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B978-3-437-42385-7.00029-3

10.1016/B978-3-437-42385-7.00029-3

978-3-437-42385-7

Duodenitis:PathogenesePathogenese der chronisch aktiven Duodenitis und des Duodenalulkus. ASS = Acetylsalicylsäure, NSAR = nichtsteroidale Antirheumatika, ZES = Zollinger-Ellison-Syndrom.

Chronisch aktive DuodenitisDuodenitis. Verplumpte Duodenalzotte mit gastrischer Metaplasie (links), ausgeprägtem lymphoplasmazellulärem Entzündungsinfiltrat in der Lamina propria, zahlreichen neutrophilen Granulozyten und oberflächlicher Besiedelung mit H.p.-Bakterien. HE, Vergr. 200-fach.

Adenom-Karzinom-Adenom-Karzinom-Sequenz:DuodenumSequenz im Duodenum. Großes tubulovillöses Adenom im Bereich der Papilla Vateri mit Übergang in ein invasives Adenokarzinom (Stern).

Duodenum

W. Jochum

G. Baretton

  • 29.1

    Normale Struktur und Funktion567

  • 29.2

    Fehlbildungen567

  • 29.3

    Duodenitis567

    • 29.3.1

      Chronisch aktive Duodenitis567

    • 29.3.2

      Weitere Duodenitisformen568

  • 29.4

    Ulcus duodeni568

  • 29.5

    Hyperplasien569

  • 29.6

    Tumoren569

    • 29.6.1

      Adenom569

    • 29.6.2

      Karzinom569

    • 29.6.3

      Neuroendokrine Tumoren569

    • 29.6.4

      Mesenchymale Tumoren569

Zur Orientierung

DuodenumDünndarm:DuodenumZwölffingerdarm\t \"siehe DuodenumAls Ausdruck der engen anatomischen und funktionellen Beziehung haben Erkrankungen des Duodenums und Magens ähnliche Ursachen und Symptome. Von besonderer Bedeutung sind die durch Helicobacter pylori verursachte Duodenitis und das Ulcus duodeni. Tumoren des Duodenums sind selten. Die endoskopische und bioptische Untersuchung des Duodenums wird häufig zur Diagnostik einer vermuteten Dünndarmerkrankung eingesetzt.

Normale Struktur und Funktion

Das Duodenum ist ein ca. 25 cm langer Dünndarmabschnitt, der von einer Mukosa mit Zotten und Krypten ausgekleidet ist. Das obere Drittel enthält eine dorsale postpylorische Aussackung, den Bulbus duodeni. Der postpylorische Abschnitt ist reichlich mit Brunner-Brunner-Drüsen:DuodenumDrüsen ausgestattet, die im unteren Duodenumdrittel weitgehend fehlen. Brunner-Drüsen bilden Muzine, Pepsinogen II, Bikarbonat und Epidermal-Growth-Factor (EGF) und tragen somit zur Alkalisierung des sauren Mageninhalts bzw. zur Regeneration der Duodenalschleimhaut bei. Im mittleren Drittel findet sich die Papilla Vateri, an der der Gallengang und der Pankreasgang gemeinsam oder separat in das Duodenum münden. Die Duodenalschleimhaut enthält zahlreiche endokrine Zellen (Kap. 17.1).
Die Funktion des Duodenums besteht im Weitertransport der angedauten Speisen, in der Alkalisierung des Magensaftes und in der Aufnahme der Verdauungssekrete aus Pankreas und Leber (Galle).

Fehlbildungen

Duodenum:FehlbildungAls Fehlbildungen treten im Duodenum Atresien, Stenosen und Duplikationen auf. Divertikel:DuodenumDivertikel sind meistens in der Umgebung der Papilla Vateri lokalisiert. Gastrale Heterotopie:gastraleHeterotopien bestehen aus kleinen Inseln (1–2 mm) von Magenkorpusmukosa in der Duodenalwand und kommen vor allem im postpylorischen Anteil des Duodenums vor. Bei der Pankreasheterotopie:DuodenumPankreasheterotopie findet sich Pankreasgewebe in der Submukosa oder Muscularis propria der Duodenalwand.

Duodenitis

Chronisch aktive Duodenitis

DuodenitisDefinitionDie chronisch aktive Duodenitis betrifft vor allem den Bulbus duodeni und tritt bei einer H.p.-Helicobacter pylori:DuodenitisInfektion auf.Zollinger-Ellison-Syndrom:DuodenitisG-Zelle:DuodenitisBelegzelle:Duodenitis

Pathogenese

Die chronisch aktive Duodenitis ist in der Regel mit einer chronisch aktiven H.p.-Gastritis assoziiert (Abb. 29.1). H.p. schädigt im Antrum die Zellen, die Somatostatin bilden. Dadurch werden die G-Zellen enthemmt und die Hypergastrinämie führt zur Hypersekretion von Salzsäure aus den Belegzellen des Magenkorpus. Die Übersäuerung des Duodenallumens hat eine gastrische Metaplasie der oberflächlichen Schleimhaut zur Folge. Diese ermöglicht die Besiedlung des Duodenums durch H.p., da die normalen Absorptivzellen der Duodenalmukosa keine Rezeptoren für H.p. aufweisen. Als Folge der duodenalen H.p.-Besiedlung tritt eine lokale entzündliche Immunantwort auf, die ähnlich wie bei der H.p.-Gastritis aus einer chronischen Immunreaktion und einer aktiven granulozytären Antwort besteht (Abb. 29.2). Die Hypergastrinämie bei Zollinger-Ellison-Syndrom führt ebenfalls über eine Übersäuerung des Duodenums zu einer Duodenitis (Kap. 17.3.1, Kap. 18.2).

Morphologie

Makroskopisch liegen eine Schleimhautrötung und Erosionen vor. Histologische Veränderungen sind in Abbildung 29.2 wiedergegeben. Außerdem finden sich häufig regeneratorische Epithelveränderungen und eine Hyperplasie der Brunner-Drüsen.

Weitere Duodenitisformen

Eine Duodenitis tritt auch bei infektiöser Enteritis (u.a. bei Giardiasis, Morbus Whipple), eosinophiler Gastroenteritis, Morbus Crohn und unter NSAR-Behandlung auf (Kap. 30).

Ulcus duodeni

Ulkus:DuodenumUlcus:duodeniDuodenalulkusDefinitionDies ist ein Defekt der Duodenalschleimhaut, der tiefer als die Muscularis mucosae reichtMuscularis mucosae:Duodenalulkus. Endoskopisch werden häufig Schleimhautdefekte mit einem Durchmesser über 5 mm als Ulzerationen bezeichnet.

Pathogenese

Ulcera duodeni entstehen bei einer Störung des Gleichgewichts zwischen aggressiven und protektiven Schleimhautfaktoren. Besonders die durch eine H.p.-Gastritis induzierte Übersäuerung (Kap. 28.7.3) des Duodenalinhalts schädigt die Schleimhaut im Duodenum („ohne Säure kein Duodenalulkus“). In ungefähr 90% der Ulcera duodeni wird im Magen eine H.p.-Gastritis angetroffen.

Weitere Ursachen einer gesteigerten Säureproduktion sind eine Hypergastrinämie (Zollinger-Ellison-Syndrom) und eine vegetative Stimulation (Rauchen, Stress). Ulcera duodeni werden weiterhin bei der Einnahme von ASS und NSAR beobachtet. Seltener sind Infektionen mit Viren (CMV, HSV), Morbus Crohn, Sarkoidose und ein erhöhter intrakranieller Druck.

Morphologie

Das Ulcus duodeni liegt meist im Bulbus duodeni. Der histologische Aufbau entspricht grundsätzlich dem eines Ulcus ventriculi (Kap. 28.8.2). Allerdings finden sich am Ulkusgrund Brunner-Drüsen, die häufig eine Hyperplasie und Vernarbung zeigen.

KomplikationenWichtige Komplikationen sind:
  • Arrosionsblutung aus der A. pancreaticoduodenalis

  • freie Perforation mit akuter Peritonitis

  • Penetration in Nachbarorgane (Pankreaskopf, Leber, Gallenblase)

  • Vernarbung und Verziehung des Pyloruskanals oder des Bulbus duodeni, welche Entleerungs- oder Verschlussstörungen des Magens verursachen, die zu einem duodenogastralen Reflux führen

Hyperplasien

Eine Hyperplasie:DuodenumHyperplasie muköser Drüsen oder der in der Submukosa gelegenen Brunner-Drüsen findet sich häufig in der Nachbarschaft von Ulzera. Hyperplastische Läsionen können im Schleimhautniveau liegen oder zur Ausbildung kleiner Polypen führen.

Tumoren

Adenom

Adenome des Tumor:DuodenumDuodenum:TumorenAdenom:DuodenumDuodenums sind selten und entstehen in der Regel im Bereich der Papilla Vateri. Meist handelt es sich um sporadische solitäre Tumoren. Bei der familiären adenomatösen PolyposePolypose:familiäre adenomatöse (FAP) findenFAP (familiäre adenomatöse Polypose):Duodenaladenome sich häufig multiple Adenome im peripapillären Bereich. Histologisch ähneln Adenome des Duodenums denen in Kolon und Rektum.

Karzinom

Mehr als die Karzinom:DuodenumDuodenumkarzinomHälfte der seltenen Dünndarmkarzinome entstehen im Duodenum. Wie Adenome sind sie meistens in der Umgebung der Papilla Vateri lokalisiert und führen oft zu einer Behinderung des Galleabflusses. Duodenalkarzinome entstehen meistens durch maligne Progression aus Adenomen (Adenom-Karzinom-Sequenz; Abb. 29.3Adenom-Karzinom-Sequenz:DuodenumDuodenum:Adenom-Karzinom-Sequenz).
Histologisch handelt es sich um Adenokarzinome.

Neuroendokrine Tumoren

Tumor:neuroendokrinerUngefähr 3% der neuroendokrinen Tumoren des Gastrointestinaltrakts entstehen im oberen Duodenum (Kap. 17.3.1, Kap. 18).

Mesenchymale Tumoren

Tumor:mesenchymalerMesenchymale Tumoren des Duodenums sind sehr selten. Ihre Morphologie und ihr biologisches Verhalten entsprechen denen der mesenchymalen Tumoren des Magens (Kap. 28.11.4).

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