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B978-3-437-42104-4.00012-4

10.1016/B978-3-437-42104-4.00012-4

978-3-437-42104-4

Lymphknotenschwellung: diagnostisches Vorgehen. Polymerasekettenreaktion. [1]

Lähmungen: Lokalisation und Ausprägung der motorischen Störungen geben Hinweise auf die Lähmungsursache

Tab. 39
Symptome Ursachen
Halbseitensymptomatik
evtl. zusätzlich Hirnnervenlähmung
(zentrale Fazialisparese)
Prozess in der gegenseitigen Hirnhemisphäre
gegenseitige Halbseitensymptomatik + gleichseitige Hirnnervenstörung Hirnstammprozess
spastische Tetraplegie
meist zusätzlich Blasen-Darm-Störung
Halsmarkprozess
spastische Paraplegie der Beine
häufig zusätzlich Blasen-Darm-Störung
Prozess im thorakalen, seltener im zervikalen Rückenmark
schlaffe Tetraplegie
Blasen-Darm-Funktion meist intakt
diffuse Erkrankung der peripheren Nerven oder Vorderhornzellen bzw. diffuse Muskelerkrankung
schlaffe Paraplegie der Beine diffuse Erkrankung von Nerven oder Muskulatur (wie Tetraplegie)
Kaudasyndrom bei Kompression der Wurzeln L3–S5
segmentäre Lähmung Vorderhornläsionen: Der motorische Ausfall entspricht den von dem erkrankten Vorderhornareal innervierten Muskeln.

Lähmungen: Unterscheidung von zentraler und peripherer Lähmung

Tab. 40
Form Symptome
zentrale Lähmung
vgl. Spastik
Muskelatrophie tritt nur sekundär durch verminderten Gebrauch auf
akute zentrale Lähmung: anfänglich schlaff, mit herabgesetzten oder aufgehobenen Muskeleigenreflexen
im Lauf von Tagen geht die schlaffe Parese in eine spastische Parese über
die Lähmung kann alle Schweregrade, von der kaum merkbaren Parese bis zur vollständigen Paralyse, erreichen
  • v. a. die feinen differenzierten Bewegungen sind gestört, weniger die Bewegungen in den großen Gelenken

  • an den Armen ist die Kraft für das Beugen, an den Beinen die Kraft für das Strecken besser erhalten

  • Versuche des Patienten, z. B. die Finger der gelähmten Hand zu beugen, führen oft zu gleichzeitigem Beugen im Ellenbogengelenk (Beugesynergie). Analoges gilt für das Strecken (Strecksynergie) sowie für die untere Extremität

  • manchmal treten ungewollte Mitbewegungen auf, z. B. Strecksynergie des gelähmten Arms beim Gähnen etc.

periphere Lähmung schlaffe Lähmung infolge Unterbrechung des Reflexbogens
Muskelhypotonie
herabgesetzter Widerstand gegen passive Bewegungen
Muskelatrophie
fehlende oder verminderte Eigenreflexe
keine pathologischen Reflexe (Babinski normal, Bauchhautreflexe vorhanden)
keine unwillkürlichen Mitbewegungen
fibrilläre Zuckungen
erniedrigte elektrische Erregbarkeit
trophische Hautveränderungen

Lymphknotenschwellungen

Tab. 41
Lokalisation der LK Drainagegebiet Erkrankungen
okzipital Hinterhaupt Pyodermie der Kopfhaut, Furunkulose, oft bei Röteln
retroaurikulär äußerer Gehörgang, Ohrmuschel, Temporalregion Mastoiditis
angulär Tonsillen, hinterer Teil der Zunge, Pharynx Tonsillitis, Pharyngitis, Zungenkarzinom, Mononukleose
submandibulär, submaxillär, submental Speicheldrüsen, laterale und vordere Zungenabschnitte, Nase, Gesichtshaut, Lippen, Zähne Erkrankungen des Zahnapparats, Karzinome von Rachen, Zunge, Mundboden
oberer seitlicher Hals Kopfgebiet, Gaumen, LK des Kopfes Karzinome im Kopfbereich
unterer seitlicher Hals Hinterhaupt, Axilla, Arm, Pektoralisregion, darüber liegende LK Infektionen und Karzinome im Kopf-, Arm- und Brustbereich, supraklavikuläre Metastasen bei Lungen- und Ösophagus-Ca., isolierte linksseitige LK-Schwellung (Virchow-Drüse) bei Karzinomen des Magens
axillär Arm, hintere und vordere Thoraxwand einschl. Mammae Mamma-Ca., Infektionen bes. im Handbereich
inguinal Abdominalwand, Bein, Genital- und Armregion venerische Erkrankungen, Infektionen bes. der Füße (Mykosen), Karzinome im Bereich des Drainagegebiets

L

Lähmungen

Definition

Herabgesetzte Fähigkeit, die Muskulatur willentlich zu aktivieren.
Parese
Inkomplette Lähmung.
Paralyse/Plegie
Totale Lähmung.
Paraplegie
Lähmung beider Beine oder beider Arme.
Tetraplegie
Lähmung aller vier Extremitäten.

Ursachen

Lähmungen entstehen bei Unterbrechung der entsprechenden Funktionsketten (Tab. 39):
Zentrale Lähmung
  • motorische Großhirnrinde

  • Pyramidenbahn

  • Vorderhornzelle

Periphere Lähmung
  • periphere motorische Nervenfaser

  • motorische Endplatte

  • Muskelfaser

Muskuläre Lähmung
  • durch primäre Muskelschwäche bei Myopathien (Muskelatrophie)

Merke

Die häufigste periphere Nervenlähmung ist die Fazialisparese. Sie zeigt meist keine fassbare Ursache, ist jedoch Begleitsymptom einer Vielzahl von neurologischen, internistischen und HNO-Erkrankungen.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, Persönlichkeitsveränderung, Aphasie, Gesichtsfeldausfälle: intrakranieller Prozess

  • Fieber, Meningismus, Benommenheit, Hirnnervenausfälle: Enzephalitis

  • Parästhesien, Sehstörungen, Doppelbilder, Tremor, Gangschwierigkeiten: multiple Sklerose

  • Rückenschmerzen: intraspinaler Prozess

  • Sensibilitätsstörungen: periphere Nervenläsion

  • Infekt, Parästhesien an Füßen, später an Händen, motorische Schwäche bis zur Tetraplegie: Guillain-Barré-Syndrom

  • Muskelatrophie, zunehmende Muskelschwäche: motorische Systemerkrankung, z. B. spinale Muskelatrophie

  • Trauma, zunehmende Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen: subdurales Hämatom

  • mechanische Beeinträchtigung, straffer Verband: Druckschädigung

  • Reithosenanästhesie, schlaffe doppelseitige motorische und sensible Störungen, Mastdarm- und Erektionsstörungen: Tumor oder Diskushernie im LWS-Bereich (Cauda-Syndrom)

  • Exposition zu Lösungsmitteln, Blei: oxische Schädigung

  • familiäres, periodisches Auftreten der Lähmungserscheinungen, Unruhe, Nervosität, Parästhesien, Muskelschwäche: Kaliumstoffwechselstörung

  • Auftreten der Lähmungen zuerst im Gesicht, Ptosis, eher in der zweiten Tageshälfte, Rückbildung über Nacht: Myasthenia gravis

  • Lähmung an bestimmte Tätigkeit gebunden (Schreiben, Musikinstrument): psychische Ursache

Diagnostik

Bei Anamnese und körperlicher Untersuchung sind Hinweise wichtig, um zwischen zentraler und peripherer Lähmung zu unterscheiden (Tab. 40).
Auch die Verlaufsdynamik der Lähmungserscheinungen liefert wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache und sollte deshalb anamnestisch genau eruiert werden.
Perakut auftretend
  • Trauma

  • Durchblutungsstörung

Sich über wenige Stunden entwickelnd
  • protrahiert verlaufende Durchblutungsstörungen

  • rasch progrediente, raumfordernde Prozesse wie Diskusprolaps, Hämatom

Sich über einige Tage entwickelnd
  • protrahiert verlaufende Durchblutungsstörungen

  • rasch progrediente raumfordernde Prozesse

  • entzündliche Erkrankungen

Chronisch
  • Tumoren

  • metabolisch-toxische Erkrankungen

  • entzündliche Erkrankungen mit chronisch-progredientem Verlauf

  • Systemerkrankungen (z. B. multiple Sklerose)

  • anhaltend komprimierende Prozesse (z. B. vertebragen)

Rezidivierend
  • TIA

  • Epilepsie

  • multiple Sklerose

  • Myasthenia gravis

  • Stoffwechsel- oder Elektrolytstörung

Anamnese
  • Begleitsymptome: Kopfschmerzen, Fieber, Krampfanfälle etc.

  • Vorerkrankungen, Traumata

  • Familienanamnese

  • Medikamentenanamnese

Klinische Untersuchung
  • Sensibilitätsprüfung

  • Reflexstatus

Weiterführende Untersuchungen
Die weitere Diagnostik erfolgt je nach Verdachtsdiagnose:
Bei klinisch-spinalem Prozess
  • Röntgen/CT des entsprechenden Wirbelsäulenabschnitts: Knochendestruktionen, Frakturen?

  • MRT des Rückenmarks: Tumor, Bandscheibenvorfall?

  • Lumbalpunktion: Entzündung, Tumorzellen?

  • Kontrastmittel-CT: genaue Lokalisation und Lagebeziehung von spinalen Raumforderungen

Bei klinisch-peripherer Parese
  • Liquorpunktion

  • EMG

  • Röntgen/MRT

Bei klinisch-myogenen Ursachen der Parese
  • EMG

  • Muskel-Nerv-Biopsie

  • genetische Untersuchungen

Bei Verdacht auf zerebrale Ursache
  • CCT/MRT: Infarkt, Blutung, Tumor?

  • Doppler-/Duplexsonografie der hirnversorgenden Gefäße

  • kardiale Diagnostik: Ausschluss kardiale Emboliequelle (am häufigsten absolute Arrhythmie)

  • MR-Angiografie: intrazerebraler Gefäßverschluss? Stenose?

Leukopenie Veränderungen des weißen Blutbilds

Leukozytose Veränderungen des weißen Blutbilds

Libido- und Potenzverlust
Definitionen
Libido
Im engeren Sinn versteht man unter Libido den einfachen dynamischen Trieb zur Entspannung des Sexualdrangs. In einer viel weitergehenden Definition setzt Jung den Begriff gleich mit psychischer Energie und allgemeiner psychischer Triebkraft.
Potentia coeundi
Beischlaffähigkeit.
Potentia generandi
Zeugungsfähigkeit.
Impotentia generandi
Sterilität des Mannes bei erhaltener Potentia coeundi.
Primäre Impotenz
Eine Sexualausübung war nie möglich.
Sekundäre Impotenz
Im späteren Verlauf des Sexuallebens zur Entwicklung gekommene Störung.

Ursachen

Direkte Voraussetzungen der Beischlaffähigkeit sind
  • Libido

  • Erektion

  • Ejakulation

  • Sexuelle Impotenz kann auf der Störung eines oder (meist) mehrerer dieser Faktoren beruhen.

Merke

Während beim Mann die Erektion die labilste Funktion des Kohabitationsvorgangs ist, ist bei der Frau die orgastische Potenz am leichtesten störbar und behindert, während Sekretion, genitale Blutstauung und Klitoriserektion weniger störbar sind. Bei einem spontanen Verkehr ist also der stabilste Punkt des einen Geschlechtspartners dort, wo bei dem anderen der labilste liegt.

Störungen der Libido
Psychogen
Fehlendes sexuelles Verlangen:
  • aufgrund äußerer Umstände

  • bei falscher Partnerin/falschem Partner

  • aus innerem Unvermögen, z. B. wegen falscher oder fehlender Aufklärung über den Geschlechtsverkehr, aus Versagensangst, bei Neurosen und Psychosen

Organisch
  • bei Allgemeinerkrankungen, insbes. lange bestehenden Leiden, z. B.

    • Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

    • Hypothyreose

    • Cushing-Syndrom

    • Nebennierenrindeninsuffizienz (M. Addison)

    • Diabetes mellitus

    • Stein-Leventhal-Syndrom

    • Ovarialtumor

    • Hodentumor

    • endogener Depression

  • Medikamente

  • Drogenabusus

  • Adipositas

  • Gravidität

Störungen der Erektionsfähigkeit
  • grobe Missbildungen am Penis

  • Verletzungs- oder Verwundungsfolgen mit Narbenzügen am Penis

  • Induratio penis plastica

  • den nervösen Reflexbogen schädigende Krankheiten wie multiple Sklerose, Tabes dorsalis, Verletzungs- oder Operationsfolgen (z. B. Rektumresektion, Sympathektomie)

  • organische Leiden wie Diabetes mellitus, Leberzirrhose, Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Hyper- und Hypotonus, Akromegalie

  • hormonelle Störungen wie Hypopituitarismus, Schilddrüsenerkrankungen, M. Addison u. a.

  • Alkohol-, Nikotin-, Tablettenabusus, Rauschgiftsucht

  • Medikamente wie Psychopharmaka (Reserpin, Propranolol), Zytostatika, Diuretika, Cimetidin u. a.

  • körperliche oder geistige Überanstrengung, Fehlernährung

  • höheres Lebensalter

Dauererektion (Priapismus)
  • idiopathisch (ca. ⅔ der Fälle)

  • medikamentös

  • traumatisch

  • entzündliche oder maligne Erkrankung des Urogenitalsystems

  • thrombotische, hämatologische, neurologische, infektiöse Erkrankungen

Impotentia generandi
Entzündung
  • Orchitis (nach Mumps)

  • Prostatitis

  • Epidymitis

  • Spermatozystitis

Endokrine Ursachen
Spermaanomalien
Trauma
Weitere Ursachen
  • Klinefelter-Syndrom (XXY)

  • Röntgenbestrahlung

  • exogene Testosteronzufuhr

  • höheres Lebensalter

  • Kryptorchismus

Diagnoseweisende Begleitsymptome

  • schmerzhafte Dauererektion ohne sexuelle Erregung, die Dimension des Glieds übertrifft die der normalen Erektion: Priapismus

  • Obstipation, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Antriebsminderung, Interesselosigkeit, traurige Grundstimmung, besonders morgens: endogene Depression

  • Antriebsarmut, Verlangsamung, Abnahme der Schweiß- und Talgsekretion, Myxödem, struppiges Haar: Hypothyreose

  • Polyurie, Polydipsie, Neuritis, Müdigkeit, Juckreiz: Diabetes mellitus

  • Genitalatrophie, Adynamie und Interesselosigkeit, Pigmentmangel: Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

  • Stammfettsucht mit grazilen Gliedmaßen, Striae, Vollmondgesicht: Cushing-Syndrom

  • Gewichtsverlust, orthostatische Regulationsstörungen, Adynamie, Hyperpigmentation, Hypotonie der Muskeln: M. Addison

  • jüngerer Mann; vergrößerter, nicht schmerzhafter Hoden, evtl. Gynäkomastie: Hodentumor

  • Amenorrhö oder dysfunktionelle Blutungen, Sterilität, Genitalhypoplasie, Hirsutismus: Stein-Leventhal-Syndrom

  • Druck- und Völlegefühl im Unterleib; Anämie, Aszites, Regelstörungen: Ovarialtumor

  • Ausfall der Regel, positiver Schwangerschaftstest, livide Scheide und Portio; Auflockerung und Vergrößerung des Uterus: Schwangerschaft

  • Miosis, Wesensveränderung, Antriebslosigkeit: Drogenabusus

Diagnostik

Anamnese
Genaue Klärung, wie die Beischlaffähigkeit gestört ist
  • Masturbation mit Erektion bis zum Orgasmus möglich?

  • Vorzeitige Erschlaffung des Penis ohne Ejakulation?

  • ausbleibende oder unvollständige Erektion (Impotentia coeundi)?

  • (vorzeitige) Erschlaffung des Penis nach zu früher Ejakulation (Ejaculatio praecox), z. B. bei Berührung des weiblichen Genitals, bei der Immissio penis oder nach wenigen Friktionen?

  • Erigierter Penis ist krumm oder abgeknickt (Deviatio penis), der Koitus dadurch schmerzhaft oder unmöglich (Induratio penis plastica)?

  • Priapismus?

Fragen nach begleitender Situation
  • Stresssituationen: Beziehungen mit Partner/in gestört? Berufliche Überlastung?

  • Medikamente?

  • Alkohol, Nikotin, andere Drogen?

  • Krankheit, z. B. Hypotonie, Hyperthyreose, Diabetes mellitus?

Klinische Untersuchung
  • Allgemeinuntersuchung

  • Lokalbefund der Genitale

  • digital-rektale Palpation

  • neurologische Untersuchung

Labor
  • Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte, Gesamteiweiß, Blutzucker

  • Blutbild

  • Blutgasanalyse

  • Urinstatus

Weiterführende Untersuchungen
In Abhängigkeit von der Verdachtsdiagnose, vgl. auch Amenorrhö.

Merke

Bei der Diagnose einer somatisch bedingten Potenzstörung muss das Symptom durch die Art der Grundkrankheit befriedigend erklärt sein und die Störung muss unabhängig von Situation und Partner auftreten. Die Wertung der Bedeutung verschiedener Einzelfaktoren für das Zustandekommen einer Libido- und/oder Potenzstörung kann nur individuell für jeden Patienten vorgenommen werden.

Liquorrhö

Definition

Länger dauernde oder in Intervallen erfolgende Entleerung von Liquor aus Nase und Ohr.

Merke

Kann als Komplikation einer eitrigen Meningitis auftreten. Differenzialdiagnostisch sollte an eine Rhinitis vasomotorica bzw. allergica gedacht werden.

Ursachen

  • Zustand nach Schädeltrauma oder Schädeloperation

  • spontan: intranasale Meningozele, Enzephalomeningozele

Diagnostik

Anamnese
  • Trauma? Lag dabei ein Brillenhämatom vor?

  • Infektionen des Nasen-Rachen-Raums?

  • Meningitis, Nackensteife?

  • Anzeichen für Vorliegen einer Otoliquorrhö?

  • Weiteres Vorgehen Meningismus, Krampfanfälle

Lymphknotenschwellung

Definition

Synonym: Lymphadenose
Oberbegriff für Lymphknotenvergrößerung unterschiedlicher Ursache. Außer in den Leisten sind normal große Lymphknoten nicht tastbar. Normal große Lymphknoten sind auch sonografisch nicht darstellbar.

Merke

Abgeklärt gehören tastbare Lymphknoten, vor allem wenn sie neu entstanden sind, sowie sonografisch darstellbare Lymphknoten über 1 cm Größe.

Ursachen

Isolierte Schwellung einzelner oder benachbarter Lymphknoten
Entzündlich-reaktiv
  • akute bakterielle Infektion im zugehörigen Abflussgebiet, Abszess, Furunkel, Erysipel, Streptokokkenangina, Scharlach, Diphtherie

  • Tuberkulose, Lues (Primärstadium)

  • Aktinomykose

  • Lymphogranuloma inguinale

  • Katzenkratzkrankheit

  • Brucellose, Tularämie

Neoplastisch
  • regionäre Metastasierung

Zunächst isolierte Lymphknotenschwellung mit späterer Ausbreitung
Entzündlich-reaktiv
  • andere Viruserkrankungen, LAS bei HIV-Infektion

  • Röteln, Masern, infektiöse Mononukleose

  • Tuberkulose, Brucellose, Listeriose

  • Mykosen

  • Sarkoidose

Neoplastisch
  • maligne Lymphome, insbes. M. Hodgkin

  • Metastasen

Generalisierte Lymphknotenschwellung
Von generalisierter Lymphknotenschwellung spricht man, wenn zwei oder mehrere nicht miteinander in Beziehung stehender LK-Gruppen befallen sind.
Entzündlich-reaktiv
  • Toxoplasmose, Zytomegalie, Lues, HIV

  • chronische Polyarthritis, Felty-Syndrom, Still-Syndrom

  • Medikamente, z. B. Hydantoine

Speicherung
  • M. Gaucher, M. Niemann-Pick

Neoplastisch
  • chronisch-lymphatische Leukämie

  • akute Leukosen

Allgemeine Begleitsymptome

  • Fieber

  • Schwäche

  • Gewichtsverlust

Merke

Zahlreiche fieberhafte Erkrankungen sind von einer Lymphknotenschwellung begleitet, die durch die typischen weiteren Krankheitssymptome sowie durch den akuten Verlauf erklärt ist. Bei schweren und chronisch-entzündlich verlaufenden Krankheiten bestehen jedoch ebenso wie bei malignen Erkrankungen die Allgemeinsymptome einer konsumierenden Erkrankung wie Gewichtsverlust, Leistungsknick, Schwäche und Nachtschweiß.

Diagnoseweisende Begleitsymptome

Die Lokalisation der Lymphknotenschwellungen gibt häufig bereits Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung (Tab. 41).

Hintergrund

Wichtige Krankheiten, die generalisierte Lymphknotenschwellungen verursachen können, und ihre Symptome im Folgenden:

Chronisch-lymphatische Leukämie

Symptome

Beschwerden können lange Zeit fehlen. In fortgeschritteneren Stadien ist das Allgemeinbefinden vor allem durch die Anämie beeinträchtigt. Erstes Krankheitszeichen ist meist eine symmetrische Vergrößerung der Halslymphknoten, die jahrelang auf bestimmte Lymphknotengruppen beschränkt bleiben kann. Auch die Leukozytenvermehrung kann jahrelang gering bleiben und die Milz wird oft erst spät tastbar. Das voll ausgeprägte Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch:
  • symmetrische Lymphome im Bereich von Hals, Axilla und Leiste

  • Hepato- und Splenomegalie (mittelgroß, mäßig derb, indolent)

  • Anämie

  • leukämische Hautinfiltrate (Facies leontina), die zwar seltener vorkommen, aber sehr typisch sind.

Diagnose

Oft Zufallsbefund anlässlich einer Blutkontrolle.
Blutbild
Normo- bis hypochrome Anämie, Leukozytose meist unter 100.000/mm3, fast ausschließlich kleine, gleichförmige Leukozyten mit runden, grob strukturierten Kernen. Gumprecht-Kernschatten.
Knochenmark
Voll von Lymphozyten, die denen im peripheren Blut gleichen. Dazwischen unreife lymphatische Zellen und Fibrosklerose.
Immunglobuline
Hypogammaglobulinämie, Verminderung der Antikörper bis hin zum vollständigen Antikörpermangelsyndrom. Hämolysierende und kälteagglutinierende Autoantikörper.

Hodgkin-Krankheit

Oft mit Fieberschüben einhergehende, maligne Erkrankung des lymphatischen Gewebes, für die mehrkernige Sternberg-Reed-Riesenzellen oder einkernige Hodgkin-Zellen typisch sind. Betrifft vor allem Jugendliche und Patienten im mittleren Lebensalter, Männer häufiger als Frauen.

Symptome

  • Lymphknotenschwellungen, beginnend meist am Hals

  • Fieber

  • Hautjucken

  • Alkoholschmerz

  • Gewichtsverlust

  • im Spätstadium: Milztumor, Knochenherde (Wirbelsäule, Becken, Rippen), Infiltration der Lunge, seltener des Magen-Darm-Trakts, der Haut und des ZNS

Diagnose

Blutbild
Unterschiedlich stark ausgeprägte Lymphopenie, Eosinophilie, Monozytose und Anämie.
Knochenmark
Im Stanzpräparat gelegentlich Nachweis von Sternbergzellen.
BSG
Erhöht.
Lymphknotenbiopsie
Stadieneinteilung erfolgt nach dem Grad der Ausdehnung. Alle Stadien werden untergliedert in:
  • A: keine Allgemeinsymptome

  • B: Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß

HIV-Infektion, AIDS

Stadieneinteilung

Asymptomatische HIV-Infektion
Evtl. nach akuter HIV-Krankheit.
Lymphadenopathiesyndrom (LAS)
Schmerzlose, vergrößerte LK, über mehr als 3 Monate persistierend. Die LK-Vergrößerung verschwindet mit zunehmendem Immundefekt.
AIDS-related Complex
Auftreten klinischer Symptome und pathologischer Laborbefunde.
Vollbild AIDS
Manifestes Immunmangelleiden.

Häufige Symptome

  • Kopfschmerzen

  • Sehstörungen

  • Mundulzerationen

  • Schluckstörungen

  • Husten

  • Diarrhö

  • unklares Fieber

Diagnostik (Abb. 8)

Anamnese
Alter
Kindesalter
Typisch ist eine starke lymphatische Reaktion auf Infekte. Charakteristische Erkrankungen dieser Altersstufe sind Infektionen mit lymphotropen Erregern sowie akute Leukosen.
Jüngeres Erwachsenenalter
Charakteristische Erkrankungen dieser Altersstufe sind Sarkoidose, M. Hodgkin, Infektionen mit lymphotropen Viren (Pfeiffer-Drüsenfieber, HIV).
Ältere Patienten
Es kommt zu einer zunehmenden Involution des lymphatischen Systems. Typische Erkrankungen sind chronisch-lymphatische Leukämie, Karzinommetastasen.
Infektionsmöglichkeiten
  • ähnliche Erkrankungen in der Umgebung

  • Kontakt mit Tieren (Brucellose, Toxoplasmose, Tularämie), Aktinomykose bei Landwirten

  • Sexualkontakte? I. v. Drogen? Bluttransfusionen?

Fieber
Bei infektiösen, aber auch bei neoplastischen Lymphknotenschwellungen wie M. Hodgkin, akuten Hämoblastosen.
Pruritus
Bei M. Hodgkin, chronisch-lymphatischer Leukämie.
Alkoholschmerz
Bei M. Hodgkin und Sarkoidose kann Genuss von Alkohol Schmerzen in den befallenen Lymphknoten provozieren.
Allgemeinzustand
Für ein Neoplasma sprechen z. B.:
  • Gewichtsverlust, Inappetenz

  • nachlassende Leistungsfähigkeit

  • Nachtschweiß etc.

Medikamenteneinnahme
Hydantoine können ein Krankheitsbild mit Lymphknotenschwellung, Hautausschlägen und Gelenkbeteiligung hervorrufen.
Klinische Untersuchung
LK-Palpation
Anzahl
Größe
Konsistenz
Vermehrte Konsistenz findet sich vor allem bei Karzinommetastasen und Sarkomen, weniger bei malignen Lymphomen. Sehr weiche oder fluktuierende Lymphknoten weisen auf Einschmelzung hin (z. B. bei Tbc, bakterieller Infektion).
Verschieblichkeit
Bei entzündlicher LK-Schwellung bleibt die Verschieblichkeit meist erhalten, allerdings können chronisch entzündete Lymphknoten wie z. B. bei Aktinomykose oder Tuberkulose fest mit der Umgebung verbacken sein. Ansonsten deutet schlechte Verschieblichkeit auf ein Neoplasma hin.
Schmerzhaftigkeit
Reaktive LK-Schwellungen sind meist schmerzhaft, durch maligne Erkrankungen oder HIV-Infektion verursachte sind eher nicht schmerzhaft.
Inspektion der Haut
  • lokale Rötung und Überwärmung: akute Lymphadenitis

  • Exanthem: Röteln, infektiöse Mononukleose

  • Erythema nodosum: Tbc, Sarkoidose

  • Herpes zoster: Malignom

  • neoplastische Hautinfiltrate: vor allem bei malignen Lymphomen

  • generalisierte Dermatose, oft schuppend: chronisch-lymphatische Leukämie

Inspektion der Gelenke
  • Veränderungen: chronische Polyarthritis

  • Schmerzen und Schwellung vor allem der Sprunggelenke: evtl. bei Sarkoidose

Inspektion der Tonsillen
Palpation von Milz und Leber
Bei vielen Krankheiten sind Milz und Lymphknoten gleichzeitig vergrößert, manchmal besteht auch eine Hepatomegalie. Vgl. hierzu Splenomegalie, Heptomegalie.
Labor
Blutbild
Spezifische Veränderungen bei infektiöser Mononukleose, Leukämie.
Infektionsnachweis
  • Serologie

  • Bakteriologie

  • Tuberkulintest

  • HIV-Test

Weiterführende Untersuchungen
Lymphknoten-Sonografie
Röntgen/CT-Thorax
Bei Verdacht auf Hiluslymphknoten.
Knochenmark
Insbesondere bei Verdacht auf Hämoblastose.
Lymphknotenbiopsie
Muss bei jeder nicht einwandfrei geklärten Lymphknotenschwellung vorgenommen werden.

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