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B978-3-437-42104-4.00009-4

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978-3-437-42104-4

Ikterus: Laborparameter der verschiedenen Ikterusformen im Vergleich

Tab. 33
Hämolytischer I. Hepatozellulärer I. Cholestatischer I.
Serum
LDH ++ Ø Ø
Retikulozyten ++ Ø Ø
Hämoglobin evtl. Ø Ø
Bilirubin indirektes +++
selten > 5 mg/dl
direktes u.
indirektes +++
direktes +++
SGOT Ø +++ später +
SGPT Ø +++ später +
alk. Phosphatase Ø Ø oder + bei cholestat. Einschlag +++
LAP Ø Ø oder + bei cholestat. Einschlag +++
γ-GT Ø + +++
Urin
Bilirubin keine Bilirubinurie ++ ++
Urobilinogen Urobilinogenurie ++ zuerst Ø, dann +
Stuhl
Gallenfarbstoffe acholisch, vermindert oder Ø acholisch

Ø = Werte nicht im pathologischen Bereich

Ikterus: Empfehlungen für ein Untersuchungsprogramm bei Erkrankungen von Leber und Gallenwegen

Tab. 34
Erkrankung Laborparameter
Ikterus
Bilirubin
GOT/AST, GPT/ALT
alkalische Phosphatase
Urobilinogen, Bilirubin im Urin
Leberparenchymerkrankungen
akute Virushepatitis Bilirubin
GOT/AST, GPT/ALT
Hepatitisserologie
alkohol-toxische Hepatitis GOT/AST, GPT/ALT, γ-GT
Immunglobuline
chronisch-inaktive Hepatitis Serumeiweiß-Elektrophorese
GOT/AST
Hepatitisserologie
chronisch-aktive Hepatitis GOT/AST
Immunglobuline
fakultativ:
  • Hepatitis-core-Antigen im Lebergewebe

  • antinukleäre Faktoren

  • Lebermembranautoantikörper

  • antimitochondriale Antikörper

Leberzirrhose Serumeiweiß-Elektrophorese
Immunglobuline
GOT/AST
Thromboplastinzeit (Quick-Test), Cholinesterase
fakultativ:
  • γ-GT

  • antimitochondriale Antikörper (AMA)

  • Serum-Cu, Coeruloplasmin, Serum-Fe, Ferritin

Lebertumor, Lebermetastasen γ-GT
LDH, GPT/ALT
α1-Fetoprotein
Leberinsuffizienz Serumeiweiß-Elektrophorese
Thromboplastinzeit (Quick-Test)
Ammoniak
Stauungsleber bei kardialer Insuffizienz GPT/ALT
LDH
toxische Hepatosen (z.B. Pilzvergiftung, Thiophosphatinsektizide, Medikamente wie Methyltestosteron, Antirheumatika, Zytostatika, Laxanzien) GPT/ALT
γ-GT
Cholinesterase
Glutamatdehydrogenase
GOT/AST
Thromboplastinzeit (Quick-Test)
Gallenwegs- und biliäre Erkrankungen
akute Cholezystitis und/oder Cholangitis GPT/ALT
alkalische Phosphatase, Bilirubin
Serumeiweiß-Elektrophorese
chronische, nichteitrige, destruierende Cholangitis GPT/ALT
Bilirubin, antimitochondriale Antikörper
Verschlussikterus Bilirubin, GPT/ALT
alkalische Phosphatase
Glutamatdehydrogenase

I

Ikterus

Definition

Gelbfärbung von Haut, Skleren und Schleimhäuten infolge von Bilirubinablagerung im Gewebe. Dabei liegt das Serumbilirubin meist über 2 mg/dl.
Ein Ikterus kann durch gesteigerten Blutabbau (prähepatischer Ikterus), verminderte Aufnahme von Bilirubin in die Leberzellen bzw. gestörte Konjugation in der Leber (hepatischer = hepatozellulärer Ikterus) oder durch verminderte Ausscheidung von Bilirubin durch eine Gallenabflussstörung (posthepatischer = cholestatischer Ikterus) entstehen.
Pseudoikterus
Gelbfärbung der Haut bei exzessivem Karottengenuss, medikamentös bedingt z. B. durch Pikrinsäure. Skleren und Schleimhäute sind hierbei nicht verfärbt und der Urin bleibt hell.

Ursachen

Hämolytischer Ikterus
Bilirubinämie entsteht durch gesteigerten Blutabbau und damit vermehrtem Anfall von Hämoglobin.
Hereditär
  • Thalassämie, familiäre Sphärozytose, Sichelzellenanämie

Erworben
  • infektiös

  • Malaria

  • Sepsis

  • toxisch

  • Medikamente

  • Gifte

  • Immunreaktion

  • Transfusionszwischenfall

  • autoimmunhämolytische Anämie

  • massiver Blutabbau

  • Hämatom

  • Lungeninfarkt

Hepatozellulärer Ikterus
Entsteht durch Leberzellschädigung oder konstitutionsgebundene Funktionsanomalien des Bilirubinstoffwechsels.
Infektiös
  • Hepatitis A–E, Non-A–E

  • infektiöse Mononukleose

  • Begleithepatitis verschiedener Genese

  • chronisch-aggressive Hepatitis

Toxisch-metabolisch-medikamentös
  • Alkohol, Phosphor, Tannin, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff

  • Amanita phalloides (grüner Knollenblätterpilz)

  • Zytostatika, Tuberkulostatika, Halothan

Stauungsleber
  • Rechtsherzinsuffizienz, Pericarditis constrictiva

  • Lebervenenthrombose

Leberzirrhose
Tumor
  • Leberkarzinom

Familiäre Hyperbilirubinämien
  • M. Crigler-Najjar

  • M. Meulengracht

  • Dubin-Johnson-Syndrom

  • Rotor-Syndrom

Cholestatischer Ikterus
Intrahepatische Cholestase
  • cholestatischer Verlauf bei Hepatitis

  • medikamentös

  • primäre biliäre Zirrhose, biliäre Atresie

  • familiäre benigne Cholestase

  • Schwangerschaftsikterus

Extrahepatische Cholestase
  • Gallenstein, Striktur des Ductus choledochus oder Sphincter oddi, Karzinom (peripapillär), Karzinom der Gallenwege

  • Pankreatitis, Pankreaskopfkarzinom

Allgemeine Begleitsymptome

  • Juckreiz

  • dunkler Urin

  • heller, entfärbter Stuhl

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Konjunktivenikterus, leichte Hepatosplenomegalie: Hämolyse

  • Gefäßspinnen (Spider naevi), Palmarerythem: chronische Lebererkrankung

  • Weißfleckung, bes. an den Armen, Dupytren, Feminisierung: alkoholbedingte Lebererkrankung

  • Belastungsdyspnoe, Appetitlosigkeit, Druckgefühl Lebergegend: Rechtsherzinsuffizienz

  • Durchfall, Hepatomegalie: Amöbenhepatitis

  • Splenomegalie, Lymphknotenschwellung, Anämie: Lymphom, Leukose

  • Gewichtsabnahme, palpable Knoten: Metastasenleber

  • starker Juckreiz, Xanthome: primär-biliäre Zirrhose

  • rezidivierende Koliken: Cholelithiasis

  • Alkoholabusus, Medikamentenanamnese: toxische Hepatitis

Diagnostik

Anamnese
Ansteckungsmöglichkeiten
Berufliche Exposition durch Arbeit im medizinischen Bereich, Kontakt zu Patienten mit Gelbsucht, Reise in letzter Zeit, Genuss von rohem Fisch, Austern, Muscheln?
Medikamente, Drogen, Injektionen
Orale Kontrazeptiva, Methyltestosteron, Halothan, Sulfonylharnstoffe, Oxyphenisaton (Laxanzien), Bluttransfusion, Rauschgift?
Alkoholkonsum
Besonders gefährdet sind bestimmte Berufsgruppen wie Gastwirte, Maurer, Brauereiarbeiter.
Vorerkrankungen
Leber- und Gallenerkrankungen, Diabetes mellitus, Blutkrankheiten, Herzleiden etc.
Familienanamnese
Hepatitis, Blutkrankheiten, kongenitale Störungen des Bilirubinstoffwechsels, Gallenwegserkrankungen etc.
Allgemeinsymptome
Unspezifische Beschwerden wie bei einem fiebrigen grippalen Infekt sprechen für Hepatitis.
Juckreiz
Typisches Zeichen des Verschlussikterus.
Gewichtsabnahme
Spricht zusammen mit langsam einsetzendem Ikterus, Appetitlosigkeit, reduziertem Allgemeinzustand für Tumor.

Ikterus: Symptome und typische Ursachen

Tab. 32
SymptomeUrsachen
Schmerzen
  • kolikartige Schmerzen im rechten und mittleren Oberbauch mit Ausstrahlung in Schulter und Rücken, Erbrechen und Fieber sprechen für Cholelithiasis

  • Schmerzen im Bereich der Leber kommen bei nahezu allen intrahepatischen Erkrankungen, fast nie beim hämolytischen Ikterus vor. Sie können bisweilen in ihrem Charakter der Gallenkolik durchaus ähneln

schmerzloser Ikterusbei Tumorverschluss, insbesondere beim Pankreaskopfkarzinom, während beim Korpus- und Schwanzkarzinom der typische Pankreasschmerz auftritt
Courvoisier-Zeichenunter dem Leberrand ist die Gallenblase vergrößert, mäßig derb, nicht druckdolent tastbar; spricht für Tumorverschluss, meist Pankreaskopfkarzinom
Fieberbei den infektiösen Ikterusformen; manchmal bei Drogenikterus; intermittierende Temperatursteigerungen bei Cholangitis, in geringem Ausmaß auch bei Zirrhose
HautfarbeRubinikterus bei kürzer bestehender, Verdinikterus bei länger bestehender (mehrere Wochen) Gelbsucht
HautzeichenZeichen der Leberzirrhose; ausführlich unter Hepatomegalie
LeberpalpationEine große, knotige, derbe Leber spricht für Tumor, starke Druckdolenz findet sich bei Hepatitis, extrahepatischem Verschluss, Stauungsleber, Leberabszess.
MilzgrößeBeim entzündlich oder durch Stauung bedingten Ikterus ist die Milz oft palpabel, ebenso beim hämolytischen Ikterus.
Aszitesnicht bei hämolytischem Ikterus
venöser Kollateralkreislaufbei Zirrhose, subakut-nekrotisierender Hepatitis
Klinische Untersuchung
  • Schmerzen

  • Courvoisier-Zeichen

  • Fieber

  • Hautfarbe und -veränderungen

  • Palpation von Leber und Milz

  • Aszites

  • sichtbare Kollateralkreisläufe

Labor
Die Laborparameter variieren je nach Form des Ikterus (Tab. 33).
Je nach Verdachtsdiagnose können verschiedene Laborparameter bestimmt werden (Tab. 34).
Weiterführende Untersuchungen
  • Sonografie, Endosonografie

  • CT

  • Endoskopie

  • Leberpunktion und -histologie

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