© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42104-4.00006-9

10.1016/B978-3-437-42104-4.00006-9

978-3-437-42104-4

Fieber: Zirkadiane Rhythmik der Körpertemperatur.

Fieber: Kontinua.

Fieber: Remittierendes Fieber.

Fieber: Intermittierendes Fieber.

Fieber: Undulierendes Fieber.

Fieber: diagnostische Begleitsymptome bei fieberhaften Zuständen (nach Jipp) [6]

Tab. 22
Begleitsymptom Hinweis auf
katarrhalische Symptome Infektion des oberen Respirationstrakts
Husten, Auswurf, Thoraxschmerz, Dyspnoe Infektion des unteren Respirationstrakts
Ohren-, Augen-, Gesichts- oder Zahnschmerzen entzündliche Erkrankung von Ohren, Augen, Zähnen, Kiefer
Exanthem, Enanthem
Halsschmerzen
Allgemeinsymptome
Infektionskrankheit
pektanginöse Beschwerden
Dyspnoe
Rhythmusstörungen, Herzgeräusch
Kardiomegalie, Herzinsuffizienz, arterielle Embolie
entzündliche Erkrankung des Endo-, Myo- oder Perikards
Bauchschmerzen
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation
entzündliche Erkrankung des Gastrointestinaltrakts
rechtsseitige Bauchschmerzen
Ikterus, Hepatosplenomegalie
Übelkeit
entzündliche Leber- und Gallenwegserkrankung
Dysurie, Pollakisurie
Flanken- oder suprapubische Schmerzen
evtl. Harninkontinenz
Harnwegsinfektion
Kopf- und Nackenschmerzen, Meningismus
Bewusstseinsstörung, zerebrale Anfälle, Stauungspapille, Paresen
entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems
hämorrhagische Diathese
Schleimhautulzerationen
Infektanfälligkeit
Vergrößerung von Lymphknoten, Leber, Milz
hämatologische Systemerkrankung
statt Fieber auch Hypothermie
Tachypnoe
Tachykardie
Leukozytose oder Leukopenie
Bewusstseinsstörung
Hypotonie
Sepsis

F

Fazialisparese

Definition

Überwiegend einseitig auftretende Lähmung des N. facialis. Zentrale Fazialisparese: supranukleäre Gesichtslähmung; periphere Fazialisparese: Lähmung des N. facialis.

Ursachen

Neurologisch
  • Apoplexie

  • Enzephalitis, Meningitis, Zoster oticus, Neurolues, bulbäre Poliomyelitis

  • multiple Sklerose

  • Aneurysma der Arteria basilaris

  • Akustikusneurinom, Hirntumor

  • Läsion des Kleinhirnbrückenwinkels, Schädel-Hirn-Trauma, Felsenbeinfraktur

Internistisch
  • Infektionskrankheiten: Grippe, Diphtherie, Tetanus, Typhus, Mononukleose, Malaria, Lepra, HIV-Infektion, Herpes zoster, Borreliose

  • Sarkoidose

  • leukämische Infiltrate

  • Allergie

  • rheumatische Fazialisparese, Gicht

  • Melkersson-Rosenthal-Syndrom (idiopathische Fazialisparese)

HNO
  • chronische Otitis media

  • Parotistumor, Cholesteatom

  • nach Mastoidektomie

Trauma

Merke

Am häufigsten ist die idiopathische Fazialisparese, wobei eine Virusinfektion als Ursache diskutiert wird. Die Mehrzahl der Fälle hat eine gute Heilungstendenz, jedoch können Restsymptome bestehen bleiben.

Allgemeine Begleitsymptome

  • auf der gelähmten Seite herabhängender Mundwinkel, fehlender Lidschluss, starre Gesichtszüge

  • Patient kann nicht pfeifen

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Lippen- und Gesichtsschwellung, evtl. rheumatische Symptome, Kopfschmerzen, Hör- und Sehstörungen, Parästhesien: Melkersson-Rosenthal-Syndrom (idiopathische Fazialisparese)

  • typische Bläschen im Ohrmuschelbereich: Zoster oticus

  • Trauma, weitere Hirnnervensymptome: Schädelbasisfraktur

Diagnostik

Anamnese
  • Auftreten: plötzlich oder langsam progredient

  • weitere Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen, Schwindel

  • sonstige Begleitsymptome

  • Traumata, Ohrentzündungen, Vorerkrankungen, Operationen

Klinische Untersuchung
Fazialisprüfung
Stirn runzeln, Augen schließen, Nase rümpfen, Zähne zeigen, Pfeifen.
Inspektion
Nasen-Rachen-Raum, Ohren.
Neurologische Untersuchung
Insbes. Hirnnerven. Geschmacksprüfung.
Labor
  • CRP/BSG

  • Blutbild

  • Serologie

Weiterführende Untersuchungen
  • HNO-ärztliche Untersuchung

  • EMG

  • EEG

  • CCT, MRT

  • Lumbalpunktion

Fieber

Definition

Erhöhte Körpertemperatur. Die Körpertemperatur weist zirkadiane Schwankungen auf, wobei der niedrigste Wert nach Mitternacht, der Höchstwert nachmittags gegen 15 Uhr erreicht wird (Abb. 3). Die Spannweite reicht von 36,0–37,2 °C bei axillärer bzw. 36,5–37,8 °C bei rektaler Messung. Diese Schwankungen lassen sich übrigens meist auch bei Fieber nachweisen, das abends am höchsten ist, während morgens die Temperatur oft auf subfebrile bis normale Werte sinkt.

Merke

Die physiologische tägliche Temperaturschwankung kann bis gut 1 °C betragen. Temperaturerhöhungen aus physiologischen Gründen wie bei Frauen in der 2. Zyklushälfte, nach körperlicher Anstrengung oder nach einer opulenten Mahlzeit bleiben in der Regel unter 38 °C.

Ursachen

Infektionskrankheiten
Lokale Ursachen
Kopf und Hals
  • extrakranial: fieberhafter Infekt, Sinusitis, Otitis, Mastoiditis, Tonsillitis, Diphtherie, Angina Plaut-Vincenti, Mumps, Thyreoiditis, Lymphadenitis, Pharyngitis

  • intrakranial: Meningitis, Enzephalitis, Abszess, Poliomyelitis

Thorax
  • kardial: Endokarditis, Perikarditis, Myokarditis

  • respiratorisch: Tracheitis, Bronchitis, Pneumonie, Keuchhusten, Empyem, Abszess, Bronchiektasien, Pleuritis, Tuberkulose

  • mediastinal: Lymphknotentuberkulose

Abdomen
  • Gastrointestinaltrakt: Gastroenteritis, Adenitis iliocoecalis, Appendizitis, Abszess der Appendix, Divertikulitis, Kolitis, Ileitis, Cholangitis, Cholezystitis, Hepatitis, Pankreatitis, Leberabszess

  • Niere: Nephritis, Pyelonephritis, Zystitis, Tuberkulose, perinephritischer Abszess

  • Becken und Peritoneum: subphrenischer Abszess, Peritonitis, Salpingitis, Prostatitis, Adnexitis, Orchitis, Epididymitis

Extremitäten
Ostoemyelitis, Arthritis, Erysipel, Zellulitis, Phlebothrombose.
Haut
Phlegmone, Furunkel, Karbunkel.
Systemische Ursachen
Kurzzeitig mit Septikämie
Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken, Meningokokken, Salmonella typhi und paratyphi.
Kurzzeitig ohne Septikämie
Grippe, Scharlach, Masern, Röteln, Windpocken, Morbus Weil.
Langzeitig mit Septikämie
Brucellose, Endocarditis lenta, Typhus, Meningokokkeninfektionen.
Langzeitig ohne Septikämie
Malaria, Tuberkulose, Pfeiffer-Drüsenfieber, Syphilis, HIV-Infektion.
Zoonosen
Hantaviren, Coronaviren (z. B. SARS)

Merke

In der globalisierten Welt werden zunehmend Infektionserkrankungen aus den Tropen oder Subtropen (z. B. Malaria, Dengue-Fieber, Ebola) eingeschleppt. Deshalb ist bei anamnestischen Hinweisen schnellstmöglich eine zielgerichtete Labordiagnostik einzuleiten.

Nichtinfektiöse Ursachen
Kollagenosen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
Rheumatisches Fieber, chronische Polyarthritis, Lupus erythematodes disseminatus, Periarteriitis nodosa, Polymyalgia rheumatica, Dermatomyositis, generalisierte Sklerodermie, Postkardiotomiesyndrom, Dressler-Syndrom (nach Herzinfarkt).
Periodisches Fieber
Familiäres Mittelmeerfieber, Ätiocholanolonfieber.
Innersekretorische Störungen
Hyperthyreose, bes. bei subakuter Thyreoiditis, thyreotoxische Krise, Addison-Krise, Phäochromozytom, akuter Hyperparathyreoidismus.
Vegetative Dystonie
s. u.
Tumoren
Besonders maligne Lymphome, M. Hodgkin.
Gewebsabbau
Herzinfarkt, Lungeninfarkt, Niereninfarkt, große Blutergüsse, Extremitätengangrän, Pankreatitis, Leberzirrhose.
Hämolyse
Sichelzellanämie, Transfusionszwischenfall.
Allergische Reaktion
Besonders Arzneimittelfieber.
Postoperativ
Resorptionsfieber.
Fieber unbekannter Ursache
Status febrilis von mindestens 3 Wochen Dauer, für den trotz intensiver Diagnostik keine Ursache gefunden werden kann. Langzeitverlauf meist gutartig, sofern keine weiteren Symptome wie z. B. Gewichtsverlust dazukommen.

Merke

Nicht pathologisch sind:

Vegetativ erhöhte Temperatur: Bei Personen mit labilem vegetativen Nervensystem können manchmal ohne pathologische Ursache Werte bis zu 37,6 °C axillär gemessen werden. Diese vegetativ erhöhte Temperatur wird durch Antipyretika nicht gesenkt, wodurch sie von infektiös erhöhter Temperatur unterschieden werden kann.

Geringer Temperaturanstieg: Durch körperliche Bewegung, bei Aufregung, infolge hormonaler Einflüsse während der zweiten Hälfte des weiblichen Zyklus.

Allgemeine Begleitsymptome

Steigerung der Herzfrequenz
Pro Grad Temperaturerhöhung steigt die Pulsfrequenz um 8 Schläge/min (Ausnahme: Typhus abdominalis).
Steigerung der Atmung
Pro Grad Temperaturerhöhung steigt der Sauerstoffverbrauch um 12 %.
Abgeschlagenheit
Kopf- und Gliederschmerzen
Durst
Gastrointestinale Störungen
Zum Beispiel Obstipation, Übelkeit.
Konzentrationsstörungen
Herpes labialis
Die „Fieberbläschen“ treten auf infolge Virusaktivierung, insbesondere bei Pneumokokken-, Streptokokken- und Meningokokkeninfektionen.
Schweißausbrüche

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Fieber ist ein Symptom, das sich unter Beachtung organbezogener Begleitsymptome in der Regel diagnostisch einordnen lässt (Tab. 22).
Husten
Atemwegsinfekte, Bronchitis, Pneumonie, Keuchhusten.
Angina
Diphtherie.
Lymphknotenschwellung
Pfeiffer-Drüsenfieber, M. Hodgkin, Brucellose, HIV-Infektion (LAS).
Durchfall, Leibschmerzen
Salmonellenenteritis, Typhus abdominalis, Paratyphus, Virusenteritis, Ruhr.
Gelenkschmerzen
Rheumatisches Fieber, chronische Polyarthritis, Lupus erythematodes disseminatus, andere Kollagenosen, Meningitis, Enzephalitis, Hirnabszess.
Subfebrile Temperaturen
Endocarditis lenta, Tuberkulose.
Exanthem
Scharlach, Masern, Röteln, Exanthema subitum (Dreitagefieber), Windpocken, verschiedene Viruserkrankungen.

Merke

Bei grippeähnlichen Symptomen und unklaren Nierenfunktionsstörungen an die relativ unbekannte Hantavirus-Erkrankung denken. Diese gehörte im Jahre 2012 mit 2.824 Fällen zu den 5 häufigsten namentlich meldepflichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland. [15]

Charakteristische Verläufe der Temperaturkurve (Fiebertypen)
Manche febrilen Krankheitsbilder zeigen einen charakteristischen Verlauf der Temperaturkurve, der von differenzialdiagnostischer Bedeutung sein kann. Diese typischen Kurven werden allerdings durch Antibiotikagabe häufig verfälscht. Außerdem sind sie zu dem Zeitpunkt, zu dem die Diagnose gestellt werden soll, oft noch nicht sehr typisch ausgeprägt.
Kontinua
Morgen- und Abendtemperatur schwanken nur um ca. 1 °C (Abb. 4). Oft sehr hohe Temperaturen mit Schüttelfrost. Septisches Fieber. Bei septischen Erkrankungen, Pyelonephritis, Pleuritis.
Remittierendes Fieber
Die Temperatur fällt morgens ab, ohne dass jedoch der Normalwert erreicht wird (Abb. 5). Wird bei sehr vielen Erkrankungen wie z. B. septischen Prozessen, Bronchopneumonien, Viruserkrankungen, rheumatischem Fieber etc. beobachtet und ist daher uncharakteristisch.
Intermittierendes Fieber
Abendlicher Fieberanstieg bei morgendlicher Entfieberung (Abb. 6). Oft sehr hohe Temperaturen mit Schüttelfrost. Septisches Fieber. Bei septischen Erkrankungen, Pyelonephritis, Pleuritis.
Undulierendes Fieber
Unregelmäßiger, wellenförmiger Fieberverlauf, z. B. einige Tage subfebrile Temperaturen, dann wieder normale Temperaturen (Abb. 7). Typisch für M. Bang, als sog. Pel-Ebstein-Fieber bei Lymphogranulomatose, wo man es schon vor Auftreten von Splenomegalie und Lymphomen beobachten kann. Bei AIDS-related Komplex (ARC).
Rekurrierendes Fieber
Regelmäßige periodische Temperaturschwankungen. Nach einigen Fiebertagen folgt eine fieberfreie Zeit, dann wieder Fieber usw. Bei Malaria, Fünftagefieber, Rückfallfieber.
Doppelgipfliger Fieberverlauf
Es treten zwei Fieberphasen auf, die von einer fieberfreien Zeit unterbrochen sind. Bei Viruserkrankungen.
Unregelmäßig periodisches Fieber
Periodisch in unregelmäßigem Intervall auftretende Fieberschübe. Bei Erkrankungen mit Neigung zu entzündlichen Rezidiven wie z. B. Bronchiektasien, Cholezystitis, Prostataabszess, subphrenischem Abszess.

Merke

Fieber unklarer Präsentation kann auch eine atypische Präsentation einer häufigen Erkrankung sein.

Diagnostik

Anamnese
  • Fieberdauer?

  • Fieberverlauf (s. o. Fiebertypen)?

  • Begleitsymptome (s. o.)?

  • Ist das Fieber vielleicht nicht das Hauptsymptom, sondern nur ein Begleitsymptom?

  • Sind Menschen in der Umgebung auch erkrankt?

  • Medikamenteneinnahme?

  • Reisen?

  • Beruf?

  • Sexualkontakte?

  • Impfungen?

  • Kleine Verletzungen? Jede bakterielle Lokalinfektion kann zur Sepsis führen.

  • Fieberbeginn zu Hause oder in der Klinik?

Klinische Untersuchung
  • laufende Nase

  • Rachen

  • Trommelfell

  • Lymphknoten

  • Koplik-Flecken? (Masern)

  • Exantheme

  • Nackensteife

  • Lunge

  • abdominaler Palpationsbefund

Labor
  • Urin

  • Leukozyten und Differenzialblutbild

  • CRP/BSG

  • evtl. Blutkultur, Urinkultur, Stuhlkultur, serologische Untersuchungen, Sputumuntersuchung, Rachenabstrich, Lumbalpunktion

Hintergrund

Ursache hohen Fiebers kann eine Septikämie bzw. Sepsis sein, die bis zum septischen Schock führen kann:

Septikämie

Bakterielle Allgemeininfektion, „Blutvergiftung“ durch Erreger im Blutkreislauf. Auch als Bakteriämie bezeichnet.

Symptome

Ausgeprägtes Krankheitsgefühl, hohes, meist re- oder intermittierendes Fieber mit Schüttelfrost, Steigerung von Herz- und Atemfrequenz, Schwächegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Splenomegalie, Ikterus, Bewusstseinsstörung, Schock.

Labor

Leukozytose mit Linksverschiebung, bei Erschöpfung der Granulopoese Leukopenie. BSG-Beschleunigung, α-2-Globulin-Erhöhung, Elektrolytverschiebungen, Thrombopenie.

Blutkultur

Mindestens 3 aerobe und anaerobe Blutkulturen sollten vor Beginn einer Antibiotikatherapie, am besten während der ersten zwei Stunden des Temperaturanstiegs, entnommen werden.

Sepsis

Schwere Infektion mit Aussaat von Mikroorganismen oder deren Toxinen. In über 50 % der Fälle als Urosepsis.

Symptome

Hypothermie oder Fieber, Tachykardie über 90/min, Tachypnoe, Hypotonie, Hypoxämie, Bewusstseinsstörungen.

Septischer Schock

Hypoperfusion von Organen, akutes Atemnotsyndrom (ARDS). Wird ausgelöst durch Endotoxine meist gramnegativer, in den letzten Jahren auch zunehmend grampositiver Erreger.

Symptome

Gekennzeichnet durch Kreislaufverfall mit Multiorganversagen und Verbrauchskoagulopathie. Schock.

Flush

Definition

Hautröte des Kopfes und der oberen Brustbereiche mit Hitzegefühl. Auftreten anfallsweise, spontan oder nach körperlicher Anstrengung.

Ursachen

Der Flush wird auf einen gesteigerten Anfall endokrin aktiver Substanzen zurückgeführt.
  • Klimakterium, Postmenopause

  • medikamentös: durch vasoaktive Substanzen

  • Karzinoidsyndrom

  • Phäochromozytom

  • Erkrankungen des Mastzellsystems

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Vom Flush differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind andere Ursachen eines „roten Gesichts“:
  • essenzielle Hypertonie

  • Polyzythämie, Polyglobulie

  • chronischer Alkoholismus

  • Cushing-Syndrom

  • Diabetes mellitus

  • Erysipel, Rosazea, familiäre Rubeosis

  • Lupus erythematodes, Dermatomyositis

  • Mitralstenose

  • schweres Lungenemphysem

  • fieberhafte Zustände

  • Witterungseinflüsse

  • Pickwick-Syndrom

Diagnostik

Anamnese
  • Seit wann, wie oft, und wie lange tritt die Symptomatik auf?

  • Koinzidenz von Eintritt der Menopause und Beginn der Symptomatik?

  • Medikamenteneinnahme

  • Schweißausbrüche

  • Hitzewallungen

  • körperliche Schwäche

  • innere Unruhe

  • intestinale Symptome wie Durchfall, Übelkeit, Bauchkrämpfe

  • Atemnot

  • Tachykardie

Flush: differenzialdiagnostische Überlegungen [6]

Tab. 23
Begleitsymptom Mögliche Ursache
Keine Diarrhö/Hypertonie
  • Hitzewallungen, Schwitzen

  • innere Unruhe

  • psychische Instabilität nach Eintritt der Menopause

Postmenopause
enger zeitlicher Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme medikamentös induzierte
Flush-Attacken
Dauerhafte oder episodische Hypertonie
  • evtl. Kopfschmerzen, Schwitzen, Palpitationen

  • Nebensymptome können auch vollständig fehlen!

Phäochromozytom
Diarrhö
  • vermehrter Tränenfluss

  • Tachykardie

  • Hypotonie

  • Asthmaattacken

  • Teleangiektasien

  • evtl. Hepatomegalie (Metastasen)

Karzinoidsyndrom
Makulopapulöse Hauteffloreszenzen
  • rundliche, gelblich- bis rötlich-braunfarbene, hypermelanotische papulöse Hauteffloreszenzen

  • Hitzewallungen

  • Juckreiz

Urticaria pigmentosa
  • Oberbauchschmerzen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Diarrhö

systemische Mastozytose
Klinische Untersuchung
  • Blutdruckmessung, Herzfrequenz, Herzgeräusche, Bronchospastik

  • Suche nach Hautveränderungen

  • Leber- und Milzgröße

Labor
  • CRP/BSG

  • Blutbild

  • Blutzucker, Kalium, Kalzium

  • Urin auf Katecholamine und 5-Hydroxyindolessigsäure

Weiterführende Untersuchungen
  • Sonografie des Abdomens

  • Endoskopie

  • Echokardiografie

  • je nach Verdachtsdiagnose Knochenmarkuntersuchung, dermatologische und gynäkologische Untersuchung

Foetor

Definition

Der Umgebung auffälliger, evtl. gezielt diagnostisch verwertbarer Geruch.

Ursachen

Erkrankungen im Mund- und Rachenraum
  • Stomatitis, Gingivitis, Karies

  • Tonsillarpfröpfe oder -abszess

  • Infektion der Zungenpapillen

  • Diphtherie

  • Mumps, Scharlach

  • Stomatitis bei Agranulozytose, akuter Leukose etc.

  • Tumorexulzeration

  • herabgesetzte Speichelsekretion bei psychischer Erregung und nach Psychopharmakaeinnahme

Erkrankungen der Luftwege
  • Bronchiektasien, Lungenabszess, zerfallende Tumoren

Erkrankungen von Ösophagus und Magen-Darm-Trakt
  • Ösophagusdivertikel

  • Gastritis

  • Erkrankungen des oberen Intestinaltrakts

  • Besiedelung des Dünndarms mit Dickdarmflora

  • Obstipation

Komatöse Zustände
  • diabetisches Koma

  • urämisches Koma

  • hepatisches Koma

Intoxikationen
  • Zyankalivergiftung

  • Phosphorvergiftung

Alkohol, Nikotin
Sonstige Ursachen
  • konsumierende Erkrankungen

  • Phenylketonurie

Merke

Mundgeruch ist ein sehr häufiges Symptom, dessen Ursache sich in den meisten Fällen nicht eruieren lässt.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen: Infektionskrankheit

  • Zahnfleischbluten, Zahnschmerzen: Gebisssanierung erspart evtl. weitere Abklärung

  • Bewusstseinstrübung: Hinweis auf Stoffwechselstörung

  • Acetongeruch (an einen Obstkeller mit Äpfeln erinnernd): diabetisches Koma

  • Ammoniakgeruch, urinöser Geruch: urämisches Koma

  • süßlich-fauliger Geruch: hepatisches Koma

  • Bittermandelöl: Zyankalivergiftung

  • Knoblauchgeruch: Phosphorvergiftung

  • mausähnlicher Geruch: Phenylketonurie

  • süßlicher Geruch: Diphtherie

  • foetider Geruch: Lungenabszess

Diagnostik

Anamnese
  • Dauer und Intensität des Geruchs

  • vorausgegangene Infektionserkrankungen

  • Zahnschmerzen

  • Halsschmerzen

  • Magenschmerzen

  • Erbrechen

  • Stuhlunregelmäßigkeiten

  • Medikamenteneinnahme, Alkohol

  • Aspiration erinnerlich

  • Frage nach Leber-, Darm-, Magen-, Lungenerkrankungen; Diabetes mellitus

Klinische Untersuchung
  • Inspektion des Mund-Rachen-Raums

  • Zahnstatus

  • gezielte Suche nach klinischen Zeichen von Leber-, Darm-, Magen-, Lungenerkrankungen

Labor
  • Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte, Gesamteiweiß, Blutzucker

  • Blutbild

  • Blutgasanalyse

  • Urinstatus

Weiterführende Untersuchungen
  • röntgenologischer Zahnstatus

  • Röntgen-Nasennebenhöhlen

  • Rachenabstrich, Sputum, Bronchoskopie

  • Magensaft, Gastroskopie

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen