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B978-3-437-42385-7.00023-2

10.1016/B978-3-437-42385-7.00023-2

978-3-437-42385-7

Polyp:NasenschleimhautNasenschleimhautpolypNasenschleimhautpolypen. a Makroskopie mit glasiger Schnittfläche. b Mikroskopisches Übersichtsbild. Ödematöses Stroma mit eingedicktem Sekret in zystisch erweiterten Drüsen. Elastica Van-Gieson Färbung, Vergr. 1-fach.

Tonsillitis:FormenTonsillitisformen. a Chronisch rezidivierende, teils hyperplastische Tonsillitis Tonsillitis:lacunarislacunaris mit Ulzerationen. Makrofoto von Operationspräparaten der beiden Gaumentonsillen. b Tonsillitis lacunaris. Mikroskopisches Übersichtsbild des Operationspräparats einer Tonsille bei chronischer Tonsillitis lacunaris mit vertieften und verzweigten Krypten und lymphfollikulärer Hyperplasie. Van-Gieson-Elastica, Vergr. 1-fach. c Hyperplastische Tonsillitis:hyperplastischeTonsillitis. Mikrofotografische Übersicht einer hyperplastischen Tonsillitis mit zahlreichen Lymphfollikeln und verlängerten Krypten. Operationspräparat nach Tonsillektomie. Van-Gieson-Elastica, Vergr. 2-fach.

Laryngoskopische Bilder pathologischer Befunde im Stimmbandbereich. a Papillom:LarynxLarynx:PapillomLarynxpapillome. b Leukoplakie:StimmbandLeukoplakien (hyperplastisches Plattenepithel mit Verhornung) im Bereich beider Stimmbänder. c Frühphase eines Plattenepithelkarzinom:StimmbandPlattenepithelkarzinoms des Stimmbands.

Obere Atemwege

A. Soltermann

H. Popper

Auf der Basis des Kapitels von K.-M. Müller

  • 23.1

    Nase und Nebenhöhlen467

    • 23.1.1

      Äußere Nase467

    • 23.1.2

      Innere Nase und Nebenhöhlen467

  • 23.2

    Nasopharynx469

    • 23.2.1

      Entzündungen469

    • 23.2.2

      Tumoren469

  • 23.3

    Oro-/Hypopharynx469

    • 23.3.1

      Entwicklung und Fehlbildungen469

    • 23.3.2

      Entzündungen469

    • 23.3.3

      Tumoren470

  • 23.4

    Larynx471

    • 23.4.1

      Fehlbildung471

    • 23.4.2

      Traumen471

    • 23.4.3

      Ödem und Entzündung471

    • 23.4.4

      Tumoren472

Zur Orientierung

Atemwege:obereEntzündungen der Nasenschleimhaut wie der Virusschnupfen („common cold disease“), die allergische Rhinopathie (Heuschnupfen/Pollinosis) und chronisch unspezifische Entzündungen als Reaktion auf ein großes Spektrum exogener Faktoren (z.B. trockene, staubige Atemluft, Witterungsverhältnisse, Reizgase, Schnupftabak) gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Respirationstrakts.

Der Pharynx ist ein schlauchförmiges Organ und verbindet die Nase bzw. Mundhöhle mit dem Larynx bzw. dem Ösophagus. Er enthält die Tonsillen des Waldeyer-Rachenrings, die als Teile des lymphatischen Systems eine wichtige Funktion bei der Abwehr aerogener Infektionen spielen.

Der Larynx hat eine doppelte Funktion, einerseits als Eingang zu den unteren Luftwegen und andererseits als Apparat der Stimmbildung. Kehlkopfentzündungen und maligne Tumoren können in der Klinik durch die Laryngoskopie diagnostiziert werden. Für Einordnung und Abgrenzung entzündlich-gutartiger Kehlkopferkrankungen (z.B. sog. Sänger- oder Schreiknötchen) zu Präneoplasien oder zum Kehlkopfkarzinom ist in der Regel eine sorgfältige morphologische Untersuchung der unter Sicht entnommenen Gewebeproben notwendig.

Nase und Nebenhöhlen

Äußere Nase

NaseNase:äußereDie Haut der äußeren Nase ist häufiger Sitz von Entzündungen und Neoplasien. Speziell zu erwähnen ist das schmetterlingsförmige Erythem:schmetterlingsförmigesErythem bei Lupus Lupus erythematodes:äußere Naseerythematodes. Das RhinophymRhinophym (die Kartoffelnase) entsteht durch eine akneiforme Hyperplasie der Talgdrüsen, z.B. bei Rosacea.
Die aktinische KeratoseKeratose:aktinische ist Folge der solaren Schädigung und wird mit zunehmendem Alter im häufiger. Auf dem Boden dieser Präkanzerose kann in der Folge ein Basalzellkarzinom (früher Basaliom genannt) oder ein Plattenepithelkarzinom (früher Spinaliom) entstehen.

Innere Nase und Nebenhöhlen

Kreislaufstörungen
NebenhöhlenNase:innereEine EpistaxisEpistaxis (NasenblutenNasenbluten) entsteht durch Arrosion des dichten submukösen Gefäßnetzes am vorderen unteren Nasenseptum (Locus Locus KiesselbachiiKiesselbachii) und hat zumeist keinen Krankheitswert. Seltener sind systemische Krankheiten Auslöser, z.B. maligne Tumoren oder, insbesondere bei älteren Patienten, eine arterielle Hypertonie. Differenzialdiagnostisch ist an das Osler-Rendu-Weber-Syndrom (hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie) oder an ein Hämangiom zu denken.
Entzündungen
Akute Rhinitis
Rhinitis:akuteDie akute Rhinitis Rhinitis:catarrhaliscatarrhalis (griech. coryza = Schnupfen, engl. common cold) ist eine serös-schleimige Entzündung viraler (ca. 90%), bakterieller oder allergischer Ätiologie. Häufigste lokale Erreger sind Rhinoviren. Daneben gibt es die Begleit-Rhinitis beim generalisierten Infekt (z.B. Grippe, Keuchhusten oder Masern). Es kann in der Folge zu einer zusätzlichen bakteriellen Besiedelung kommen, dann wird das Sekret schleimig-eitrig (Rhinitis Rhinitis:purulentapurulenta). Eine bakterielle Spezialform ist die diphtherische Rhinitis mit Ausbildung von Pseudomembranen. Hauptbeispiel für eine allergisch-neurovaskuläre Rhinitis:allergisch-neurovaskuläreRhinitis ist der Heuschnupfen, eine IgE-vermittelte Typ-I-Überempfindlichkeitsreaktion auf Pollenallergene.
Chronische Rhinitis
Rhinitis:chronischeDie chronische Rhinitis entsteht durch rezidivierende Infekte oder Persistenz der allergischen Noxe. Man unterscheidet die chronisch hyperplastische von der atrophen Form:
Bei der hyperplastischen Rhinitis:hyperplastischeRhinitis kommt es zur Bildung von weichen, grau-glasigen und gestielten Polypen (Abb. 23.1). Histologisch findet sich ein sklerosiertes Ödem und evtl. eine Plattenepithelmetaplasie. Reichlich eosinophile Granulozyten sprechen für eine allergische Genese.
Die chronische Inhalation exogener Noxen wie z.B. Kokain oder Chromate führt zur Atrophie der Schleimhaut und der seromukösen Drüsen (Rhinitis Rhinitis:siccasicca).
Die Wegener-Wegener-Granulomatose:RhinitisGranulomatose ist eine nekrotisierende granulomatöse Vaskulitis, die neben der Lunge und der Nieren bevorzugt den oberen Respirationstrakt befällt. Im Serum lassen sich Antikörper gegen Zytoplasmabestandteile von neutrophilen Granulozyten (c-ANCA) nachweisen.
Eine spezifische, heute seltene Form ist die chronisch granulomatöse Rhinitis bei Tuberkulose oder Syphilis mit eventueller Perforation des Nasenseptums.
Sinusitis
SinusitisHierunter versteht man eine Entzündung der Schleimhäute der Nasennebenhöhlen. Die akute Sinusitis entwickelt sich meistens durch Fortleitung einer akuten Rhinitis, seltener ist sie dentogen oder hämatogen bedingt. Sie kann chronifizieren.
Bei der chronisch hypertrophen Sinusitis können sich gestielte Polypen aus der Kieferhöhle oder den Siebbeinzellen bis zum Nasen-Rachen-Raum bilden (ChoanalpolypChoanalpolyp).
Die odontogene Kieferhöhleneiterung entsteht durch Fortleitung parodontaler eitriger Entzündungen.
Mukozele:SinusitisMukozelen entstehen bei Verschluss der Ausführungsgänge. Die Nebenhöhlen sind dann mit eingedickten Sekret- und Schleimsubstanzen angefüllt. Die bakterielle Superinfektion führt zur Pyozele.
Tumoren
Benigne Tumoren
Tumor:benignerDas Schneider'sche Schneider-PapillomPapillom ist ein benigner epithelialer TumorTumor:epithelialer der respiratorischen Schleimhaut, die embryologisch der ektodermalen Schneider'schen Membran entspricht. In einem Teil kann das humane HPV (humane Papillomviren):Schneider-PapillomPapillomvirus (HPV) oder das Epstein-Barr-Epstein-Barr-Virus:Schneider-PapillomVirus (EBV) nachgewiesen werden. Es wird das exophytische, das onkozytäre und das endophytische (= invertierte) Papillom unterschieden. Das invertierte Papillom neigt zu Rezidiven und kann maligne entarten.
Maligne Tumoren
Tumor:malignerDas sinunasale Plattenepithelkarzinom:sinunasalesPlattenepithelkarzinom entsteht meistens im Sinus maxillaris (60–70%), gefolgt von der Nasenhöhle (12–25%). Als Risikofaktoren werden Noxen wie Nickel, Textilstäube oder das Rauchen angegeben, möglicherweise liegt auch eine Assoziation mit HPV vor. Histologisch werden hauptsächlich eine verhornende und eine nicht verhornende Variante unterschieden. Ein Plattenepithelkarzinom im Nasenvorhof sollte zur Haut bzw. zur äußeren Nase gezählt werden.
Vor allem in Südostasien wird die Spezialform des lymphoepithelialen Karzinom:lymphoepithelialesKarzinoms gefunden, das EBV-assoziiert ist wie das Nasopharynxkarzinom (s.u.).
Eine weitere eigenständige Entität ist das sinunasale undifferenzierte Karzinom:sinunasales undifferenziertesKarzinom (engl. SNUC, „sino-nasal undifferentiated SNUC (sino-nasal undifferentiated carcinoma)carcinoma“), das einen hochaggressiven Verlauf aufweist und typischerweise EBV-negativ ist.
Beim Adenokarzinom:NaseAdenokarzinom gilt Holzstaubexposition als Risikofaktor. Gefährdete Berufsgruppen sind z.B. Schreiner oder Parkettleger. Dieser Tumor kann einem kolorektalen Karzinom verblüffend ähnlich sein und auch den kolonspezifischen Marker CDX2 exprimieren. In diesen Fällen spricht man vom intestinalen Typ (engl. ITAC, „intestinal type ITAC (intestinal type adenocarcinoma)adenocarcinoma“). Ihm steht die nichtintestinale Form gegenüber.
Bei den Lymphom:NaseLymphomen steht das extranodale NK/T-Zell-T-Zell-Lymphom:NaseLymphom vom nasalen Typ im Vordergrund, das stark mit EBV assoziiert ist. Dieses Lymphom wächst lokal destruktiv und wurde deshalb früher letales Mittelliniengranulom bzw. Granuloma gangraenescens genannt. In den paranasalen Sinus findet sich am häufigsten ein diffus großzelliges Non-Hodgkin-Lymphom vom B-Zell-Typ (engl. DLBCL, „diffuse large B-cell DLBCL (diffuse large B-cell lymphoma)lymphoma“), vor allem bei immunsupprimierten Patienten.
Das olfaktorische Neuroblastom:olfaktorischeNeuroblastom (= ÄsthesioneuroblastomÄsthesioneuroblastom) entsteht in der oberen Nasenhöhle im Bereich der olfaktorischen Membran bzw. der Siebbeinregion. Histologisch bilden die neuroektodermalen Tumorzellen sowohl Pseudorosetten (Homer-Wright) als auch echte Rosetten (Flexner-Winterstein).
Seltene maligne Tumoren sind Speicheldrüsenkarzinome, neuroendokrine Karzinome, Sarkome, Keimzelltumoren und, nie zu vergessen, das mukosale maligne Melanom.

Nasopharynx

Entzündungen

NasopharynxNasopharynx:EntzündungDer Nasopharynx (= EpipharynxEpipharynx, Nasenrachen) ist Teil des Waldeyer-Rings und weist ein gut entwickeltes lymphatisches Gewebe auf, dass dorsal die RachenmandelRachenmandel (= Tonsilla Tonsilla pharyngeapharyngea) ausbildet. Eine stark hyperplastische Rachenmandel wird als AdenoidAdenoid bezeichnet und führt zur Behinderung der Nasenatmung und der Ventilation der Tuba Eustachii.

Tumoren

Benigne Tumoren
Tumor:benignerNasopharyngeale Angiofibrom, nasopharyngealesAngiofibrome (= juvenile Angiofibrome, Nasen-Rachen-Fibrome) entwickeln sich als breitbasige, meist von der hinteren Rachenwand ausgehende gefäß- und zellreiche fibromatöse Tumoren bei Knaben und jungen Männern. Sie neigen zu starken rezidivierenden Blutungen.
Maligne Tumoren
Tumor:malignerDer Nasopharynx ist einer der symptomarmen, „stillen“ Ecken im menschlichen Körper und die Diagnostik deshalb häufig verzögert. Der Haupttumor in dieser Region ist das hochmaligne Nasopharynx:KarzinomNasopharynxkarzinom, das frühzeitig lymphogen und hämatogen disseminiert und lokal stark infiltrierend wächst. Ätiologisch stehen neben dem häufig im Tumor nachweisbaren Epstein-Barr-Epstein-Barr-Virus:NasopharynxkarzinomVirus eine genetische Prädisposition und noch nicht identifizierte Umgebungsfaktoren im Vordergrund, worauf eine starke regionale Häufung in Südost-China hinweist. Histologisch wurden verschiedene Varianten bzw. Einteilungen beschrieben. Der Tumor ist sehr stark entzündlich-lymphozytär durchsetzt, was die Abgrenzung gegen ein Lymphom erschwert. Der Begriff lymphoepitheliales Karzinom Typ Schmincke oder Regaud ist aber in den Hintergrund getreten. Aktuell wird das undifferenzierte, nicht verhornende Karzinom gegen das verhornende und das basaloide abgrenzt. Während das nicht verhornende Karzinom immer EBV-assoziiert ist, ist die Datenlage diesbezüglich für die beiden anderen histologischen Varianten weniger klar.
Spärliche Karzinominfiltrate können mithilfe der Immunhistochemie nachgewiesen werden. Dabei wird ein Antikörper gegen pan-Zytokeratin, ein allgemeiner Proteinmarker für epitheliale Zellen, verwendet. EBV wird in der klinischen Pathologie in erster Linie mittels In-situ-Hybridisierung (ISH) für EBER (engl. „EBV encoded early RNA“) nachgewiesen.

Oro-/Hypopharynx

Entwicklung und Fehlbildungen

OropharynxHypopharynxDer Pharynx entwickelt sich als Teil des Kopfdarms aus dem Kiemendarm. Als branchiogene Fehlbildungen werden Entwicklungsstörungen bei der Umbildung des Kiemendarms bezeichnet. Dabei unterscheidet man Halsfisteln und Halszysten, die sich aus Resten angelegter Gangstrukturen entwickeln können. Laterale äußere HalsfistelHalsfisteln resultieren aus Resten des Ductus cervicalis bzw. thymopharyngicus mit der Mündung am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus (vgl. dazu die mediane Halszyste = Thyreoglossuszyste).

Entzündungen

Pharyngitis
PharyngitisDie akute Pharyngitis ist eine oberflächliche Entzündung der Rachenschleimhaut, meist im Rahmen von Infekten der oberen und unteren Luftwege. Die chronisch rezidivierende Pharyngitis ist durch exogene Noxen wie Tabakrauch, allergische Faktoren oder Stoffwechselstörungen bedingt. Es wird die Pharyngitis hyperplastica von der Pharyngitis atrophicans et sicca unterschieden.
Tonsillitis
TonsillitisEntzündungen der Organe des Waldeyer-Rachenrings sind besonders im Kindes- und Jugendalter häufig im Rahmen von viral und bakteriell bedingten Erkrankungen der oberen Atemwege.
Erreger der akuten Tonsillitis des lymphoepithelialen Gewebes der Gaumenmandeln sind vor allem β-hämolysierende StreptokokkenStreptokokken:<03B2>-hämolysierende der Gruppe A. Krypten und lymphatisches Gewebe werden von Zelldetritus, Leukozyten und fibrinreichem Exsudat ausgefüllt. An der Oberfläche erkennt man weiße Stippchen an den Mündungen der Krypten (Tonsillitis Tonsillitis:lacunarislacunaris, Abb. 23.2).
Spezifische Infekte sind vor allem Masern:TonsillitisMasern, Diphtherie:TonsillitisDiphtherie und Scharlach:TonsillitisScharlach. Für Masern sind Warthin-Finkeldey-Warthin-Finkeldey-RiesenzelleRiesenzellen histologisch typisch. Diphtherie und Scharlach können zu schweren pseudomembranösen und ulzeronekrotisierenden Tonsillitiden führen. Ein Epstein-Barr-Virus-Epstein-Barr-Virus:TonsillitisInfekt (= infektiöse Mononukleose, „Students-Kiss-Disease“) erzeugt histologisch neben flächenhaften Nekrosen des Kryptenepithels eine bunte Hyperplasie aus kleinen und großen Lymphozyten mit teils an Hodgkin-Zellen erinnernden B-lymphozytären Blasten, die differenzialdiagnostisch von einem Lymphom abgrenzt werden müssen. Die meist einseitige pseudomembranöse Plaut-Vincent-Angina wird durch Treponema Treponema:VincentiiVincentii hervorgerufen. Eine Beteiligung der Tonsillen bei Tuberkulose oder Syphilis ist selten und wird hauptsächlich bei AIDS gesehen.

Tumoren

Benigne Tumoren
Tumor:benignerEs werden vorwiegend Papillome beobachtet. Hämangiome, Lymphangiome, Fibrome u.a. sind selten.
Maligne epitheliale Tumoren
Tumor:epithelialerMehr als 90% der malignen Tumoren im Oropharynx und Hypopharynx sind Plattenepithelkarzinome. Zungengrund und Tonsilla palatina sind häufige Lokalisationen im Oropharynx, im Hypopharynx ist es der Sinus piriformis.
PharynxkarzinomPharynxkarzinome werden meist erst in fortgeschrittenen Tumorstadien aufgrund von Schluckbeschwerden und Tumorstenosen, aber auch Blutungen oder lokalen Lymphknotenmetastasen diagnostiziert. Deshalb ist die Prognose mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von < 30% schlecht. Die Metastasierung erfolgt über die Lymphgefäße der Pharynxwand zu den retropharyngischen und tiefen zervikalen Lymphknoten.
Dominante Risikofaktoren sind Tabakrauchen oder -kauen sowie Alkohol bzw. die Kombination der beiden. Bei jüngeren Patienten ist HPV ein neuer wichtiger Faktor. HPV-induzierte Karzinome, z.B. in den Tonsillenkrypten, scheinen gegenüber Tabak/Alkohol eine bessere Prognose zu haben.
Die genaue Lokalisationsangabe ist aufgrund deutlicher prognostischer Unterschiede wichtig. Insbesondere sollen Oropharynxkarzinome gegen Mundhöhlenkarzinome abgegrenzt werden, wobei die anatomischen Grenzen aber durch das Tumorwachstum überschritten werden können.
Insbesondere die basaloiden und nicht verhornenden Plattenepithelkarzinome sind häufig HPV-assoziiert. HPV kann mittels PCR und direkter Sequenzierung zuverlässig nachgewiesen und typisiert werden. Alternativ sind verschiedene RNA-basierte Methoden verfügbar. Die Immunhistochemie mit Antikörpern wie z.B. „HPV screen“ oder „HPV high risk“ ist weniger zuverlässig.
Lymphome
Lymphom:TonsillentumorenEtwa 5% der bösartigen Tonsillentumoren betreffen maligne Lymphome. Bevorzugt sind die Gaumenmandeln betroffen.
Halslymphknoten
Lymphknoten:HalsHals:LymphknotenKlinisch häufig ist eine auf Malignität verdächtige Halslymphknotenschwellung, deren Primärtumor unbekannt ist. Ein solcher Befund wird mit der CT oder der PET-CT und oberer Panendoskopie abgeklärt. Verdächtige Stellen werden biopsiert und histopathologisch untersucht. Hierbei ist zu beachten, dass Karzinome subepithelial unterminierend wachsen können oder wie in der Tonsille in der Tiefe der Krypten liegen.
Die FNP (Feinnadelpunktion, engl. FNA, „fine needle aspiration“) hat eine hohe Treffsicherheit und Zuverlässigkeit bei der Diagnostik von Lymphknotenmetastasen eines Plattenepithelkarzinoms. Sie kann unter Ultraschallkontrolle ambulant durchgeführt werden.
Bei der radikalen Entfernung der Halslymphknoten („neck dissection“) sind verschiedene Radikalitätsstufen bzw. Kompartimente möglich. Neuerdings wird alternativ der Sentinel-Lymphknoten in engen Stufen von 200 Mikrometern Schnittdicke immunhistochemisch auf Tumoreinzelzellen oder Mikrometastasen untersucht.

Larynx

Fehlbildung

LarynxUnter einer LaryngozeleLaryngozele versteht man eine angeborene oder erworbene Erweiterung des Ventriculus laryngis Morgagni (Sacculus laryngis).

Traumen

Schäden am N. recurrensNervus:recurrens führen zu einer Fixierung der Stimmbänder in Median- oder Paramedianstellung und damit zur Heiserkeit, Stridor oder Atemnot. Die Aspiration von großen Larynx:FremdkörperFremdkörper:LarynxFremdkörpern wie Fleischstücken oder Gebissprothesen führt zum Bolustod (griech. bolos = Klumpen, Kloß). Kleinere Fremdkörper wie Fischgräten verfangen sich im Ventriculus Morgagni. Nach Bestrahlung können Knorpelnekrosen auftreten.

Ödem und Entzündung

Larynxödem
Ödem:LarynxLarynx:ÖdemLarynx:EntzündungenDie besondere Schwellfähigkeit der Larynxschleimhaut am Kehlkopfeingang kann bei vermehrter Flüssigkeitseinlagerung (Ödem) im Rahmen von allergischen Reaktionen, z.B. nach Bienenstich, rasch zu Luftnot mit Erstickungssymptomatik führen. Eine Sonderform ist das angioneurotische Quincke-Ödem, das anfallsartig nach leichter Schleimhautreizung durch Histaminfreisetzung bei C1-Esterase-Mangel des Komplementsystems auftritt. Ebenso gefürchtet ist die entzündlich-ödematöse Reaktion nach Verbrennung, Verätzung oder Verbrühung.
Akute Laryngitis
LaryngitisVirale und bakterielle Infektionen, mechanische Reize und chemische Noxen wie Tabakrauch können eine unspezifische akute Laryngitis verursachen.
Der PseudokruppPseudokrupp, charakterisiert durch den bellenden Husten, ist eine akute, rezidivierende und stenosierende Entzündung der subglottischen Kehlkopfregion bei Kleinkindern, die vor allem in den Wintermonaten durch Parainfluenzaviren hervorgerufen wird. Er muss differenzialdiagnostisch vom echten pseudomembranösen Diphtherie-Krupp und von einer Haemophilus-influenzae-EpiglottitisHaemophilus:influenzae abgegrenzt werden. Influenzaviren führen zur GrippelaryngitisGrippelaryngitis.
Chronische Laryngitis
Eine chronisch unspezifische Laryngitis entwickelt sich hauptsächlich durch fortgesetzte Schleimhautreizung bei Rauchern.
Als SängerknötchenSängerknötchen bezeichnet man eine polypöse Schleimhautverdickung des mittleren Stimmbanddrittels mit Stromaödem. Ursache ist eine stimmliche Überbelastung, die zur Namensgebung geführt hat (Sänger, Redner). Die Veränderungen treten oft symmetrisch an beiden Stimmbändern auf.
StimmbandpolypPolyp:StimmbandStimmbandpolypen andererseits sind meist isolierte, gestielte und stark vaskularisierte, aus Granulationsgewebe bestehende knötchenförmige Verdickungen im Schleimhautbereich der Taschenbänder oder im Ventriculus Morgagni. Sie sind Folge einer überschießenden Reaktion auf Schleimhautdefekte, z.B. nach Intubation und Beatmungstherapie (sog. Intubationsgranulome). Solche intensivmedizinischen Behandlungen können auch zu Kontaktulzera führen.
Eine spezifische chronische Laryngitis ist die Tuberkulose:KehlkopfKehlkopftuberkuloseKehlkopftuberkulose, meist sekundär durch kanalikuläre Ausbreitung einer kavernösen Lungentuberkulose entstanden (sog. sputogene Ausbreitung). Bevorzugte Lokalisation ist die Larynxhinterwand. Wie im „Zauberberg“ von Thomas Mann eindrücklich im Fall von Hans Castorps Vetter Joachim Ziemßen beschrieben, hatte die „Laryngea“ früher eine sehr schlechte Prognose.

Tumoren

Benigne Tumoren
Papillom:KehlkopfLarynx:TumorenKehlkopfpapillomTumor:benignerKehlkopfpapillome (Abb. 23.3) mit exophytischem blumenkohlartigem Wachstum bestehen aus einem bindegewebigen, gefäßführenden Stroma mit einem oberflächlichen, wechselnd breiten mehrschichtigen Plattenepithel. Es gibt die juvenile und die adulte Form.
Der juvenilen Papillomatose:juvenilePapillomatose liegt ätiologisch eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV-Viren Typ 11 oder 6) zugrunde. Das verbreiterte mehrschichtige Plattenepithel weist in den oberflächlichen Zellen perinukleäre zytoplasmatische Vakuolen (Koilozyten) und Doppelkerne auf. Die juvenile Papillomatose rezidiviert postoperativ häufig. Nach der Pubertät nimmt die Rezidivneigung ab.
Papillome des Erwachsenenalters entwickeln sich häufig isoliert. Sie bestehen aus einem vaskularisierten Bindegewebsgerüst mit verhornendem Plattenepithel. Epitheldysplasien sind als Präneoplasien zu werten, Übergänge in Plattenepithelkarzinome sind aber selten (5%).
Leuko- und Erythroplakie
Erythroplakie:LarynxAls Leukoplakie:LarynxLeukoplakie wird generell der deskriptive klinische Befund einer grauweißen Verfärbung der Schleimhautoberfläche verstanden. Im Gegensatz dazu nennt man eine rötliche Verfärbung Erythroplakie, die wesentlich seltener, aber häufiger bösartig ist. Es gibt auch Mischformen (Erythroleukoplakie). Hinter diesen Begriffen verbergen sich morphologisch unterschiedliche Befunde, die von einer reaktiven-traumatischen oder infektiösen Hyper-/Parakeratose z.B. bei Candida-Pilzen bis zu frühen Entwicklungsphasen von Karzinomen reichen.
Die einfache Leukoplakie der Stimmbänder zeigt sich als weißlicher Schleimhautfleck und ist eine bevorzugte Lokalisation für die Entwicklung von Stimmbandkarzinomen. Sie besteht histologisch aus einer Verbreiterung der Stachelzellschicht (Akanthose) sowie oberflächlicher Hyperkeratose des normalerweise im Stimmbandbereich unverhornten Plattenepithels.
Maligne Tumoren
Tumor:malignerDas innere LarynkarzinomLarynkarzinom wird topografisch in 3 Etagen unterteilt:
  • GlottiskarzinomGlottiskarzinom: Dieses Karzinom ist mit mehr als 60% der häufigste KehlkopfkrebsKehlkopfkrebs und hat als Ausgangspunkt die Stimmbänder. Histologisch handelt es sich in > 95% um Plattenepithelkarzinome. Initial besteht eine plattenartige weiße Stimmbandverdickung. Endophytisches und meist auch exophytisches Wachstum führen zu Ulzerationen und Zerstörung umgebender Kehlkopfstrukturen. Die Metastasierung erfolgt zunächst in die lokalen Lymphknoten. Fernmetastasen treten erst in fortgeschrittenen Tumorstadien auf.

  • Supraglottisches Karzinom:supraglottischesKarzinom: Dieses Karzinom nimmt seinen Ausgang von den Taschenbändern oder der laryngealen Epiglottisseite. Bei Diagnosestellung sind bereits in 50% der Fälle Lymphknotenmetastasen vorhanden.

  • Subglottisches Karzinom:subglottischesKarzinom: Dieser Tumor ist relativ selten und führt bei lokaler Ausbreitung zu einer frühzeitigen Infiltration des Ringknorpels.

Von diesen inneren Kehlkopfkarzinomen wird das „äußere Kehlkopfkarzinom“, das Hypopharynxkarzinom, in der Übergangsregion von Pharynx zu Ösophagus abgegrenzt.

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