose die häufigste meldepflichtige Krankheit.

Hintergrund

Windpocken

Inkubationszeit von 9–21 Tagen, im Durchschnitt 14 Tage.

Hautveränderung

Nach ein- bis zweitägigem Vorstadium (Fieber, Gliederschmerzen) Auftreten kleiner roter, juckender Flecken an Kopf und Stamm, weniger an den Extremitäten. Rascher Übergang von Makula über Papula zu Vesikula und später Krustenbildung mit schwärzlich-rotem Schorf. Man sieht gleichzeitig Effloreszenzen in verschiedenen Stadien. Die Bläschen liegen oberflächlich, sind nicht gekammert oder gedellt. Sie stehen in Gruppen, jucken und platzen leicht. Bei Sekundärinfektion kommt es zu eitriger Entzündung und narbiger Abheilung. Auch die Schleimhäute des Mundes, der Augen und der Genitalien sowie der behaarte Kopf werden befallen. Die Krusten fallen nach 5–20 Tagen ab.

Exanthema subitum (Drei-Tage-Fieber)

Inkubationszeit zwischen 7 und 17 Tagen. Durch humanes Herpesvirus Typ 6 vornehmlich bei Kindern vom 2. Lebenshalbjahr an bis zu 3 Jahren.
Dramatischer Beginn mit hohem Fieber. Nur geringe katarrhalische Erscheinungen. Nach 3- bis 4-tägigem hohen Fieber Temperaturabfall, bei dem das typische Exanthem auftritt.

Hautveränderung

Exanthem hellrosa, kleinfleckig makulopapulös, weniger im Gesicht als an Stamm und Extremitäten, rasch abklingend.

Erythema infectiosum (Ringelröteln)

Erreger: humanes Parvovirus B19. Inkubationszeit 6–14 Tage. Im Allgemeinen besteht kein Fieber oder Krankheitsgefühl.

Hautveränderung

Ohne Vorboten erscheint an den Wangen ein makulopapulöses Exanthem und breitet sich zu einer Schmetterlingsfigur unter Aussparung des Mundbereichs aus. Nach 1–2 Tagen greift es auf die Extremitäten und den Rumpf über. Es besteht Hitzegefühl, jedoch kein Jucken und keine Schmerzen. Das Exanthem dauert eine Woche oder länger und kann rezidivieren.

Infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber)

Nach einer Inkubationszeit von 5–15 Tagen beginnt die durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufene Krankheit mit Fieber, Tonsillitis, generalisierter Lymphknotenschwellung und Milzvergrößerung, manchmal auch Hepatomegalie. Daneben werden uncharakteristische Symptome wie katarrhalische Erscheinungen, Lidödeme und polymorphe Exantheme beobachtet.

Hautveränderung

Rubeolen-ähnliches Exanthem an Stamm und proximalen Extremitäten.

Akute HIV-Krankheit

In bis zu 50 % der HIV-Infektionen wenige Wochen nach der Infektion. Das „akutes retrovirales Syndrom“ genannte Krankheitsbild ähnelt dem der akuten Mononukleose mit Fieber, Nachtschweiß, allgemeinem Krankheitsgefühl, Arthralgien, Exanthem, Lymphknotenvergrößerung. Spontanes Abklingen nach Tagen bis Wochen. Cave: Die Infektiosiät ist in diesem Stadium sehr hoch! Der Routine-HIV-Test negativ.

Hautveränderung

Mononukleose-ähnliches Exanthem.

Toxoplasmose

Der Krankheitsverlauf ist gekennzeichnet durch ein grippeähnliches Bild mit Fieber, Schwäche, diffusen Gliederschmerzen, Lymphknotenschwellungen besonders in der Halsgegend, Hepatosplenomegalie.

Hautveränderung

Manchmal tritt ein makulopapulöses Exanthem ohne Beteiligung von Handfläche und Fußsohle auf.

Fleckfieber

Die Krankheit setzt nach einer Inkubationszeit von 10–14 Tagen plötzlich mit Fieber und bohrenden Kopfschmerzen ein. Nach 2–4 Tagen erfolgt der Übergang in die enzephalitische Phase mit schwersten Krankheitserscheinungen.

Hautveränderung

Das Exanthem tritt zwischen dem 4. und 6. Krankheitstag auf, sieht anfangs roseolenartig aus und nimmt dann petechialen Charakter an. Es geht von den Lenden und vom seitlichen Thorax aus, Gesicht und Hals bleiben frei.

Enterovirus-Infektionen

Rufen meist ein makulopapulöses, dem Rötelnexanthem ähnliches, selten ein papulovesikuläres oder petechiales Exanthem hervor.

Parasitosen

Typisch sind Juckreiz, Milbengänge bei Skabies. Auch die Exantheme bei Helmintheninfektionen sind fast immer von Juckreiz begleitet. Ihre Morphologie ist sehr unterschiedlich.

Exanthem aufgrund allergischer Vorgänge

Neurodermitis constitutionalis

Bevorzugt befallen sind die Beugeseiten der Gliedmaßen und das Gesicht.

Hautveränderung

Die Haut ist verdickt, erythematös infiltriert und zeigt eine kleieartige Schuppung. Als Kratzeffekt entstehen Sekundärinfektion. Pustulöse Bilder.

Arzneimittelexantheme

Exantheme entstehen meist bei allergischen Reaktionen vom Spättyp.

Exanthemformen

  • Kontaktdermatitis: durch Streptomycin, Neomycin, Sulfonamide, Lokalanästhetika und Antihistaminika

  • Infiltrationen an den Injektionsstellen: durch Insulin und Depot-ACTH

  • generalisierte Exantheme (erythematopapulös, morbilliform): können Folge einer Applikation von Penicillin oder Salizylaten sein

  • Thrombopenie und Purpura: können durch Pyramidon, Barbiturate, Sedativa der Carbamidreihe, Chinin und Chinidin über eine allergische Reaktion vom zytotoxischen Typ (Typ II) ausgelöst werden

  • anaphylaktische Reaktion: Nach Gabe von ACTH, Insulin, Sulfonamiden, Heparin, Vit. B1, Lokalanästhetika und Phenothiazinen kann es zu einem urtikariellen Exanthem oder zu einem histaminvermittelten Angioödem kommen.

Exantheme unklarer Genese

Erythema exsudativum multiforme

Akute selbstlimitierende Erkrankung der Haut und Schleimhäute. Befällt meist jüngere Patienten. Pathogenese unklar. Infrage kommen bakterielle, parasitäre, Virus- oder Mykoplasmeninfektionen, Kollagenosen, Neoplasien und Medikamente (Penicillin, Sulfanmide, Analgetika, Antipyretika u. a.). In vielen Fällen wird kein auslösender Faktor gefunden.

Hautveränderung

Pfenniggroße rundliche Herde mit flachem, zyanotisch-livide verfärbtem Zentrum und hellrotem, scharfem Rand. Kokardenförmig. Prädilektionsstellen: Handrücken, Unterarme (Streckseiten), gelegentlich Füße, Knie, Ellenbogen.

Exophthalmus

Definition

Ein- oder beidseitige Vordrängung des Augapfels.

Ursachen

Einseitiger Exophthalmus
Neoplasien
Orbitatumoren, periorbitale Tumoren (Nasennebenhöhlen, Gaumen, Pharynx), intrakranielle Tumoren, Metastasen, Leukämie, Retikulosen, Hand-Schüller-Christian-Krankheit.
Entzündungen
Orbitaphlegmone, Sinus-cavernosus-Thrombose, Thrombophlebitis, Osteomyelitis, Tuberkulose, Scleritis posterior.
Vaskuläre Ursachen
Sinus-cavernosus-Aneurysma, intraorbitale Blutung, Varikosis der Orbitalvenen.
Parasitosen
Echinokokken, Zystizerken.
Systemerkrankungen
Kollagenkrankheiten, Boeck-Krankheit.
Phakomatosen
Recklinghausen-Krankheit, tuberöse Sklerose, Angiomatose Sturge-Weber u. a.
Traumatisch
Frakturen, Ruptur extraorbitaler Muskeln, Emphysem.
Ein- oder beidseitiger Exophthalmus
Endokrin
Endokrine Ophthalmopathie (maligner Exophthalmus).
Entzündlich
Myositis, Cellulitis orbitae.
Pseudoexophthalmus
Hochgradige Myopie, Horner-Syndrom, Asymmetrie der Knochen.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Symptome
  • Unruhe, Nervosität, feinschlägiger Tremor, Schweißneigung: Hyperthyreose

  • Kopf- und Augenschmerzen, druckschmerzhafte Nasennebenhöhlen, Fieber: Nebenhöhlenaffektion

  • pulsierender Exophthalmus, Shuntgeräusch: Sinus-cavernosus-Aneurysma

  • Ödeme in der Augenregion, Zunahme des Exophthalmus beim Kopfbeugen oder Bücken: Varikosis der Orbitalvenen

  • einseitig, rasche Entwicklung, fehlende Entzündungszeichen, Blutung, Druckgefühl, Schmerz im Auge, eingeschränkte Bulbusbeweglichkeit: intraorbitale Blutung

  • einseitiger Exophthalmus, eingeschränkte Bulbusbeweglichkeit: Orbita-Tumor

Zeitliche Entwicklung
  • Stunden: Blutung, Aneurysma

  • 1–2 Tage: Entzündung

  • Wochen bis Monate: Tumor, maligner Exophthalmus

  • Entstehen über Jahre: Keilbeinmeningeom

Hintergrund

Endokrine Ophthalmopathie

Es handelt sich hierbei um keine Komplikation der Hyperthyreose, sondern um eine eigenständige autoimmun-hormonelle Störung, die auch bei Eu- und Hypothyreose auftreten kann. Vermutlich liegt ein genetischer Immundefekt vor, dessen Manifestation durch eine Schilddrüsenerkrankung begünstigt wird.

Symptome

Man findet lymphozytäre und plasmazelluläre Infiltrate:
  • im Retrobulbärraum: Exophthalmus

  • in den Lidern: Lidödeme

  • in den Augenmuskeln: Doppelbilder

Der typische entstellende Gesichtsausdruck entsteht vor allem durch die glänzenden Augen, weiten Lidspalten, Lidödeme und den fehlenden Lidschlag. Die Patienten klagen über Fremdkörpergefühl, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und vermehrten Tränenfluss, wobei die Beschwerden im Liegen besonders stark sind.

Diagnose

Relativ leicht zu stellen bei Vorliegen eines M. Basedow, bei fehlender Schilddrüsenerkrankung und/oder einseitigem Exophthalmus oft schwierig.

Horner-Syndrom

Folge einer Lähmung des Halssympathikus z. B. durch Halsrippe, Struma, Prozesse im Mediastinum oder in der Lungenspitze, Syringomyelie.

Symptome

Typische Trias aus:
  • Miosis

  • Ptosis

  • Enophthalmus: Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle

Diagnostik

Anamnese
  • Nachvollziehen der zeitlichen Entwicklung des Exophthalmus (Bildervergleich)

  • Begleitsymptome wie Schmerzen, Sehverschlechterung, Doppeltsehen, klopfende Geräusche im Kopf, Lidschwellung, Fremdkörpergefühl, Tränen

  • Trauma

  • Vorerkrankungen insbes. der Schilddrüse, Tumorerkrankungen, Erkrankungen des ZNS

Klinische Untersuchung
  • Seitenvergleich beider Bulbi, Beweglichkeit des Auges

  • Vergleich der Lidspaltenweite

  • Reaktion des Oberlids bei Blicksenkung, seltener Lidschlag

  • Inspektion der Bindehaut und Lider auf Ödeme, Stau der episkleralen Venen

  • neurologische Untersuchung, insbes. auf Hirnnervenausfälle, Lähmungen und Sensibilitätsstörungen

Labor
  • Schilddrüsenparameter

  • Liquordiagnostik

Weiterführende Untersuchungen
  • Schilddrüsensonografie

  • Radiologie Schädel

  • Orbitadiagnostik (Sono, CT, MRT)

  • zerebrale Angiografie

Exsikkose

Definitionen
Exsikkose
Flüssigkeitsmangel des Organismus.
Dehydratation
Wasserentzug aus den Körpergeweben.
Isotone Dehydratation
Wasser- und Elektrolytverlust sind gleich groß. Es resultiert eine Verkleinerung des ECR ohne wesentliche Veränderung des ICR.
Hypotone Dehydratation
Die Salzabgabe ist größer als der Flüssigkeitsverlust. Der ECR ist verkleinert, der ICR dagegen vergrößert.
Hypertone Dehydratation
Der Flüssigkeitsverlust ist größer als der Salzverlust. Hierbei ist vor allem der ICR verkleinert. Deshalb ist der Turgor nicht so stark vermindert wie bei den anderen Formen. Die Haut fühlt sich teigig an.
Leichte Dehydratation
Bei Gewichtsverlusten von 2–5 %.
Mittelschwere Dehydratation
Bei Gewichtsverlusten von 5–10 %.
Schwere Dehydratation
Bei Gewichtsverlusten über 10 %.

Merke

Eine geringere Konzentrationsfähigkeit der Niere führt zusammen mit reduziertem Durstgefühl im Alter oft zu einer Dehydrierung.

Ursachen

Ätiologie, klinischer und laborchemischer Befund sind eng miteinander verknüpft. Im Folgenden diese Zusammenhänge im Überblick.
Isotone Dehydratation
Natrium- und Wasserverlust.
Ursachen
Enteral
  • Erbrechen, Durchfälle

  • Drainage von Körpersekreten, Fisteln

Renal
  • infolge eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit bei akuten oder chronischen Nierenerkrankungen wie polyurische Phase des akuten Nierenversagens, chronische Pyelonephritis, renaler Salzverlust

  • bei diuretischer Therapie, am häufigsten bei diuretisch/antihypertensiv behandelten Patienten

  • bei M. Addison als Folge der verminderten tubulären Natriumrückresorption mit entsprechender Steigerung der renalen Natrium- und Wasserausscheidung

Durch die Haut
Kochsalzverluste durch die Haut bei fieberhaften Erkrankungen sind nur selten so ausgeprägt, dass sie zu einer Dehydratation führen.
Sequestration
Flüssigkeitsverlust in den dritten Raum, z. B. bei Pankreatitis, Peritonitis, Ileus.
Symptome
Kennzeichnend für diese Form des Volumenmangels sind:
  • uncharakteristische Symptome: Durst, Müdigkeit, Schwäche

  • Zeichen der intravaskulären Dehydratation: verminderte jugulare Venenführung, Tachykardie, orthostatischer Blutdruckabfall

Laborwerte
  • Serumnatrium: normal bei Verminderung des Gesamtkörpernatriums

  • Serumosmolalität: normal

  • Hämatokrit: erhöht

  • Serumeiweiß: erhöht

  • Urin: außer bei renalem Natrium- und Wasserverlust findet sich eine Oligurie mit hohem spezifischen Gewicht

Hypotone Dehydratation
Extremer Natriumverlust und gleichzeitige Zufuhr von Wasser.
Ursachen
  • Ursachen wie isotone Dehydratation plus Zufuhr von freiem Wasser

  • Verdünnungshyponatriämie: Die Wasserzufuhr übersteigt die Ausscheidung, z. B. bei Nierenversagen.

  • Zustände mit Natriumretention und Ödemen wie Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotischem Syndrom

  • essenzielle Hyponatriämie bei chronischen Erkrankungen

Symptome
Extrazelluläre Hyponatriämie und Hypoosmolalität bewirken einen Osmolalitätsgradienten zwischen Extra- und Intrazellulärraum, der zu Flüssigkeitseinstrom in die Zellen und damit zum Hirnödem führt. Deshalb treten neben den Zeichen der Hypovolämie zunehmend Symptome zerebraler Beeinträchtigung auf wie
  • Erbrechen

  • Krämpfe

  • Verwirrtheit, Delirium, Koma

Laborwerte
  • Serumnatrium: erniedrigt

  • Serumosmolalität: erniedrigt

  • Hämoglobin: erhöht

  • Hämatokrit: besonders stark erhöht

  • Serumeiweiß: erhöht

Hypertone Dehydratation
Extrazelluläre Volumenverminderung mit Defizit an freiem Wasser.
Ursachen
Verlust von freiem Wasser bzw. stärkerem Wasser – als NaCl-Verlust
  • Schwitzen

  • Durchfälle, Erbrechen

  • Nephropathien mit Polyurie

  • osmotische Diurese bei Diabetes mellitus

  • Diabetes insipidus

  • Fieber (Hyperventilation, Tachypnoe, Schwitzen)

Mangelnde Wasserzufuhr
  • Patienten, die ihr Durstgefühl nicht äußern können bzw. nicht realisieren, z. B. Säuglinge, komatöse Patienten

  • Störung des Durstempfindens bei Läsionen im Bereich des III. Ventrikels

  • Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme durch Stenosen des oberen Magen-Darm-Trakts

Symptome
Der Anstieg der extrazellulären Osmolalität führt zum Flüssigkeitsausstrom aus dem Zellinneren und damit zur intra- und extrazellulären Dehydratation. Klinisch stehen zunächst meist die Zeichen der intrazellulären Entwässerung im Vordergrund:
  • Durst

  • Oligurie

  • trockene Schleimhäute, verminderter Speichelfluss

  • Temperaturanstieg

Laborwerte
  • Serumnatrium: erhöht

  • Serumosmolalität: erhöht

  • Hämoglobin: erhöht

  • Hämatokrit: kaum erhöht, da Schrumpfung der Erythrozyten

  • Serumeiweiß: erhöht

Wasser- und Elektrolytstörungen beim älteren Menschen
  • physiologisch: reduziertes Durstgefühl sowie verminderte Konzentrationsfähigkeit der Nieren

  • medikamentös: insbes. Diuretika, Antidepressiva, Barbiturate, Laxanzien; Antirheumatika

  • durch Grunderkrankungen: Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Fehlernährung, Fieber, Diarrhö

Merke

Akute Verwirrtheitszustände bis hin zum Delir werden bei geriatrischen Patienten oft allein durch eine Exsikkose ausgelöst und sind nach adäquater Rehydratation reversibel.

Allgemeine Begleitsymptome

  • kollabierte Halsvenen

  • verminderter Hautturgor

  • stehende Hautfalten

  • trockene Schleimhäute

  • verminderter Bulbusdruck (in fortgeschrittenen Fällen)

  • Tachykardie, Hypotonie

Diagnostik

Anamnese
  • Symptome des Volumenmangels

  • nicht durch Katabolismus erklärbarer Gewichtsverlust

  • subjektive Symptome wie Durst, Schwindel, Muskelkrämpfe, Herzklopfen, Müdigkeit, Benommenheit

Klinische Untersuchung
Suche nach klinischen Zeichen des Volumenmangels:
  • Inspektion: kollabierte Halsvenen, verminderter Hautturgor, stehende Hautfalten, trockene Schleimhäute

  • Palpation: verminderter Bulbusdruck (in fortgeschrittenen Fällen)

  • Auskultation: Tachykardie, Hypotonie

Labor
  • Anstieg von Hämoglobin, Hämatokrit

  • Anstieg von Serumharnstoff, Serumeiweiß

Merke

Dehydratation oder Exsikkose ist beim geriatrischen Patienten häufig nicht einfach zu diagnostizieren. Die Prüfung der Hautfalten und des Hautturgors ist bei der atrophischen Altershaut und dem mangelnden subkutanen Fettgewebe unzuverlässig und allenfalls über der Stirn verwertbar. Knöchelödeme können auch bei Exsikkose vorliegen. Zuverlässiger ist die Beurteilung der Halsvene in Flachlage.

Extremitätenschmerz

Definition

Schmerzen, die in einem Abschnitt oder in der gesamten Extremität akut oder chronisch auftreten.
Vgl. auch Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Knochenschmerzen, Muskelatrophie, Adynamie, Claudicatio intermittens, Wadenschmerz.

Merke

Extremitätenschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen in der Medizin. Die Schmerzintensität ist kein verlässlicher Gradmesser für die Schwere des Krankheitsbildes. Erstes Ziel der Diagnostik neu aufgetretener Schmerzen ist deshalb die Einschätzung der Dringlichkeit therapeutischer Maßnahmen (Beispiel akute Beinvenenthrombose, die mit nur geringer Symptomatik einhergehen kann).

Ursachen

Vaskulär
Arteriell
  • akuter Arterienverschluss

  • chronische arterielle Verschlusskrankheit

  • funktionelle arterielle Durchblutungsstörungen

Venös
  • primär oder sekundär chronisch-venöse Insuffizienz

  • oberflächliche Thrombophlebitis

  • tiefe Venenthrombose

  • primäre Varikosis

Erkrankung der Lymphgefäße
  • akute Lymphangitis

  • chronische Lymphgefäßerkrankungen

Neurogen
Zentrale Störung
  • Migraine accompagnée (Schulter- und Armschmerzen)

  • raumfordernde intrakranielle Prozesse (Thalamusschmerz: Dysästhesien, Schmerzen, Brennen)

  • tumoröse, entzündliche oder systemische Prozesse im Bereich von Pons und Rückenmark (Brennen, Hypästhesia dolorosa)

Wirbelsäulenprozess
  • Osteomyelitis

  • Tumoren

  • Plasmozytom

  • Bandscheibenvorfall

Periphere Störung
  • Polyradikulitis, Polyneuropathie

  • Herpes zoster

  • Plexusaffektion durch chronische Traumen (Rucksacklähmung), Engpass-Syndrome (Skalenus-, Kostoklavikularsyndrom), Plexusinfiltration (Pancoast-Tumor, Metastasen z. B. bei Mammakarzinom), entzündliche Plexuserkrankung (reißende, bohrende Schulter-Arm-Schmerzen)

  • Affektion am peripheren Nerven (Druck, Luxation, Fraktur, Knochen- und Weichteiltumoren)

  • periphere Engpass-Syndrome (insbes. Karpaltunnelsyndrom)

Myogen
Muskelatrophie, Adynamie.
Osteogen
Knochenschmerzen.
Arthrogen
Gelenkschmerzen.
Traumatisch
Fraktur, Luxation, Sehnenriss, Distorsion etc.
Stoffwechselerkrankungen
  • Gicht

  • Diabetes mellitus

Merke

Differenzialdiagnostisch ist stets abzuwägen, ob eine Schmerzausstrahlung in die Extremität vorliegt, z. B. bei Herzinfarkt, Angina pectoris, Pleura- oder Lungenerkrankungen, Gallenerkrankungen.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Arterielle Durchblutungsstörungen
  • Kältegefühl, Belastungsschmerz, Pulslosigkeit, Blässe, Lähmung: arterielle Gefäßerkrankungen, insbes. Claudicatio intermittens

  • umschriebener Akutschmerz: Embolie

Funktionelle arterielle Durchblutungsstörungen
  • Schmerzen (v. a. bei jüngeren Frauen) ausgelöst durch lokale Kälte, evtl. auch emotionale Belastung; Hypotonie und Migräne: primäres, vasospastisches Raynaud-Syndrom

  • Schmerzen, ausgelöst durch Kälte, gangränöse Veränderungen: organisch bedingtes sekundäres Raynaud-Syndrom

  • Claudicatio-ähnliche Schmerzen bei Patienten mit Migräne, die Ergotamine einnehmen: Vasospastik der muskulären Stammarterien

  • anfallsweise, meist symmetrisch auftretende Rötung und Überwärmung der Haut der Extremitäten. Brennende Schmerzen, wenn die Haut eine bestimmte Temperatur überschreitet (z. B. im warmen Bad): Erythromelalgie, evtl. bei Diabetes mellitus, arteriellen Durchblutungsstörungen, Polyzythämie

  • unangenehme Sensationen bis hin zu Schmerzen sobald die Beine nicht bewegt werden (Sitzen, nachts): Restless-Legs-Syndrom

  • Schmerzen, Parästhesien, Einschlafen des Arms, ausgelöst durch bestimmte Haltung (Hochhalten, Schlafen mit abgewinkeltem Arm etc.): Schultergürtelsyndrom durch Kompression des Gefäßnervenbündels

  • posttraumatische nächtliche Schmerzen, Bewegungsschmerzen, Glanzhautbildung, Hyperhidrosis und Muskelatrophie, Ödeme: Sudeck-Syndrom (Stadium I)

  • Anhidrosis, Gelenksteife, zyanotische, dünne, glänzende, kühle Haut: Sudeck-Syndrom (Stadium II)

  • Minderdurchblutung und Atrophie sämtlicher Gewebe sowie irreparable Funktionseinschränkungen; Schmerzhaftigkeit geht zurück: Sudeck-Syndrom (Stadium III, 9–12 Monate nach dem auslösenden Ereignis)

Erkrankung der Lymphgefäße
  • Ödem (Schmerzen nur bei den häufigen komplizierenden Infektionen): chronische Lymphgefäßerkrankungen

  • rote Streifen zwischen einer peripher gelegenen Hautwunde und schmerzhafte, geschwollene, zentralwärts gelegenen Lymphknoten: akute Lymphangitis

Venöse Durchblutungsstörungen
  • umschriebener Schmerz, Schweregefühl: venöse Gefäßerkrankung (Tab. 21)

Merke

Die klinischen Erscheinungen einer tiefen Venenthrombose bewegen sich von inapperzept verlaufenden Formen bis hin zur Phlegmasia coerulea dolens (Massenthrombose des ganzen venösen Querschnitts).

Neurogene, periphere Störungen
  • sensible und/oder motorische, oft symmetrische, meist distal betonte Ausfälle der peripheren Nerven (atrophische Lähmungen, Parästhesien, strumpf- bzw. handschuhförmige Hyp-/Anästhesie, Areflexie): Polyneuropathie

  • besonders nachts auftretende Parästhesien von brennendem Charakter, Hyperästhesie, später auch Hypästhesie: Burning Feet, insbes. im Rahmen der Polyneuropathie bei Diabetes mellitus

  • Daumenballenatrophie mit Schwäche des Abductor pollicis oder opponens; Sensibilitätsstörungen in den Fingern, mit Ausnahme des Kleinfingers (Ausbreitungsgebiet des N. medianus); verstärkter Schmerz bei extremer Beugung und Streckung im Handgelenk; Druckschmerz über der Beugeseite des Handgelenks: Karpaltunnelsyndrom

Erkrankungen von Muskeln und Knochen
  • lokalisierte muskelkaterähnliche Schmerzen; unbestimmtes ziehendes Gefühl: muskuläre Erkrankungen

  • Ruheschmerz, Spontanschmerz ohne äußere Einwirkung: Knochennekrose

  • diffuse, häufig generalisierte Skelett- und Muskelbeschwerden; Spontan- und Druckschmerz an Sehneninsertionen. Selten direkter Muskeldruckschmerz: generalisierte Tendomyopathie

Diagnostik

Anamnese
  • Schmerzlokalisation: örtlich, von der Wirbelsäule ausstrahlend

  • auslösende Situation, tageszeitliches Auftreten

  • Schmerzcharakter (pulsierend, lanzinierend, dumpf), Beginn (akut, langsam), Dauer (intermittierend, dauerhaft), Schwere (Analgetikaverbrauch?)

  • beschwerdefreie Gehstrecke

  • Unfälle, Operationen, Gelenkerkrankungen, Entzündungen

  • berufliche oder sportliche Belastung

  • Alkoholkonsum, Nikotinabusus

Klinische Untersuchung
Allgemeinzustand
Inspektion
  • Hautbeschaffenheit im Erkrankungsbereich und am ganzen Körper, Hämatome, offene Verletzungen, Narben, Ulzera, Varizen

  • lokale Schwellungen, Gelenkdeformitäten

  • Fistelöffnungen

Palpation
  • lokale Druckschmerzhaftigkeit

  • abnorme Beweglichkeit, Krepitation

  • Muskelverspannungen

Funktionsuntersuchung
  • HWS, BWS und LWS

  • Gelenke

Gefäße
  • Pulstastung

  • Lagerungsprobe nach Ratschow

  • Blutgefäßauskultation

  • Blutdruckmessung im Seitenvergleich

Neurologische Untersuchung
  • Reflexe, Sensibilität, Motorik

  • Lasègue-Zeichen

Merke

Die Frühdiagnose einer tiefen Beinvenenthrombose ist oft schwierig. Feine Hinweise sind ein subfasziales Ödem, das bei Palpation der Wadenmuskelloge erkannt werden kann, eine einseitige livide Verfärbung des Fußes und prallere Fußrückenvenen im Stehen sowie eine verstärkte oberflächliche Venenzeichnung (Inguinalgegend, pralle V. saphena magna). Die Diagnosesicherung erfolgt durch Doppler-Sonografie, evtl. Phlebografie.

Labor
  • alkalische Phosphatase, CK, Aldolase, LDH, Laktat

  • Blutbild, BSG, CRP

  • Blut- und Urinzucker

  • Harnsäure, ASL (Antistreptolysin-O-Titer) und Rheumafaktoren

Weiterführende Untersuchungen
  • Doppler- oder Duplexsonografie, Arteriografie, Venografie

  • konventionelle Röntgen-Diagnostik ergänzt durch CT, MRT

  • Arthrografie, Arthroskopie, Gelenkpunktionen

  • EMG

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