© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42104-4.00021-5

10.1016/B978-3-437-42104-4.00021-5

978-3-437-42104-4

V

Veränderungen des weißen Blutbilds

Definition

Leukozytose
Leukozyten über 10.000/mm3.
Leukopenie
Leukozyten unter 4.000/mm3.
Lymphozytose
Lymphozyten über 3.600/mm3 bzw. über 40 %.
Lymphopenie
Lymphozyten unter 1.000/mm3 bzw. unter 25 %.
Eosinophilie
Eosinophile über 440/mm3 bzw. über 4 %.
Eosinopenie
Eosinophile unter 25–40/mm3 bzw. unter 1 %.

Ursachen

Leukozytose
Granulozytose
Physiologisch
  • schwere körperliche Arbeit, Leistungssport

  • Stress, Schmerz, Angst, Emotionen

  • Gravidität

  • Sonnenbestrahlung

  • Neugeborenes

Infektionskrankheiten
  • generalisiert: Bakterien (bes. Sepsis), Pilze, Spirochäten, Malaria

  • lokalisiert: Abszess, Furunkel, Phlegmone, Tonsillitis, Cholezystitis, Appendizitis, Pyelitis, Salpingitis, Endokarditis, Peritonitis

Endogen-toxisch
  • Coma diabeticum, urämicum, hepaticum

  • Gichtanfall

  • Eklampsie

  • Verbrennungen

  • Ileus

Exogen-toxisch
  • Vergiftungen, z. B. Blei, Quecksilber, Insektengift

  • Medikamente, z. B. Barbiturate

  • Fremdeiweiß, z. B. Impfungen, Transfusionsreaktion

  • Insektenstich

Akuter Blutverlust
  • postoperativ

  • Magenblutung, Tubargravidität etc.

Erkrankungen des Knochenmarks
  • chronisch-myeloische Leukämie

  • Myelofibrose

  • Polycythaemia vera

  • Lymphogranulom

Hormonale Störungen
  • Cushing-Syndrom

Myokardinfarkt
  • DD zur Angina pectoris (Thoraxschmerz)

Sonstige Ursachen
  • Schock

  • akute Hämolyse

  • zerebrale Krämpfe

  • paroxysmale Tachykardie

  • Erbrechen, Durst

Ursachen einer Lymphozytose
Infektionskrankheiten
  • Viruserkrankungen wie Grippe, Röteln, Hepatitis, Viruspneumonien, Mumps, infektiöse Mononukleose

  • einige bakterielle Infektionskrankheiten wie Paratyphus, Typhus abdominalis

  • exzessiv bei Pertussis

  • chronische Infektionen wie Tbc, Bruzellose

  • Rekonvaleszenz nach akuten Infektionskrankheiten

Medikamentös
  • Sulfonamide, Phenobarbital, PAS, Hydantoin

Erkrankungen des Knochenmarks
  • lymphatische Leukämie

Andere Erkrankungen
  • maligne Lymphome

  • M. Waldenström

  • Urticaria pigmentosa

  • Hyperthyreose

  • M. Addison

Ursachen einer Eosinophilie
Infektionskrankheiten
  • Scharlach, Masern (während der Inkubation), Erythema infectiosum, akute infektiöse Lymphozytose

  • allgemein in der Rekonvaleszenz

Parasitosen
  • Trichinen

  • Oxyuren, Askariden

  • Echinokokken u. a.

Allergien
  • Asthma bronchiale, Heuschnupfen

  • Urtikaria

  • angioneurotisches Ödem

  • Arzneimittelexantheme

  • Serumkrankheit (nach Impfung, Bluttransfusion)

  • Nahrungsmittel

  • Insektenstich

Medikamentös
  • Penicillin, Chlorpromazin, Streptomycin

Kollagenosen
  • Periarteriitis nodosa (häufig)

  • Dermatomyositis, Lupus erythematodes

Blutkrankheiten
  • Vgl. auch Anämie, Polyglobulie

  • Perniziosa

  • Polycythaemia vera

  • M. Hodgkin

  • chronische myeloische Leukämie

  • eosinophile Leukämie

  • Status nach Splenektomie

Malignome
  • bes. Ovar, seröse Höhlen, Knochen

Endokrinopathien
  • M. Addison

  • Hypopituitarismus

  • Myxödem, Thyreotoxikose

Hautkrankheiten
  • Skabies

  • Kontaktekzem

  • Neurodermitis constitutionalis

  • Mycosis fungoides

Sonstige Ursachen
  • konstitutionell-familiäre Eosinophilie

  • eosinophile Gastroenteritis

  • eosinophile Zystitis

  • hypereosinophiles Syndrom

  • Hunger

Leukopenie
Granulopenie
Infektionskrankheiten
  • bakteriell: Typhus, Paratyphus, Sepsis, Bruzellose

  • Virusinfekte: Masern, Röteln, Influenza, Mumps, Windpocken etc.

  • Protozoen: Malaria, Toxoplasmose

Physikalisch, chemisch-toxisch
  • Zytostatika

  • Thyreostatika

  • Benzol, Anilin, Nitrophenol

  • Röntgenbestrahlung

Medikamentös-allergisch
  • Chloramphenicol

  • Phenothiazine

  • Sulfonamide

  • Antikonvulsiva

  • Aminopyrin

Blutkrankheiten
Vgl. auch Anämie, Polyglobulie.
  • Perniziosa

  • Panzytopenie

  • Agranulozytose

  • aleukämische Leukämie

  • Eisenmangelanämie

Knochenmarkskarzinose
Krankheiten mit Milztumor
Hypersplenismus.
Endokrinopathien
  • Thyreotoxikose

  • Myxödem

  • Hypopituitarismus

Andere Ursachen
  • Lupus erythematodes

  • Felty-Syndrom

  • M. Gaucher

  • Leberzirrhose

  • Hunger, Kachexie, chronischer Alkoholismus

Idiopathisch
  • chronisch

  • periodisch

Lymphopenie
Infektionskrankheiten
  • akute Phase bakterieller Infektionen

  • Sepsis lenta, Miliartuberkulose

  • Virusinfektionen: Mumps (früh), Masern (spät), AIDS

Intoxikationen
  • Zytostatika (insbes. Chromabucil)

  • ionisierende Strahlen

  • Urämie

Medikamentös
  • Kortikosteroide, ACTH

Stresssituationen
  • Trauma

  • starke körperliche Belastung

  • Gravidität

  • postoperativ

  • Verbrennung

  • starke Schmerzen

Sonstige Erkrankungen
  • M. Hodgkin

  • Lymphosarkomatose

  • essenzielle Lymphozytophthise Glanzmann

  • Antikörpermangelsyndrom

  • M. Cushing

  • Lupus erythematodes

  • Dermatomyositis

  • M. Boeck

  • Rechtsherzinsuffizienz

Eosinopenie
Infektionskrankheiten
  • akutes Stadium der meisten bakteriellen Infekte

  • Typhus abdominalis

Stresssituationen
  • Trauma

  • Operation

Hormonal
  • M. Cushing, Kortikosteroidtherapie

Diagnostik

Anamnese
  • Hinweise auf akute Infektion wie Fieber, Pharyngitis, Exanthem, Lymphadenopathie, Eiterbildung

  • akuter Blutverlust, Operation

  • Begleiterkrankungen

  • Gewichtsverlust, Leistungsknick

  • toxische Substanzen, Medikamente, Allergene

Klinische Untersuchung
Lymphknotenstatus, Leber, Milz.
Labor
Je nach klinischer Symptomatik. Bei Verdachtsdiagnose einer hämatologischen Systemerkrankung spezielle hämatologische Diagnostik.

Vergesslichkeit, abnorme Gedächtnisstörungen

Vielzahl und Wechsel von Beschwerden

„Der Schmerz, der keinen Ausweg in Tränen findet, bringt andere Organe zum Weinen …“ (Maudsley)

Definition

Viele verschiedene und häufig wechselnde Beschwerden sind oft Zeichen einer psychosomatischen oder psychiatrischen Erkrankung.

Merke

Eine organische Krankheit darf trotzdem nicht übersehen werden.

Allgemeines psychosomatisches Syndrom
Körperlich zentriertes Beschwerdebild, das keine organischen Ursachen oder Korrelate hat, sondern sich auf psychosoziale Belastungen und/oder innere Konfliktsituationen zurückführen lässt. Es liegt also hierbei eine Tendenz zur Somatisierung seelischer oder sozialer Konflikte vor. Synonyma sind psychovegetatives Syndrom, vegetative Dystonie, Neurasthenie, funktionelles Syndrom.

Ursachen

Persönlichkeitsfaktor
Die Häufigkeit körperlicher und seelischer Beschwerdeangaben korreliert mit einem testpsychologisch fassbaren Persönlichkeitsfaktor, der nach Eysenck als Neurotizismus bezeichnet wird. Er kann als Hemmung, emotionale Labilität, Selbstunsicherheit, schwankende Stimmung, Erregbarkeit etc. in Erscheinung treten. Dieser Faktor wiederum wird mit einer Regulationsschwäche des vegetativen Nervensystems in Verbindung gebracht.
Frühkindliche Störungen
Eine starke Häufung der obigen Beschwerden korreliert nach Winter signifikant mit negativen Einflüssen aus der frühen Kindheit wie konfliktbelasteter Ehe der Eltern, harter oder gleichgültiger Erziehung, Tod eines Elternteils, uneheliche Geburt etc. Bei Symptomfreien fehlten dagegen meist derartige grobe Störungsfaktoren in dieser Periode.
Frühkindliche Sozialisation
Soziale Schicht der Eltern und frühkindliche Sozialisation haben Einfluss darauf, ob das Beschwerdebild mehr somatisch oder psychisch ausgerichtet ist. In den unteren Sozialschichten fanden sich bei Untersuchungen sehr viel häufiger körperliche Symptombildungen als in den oberen.
Gegenwärtige Lebenssituation
Zu einer Symptombildung kommt es meist erst, wenn Belastungen in der gegenwärtigen Lebenssituation, z. B. in Ehe, Familie, am Arbeitsplatz, beim Studium, hinzukommen.
Somatisch orientiertes Krankheitsverständnis
Körperliches Kranksein wird von Arzt und Gesellschaft viel eher akzeptiert als seelisches, welches den Kranken oft eher diskriminiert. Es stellt auch einen viel stärkeren Appell an die Umgebung dar, dem Kranken Zuwendung zuteil werden zu lassen, führt zur Entlastung von Verpflichtungen, Rollenanforderungen etc.

Allgemeine Begleitsymptome

Schlafstörungen, allgemeine Schwäche und Mattigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Herzschmerzen, Herzklopfen, Schwindel, Atembeschwerden, Kreuz- und Rückenschmerzen können im Vordergrund stehen. Somatisierung bedeutet, dass z. B. anstelle von Angst Herzklopfen oder Herzschmerzen, anstelle von Verstimmung und Traurigkeit Druck im Oberbauch oder in der Brust verspürt wird. Bemerkenswert ist, dass bei Untersuchungen gesunder Populationen nach eingehender Exploration sehr häufig derartige Symptome angeführt werden.

Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung
Da die Symptomatik meist unscharf und austauschbar ist, muss zum Ausschluss einer organischen Ursache der Beschwerden eine gründliche Allgemeinanamnese erhoben und eine gründliche internistische Untersuchung durchgeführt werden.
Weiterführende Untersuchungen
Die moderne Medizin bietet praktisch unbegrenzte Untersuchungsmöglichkeiten, die oft extensiv genützt werden, weil ein psychosomatischer Krankheitszusammenhang nicht erkannt wird. Dieser lässt sich z. B. aus dem zeitlichen und inneren Zusammenhang des Auftretens von Beschwerden mit einer äußeren Belastung und/oder inneren Konfliktsituationen ersehen.

Merke

Eine wichtige Differenzialdiagnose zum allgemeinen psychosomatischen Syndrom ist die larvierte Depression.

Hintergrund

Larvierte Depression

Die larvierte Depression ist kein eigener Depressionstyp, sondern ein Stichwort für eine besondere diagnostische Problematik: Die Depression ist hinter körperlichen Beschwerden verborgen. Insbesondere wenn die Patienten nur über ein Vitalsymptom (s. u.) klagen, werden sie vor der Diagnosestellung oft langwierigen organdiagnostischen und -therapeutischen Maßnahmen unterzogen.

Diagnostisch wegweisende Begleitsymptome bei larvierter Depression

  • allgemeines Abgeschlagensein, ständige Müdigkeit, keine Erholung durch Schlaf

  • Schlaflosigkeit, mangelnder Tiefschlaf

  • Inappetenz, Obstipation

  • Druckgefühl in Brust- oder Bauchraum

  • zugeschnürter Hals

  • bleischwerer Kopf

  • Unruhegefühl in Kopf, Brust und Bauch

  • Druck um den Körper wie von einem Reifen

  • Amenorrhö, bei Männern Potenzminderung oder -verlust

Diagnostik

Einer relativ kleinen Zahl typischer Melancholien steht eine weitaus größere von weniger prägnanten Formen gegenüber. Die leichten Melancholien äußern sich oft nur in unbestimmter Beeinträchtigung des körperlichen Befindens, hartnäckigen Schlafstörungen oder in einer missmutig- unlustigen Gestimmtheit. Neben der Symptomatik orientiert sich die Diagnose einer Melancholie auch am Verlauf: Frühere melancholische oder manische Phasen machen die Diagnose leicht, typisch ist auch der plötzliche Beginn einer Phase meist mit Schlafstörungen und anderen Vitalsymptomen, noch charakteristischer, aber selten, die plötzliche Beendigung einer Phase.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen